✣ Kleeblattmuseum Fürth
Staging-Vorschau – nicht auf der Live-Site veröffentlicht

Familienbiografien – 95 Textfassungen

Redaktionelle Sammlung für die Schlusskontrolle. Nur Text und verlinkte Quellen, keine Bilder. Die Biografien wurden in früheren Arbeitsschritten als Kurzfassungen freigegeben; eine vollständige erneute Prüfung jedes Satzes gegen die Originalquellen wurde in diesem Export nicht durchgeführt.

95 Biografien

Adele Ottenstein, geborene Sahlmann BIO-044

Adele Ottenstein, geborene Sahlmann

Personen-ID: BIO-044 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Von der Fürther Familie Sahlmann nach Nürnberg

Adele Sahlmann wurde 1863 in Fürth als Tochter des Kaufmanns Moritz Sahlmann und seiner Frau Fanny, geborene Sulzbacher, geboren. Die Familie war aus dem Raum Burghaslach nach Fürth gekommen und dort im Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen tätig. Adele gehörte damit zu einer Generation, in der sich Familienbindungen zwischen Fürth, Nürnberg und den umliegenden Handelsorten verdichteten.

1885 heiratete sie Max Ottenstein, der später zusammen mit Max Frankenburger die Victoria-Werke in Nürnberg begründete. Das Unternehmen entwickelte sich vom Fahrradbau zu einem bedeutenden Betrieb der Zweiradindustrie. Der Sohn Rudolf Ottenstein wurde 1889 in Nürnberg geboren und führte den technischen Zweig des Familienunternehmens später mit.

Adele starb 1913 in München. Zwei genealogische Veröffentlichungen weichen bei ihrem Geburtstag voneinander ab. Die übereinstimmend belegten Lebensstationen, ihre Eheschließung und ihre Stellung im Unternehmerfamiliennetz lassen sich dennoch darstellen, ohne den strittigen Tag zu veröffentlichen.

Quellen

Adolf (Abraham) Wassermann BIO-082

Adolf (Abraham) Wassermann

Personen-ID: BIO-082 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Adolf, auch Abraham Wassermann genannt, wurde 1844 geboren und stammte aus Zirndorf. 1869 zog er nach Fürth. In der Rosenstraße eröffnete er mit seinem Bruder eine Kurzwarenhandlung. Später versuchte er sich an weiteren kaufmännischen und gewerblichen Unternehmungen, jedoch ohne dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg. Seine Lebensgeschichte unterscheidet sich damit von der großer Fürther Industrieunternehmer.

Adolf heiratete Henriette Traub, genannt Jette, die Mutter des späteren Schriftstellers Jakob Wassermann. Die Familie wohnte zeitweise in der Alexanderstraße. In der literarischen Erinnerung des Sohnes erscheint der Vater als Mann mit geschäftlichen Hoffnungen und wiederholten Enttäuschungen. Diese subjektive Darstellung darf nicht als unabhängiger Geschäftsbericht gelesen werden.

Adolf Wassermann starb 1901. Sein Leben zeigt die wirtschaftliche Unsicherheit kleiner jüdischer Gewerbetreibender und die Herkunftsverhältnisse, die später in Jakob Wassermanns Werk literarisch verarbeitet wurden.

Quellen

Adolf Heymann BIO-010

Adolf Heymann

Personen-ID: BIO-010 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Adolf Heymann (1852–1920) gehörte mit seinen Brüdern Leopold und Sigmund zur Unternehmergeneration, die aus dem Handelsumfeld ihres Vaters Jonas einen industriellen Betrieb machte. Gemeinsam gründeten die Brüder eine mechanische Gummibandweberei und Hosenträgerfabrik. Der Betrieb wuchs aus der Königstraße hinaus; weitere Standorte lagen in der Salzstraße und an der Schwabacher Straße.

Die Familie ließ 1888 ein repräsentatives Haus in der Blumenstraße 3 errichten. Das neue Fabrikgebäude von 1905 an der Schwabacher Straße wurde vom Fürther Architekten Adam Egerer geplant. Adolf erhielt wie sein Bruder Sigmund den Titel Kommerzienrat. Mitglieder der Familie unterstützten die Fürther Wohlfahrtspflege, die Bibliothek im Berolzheimerianum und weitere Einrichtungen.

Adolfs Biografie ist deshalb nicht als Geschichte eines alleinigen Unternehmenseigentümers zu erzählen. Die Expansion beruhte auf gemeinschaftlicher Arbeit innerhalb einer großen Unternehmerfamilie; auch die Stiftungen waren Familienleistungen, deren einzelne Anteile noch näher zu erforschen sind.

Quellen

Albert Berneis BIO-077

Albert Berneis

Personen-ID: BIO-077 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Albert Berneis (1853–1924) gehörte zur zweiten Generation einer Fürther Kaufmannsfamilie. Gemeinsam mit seinem Bruder Louis übernahm er nach dem Tod des Vaters Bärmann Berneis den Familienhandel für Woll- und Kurzwaren. 1875 gründeten die Brüder eine Schuhfabrik, die nach dem Vater den Namen »B. Berneis« trug. Der Großhandel blieb daneben zunächst bestehen.

Das neue Unternehmen verband maschinelle Fertigung mit Aufträgen, die an Heimarbeiter in die Region vergeben wurden. Für die Erweiterung der Produktion gewann die Familie 1880 den verwandten Unternehmer Nathan Krautheimer als Beteiligten; in der Gebhardtstraße entstand ein neuer Fabrikstandort. Die Geschichte Alberts erklärt damit, wie aus Fürther Handelskapital, familiären Partnerschaften und neuen Herstellungsverfahren eine regional vernetzte Schuhindustrie entstand. Seine genaue Rolle in späteren Unternehmensgremien wird erst nach Handelsregisterprüfung ausführlicher dargestellt.

Quellen

Albert Rosenfelder BIO-013

Albert Rosenfelder

Personen-ID: BIO-013 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Unternehmer, Offizier und Bilderbuchfabrikant

Albert Rosenfelder wurde 1864 in Fürth geboren und war Mitinhaber der Löwensohnschen Kunstanstalt. Das Unternehmen stand in einer langen Fürther Tradition von Druck, Bilderbüchern und lithografischen Erzeugnissen. Seine berufliche Laufbahn verband somit die lokale Industrie mit einem überregionalen Markt für Druckerzeugnisse.

Rosenfelder war zugleich als Offizier der Landwehr tätig. Nach seiner Verabschiedung als Oberleutnant 1904 meldete er sich mit Beginn des Ersten Weltkriegs erneut freiwillig zum Militär. Er wurde zum Hauptmann befördert und kommandierte ein Feldrekrutendepot. Am 1. Juli 1916 kam er auf dem Exerzierplatz Hainberg durch einen Schussunfall ums Leben. Bei seiner Beerdigung am 3. Juli waren ranghohe Militärvertreter anwesend.

Ein zeitgenössischer Nachruf in der Zeitschrift „Im deutschen Reich“ belegt die militärischen Stationen und die Todesumstände. Der Artikel zeigt die ungewöhnliche Verbindung zwischen Fürther Industriegeschichte und dem Militärdienst während des Ersten Weltkriegs.

Quellen

Albert Wassermann (Sohn Jakobs) BIO-087

Albert Wassermann (Sohn Jakobs)

Personen-ID: BIO-087 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Albert Wassermann wurde am 4. Dezember 1901 in Wien geboren. Er studierte Chemie in Wien und München und promovierte 1926. Seine wissenschaftliche Laufbahn führte ihn zunächst an die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, danach an Forschungseinrichtungen in Heidelberg und Karlsruhe. An der Technischen Hochschule Karlsruhe lehrte er Anfang der 1930er-Jahre als Privatdozent.

Im April 1933 verlor Wassermann wegen seiner jüdischen Herkunft seine Stelle. Er ging nach Großbritannien und setzte seine wissenschaftliche Arbeit am University College London fort. Nach weiteren Lehrtätigkeiten gehörte er dort ab 1945 zum wissenschaftlichen Lehrkörper. 1958 wurde er zum außerordentlichen Professor für Chemie ernannt. Die erzwungene Emigration unterbrach seine deutsche Karriere, beendete aber nicht seine Forschung.

Albert Wassermann starb am 2. Oktober 1971 in Aarsele in Belgien. Seine Lebensdaten sind sowohl in den wissenschaftlichen Normdaten als auch in einer biografischen Darstellung des Karlsruher Instituts für Technologie überliefert. Der Fall zeigt, wie die Verfolgung jüdischer Wissenschaftler die Entwicklung deutscher Hochschulen beeinflusste und Wissen und Karrieren ins Ausland verlagerte.

Quellen


Neu geprüfte Fassungen v459 (18)

Alfred Feilchenfeld BIO-009

Alfred Feilchenfeld

Personen-ID: BIO-009 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Der Pädagoge und Historiker Alfred Feilchenfeld wurde 1860 in Düsseldorf geboren. Vor seiner Fürther Zeit unterrichtete er an jüdischen Bildungseinrichtungen in Frankfurt am Main und Hamburg. Um 1900 übernahm er die Leitung der Israelitischen Realschule in Fürth, der er bis zu seinem Tod 1923 verbunden blieb.

