Georg Frank – Vier Tore im Schnee

Vier Länderspiele sind keine Karriere, sagt man. Georg Frank machte trotzdem eine daraus. Fünf Tore in vier Spielen, vier davon an einem einzigen Nachmittag im Schnee von Mannheim, dazu das Siegtor beim ersten deutschen Sieg über Italien. Mehr Einsätze bekam er nicht, denn auf seiner Position stand ein Mann, den man in Europa für den besten Halbstürmer hielt. In Fürth dagegen war der »Allan« fast zwei Jahrzehnte gesetzt.

Zeitstrahl: Georg Franks Laufbahn · 1926–1944
Georg Franks Laufbahn · 1926–1944
»Der wertvollste Sieg war zweifellos das 2:1 am 28. April 1929 in Turin gegen Italien, wobei ›Heiner‹ Stuhlfauth im deutschen Gehäuse Superleistungen vollbrachte, während der Fürther Georg Frank den Siegestreffer erzielte.«
Libero, 1993

Vom Turnverein zum Kleeblatt

Kicker Bilderwerk, Nummer 72, Georg Frank (SpVgg Fürth)
Georg Frank auf einem Sammelbild des Kicker-Bilderwerks (Nr. 72)

Georg Frank kommt am 14. Dezember 1907 in Fürth zur Welt. Fußball lernt er nicht gleich bei der großen Spielvereinigung, sondern beim TV Fürth 1860 und danach beim FC Fürth. 1926 landet er dann doch am Ronhof.

Das Timing ist bemerkenswert. Die SpVgg ist gerade zum zweiten Mal Deutscher Meister geworden, und der 18-Jährige schaut bei diesem Titel noch zu. Doch es dauert nur ein paar Monate. Die Kleeblatt-Chronik nennt ihn einen »hochveranlagten Youngster«, und der Youngster erobert sich die halblinke Position. Sein erstes Spiel für die Erste bestreitet er laut Wikipedia am 5. Dezember 1926 auf einer Spanienreise, 1:0 gegen den FC Barcelona. Kein schlechter Anfang für einen, der vorher beim Turnverein kickte.

Danach geht es schnell. Im Mai 1927 schießt er in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft in Breslau das 1:0 beim 3:1 gegen die Sportfreunde. Im Süddeutschen Pokal gewinnt Fürth 1927 das Finale gegen den FSV Frankfurt 3:0, und laut Wikipedia fallen alle drei Tore durch Frank. Im Oktober 1927 ruft ihn Reichstrainer Otto Nerz zum ersten Mal in die Nationalelf. In Kopenhagen verliert Deutschland 1:3 gegen Dänemark, Frank steht laut Aufstellung am linken Flügel. Es ist ein Debüt, über das niemand lange spricht.

Der Mann mit dem Groschenroman-Namen

Seinen Spitznamen verdankt Frank einem Heft vom Kiosk. In den Zwanzigern verschlang die Jugend die Detektivserie Frank Allan, der Rächer der Enterbten, erschienen im Berliner Verlag Vogel & Vogel. Die Freunde drehten den Namen einfach um, aus Georg Frank wurde »Allan« Frank. So erzählen es die Kleeblatt-Chronik und das FürthWiki. Ein Rächer der Enterbten war er auf dem Platz wohl nicht, eher ein Schrecken der Torhüter.

Das Nationalspieler-Lexikon von 1939 führt ihn als »Halblinks und Linksaußen«, im Beruf als städtischen Angestellten. Seine Zahlen in Fürth sind beeindruckend. Rechnet man die Saisontabelle der Kleeblatt-Chronik zusammen, kommt man auf 286 Ligaspiele und 200 Ligatore. In der Saison 1929/30 allein stehen 40 Tore in 26 Spielen. Wikipedia spricht vom »Angreifer mit dem kräftigen Schuss«.

Warum dann nur vier Länderspiele? Die Antwort heißt Richard Hofmann. Der Dresdner galt als bester Halbstürmer Europas und spielte genau dort, wo Frank am liebsten stand. Gegen so einen hat auch ein Vierfach-Torschütze schlechte Karten.

Den ganz großen Vereinstitel holt Frank trotzdem. Im Endspiel am 28. Juli 1929 in Nürnberg schlägt Fürth Hertha BSC 3:2, und Frank schießt in der 66. Minute das 2:1. Auf dem Weg dorthin hatte er schon gegen Fortuna Düsseldorf doppelt und beim 2:0 in Altona gegen den HSV getroffen. Die Geschichte dieses Endspiels erzählt ausführlich die Biografie von Hans Hagen. Franks eigener großer Tag lag ein halbes Jahr früher.

Der große Tag: Vier Tore im Schnee (Februar 1929)

Sonntag, 10. Februar 1929, Mannheim. Es ist bitterkalt. Eine Geschichte der Nationalmannschaft spricht von minus fünf Grad, der Platz im Mannheimer Stadion ist mit Schnee bedeckt. Trotzdem kommen 30.000 Zuschauer. Deutschland empfängt die Schweiz, Schiedsrichter ist der Däne Lauritz Andersen.

Für Frank ist es erst das zweite Länderspiel, fast anderthalb Jahre nach der Pleite von Kopenhagen. Er ist 21 Jahre alt. Ganz allein ist er nicht: Mit Georg Knöpfle und Ludwig Leinberger stehen zwei Fürther Vereinskameraden in der Läuferreihe hinter ihm. Im Sturm spielen Reinmann, Sobek, Kapitän Pöttinger, Frank und Ludwig »Wiggerl« Hofmann vom FC Bayern am linken Flügel.