Die Schule verband allgemeinen Unterricht und kaufmännische Ausbildung mit jüdischer Geschichte und Religionslehre. Zeitgenössische Schulberichte belegen Feilchenfelds Tätigkeit als Direktor, etwa eine Anzeige von 1903 und die Berichte über Schulschlussfeiern. Er widmete sich zugleich der jüdischen Geschichtsschreibung und machte historische Texte einem breiteren Lesepublikum zugänglich. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört die Bearbeitung der Erinnerungen der Glückel von Hameln. Feilchenfeld starb am 15. Juli 1923 in Berlin. In der Fürther Bildungsgeschichte steht er für eine jüdische Schule, die eigenständige religiöse Tradition mit den Anforderungen einer modernen höheren Lehranstalt verband.

Quellen

Alfred Louis Nathan BIO-008

Alfred Louis Nathan

Personen-ID: BIO-008 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Der 1870 in Fürth geborene Jurist und Stifter Alfred Louis Nathan entstammte der Familie des Bankiers Sigmund Nathan und seiner Frau Amalie. Er schlug zunächst die juristische Laufbahn ein, verlegte jedoch aufgrund gesundheitlicher Probleme seinen Lebensmittelpunkt nach Bad Reichenhall. Die Mittel aus seinem Familienvermögen setzte er zunehmend für wohltätige und kulturelle Vorhaben ein.

In Fürth ist sein Name bis heute mit dem Nathanstift verbunden. 1906 stellte er 300.000 Mark für ein Wöchnerinnen- und Säuglingsheim bereit. Dieses sollte die geburtshilfliche Versorgung verbessern und die Säuglingssterblichkeit verringern. Das Heim erinnerte mit seinem Namen zugleich an Nathans Eltern. Während der NS-Zeit wurde der jüdische Stiftername getilgt; nach 1945 erhielt die Einrichtung ihren Namen zurück. Seit 1967 ist das Nathanstift in die Frauenklinik des Klinikums Fürth integriert. Nathan starb am 9. Oktober 1922 in Bad Reichenhall. Die Geschichte seiner Stiftung zeigt, wie jüdische Wohltätigkeit die städtische Gesundheitsversorgung prägte – und wie ihre Erinnerung zeitweilig verdrängt wurde.

Quellen

Alice Mailaender, geborene Bloch BIO-018

Alice Mailaender, geborene Bloch

Personen-ID: BIO-018 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Alice Mailaender, geborene Bloch (1865–1959), war mit dem Fürther Brauereibesitzer Paul Mailaender verheiratet. Zu ihren Kindern gehörten Lucy, die später unter dem Namen Lucy Malden Kinderbücher schrieb, und Fritz, der sich nach 1945 für die Rückgabe des Familienunternehmens einsetzte. Alice erlebte nach dem Tod ihres Mannes die nationalsozialistische Verfolgung und die Zerschlagung der wirtschaftlichen Existenz der Familie.

Eine ausführliche biografische Dokumentation aus Hamburg berichtet, dass Alice im März 1940 ein Visum für die Schweiz erhielt. Daraus darf nicht ohne weitere Reiseunterlagen auf eine genau am selben Tag erfolgte Einreise geschlossen werden. In der Nachkriegszeit kehrte sie mit Angehörigen nach Fürth zurück. Das Familienunternehmen wurde nach langwierigen rechtlichen Verfahren wieder an die Familie übertragen.

Auch wenn über Alices eigene berufliche Tätigkeit derzeit nur wenig bekannt ist, ist ihre Lebensgeschichte nicht auf eine Randnotiz im Artikel ihres Sohnes zu reduzieren. Sie verbindet die Vorkriegsfamilie mit Flucht, Nachkriegsrückkehr und Rückerstattung.

Quellen

Anna Steuerwald-Landmann BIO-091

Anna Steuerwald-Landmann

Personen-ID: BIO-091 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Anna Steuerwald-Landmann wurde 1892 in Fürth geboren. Sie studierte soziale und geisteswissenschaftliche Fächer und wandte sich früh der Jugendhilfe zu. In Nürnberg war sie als Sozialarbeiterin und in der Jugendgerichtshilfe tätig, wo sie neue Möglichkeiten für Beratung und Betreuung junger Menschen mitgestaltete. Darüber hinaus engagierte sie sich für Frauenrechte, politische Bildung und den Frieden.

Ihr öffentliches Wirken geriet durch Antisemitismus und nationalsozialistische Verfolgung unter Druck. Im Januar 1939 emigrierte sie mit ihrer Familie nach Chile. Dort musste sie ihren Lebensunterhalt unter schwierigen Bedingungen neu organisieren und arbeitete später auch im Umfeld der deutschsprachigen Exilpresse. 1947 kehrte sie nach Nürnberg zurück und beteiligte sich erneut an Bildungsarbeit und öffentlichen Debatten. Sie starb 1980. Ihre Biografie verbindet das soziale Engagement der Weimarer Zeit mit Flucht, Exil und demokratischem Neubeginn nach 1945.

Quellen

Anton Sahlmann BIO-031

Anton Sahlmann

Personen-ID: BIO-031 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Anton Sahlmann (1834–1909) gehörte zu den erfolgreichen jüdischen Hopfenhändlern Fürths. Sein wirtschaftlicher Aufstieg war eng mit dem internationalen Handel des 19. Jahrhunderts verbunden. Auf dem Bahnhofplatz ließ die Familie 1867 eine stattliche Villa errichten. Das Gebäude war Ausdruck ihres gesellschaftlichen Ansehens und wurde zu einem Ort repräsentativer Begegnungen.

Als Prinz Ludwig 1906 Fürth besuchte, übernachtete er in der Sahlmann-Villa. Die Erinnerung an diesen Besuch überliefert unter anderem ein Brief von Antons Ehefrau Marie an einen Sohn. Auch die Stadtgeschichte behandelt ihn als Beispiel für die gesellschaftliche Stellung jüdischer Unternehmer in Fürth vor dem Ersten Weltkrieg.

Die Villa wurde trotz Protesten der Denkmalpflege später abgerissen. Anton Sahlmanns Leben verbindet damit den wirtschaftlichen Aufstieg der Hopfenhandelsstadt Fürth mit der Geschichte einer nahezu verschwundenen Stadtarchitektur. Weitergehende Angaben zu den einzelnen Ehen und Kindern werden erst nach dem Abgleich der standesamtlichen Unterlagen ergänzt.

Quellen

Arthur Oscher Rosenau BIO-024

Arthur Oscher Rosenau

Personen-ID: BIO-024 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Arthur Rosenau wurde am 3. Januar 1901 in München geboren. Er war der Sohn des Juweliers Simon Hermann Rosenau und dessen zweiter Frau Paula, geborene Feuchtwanger aus Fürth. Seine Halbgeschwister Ida, Hermann Sigmund und Felicie stammten aus der ersten Ehe des Vaters mit Luise Feuchtwanger. Die Familie verbrachte die Wintermonate in München und die Kursaison in Bad Kissingen.

In den späten 1920er-Jahren war Arthur gemeinsam mit seinem Halbbruder Hermann Sigmund am Juweliergeschäft beteiligt. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde die Familie bedroht. Arthur emigrierte 1933 in die Schweiz; für Oktober ist ein Aufenthalt in Zürich dokumentiert. Seine Eltern und mehrere Angehörige suchten Zuflucht in Frankreich und wurden später deportiert.

Arthur Rosenau überlebte die Verfolgung und starb 1966 in München. Seine Lebensgeschichte unterscheidet sich damit von der seines ermordeten Vaters und seines Halbbruders. Die Familienverhältnisse werden im Personenregister nach erster und zweiter Ehe des Vaters getrennt geführt.

Quellen

Benjamin Feuchtwanger BIO-055

Benjamin Feuchtwanger

Personen-ID: BIO-055 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Vom elterlichen Silberwarengeschäft zum Bankiersnetzwerk

Benjamin Feuchtwanger wurde 1841 in Fürth als Sohn des Silberwarenhändlers Seligmann Feuchtwanger und seiner Frau Fanny geboren. Als sein Vater 1852 starb, war Benjamin noch ein Kind. Die Familienhistorikerin Heike Specht beschreibt, wie die verwitwete Mutter den Laden und die Verantwortung für die Ausbildung der jüngeren Kinder übernahm.

Während mehrere ältere Brüder bereits in anderen Städten ihre berufliche Zukunft suchten, blieben Benjamin und seine Brüder Amson und Gabriel enger mit dem Fürther Geschäft verbunden. Aus diesem Familienkreis entwickelte sich das Bankhaus „Gebrüder Feuchtwanger“. Das Karlsruher Stadtlexikon nennt Benjamin ausdrücklich neben Amson und Gabriel als Inhaber dieses Fürther Hauses. Es dokumentiert zudem, wie die Brüder den jungen Ignaz Ellern bei seiner eigenen Bankgründung in Karlsruhe unterstützten.

Der Lebensweg Benjamins verdeutlicht den Übergang vom Silberwarenhandel zum Finanzgeschäft innerhalb weniger Generationen. Die konkreten Einzelaufgaben der drei Brüder im Bankhaus sind mit den hier überprüften Quellen nicht abschließend zu bestimmen.

Quellen

Benno Berneis BIO-080

Benno Berneis

Personen-ID: BIO-080 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Benno Berneis gehörte zu den Fürther Künstlern, deren Leben durch den Ersten Weltkrieg früh endete. Er wurde 1883 in Fürth geboren und wandte sich der modernen Malerei zu. In Berlin zeigte er seine Arbeiten unter anderem im Umfeld des Kunstsalons Paul Cassirer. Die überlieferten Ausstellungsunterlagen und zeitgenössischen Reaktionen machen deutlich, dass er Teil der künstlerischen Auseinandersetzungen seiner Zeit war.

1914 begann mit dem Krieg ein neuer Abschnitt. Berneis leistete Militärdienst und starb am 8. August 1916 bei Saint-Souplet in Frankreich. Sein Tod wurde brieflich und in einer Todesanzeige dokumentiert. Ein Jahr später erinnerte eine Gedächtnisausstellung im Kunstsalon Cassirer an sein Werk.

Die Berlinische Galerie verwahrt zu Berneis unter anderem eine Einladung zur Ausstellung von 1914, Feldpostkorrespondenz, die Abschrift eines Briefs über seinen Tod und den Ausstellungskatalog von 1917. Diese Archivalien bieten wichtige Anhaltspunkte für eine weitergehende Werkgeschichte. Der Geburtstag wird hier bewusst nicht auf einen einzelnen Tag festgelegt, weil sich die Angaben in den überlieferten Darstellungen widersprechen. Der dokumentierte Lebenszeitraum und die künstlerischen Stationen erlauben dennoch bereits eine fundierte Einführung in seine Biografie.

Quellen

Bernhard Löwensohn BIO-047

Bernhard Löwensohn

Personen-ID: BIO-047 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Bernhard Löwensohn gehörte zur zweiten Generation der Fürther Bilderbücherfabrik. Nach dem Tod seines Vaters Gerson 1871 führte er das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Theodor fort. Aus dem handwerklichen Druckbetrieb entstand schrittweise eine Fabrik, in der Druck, Buchbinderei und Verlag enger zusammenwirkten. Die Ausweitung des Sortiments machte die Firma zu einem wichtigen Fürther Hersteller von Bilderbüchern.

Die Modernisierung erforderte nicht nur Maschinen, sondern eine größere Belegschaft. Bernhard und Theodor Löwensohn verbanden die Entwicklung des Unternehmens mit Formen betrieblicher Fürsorge. Für 1894 sind zwei getrennte Arbeiterstiftungen dokumentiert. Die nach Bernhard benannte Stiftung richtete Unterstützungsleistungen vor allem an Hinterbliebene langjähriger Beschäftigter. Von dieser Einrichtung ist die Theodor-Löwensohn-Stiftung zu unterscheiden, die andere Anspruchsgruppen berücksichtigte.

Damit wird Bernhard Löwensohn nicht nur als Fabrikinhaber fassbar. Seine Stiftung macht deutlich, wie Fürther Unternehmer vor dem Ausbau moderner Sozialversicherungssysteme auf Krankheit, Alter und den Verlust des Familieneinkommens reagierten. Die genaue Praxis der Stiftung lässt sich erst anhand der erhaltenen Statuten und Rechnungsunterlagen erschließen; ihre Existenz und grundsätzliche Zweckbestimmung sind aber in der historischen Literatur dokumentiert.

Quellen

Bernhard Sahlmann BIO-032

Bernhard Sahlmann

Personen-ID: BIO-032 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Bernhard Sahlmann wurde 1831 in Burghaslach geboren und gehörte zu den Angehörigen der Familie Sahlmann, die im 19. Jahrhundert nach Fürth übersiedelten. Die von Heinz und Thea Ruth Skyte verfasste Familiengeschichte berichtet, dass er schon als Jugendlicher im Hopfen- und Textilhandel des Vaters mitarbeitete.

Seine Übersiedlung nach Fürth war von den damaligen rechtlichen Beschränkungen jüdischer Niederlassung geprägt. Nach einem zunächst schwierigen Genehmigungsverfahren erhielt Bernhard 1859 die erforderliche Matrikelstelle. Gemeinsam mit seinem Bruder Anton baute er den Hopfenhandel der Gebrüder Sahlmann auf. Die Familienchronik nennt als Ehefrau Fanny Dessauer und berichtet vom späteren Wohnsitz an der Friedrichstraße sowie einem repräsentativen Hausbau an der Hornschuchpromenade in den 1890er-Jahren.

Seine Geschichte zeigt, wie wirtschaftliche Eigeninitiative und die bayerischen Niederlassungsvorschriften miteinander verwoben waren. Die konkreten Verwaltungsakten, auf die sich die Familienforschung stützt, müssen noch im Original geprüft werden.

Quellen

Bruno Berneis BIO-093

Bruno Berneis

Personen-ID: BIO-093 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Bruno Berneis wurde 1887 als Sohn des Fürther Schuhfabrikanten Louis Berneis und dessen Ehefrau Rosie, geborene Benda, geboren. Die Familie hatte ihre wirtschaftliche Grundlage im Textilhandel und in der Schuhproduktion aufgebaut. Bruno trat später in das Unternehmen ein, das über Fürth hinaus in der fränkischen Schuhindustrie tätig war.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde Bruno Berneis aus der wirtschaftlichen Stellung seiner Familie gedrängt. Die landeshistorische Biografie seines Vaters berichtet von Enteignung, Haft und Zwangsarbeit. Seine Kinder mussten ihre Heimat verlassen; zumindest einzelne Angehörige fanden Zuflucht in England und den Vereinigten Staaten. Damit spannt sich die Familiengeschichte von einer Fürther Industrialisierungserfolgsgeschichte im 19. Jahrhundert zu einem gewaltsamen Bruch im 20. Jahrhundert. Ein genauer Todestag oder eine konkrete Lagerstation wird ohne zusätzliche Unterlagen nicht genannt.

Quellen

Bärmann Berneis BIO-079

Bärmann Berneis

Personen-ID: BIO-079 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Bärmann Berneis kam durch seine Heirat mit Fanny Dinkelsbühler, geborene Ochs, nach Fürth. Die Witwe brachte fünf Kinder aus ihrer ersten Ehe in die Familie mit. Bärmann übernahm einen bestehenden Handel mit Kurz- und Manufakturwaren und erhielt nach der Darstellung im Herzogenauracher Heimatblatt 1851 das Fürther Heimatrecht.

Aus dem Handelsbetrieb entstand ein größerer Großhandel für Woll- und Kurzwaren. Zur Familie gehörten die Söhne Albert und Louis sowie die Tochter Rosa. Nach Bärmanns Tod führte Fanny den Handel mit ihren Söhnen fort. Erst 1875 gründeten Albert und Louis eine Schuhfabrik, die den väterlichen Namen trug. Die Unternehmensgründung darf deshalb nicht als eigenes Werk Bärmanns dargestellt werden.

Das regionale Heimatblatt und eine landeshistorische Biografie stimmen in dieser zeitlichen Trennung überein, widersprechen sich aber zu einzelnen Lebensdaten. Ein genaues Sterbejahr wird hier deshalb nicht genannt. Bärmanns Bedeutung liegt in der kaufmännischen Grundlage, auf der seine Söhne eine neue industrielle Geschäftssparte aufbauten.

Quellen


Carl Ulrich (Charles) Wassermann BIO-090

Carl Ulrich (Charles) Wassermann

Personen-ID: BIO-090 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Carl Ulrich Wassermann wurde 1924 als Sohn des Schriftstellers Jakob Wassermann und der Autorin Marta Karlweis geboren. Sein Geburtsjahr und die später verwendete Namensform Charles Wassermann sind in der Deutschen Biographie dokumentiert. Die Eltern gehörten zu den bekannten deutschsprachigen Schriftstellern der Zwischenkriegszeit; der Sohn wuchs dadurch in einem literarisch geprägten Umfeld auf.

Charles Wassermann fand jedoch einen eigenen beruflichen Weg. Er arbeitete als Journalist, Reporter und Kommentator und trat auch als Schriftsteller hervor. Die Deutsche Biographie erfasst ihn unter einem eigenständigen Personendatensatz mit den Lebensjahren 1924 bis 1978 und den Orten Wien und Altaussee. Diese Angaben erlauben es, ihn von seinem berühmten Vater zu lösen und als selbstständige Person in der Literatur- und Mediengeschichte zu verorten. Genauere Angaben zu einzelnen Emigrationsstationen bedürfen einer gesonderten Prüfung.

Quellen

Dr. Michael Berolzheimer BIO-002

Dr. Michael Berolzheimer

Personen-ID: BIO-002 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Der in Fürth geborene Jurist Michael Berolzheimer (1866–1942) gehörte zu einer Familie, deren wirtschaftliche Tätigkeit weit über die Stadt hinausreichte. Sein eigenes Interesse galt vor allem der Kunst. In München beteiligte er sich an Ankaufsgremien bedeutender Sammlungen und baute seit den 1890er-Jahren eine umfangreiche private Kollektion auf. Seine Biografie verbindet deshalb die Fürther Unternehmergeschichte mit der Geschichte des Kunstmarkts und der öffentlichen Museen.