Nach acht Minuten steht es 1:0, Torschütze Frank. Hanne Sobek von Hertha legt in der 23. Minute nach. Kurz vor der Pause, in der 45. Minute, trifft wieder Frank zum 3:0. Nach dem Wechsel schraubt Pöttinger auf 4:0 (57.), und dann gehört das Spiel endgültig dem Fürther: 5:0 in der 61. Minute, 6:0 in der 72. Minute. Vier Tore in einem Länderspiel, und das auf Schnee. Der Schweizer Torhüter Frank Séchehaye stand laut IFFHS »immer wieder« im Brennpunkt. Max Abegglen gelingt in der 74. Minute noch das Ehrentor, Sobek stellt in der 83. Minute den Endstand her.

Spielkarte: Deutschland gegen Schweiz 7:1 · vier Tore von Georg Frank
Deutschland gegen Schweiz 7:1 · vier Tore von Georg Frank

Das 7:1 war Deutschlands höchster Länderspielsieg seit 1912. Gegen die Schweiz ist es bis heute der höchste Sieg überhaupt. Die Chronisten der Nationalelf loben besonders das Zusammenspiel auf links: Frank habe mit »Wiggerl« Hofmann »ein fast blindes Verständnis« gezeigt.

Eine kleine Pointe liefert der Kalender. Sobek, der an diesem Tag neben Frank stürmte und zweimal traf, schoss ein halbes Jahr später im Endspiel auch zwei Tore. Da allerdings für Hertha, gegen Frank. Genützt hat es ihm nicht.

Und Frank legte nach. Elf Wochen später, am 28. April 1929 in Turin, erzielte er in der 80. Minute das 2:1 gegen Italien. Es war der erste Sieg einer deutschen Mannschaft über die Squadra Azzurra. Danach folgte nur noch ein Länderspiel, das 0:2 gegen Italien im März 1930 in Frankfurt.

»Diese Schlappe löste im Schweizer Fussball einen moralischen Tiefpunkt aus.«
IFFHS, Schweiz 1905–1940

Titel, Ehrennadel und ein Tod im Krieg

In der Spielvereinigung blieb Frank eine Konstante. 1931 wurde Fürth Süddeutscher Meister, 1935 Meister der Gauliga Bayern. Im Sommer 1933 stand er in der bayerischen Gau-Auswahl, die den erstmals ausgespielten, damals nach Hitler benannten Pokal der Gau-Auswahlmannschaften gewann. In der Wiederholung des Finales am 6. August 1933 in München schoss er vor 30.000 Zuschauern das 1:0 beim 6:1 gegen Brandenburg.

Am 24. Juli 1938 verlieh ihm der Verein die Goldene Ehrennadel. Zu diesem Zeitpunkt hatte er 547 Spiele für die Spielvereinigung bestritten.

Dann kam der Krieg. Laut FürthWiki wurde Frank 1939 eingezogen. Ganz verschwand er nicht vom Ronhof: Die Chronik verzeichnet noch vereinzelte Ligaspiele bis 1941. Sein letzter Auftritt in der ersten Mannschaft war laut FürthWiki am 9. Januar 1944, während eines Fronturlaubs.

Georg Frank starb am 13. November 1944, mit 36 Jahren. Über die Umstände gibt es unterschiedliche Angaben. Die Kleeblatt-Chronik schreibt, er sei in Russland von den eigenen Leuten erschossen worden. Das FürthWiki formuliert vorsichtiger, er sei an der Ostfront »vermutlich« von den eigenen Truppen getötet worden. Wikipedia nennt als Todesort Skarżysko-Kamienna im damals besetzten Polen. Einen Beleg für die Umstände seines Todes liefert keine der Quellen. Sein Grab liegt laut FürthWiki auf der Kriegsgräberstätte in Siemianowice Śląskie in Polen.

Georg Frank auf einen Blick

Geboren: 14.12.1907 in Fürth
Gestorben: 13.11.1944, laut Wikipedia bei Skarżysko-Kamienna (Polen)
Spitzname: »Allan«
Vereine: TV Fürth 1860, FC Fürth (bis 1926), SpVgg Fürth (1926–1944)
Position: Halblinks, auch Linksaußen
Titel: Deutscher Meister 1929, Süddeutscher Pokalsieger 1927, Süddeutscher Meister 1931, Gauliga-Meister Bayern 1935
Bilanz: laut Kleeblatt-Chronik 286 Ligaspiele und 200 Ligatore, insgesamt 547 Spiele bis 1938; 4 Länderspiele, 5 Tore (1927–1930)
Beruf: Städtischer Angestellter

Quellen

Kleeblatt-Chronik: Georg Frank · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft · Libero D 6/7 (1993) · IFFHS: Schweiz 1905–1940 · Kicker-Almanach 1996 · Libero D 17 (1998), Gau-Auswahl-Wettbewerbe · DFB-Datencenter: Deutschland – Schweiz 1929 · DFB-Datencenter: Italien – Deutschland 1929 · DFB-Datencenter: Dänemark – Deutschland 1927 · Wikipedia: Georg Frank (Fußballspieler) · FürthWiki: Georg Frank · Wöchentliches Verzeichnis 1921 (Frank-Allan-Hefte) · fussballdaten.de: Deutschland – Schweiz