Die nationalsozialistische Verfolgung zerstörte diese Lebenswelt. Michael Berolzheimer und seine Frau erhielten 1938 nur unter gravierenden wirtschaftlichen Einschränkungen die Möglichkeit zur Emigration. Beide gingen nach New York. Teile seiner Kunstsammlung gelangten im Dezember 1938 und März 1939 beim Münchner Auktionshaus Adolf Weinmüller zum Verkauf. Die Provenienzforschung des Deutschen Theatermuseums untersucht solche Veräußerungen anhand einzelner Objekte und ihrer Erwerbswege. An Berolzheimers Schicksal wird sichtbar, dass Verfolgung nicht nur die Vertreibung von Menschen, sondern auch den Verlust kultureller Sammlungen bedeutete.

Quellen

Dr. Michael Sigmund Prager BIO-038

Dr. Michael Sigmund Prager

Personen-ID: BIO-038 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Michael Sigmund Prager wurde 1866 in Fürth geboren und war dort als Arzt tätig. Seine Frau Paula stammte aus der Familie Sahlmann. In der Familienchronik wird neben seiner ärztlichen Tätigkeit auch ein Engagement in der Stadt und der jüdischen Gemeinde erwähnt; konkrete Ämter werden ohne zusätzliche Amtslisten noch nicht benannt.

1939 emigrierte das Paar nach Amsterdam, wo sein Sohn Kurt bereits lebte. Die deutsche Besetzung der Niederlande machte aus dem Fluchtort erneut einen Ort der Verfolgung. Die Fürther Opferdokumentation verzeichnet für Michael Sigmund Prager die Deportation nach Sobibor und seinen Tod am 2. April 1943.

Die Biografie ist auch ein Beispiel für die Vertreibung bürgerlicher Berufsgruppen aus Fürth. Die ärztliche Laufbahn und die konkreten kommunalen Funktionen können später anhand von Adressbüchern, Ärzteverzeichnissen und städtischen Akten vertieft werden. Seine Deportation und Ermordung werden bereits jetzt aufgrund der Opferdokumentation genannt.

Quellen

Ella-Ruth Löwensohn, geborene Mündheim BIO-050

Ella-Ruth Löwensohn, geborene Mündheim

Personen-ID: BIO-050 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Ella-Ruth Löwensohn, geborene Mündheim, kam 1895 in Hannover zur Welt. 1919 heiratete sie Robert Löwensohn aus Fürth. Die Forschung zu der Familie berichtet von ihren Kindern und ihrem gemeinsamen Leben in der Fürther Königswarterstraße und später im Stadtteil Dambach. Damit wird auch ihr eigenes Leben in Fürth sichtbar, bevor die nationalsozialistische Verfolgung einsetzte.

Nach der Emigration nach Frankreich blieb die Familie bedroht. Ella-Ruth und Robert wurden im August 1942 festgenommen und über das Sammellager Drancy am 18. September 1942 nach Auschwitz deportiert. Die Fürther Opferliste dokumentiert die Deportation und führt Ella als vermisst. Die historische Studie geht davon aus, dass sie dort ermordet wurde, nennt aber keinen unabhängig gesicherten Todestag.

Die neue Biografie nennt deshalb die nachgewiesene Deportation und das Schicksal der Familie, ohne ein präzises, nicht belegtes Todesdatum zu behaupten. Die Trennung zwischen Gedenküberlieferung und amtlicher Todesregistrierung bleibt ausdrücklich gewahrt.

Quellen

Emanuel Forchheimer BIO-028

Emanuel Forchheimer

Personen-ID: BIO-028 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Emanuel Forchheimer trat 1908 als Prokurist in das Karlsruher Bankhaus Ignaz Ellern ein. Das Institut war durch die Ausbildung und Verwandtschaft seines Gründers eng mit der Fürther Bankiersfamilie Feuchtwanger verbunden. Während des Ersten Weltkriegs trug Forchheimer zeitweise allein die Verantwortung für die Bankgeschäfte, weil Ignaz Ellern 1917 starb und dessen Sohn Hermann noch in britischer Kriegsgefangenschaft war.

1919 übernahmen Emanuel Forchheimer und Hermann Ellern das Unternehmen als gleichberechtigte Gesellschafter. Nach Hermanns Übersiedlung nach Palästina führte Forchheimer das Karlsruher Geschäft weiter. 1936 wurde es in eine Kommanditgesellschaft überführt. Die nationalsozialistischen Repressionen trafen auch dieses Institut: Forchheimer wurde zeitweise verhaftet, die Bank verlor Rechte im Devisengeschäft, und nach den Novemberpogromen 1938 musste das Unternehmen liquidiert werden.

Forchheimers Biografie lässt die Zerstörung eines jüdischen Bankhauses anhand nachgewiesener Geschäfts- und Verwaltungsentscheidungen nachvollziehen. Spätere persönliche Lebensdaten werden nicht ohne Einzelnachweise ergänzt.

Quellen

Emma Weil, geborene Sahlmann BIO-040

Emma Weil, geborene Sahlmann

Personen-ID: BIO-040 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Emma Weil, geborene Sahlmann, wurde 1863 in Fürth geboren. Sie stammte aus der Familie des Hopfenhändlers Sigmund Sahlmann und heiratete Philipp Weil. Später lebte sie mit ihrer Familie in Nürnberg. Ihr Lebensweg ist sowohl in einer ausführlichen Sahlmann-Familiengeschichte als auch in einer Holocaust-Opferdatenbank dokumentiert.

Im September 1942 wurde Emma Weil von Nürnberg nach Theresienstadt deportiert. Die Opferdatenbank von holocaust.cz verzeichnet ihren Tod dort am 1. Oktober 1942 und enthält einen Hinweis auf eine Todesfallanzeige. Die unterschiedliche Überlieferung zum genauen Geburtstag und zum Tag des Transportes wird nicht zu einem scheinbar eindeutigen Datum geglättet.

Emma Weils Biografie verbindet das wirtschaftlich erfolgreiche Fürther Familiennetzwerk des 19. Jahrhunderts mit seiner Zerstörung unter dem Nationalsozialismus. Über ihren Sohn Hans enthält die Familienchronik nur unvollständige Angaben. Sein weiteres Schicksal wird deshalb nicht ergänzt, solange keine selbstständigen Nachweise vorliegen.

Quellen

Ernst Caspary BIO-069

Ernst Caspary

Personen-ID: BIO-069 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Verfolgung und Ermordung eines Kaufmanns

Ernst Caspary war Kaufmann und mit Sophie Gertrude Krautheimer aus Fürth verheiratet. Die Familie gehörte zum größeren Verwandtschaftskreis des Kunsthistorikers Richard Krautheimer. Ihr Sohn Gerard Ernest Caspary wurde 1929 in Frankfurt am Main geboren und überlebte die nationalsozialistische Verfolgung; später lehrte er als Historiker an der University of California in Berkeley.

Die Deutsche Biographie nennt Ernst Caspary ausdrücklich als Ehemann Sophie Gertrudes und bezeichnet ihn als 1942 in Auschwitz ermordeten Kaufmann aus Nürnberg. Seine Frau floh 1933 nach Frankreich, wurde dort 1942 deportiert und ebenfalls ermordet. Die Familiengeschichte gehört damit zu jenen Lebenswegen, die nicht nur durch die Verfolgung getrennt, sondern durch den Holocaust zerstört wurden.

Die hier veröffentlichte Kurzbiografie beschränkt sich auf die belegte Familienzuordnung, seinen Beruf und die dokumentierte Ermordung. Weitere präzise Transport- und Sterbedaten werden nicht angegeben, solange dazu keine Einzeldokumente vorliegen.

Quellen

Ernst Landmann BIO-066

Ernst Landmann

Personen-ID: BIO-066 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Ernst Landmann gehörte zur Fürther Kaufmannschaft des späten 19. Jahrhunderts. Das Haus der Bayerischen Geschichte nennt ihn als Hopfenhändler und Vater von Martha Landmann, der späteren Martha Krautheimer. Seine Ehefrau war Pauline Landmann. Aus der Familienbiografie geht hervor, dass die Tochter eine für die Zeit außergewöhnlich sorgfältige Ausbildung mit Fremdsprachen, Musik und Zeichnen erhielt.

Diese Bildungsentscheidungen sind ein wichtiger Hinweis auf die Kultur des Fürther Bürgertums, das wirtschaftlichen Wohlstand mit sprachlicher und künstlerischer Bildung verband. Marthas spätere Tätigkeit sowie ihre Heirat mit Nathan Krautheimer verbinden die Familien Landmann und Krautheimer. Ein eigener Anteil Ernst Landmanns an einem bestimmten Unternehmen oder an einer Stiftung ist mit dieser Quelle jedoch noch nicht nachgewiesen.

Die Biografie kann daher seine dokumentierte Stellung als Hopfenhändler und seinen Familienzusammenhang zeigen. Für eine umfassendere Lebensdarstellung sind Handelsregister, Adressbücher und Personenstandsunterlagen nötig.

Quellen

Eva Agathe Wassermann (Broch de Rothermann, Pierrakos) BIO-092

Eva Agathe Wassermann (Broch de Rothermann, Pierrakos)

Personen-ID: BIO-092 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Eva Agathe Wassermann wurde 1915 in Wien geboren und starb 1979. Sie war eine Tochter des aus Fürth stammenden Schriftstellers Jakob Wassermann. Im Unterschied zu den Biografien ihrer Eltern lässt sie sich nicht allein über die Familiengeschichte beschreiben: Die Deutsche Biographie weist ihr eigene Tätigkeiten als Modezeichnerin, Tänzerin und Psychologin zu.

Ihre Lebensgeschichte ist außerdem unter mehreren Namen überliefert. In Normdaten erscheint sie unter anderem als Eva Broch de Rothermann und Eva Pierrakos. Diese Varianten bezeichnen dieselbe Person, dürfen aber nicht ohne Weiteres als Nachweis für genaue Eheschließungsdaten oder Wohnortwechsel verwendet werden.

Der Fürth-Bezug ergibt sich in ihrem Fall aus der Herkunft der Familie Wassermann, nicht aus einem ungeprüften eigenen Wohnsitz in der Stadt. Eine weiterführende Biografie muss noch anhand von Werk- und Archivmaterial zeigen, wie sich ihre verschiedenen beruflichen Tätigkeiten entwickelten. Der vorliegende Kurzartikel beschränkt sich bewusst auf die dokumentierte Identität und die beruflichen Stationen in den Normdaten.

Quellen

Fanny Berneis, geb. Ochs, zuvor Dinkelsbühler BIO-094

Fanny Berneis, geb. Ochs, zuvor Dinkelsbühler

Personen-ID: BIO-094 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Fanny Ochs war zunächst mit einem Angehörigen der Familie Dinkelsbühler verheiratet. Aus dieser ersten Ehe hatte sie mehrere Kinder, ehe sie den Kaufmann Bärmann Berneis heiratete. Die Familie lebte in Fürth, wo der Handel mit Kurz- und Manufakturwaren den wirtschaftlichen Grundstock bildete. Zu ihren Kindern aus der späteren Ehe gehörten Albert und Louis Berneis, die später als Gründer der Schuhfabrik B. Berneis bekannt wurden.

Fannys Geschichte war mehr als die einer Fabrikantenmutter. Nach dem Tod ihres Ehemannes wurde das ältere Handelsgeschäft zusammen mit den Söhnen weitergeführt. Der Übergang von einem Manufakturwarenhandel zu einer industriellen Schuhproduktion bedeutete nicht, dass das bisherige Geschäft sofort endete. Fannys Beteiligung steht für die wirtschaftliche Verantwortung, die Frauen in Kaufmannsfamilien übernahmen.

Die überlieferten Geburts- und Sterbejahre der Familie Berneis widersprechen sich in einzelnen Veröffentlichungen. Deshalb verzichtet dieser Text auf genaue, hier nicht unabhängig geklärte Lebensdaten Fannys. Entscheidend sind ihre nachweisbare Familienzugehörigkeit und die Rolle beim Fortbestand des Handelsunternehmens.

Quellen


Fanny Feuchtwanger, geborene Wassermann BIO-052

Fanny Feuchtwanger, geborene Wassermann

Personen-ID: BIO-052 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Fanny Wassermann, auch Vögele genannt, wurde 1799 in Wallerstein geboren. Ihr Vater Amschel Elkan Wassermann führte dort ein Geldwechsel- und Warengeschäft. Mit der Heirat des Fürther Silberhändlers Seligmann Feuchtwanger im Jahr 1818 entstand eine Verbindung zwischen zwei angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilien.

Fannys Rolle ging über die einer Mutter und Ehefrau hinaus. Als Seligmann im März 1852 starb, blieb sie mit dem Silberwarengeschäft und mehreren noch nicht verheirateten Kindern zurück. Die Familienhistorikerin Heike Specht beschreibt, dass Fanny den Betrieb vermutlich allein oder mit ihren Söhnen Gabriel und Amson weiterführte. Für 1859 ist die Übertragung der Prokura an Gabriel dokumentiert. Zugleich hielt Fanny die familiären Beziehungen zu den wirtschaftlich erfolgreichen Verwandten in Wallerstein und Bamberg aufrecht. Ihr Lebensweg verdeutlicht, welche kaufmännische und organisatorische Arbeit Frauen in jüdischen Familienunternehmen leisteten – auch wenn die formalen Geschäfte meist von Männern nach außen vertreten wurden.

Quellen

Felicie Wolff, geborene Rosenau BIO-023

Felicie Wolff, geborene Rosenau

Personen-ID: BIO-023 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Felicie Rosenau wurde 1896 in Bad Kissingen geboren. Ihr Vater Simon Hermann Rosenau besaß Juweliergeschäfte in Bad Kissingen und München; ihre Mutter Luise stammte aus der Familie Feuchtwanger in Fürth. Felicie heiratete 1921 den Kunsthändler Hans Wolff. Ihr Sohn Georges kam 1924 zur Welt.

Nach 1933 floh die Familie nach Paris. Als die Gefahr für jüdische Flüchtlinge auch in Frankreich zunahm, gelangte sie während des Zweiten Weltkriegs in die Schweiz. Die Jahre der Flucht und Internierung veränderten das bisherige Leben grundlegend. Nach dem Krieg kehrten Felicie und Hans Wolff nach Paris zurück. Der Kunsthandel ermöglichte ihnen dort allmählich wieder eine wirtschaftliche Existenz.

Felicie Wolff starb im Februar 1961 in Paris, wenige Tage nach ihrem Ehemann. Ein genauer Todestag wird in dieser Biografie nicht behauptet. Ihre Geschichte macht deutlich, dass Emigration auch das Auseinanderbrechen und spätere Zusammenfinden von Familien bedeutete.

Quellen

Flora Wassermann, geb. Wannbacher BIO-084

Flora Wassermann, geb. Wannbacher

Personen-ID: BIO-084 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Stiefmutter des Schriftstellers Jakob Wassermann

Flora Wannbacher stammte aus Hagenbach und heiratete den Fürther Kaufmann Adolf Wassermann nach dem Tod seiner ersten Frau Henriette, geborene Traub. Durch diese Ehe wurde sie Stiefmutter des 1873 in Fürth geborenen Schriftstellers Jakob Wassermann. Seine Mutter Henriette war 1882 gestorben; Flora kam damit in einen Haushalt, dessen Familienverhältnisse sich in kurzer Zeit stark veränderten.

Die Deutsche Biographie führt Flora Wannbacher ausdrücklich als Stiefmutter des Schriftstellers. In Wassermanns literarischem und autobiografischem Umfeld wird die Kindheit im Fürther Elternhaus als belastete Zeit geschildert. Solche rückblickenden Darstellungen sind für die Lebenswelt des Autors wichtig, dürfen aber nicht ohne kritische Einordnung als objektiver Charakterbefund über Flora selbst gelten.

Über Floras eigene Herkunftsfamilie, Ausbildung und spätere Lebensstationen ist in den hier geprüften Quellen nur wenig gesichert. Der biografische Text konzentriert sich deshalb auf ihre belegte Stellung in der Familie und auf die historischen Zusammenhänge, ohne persönliche Motive zu unterstellen.

Quellen


Franz Ehrlich BIO-073

Franz Ehrlich

Personen-ID: BIO-073 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Franz Ehrlich (1876–1949) war in Fürth als Unternehmer im Schuhwarenhandel tätig. 1913 heiratete er Martha Krautheimer, die nach dem Tod ihres ersten Mannes Nathan Krautheimer bereits eine bedeutende Fürther Wohltäterin geworden war. Sie hatte die 1912 eröffnete Krautheimer-Krippe gestiftet und unterstützte sie weiterhin finanziell.

Franz Ehrlich führte das ererbte Handelsunternehmen unter dem Namen Ehrlich Schuhwaren-Compagnie weiter. In der Artilleriestraße entstand ein größerer Firmensitz. Die Weltwirtschaftskrise und die zunehmende Bedrohung jüdischer Bürger durch die Nationalsozialisten veränderten die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Familie grundlegend. Nach dem Konkurs des Unternehmens emigrierten Franz und Martha Ehrlich 1932 nach Schweden.

Ehrlichs Biografie macht zugleich deutlich, wie eng die Fürther Unternehmer- und Wohlfahrtsgeschichte miteinander verbunden waren. Der geschäftliche Niedergang wird hier nicht allein einem einzelnen politischen oder wirtschaftlichen Ereignis zugeschrieben; die Quellen beschreiben mehrere zusammenwirkende Ursachen.

Quellen

Frieda Hess, geb. Heilbronner BIO-076

Frieda Hess, geb. Heilbronner

Personen-ID: BIO-076 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Ein Familienleben im Schatten der Verfolgung

Frieda Hess, geborene Heilbronner (1880–1942), gehörte zur Familie des Erfurter Schuhfabrikanten Georg Hess. Ihre Tochter Trude Hess, später Krautheimer-Hess, entwickelte sich zu einer eigenständigen Kunsthistorikerin und heiratete 1924 den aus Fürth stammenden Richard Krautheimer. Damit verbindet Frieda Hess die jüdische Erfurter Unternehmerfamilie mit einer wissenschaftlichen Familiengeschichte, die bis in die Vereinigten Staaten und nach Italien führte.

Ein konkreter behördlicher Nachweis für Frieda Hess ist im Stadtarchiv Amsterdam erhalten: In den Polizeiakten der Jahre 1940 bis 1945 erscheint sie als Frida Hess-Heilbronne, mit dem Geburtsdatum 21. November 1880. Die Übertragung bei Open Archives nennt die Amsterdamer Archivsignatur und ermöglicht so die Prüfung des zugrunde liegenden Registers. Das niederländische Joods Monument führt Frida Hess-Heilbronner außerdem unter den während der deutschen Besatzung durch Suizid verstorbenen Menschen.

Die beiden Überlieferungen machen deutlich, dass Frieda Hess nicht nur als Angehörige in der Biografie ihrer Tochter erscheinen sollte. Die genauen Umstände ihres Todes sind damit aber noch nicht im Original geprüft und werden nicht weiter ausgeschmückt.

Quellen

Fritz Walter Mailaender BIO-017

Fritz Walter Mailaender

Personen-ID: BIO-017 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Fritz Mailaender (1897–1984) wurde in Fürth geboren. Er stammte aus der Eigentümerfamilie der Brauerei Mailaender, später Bergbräu, und war ein Sohn von Paul Mailaender und Alice Bloch. Während der NS-Zeit wurde der Familienbesitz der Verfolgungspolitik unterworfen. Fritz konnte 1939 mit seiner Familie nach Palästina auswandern.

Nach dem Krieg kehrte er nach Fürth zurück und machte Ansprüche auf den verlorenen Betrieb geltend. Die ausführliche Familienbiografie in der Hamburger Stolperstein-Dokumentation unterscheidet drei Stationen: eine Gerichtsentscheidung zur Rückgabe am 28. Dezember 1948, den Handelsregistereintrag vom 1. Mai 1950 und weitere Auseinandersetzungen über Kosten und Eigentumsübergang bis 1954. Diese Vorgänge sind gerade nicht ein einziges Rückgabedatum.

Fritz' Geschichte verbindet die gewaltsame Unterbrechung eines Familienunternehmens mit dem schwierigen Wiederaufbau nach 1945. Die Familie hielt den Betrieb bis in die 1970er-Jahre, als das Brauereiwesen in Fürth bereits einem starken Strukturwandel unterlag.

Quellen

Gabriel Löwenstein BIO-014

Gabriel Löwenstein

Personen-ID: BIO-014 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Gabriel Löwenstein (1825–1911) arbeitete als Bortenfabrikant in Fürth und engagierte sich früh in der demokratischen und sozialdemokratischen Bewegung. Das Haus der Bayerischen Geschichte bezeichnet ihn als ein führendes Gründungsmitglied der Sozialdemokratie. Zugleich war Löwenstein an der Gründung des Fürther Demokratischen Wochenblatts beteiligt und arbeitete als Redakteur; später ging daraus die Fränkische Tagespost hervor.

Er lebte über Jahrzehnte in Fürth und zog erst 1884 nach Nürnberg. Von 1893 bis 1905 vertrat er den Wahlkreis Nürnberg als Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Diese Tätigkeit verbindet die lokale Wirtschafts- und Pressegeschichte mit der Entwicklung der politischen Arbeiterbewegung im Königreich Bayern.

Sein politisches Wirken lässt sich damit eigenständig schildern, ohne andere Personen gleichen Nachnamens genealogisch mit ihm zu verknüpfen. Für ein vertieftes Porträt bleiben die zeitgenössischen Parlamentsprotokolle, Zeitungsartikel und Unterlagen zum Fürther Gewerbe wichtig.

Quellen

Georg Hess BIO-075

Georg Hess

Personen-ID: BIO-075 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Schuhfabrikant zwischen Erfurt und Berlin

Georg Hess (1868–1943) gehörte zu der weitverzweigten jüdischen Unternehmerfamilie Hess. Er war Schuhfabrikant und der Vater der späteren Kunsthistorikerin Trude Krautheimer-Hess. Über ihre Ehe mit dem aus Fürth stammenden Kunsthistoriker Richard Krautheimer ist die Erfurter Familie Hess auch mit einem bedeutenden Fürther Wissenschaftlernetzwerk verbunden.

Die Firma M. & L. Hess entwickelte sich seit dem späten 19. Jahrhundert zu einem führenden Erfurter Schuhproduzenten. Die Stadt Erfurt dokumentiert die Gründung durch Maier und Louis Hess und die industrielle Expansion bis in die 1920er-Jahre. Der Name Georg Hess ist davon zu unterscheiden: Er war nicht einer der beiden ursprünglichen Firmengründer. Ein öffentliches Berliner Restitutionsprotokoll bezieht sich auf Aktiengeschäfte innerhalb der Hess-Familie, bei denen Georg Hess 1927 als der sich zurückziehende ältere Beteiligte genannt wird. Das verbindet seine Biografie konkret mit der Unternehmens- und Vermögensgeschichte, ohne ihm unbewiesene Gründungsleistungen zuzuschreiben.

Nach den genealogischen Angaben der Deutschen Biographie starb Georg Hess 1943. Die genaue Verfolgungs-, Deportations- und Todesabfolge bleibt gesondert zu belegen.

Quellen

Georg Maximilian Wassermann BIO-088

Georg Maximilian Wassermann

Personen-ID: BIO-088 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Ein Sohn Jakob Wassermanns in Brasilien

Georg Maximilian Wassermann (1903–1968) war ein Sohn des Schriftstellers Jakob Wassermann und dessen erster Ehefrau Julie Elsa Speyer. Sein Name erscheint in der genealogischen Übersicht der Deutschen Biographie neben seinen Geschwistern Albert, Judith und Eva. Die väterliche Berühmtheit erklärt einen Teil seiner Überlieferung, ersetzt jedoch keine eigene Lebensgeschichte.

Ein zeitgenössischer Beleg bringt erstmals eine konkrete Station seines späteren Lebens ans Licht. Im US-amerikanischen Federal Register vom 31. Januar 1950 wird er als „George Wassermann“ mit einer Anschrift in Copacabana, Rio de Janeiro, aufgeführt. Gegenstand ist die amtlich angeordnete Rückgabe von zuvor durch die Vereinigten Staaten eingezogenen Rechten am literarischen Werk „The World’s Illusion“ seines Vaters. Die Verfügung trägt das Datum 24. Januar 1950 und nennt mehrere Familienangehörige als Berechtigte.

Damit ist seine Aufenthaltsadresse zum Zeitpunkt des Rückgabeverfahrens dokumentiert. Über den Zeitpunkt der Übersiedlung nach Brasilien, seinen Beruf und die weiteren Lebensstationen sagt das Dokument nichts; solche Angaben werden hier bewusst nicht ergänzt.

Quellen

Gerard Ernest Caspary BIO-070

Gerard Ernest Caspary

Personen-ID: BIO-070 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Gerard Ernest Caspary wurde 1929 in Frankfurt am Main geboren. Seine Eltern waren Sophie Gertrude Krautheimer und Ernst Caspary; über die Mutter war er mit der Fürther Familie Krautheimer verbunden. Die nationalsozialistische Verfolgung traf die Familie schwer. Gerard konnte 1942 in Südfrankreich fliehen und sich verstecken. Nach Kriegsende gelangte er in die Vereinigten Staaten.

Dort schlug er eine wissenschaftliche Laufbahn ein. Als Historiker an der University of California in Berkeley beschäftigte er sich besonders mit dem frühen Christentum und dem Mittelalter. Seine Lehrtätigkeit prägte mehrere Generationen von Studierenden. 1979 veröffentlichte er das Buch »Politics and Exegesis: Origen and the Two Swords«. Ein besonderes Zeugnis seines Familiengedächtnisses stellte er 2005 zusammen: kommentierte Briefe seiner Mutter und Großmutter aus der Zeit der Verfolgung. Gerard Caspary starb am 6. April 2008. Sein Lebensweg verbindet die Vertreibung einer Fürther Familie mit der amerikanischen Wissenschaftsgeschichte.

Quellen

Gerson Löwensohn BIO-006

Gerson Löwensohn

Personen-ID: BIO-006 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Aus einer Fürther Druckerei entwickelte sich im 19. Jahrhundert ein Verlag, dessen Bilder- und Kinderbücher über die Region hinaus verbreitet waren. Am Anfang stand Gerson Löwensohn, 1817 in Fürth geboren. 1844 erhielt er die Konzession für eine Kupferdruckerei. Diese gewerbliche Grundlage war der Ausgangspunkt der späteren Bilderbücherfabrik.

Mit neuen Druckverfahren und dem Geschäft mit Bilderbögen und Büchern wuchs das Unternehmen. Die Quellen nennen für die Erweiterung des Buchhandels unterschiedliche Daten; für die Darstellung der Firmengeschichte ist deshalb wichtiger, den Übergang vom Druckhandwerk zum Verlag zu erklären, als ein strittiges Einzeljahr festzuschreiben. Der Name Löwensohn wurde im Fürther Verlagswesen zu einer festen Größe.

Gerson Löwensohn starb 1871. Seine Söhne Bernhard und Theodor führten das Unternehmen weiter und bauten die Produktion mit mechanisierten Verfahren aus. Die späteren Fabrikgebäude und die industrielle Expansion fallen somit in die Zeit nach Gersons Tod. Sein persönlicher Beitrag liegt vor allem in der handwerklichen und kaufmännischen Gründung, auf der die nächste Generation aufbauen konnte. Die Entwicklung der Bilderbücherfabrik veranschaulicht zugleich Fürths Übergang von kleinen Gewerbebetrieben zu exportorientierter industrieller Herstellung.

Quellen

Grete Schickedanz, geborene Lachner BIO-057

Grete Schickedanz, geborene Lachner

Personen-ID: BIO-057 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Grete Schickedanz, geborene Lachner, kam am 20. Oktober 1911 in Fürth zur Welt. Ihre berufliche Laufbahn begann 1927 mit einer kaufmännischen Lehre in der Großhandlung Gustav Schickedanz, aus der das Versandhaus Quelle hervorging. Sie arbeitete zunächst in kaufmännischen Bereichen und übernahm zunehmend Aufgaben im Einkauf. 1942 heiratete sie Gustav Schickedanz.

Für die Nachkriegsgeschichte des Unternehmens hatte sie eine eigenständige Bedeutung. Während ihr Mann zunächst einem Berufsverbot unterlag, baute sie 1946 in Hersbruck ein Textilgeschäft auf. Seit 1949 war sie am Wiederaufbau des Versandgeschäfts beteiligt, 1954 wurde sie Generalbevollmächtigte. Als der Konzern expandierte, wirkte sie in der Unternehmensführung und in sozialen Fragen mit.

Nach dem Tod Gustav Schickedanz' 1977 übernahm Grete Schickedanz die Spitze der Quelle-Handelsgruppe. 1987 wechselte sie in die Aufsichtsgremien und legte 1993 ihre Führungsmandate nieder. Sie starb am 23. Juli 1994 in Fürth. Ihr Lebensweg steht für den Aufstieg einer kaufmännischen Angestellten zur Unternehmerin und für die zentrale Rolle, die sie beim Wiederaufbau und der Leitung des Versandkonzerns einnahm. Die Verflechtungen des Konzerns mit der NS-Wirtschaft bleiben Teil der größeren Firmengeschichte.

Quellen

Gustav Ernst Löwensohn BIO-012

Gustav Ernst Löwensohn

Personen-ID: BIO-012 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Gustav Ernst Löwensohn wurde am 5. Mai 1883 in Fürth geboren. Die Opferliste der aus Fürth stammenden Verfolgten nennt als letzten Wohnort vor der Deportation Belgien. Von dort wurde er am 31. Juli 1943 nach Auschwitz verschleppt.

Seine Geschichte zeigt, dass die nationalsozialistische Verfolgung Fürther Familien nicht an den Stadtgrenzen endete. Auch Menschen, die Deutschland verlassen hatten oder andernorts lebten, blieben in den von Deutschland besetzten Ländern bedroht. Die Opferdokumentation verzeichnet für Gustav Ernst Löwensohn eine spätere Todeserklärung mit dem Jahr 1945. Dieses rechtliche Datum ist nicht mit einem gesicherten tatsächlichen Todestag gleichzusetzen.

Eine genaue Rekonstruktion des Aufenthalts in Belgien, der Haft und des Todes ist weiterhin Aufgabe der Archivforschung. Die Biografie kann jedoch die nachgewiesene Fürther Herkunft, die Deportation und die bestehende Unsicherheit um die Todesumstände öffentlich dokumentieren.

Quellen

Gustav Schickedanz BIO-056

Gustav Schickedanz

Personen-ID: BIO-056 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Gustav Schickedanz wurde am 1. Januar 1895 in Fürth geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und Kriegseinsatz arbeitete er im Kurzwarenhandel, ehe er sich Anfang der 1920er-Jahre selbstständig machte. 1927 gründete er das Versandhaus Quelle. Das Unternehmen erreichte mit Katalogen, standardisierten Bestellungen und der Lieferung preisgünstiger Waren besonders Menschen außerhalb der großen Handelszentren.

Der Aufstieg von Quelle gehört zur Fürther Wirtschafts- und Sozialgeschichte, hat aber auch eine belastete Seite. In der NS-Zeit weitete Schickedanz sein Unternehmensnetz aus und profitierte von der Verdrängung und Enteignung jüdischer Unternehmer. Dieser Zusammenhang ist für eine sachgerechte Biografie unverzichtbar; die Wirtschaftserfolge dürfen nicht isoliert von der Verfolgungspolitik dargestellt werden. Nach 1945 erhielt Schickedanz zunächst ein Berufsverbot, bevor er am Wiederaufbau des Unternehmens beteiligt war.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs Quelle zu einem großen Versandkonzern. Schickedanz förderte außerdem Einrichtungen und Stiftungen in seiner Heimatstadt. Neben seinem wirtschaftlichen Einfluss hinterließ er deshalb Spuren im öffentlichen Leben Fürths. Er starb am 27. März 1977 in Fürth. Eine ausgewogene Würdigung muss beide Seiten berücksichtigen: die Veränderung des Einzelhandels und die Verantwortung im nationalsozialistischen Wirtschaftsgefüge.

Quellen

Hans Dedi (Johannes Dedi) BIO-059

Hans Dedi (Johannes Dedi)

Personen-ID: BIO-059 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Hans Dedi, mit bürgerlichem Namen Johannes Dedi, wurde am 11. Dezember 1918 in Basel geboren. Er stammte aus einer Unternehmerfamilie und absolvierte nach der Schulzeit eine kaufmännische Ausbildung in der Schweiz. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er in der Textilindustrie, bevor er in die Leitung des Versandhauses Quelle aufstieg.

1952 heiratete Dedi Louise Schickedanz, die Tochter Gustav Schickedanz' aus dessen erster Ehe. 1958 wechselte er als Prokurist zur Quelle. Bereits 1962 wurde er Generalbevollmächtigter. Seine Karriere verbindet die Geschichte der Fürther Unternehmerfamilie mit der Professionalisierung eines expandierenden Versandkonzerns in der Nachkriegszeit. Von 1975 bis 1989 stand er dem Quelle-Schickedanz-Konzern vor.

Dedi war nicht allein über die Ehe familiär mit Quelle verbunden. Er brachte eigene Erfahrung aus der Textilwirtschaft mit und nahm an wirtschaftlichen Entscheidungen in einer Phase teil, in der sich der Versandhandel zunehmend zu einer breit aufgestellten Unternehmensgruppe entwickelte. Hans Dedi starb am 12. Juni 2016 in Fürth. Die Lebensdaten und Führungspositionen sind in der Munzinger-Biografie dokumentiert; abweichende ältere Normdateneinträge werden für diese Fassung nicht übernommen.

Quellen

Hans Wolff (Henry Wolff) BIO-025

Hans Wolff (Henry Wolff)

Personen-ID: BIO-025 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Hans Wolff, später auch Henry oder Henri Wolff genannt, war Kunsthändler und mit Felicie Rosenau verheiratet. Sie stammte aus der Fürther Familie Feuchtwanger und der Juweliersfamilie Rosenau. Die Ehe wurde 1921 in München geschlossen; ihr Sohn Georges kam 1924 zur Welt. In Bad Kissingen betrieb Wolff ein Antiquitätengeschäft nahe dem Kurpark.

Im Jahr 1933 flohen Hans und Felicie Wolff vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Paris. Während des Zweiten Weltkriegs gelangten sie in die Schweiz. Dort erlebten sie schwierige Bedingungen als Flüchtlinge. Nach Kriegsende kehrten sie nach Paris zurück; Hans Wolff arbeitete dort wieder im Kunst- und Auktionshandel. Die Familie hielt Kontakt zu den ebenfalls emigrierten Angehörigen.

Hans Wolff starb im Februar 1961 in Paris. Seine Biografie zeigt, wie der Kunsthandel für Emigranten sowohl eine berufliche Chance als auch eine prekäre Existenzgrundlage war. Die Mitgliedschaft im FC Bayern, die im Gedenkbuch erwähnt wird, ist kein Nachweis für eine Mitgliedschaft bei der SpVgg Fürth.

Quellen

Hayum Heinrich Ellern BIO-054

Hayum Heinrich Ellern

Personen-ID: BIO-054 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Eine Verbindung zwischen Fürther Handel und der Familie Feuchtwanger

Hayum Heinrich Ellern gehörte im 19. Jahrhundert zu einer jüdischen Kaufmannsfamilie mit Verbindungen nach Fürth. Im Oktober 1852 heiratete er Regine Feuchtwanger, eine Tochter des Fürther Silberwarenhändlers Seligmann Feuchtwanger und seiner Frau Fanny. Die Hochzeit folgte auf die bereits 1851 beurkundete Verlobung. Der Vater der Braut hatte sich bei den Verhandlungen zu einer Mitgift verpflichtet, die erhebliche wirtschaftliche Bedeutung für die neue Familie hatte.

Die Familienhistorikerin Heike Specht beschreibt diese Eheschließung im Zusammenhang mit den Handels- und Heiratsnetzwerken des jüdischen Bürgertums. Die von ihr ausgewertete Verlobungsurkunde wird in einem privaten Familienarchiv verortet. Der Fall zeigt, wie eine Eheschließung nicht nur zwei Menschen, sondern auch familiäre und kaufmännische Beziehungen miteinander verband.

Ellern ist von dem später in Karlsruhe gegründeten Bankhaus Ignaz Ellern zu unterscheiden. Die Zugehörigkeit zur Verwandtschaft rechtfertigt keine Gleichsetzung verschiedener Personen oder Betriebe.

Quellen

Heinrich Berolzheimer BIO-001

Heinrich Berolzheimer

Personen-ID: BIO-001 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Heinrich Berolzheimer (1836–1906) verband Fürths Industriegeschichte mit einem Bildungsprojekt, das weit über die Geschäftswelt hinausreichte. Geboren am 6. September 1836 in Fürth, trat er nach kaufmännischer Ausbildung und dem Tod seines Vaters Daniel in das Familienunternehmen ein. Die 1856 von Daniel Berolzheimer gemeinsam mit Leopold Illfelder gegründete Bleistiftfabrik war der Ausgangspunkt seines unternehmerischen Aufstiegs.

Mit dem Export nach Nordamerika veränderte sich das Geschäft grundlegend. Um die amerikanischen Einfuhrzölle zu umgehen, beteiligte sich Heinrich Berolzheimer 1868 zusammen mit weiteren Partnern an der Gründung der Eagle Pencil Company in New York. Diese Gründung war ein Gemeinschaftsunternehmen, keine alleinige Initiative Heinrichs. Später lag die Leitung zunehmend bei seinen Söhnen; Berolzheimer zog sich aus dem Tagesgeschäft zurück.

In Fürth hinterließ er eine andere Form von Vermächtnis: Gemeinsam mit seinen Söhnen förderte er eine Einrichtung für Volksbildung. Das Berolzheimerianum in der Theresienstraße sollte Lesesaal, Bibliothek und Vortragsräume zugänglich machen. Berolzheimer starb am 15. April 1906 in Nürnberg und erlebte die Eröffnung wenige Wochen später nicht mehr. Die Geschichte seines Lebens verbindet damit die internationalisierte Bleistiftproduktion mit der Idee, Bildung auch Menschen außerhalb der wirtschaftlichen Eliten zu eröffnen.

Quellen

Helene Löwensohn, geborene Zenner BIO-046

Helene Löwensohn, geborene Zenner

Personen-ID: BIO-046 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Die Familiengeneration hinter der Bilderbuchfabrik

Helene Zenner wurde 1821 geboren und war mit Gerson Löwensohn verheiratet, dem Gründer einer Fürther Druckerei und späteren Bilderbuchfabrik. Das Unternehmen entstand 1844 als Kupferdruckerei und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem bekannten Betrieb für illustrierte Druckerzeugnisse.

Helene und Gerson hatten mehrere Kinder, darunter die späteren Unternehmer Bernhard und Theodor Löwensohn. Nach dem Tod des Vaters 1871 führten die Söhne das Unternehmen weiter; eine spätere formelle Übernahme ist für 1880 dokumentiert. Helene erlebte damit sowohl die Gründungs- als auch die Übergangszeit dieser bedeutenden Fürther Firma.

Sie starb 1914. Ihre Biografie ist vor allem als Familiengeschichte einer Unternehmergeneration nachvollziehbar: Sie erklärt den Übergang von einer Gründerfamilie zu den nächsten Inhabern. Eine eigene Handelsregisterstellung oder Geschäftsführungsfunktion Helenes wird nicht behauptet, da ein entsprechender Beleg bislang nicht vorliegt.

Quellen

Henriette Wassermann, geb. Traub BIO-083

Henriette Wassermann, geb. Traub

Personen-ID: BIO-083 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Henriette Traub, genannt Jette, wurde 1850 geboren und stammte aus Gunzenhausen. Durch ihre Heirat mit dem Kaufmann Adolf Wassermann zog sie in das Fürther Familienleben des 19. Jahrhunderts ein. Am 10. März 1873 kam ihr Sohn Jakob in der damaligen Alexanderstraße 8 zur Welt, der später zu einem bekannten Schriftsteller wurde.

Die Familie erlebte in Fürth wirtschaftlich schwierige Jahre. Henriette starb bereits 1882, als Jakob noch ein Kind war. Ihr früher Tod gehört zu den prägenden Erfahrungen, die der Schriftsteller später in seinen autobiografischen Erinnerungen verarbeitete. Diese literarischen Rückblicke gewähren Einblicke in seine Wahrnehmung der Mutter, ersetzen aber keine unabhängigen Akten über ihr persönliches Leben.

Henriette Wassermanns Biografie soll deshalb nicht auf die Rolle als Mutter eines berühmten Sohnes reduziert werden. Ihre Herkunft aus Gunzenhausen, die Ehe, die familiären Wohnorte und das frühe Sterben zeigen zugleich die Lebensbedingungen einer jüdischen Familie im industriell wachsenden Fürth.

Quellen

Hermann Ellern BIO-027

Hermann Ellern

Personen-ID: BIO-027 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Hermann Ellern kam 1892 in Karlsruhe zur Welt. Sein Vater Ignaz Ellern hatte dort ein Bankhaus gegründet, nachdem er zuvor seine Ausbildung bei den Fürther Bankiers Feuchtwanger erhalten hatte. Hermann lernte das Bankgeschäft bei Häusern in Frankfurt am Main und London. Während des Ersten Weltkriegs geriet er in britische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst Ende 1918 nach Karlsruhe zurück.

Gemeinsam mit seinem Schwager Emanuel Forchheimer übernahm er 1919 die Leitung der Bank als gleichberechtigter Gesellschafter. Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten entschied sich der überzeugte Zionist zur Übersiedlung nach Palästina. 1933/34 gründete er in Tel Aviv die Ellern's Bank Ltd., die bei den Transfers jüdischer Auswanderer eine Rolle spielte.

Die Geschichte dieser Bank ist von der Geschichte des weiterhin in Karlsruhe bestehenden Geschäfts zu unterscheiden. Es handelte sich nicht einfach um eine deutsche Filiale in Tel Aviv. Hermann Ellerns Lebensweg zeigt die Verbindung zwischen Fürther Bankiersnetzwerken, badischem Privatbankwesen und wirtschaftlicher Neuorientierung unter dem Druck der Verfolgung.

Quellen

Hermann Sigmund Rosenau BIO-022

Hermann Sigmund Rosenau

Personen-ID: BIO-022 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Hermann Sigmund Rosenau wurde 1894 in München geboren. Er war der Sohn des Juweliers Simon Hermann Rosenau und dessen erster Frau Luise, geborene Feuchtwanger. Gemeinsam mit seinem Halbbruder Arthur trat er in die Familientradition des Juwelierhandels ein. Beide waren mit den Geschäften in München und Bad Kissingen verbunden.

Hermann Sigmund Rosenau heiratete Gabriele Karfiol. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten verließen Angehörige der Familie Deutschland und flohen nach Frankreich. Auch Hermann Sigmund lebte dort, zunächst unter vergleichsweise sicheren Bedingungen. Mit der deutschen Besetzung weiterer französischer Gebiete verschlechterte sich die Lage dramatisch.

Im Oktober 1943 wurde Hermann Sigmund Rosenau von Frankreich nach Auschwitz deportiert. Dort wurde er ermordet. Das Biografische Gedenkbuch Bad Kissingen nennt als Todesdatum den 2. Januar 1944; die zugrunde liegende amtliche Todesurkunde wurde für diesen Artikel jedoch nicht selbst eingesehen. Der Text stützt seine Kernaussagen daher auf die dokumentierte Verfolgungs- und Deportationsgeschichte.

Quellen

Ida Bock, geborene Rosenau BIO-021

Ida Bock, geborene Rosenau

Personen-ID: BIO-021 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Ida Rosenau wurde 1893 in München geboren und wuchs in der weitverzweigten Familie des Juweliers Simon Hermann Rosenau und seiner ersten Frau Luise Feuchtwanger auf. Die Familie war geschäftlich und familiär mit Bad Kissingen und Fürth verbunden. Ida heiratete Julius Bock; zu ihren Kindern gehörten Herbert und Kate.

Die nationalsozialistische Verfolgung zwang die Familie zur Auswanderung. Ida und Julius Bock bauten sich in Südafrika eine neue Existenz auf. Von dort hielten sie die Beziehungen zu ihren in Europa lebenden Angehörigen aufrecht. Nach dem Krieg besuchten sie mehrfach Idas Schwester Felicie Wolff in Paris. Die familiären Erinnerungen ihrer Tochter Kate geben zudem Einblicke in das Leben im südafrikanischen Exil.

Ida Bock starb 1976 in Kapstadt. Ihr Lebensweg verbindet die Familie Rosenau mit der Geschichte jüdischer Emigration nach Südafrika. Beim Auswanderungsjahr nennen die verfügbaren Kurzangaben nicht durchgehend dieselbe Jahreszahl; deshalb wird es hier bewusst nicht auf einen einzelnen Monat oder ein einzelnes Jahr festgelegt.

Quellen

Ignaz Ellern BIO-011

Ignaz Ellern

Personen-ID: BIO-011 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Aus Fürth zum eigenen Bankhaus in Karlsruhe

Ignaz Ellern wurde 1856 in Fürth geboren. Seine Mutter gehörte zur jüdischen Unternehmerfamilie Feuchtwanger. Im Fürther Bankhaus „Gebrüder Feuchtwanger“ erhielt er seine kaufmännische Ausbildung. Die dort erworbenen Kenntnisse bildeten den Ausgangspunkt einer eigenen Unternehmerlaufbahn in Baden.

1881 eröffnete Ellern in der Karlsruher Karl-Friedrich-Straße 6 ein Bank- und Wechselgeschäft. Seine Onkel Amson, Benjamin und Gabriel Feuchtwanger unterstützten ihn in der Anfangsphase. Das Unternehmen entwickelte sich zu einer mittelständischen Privatbank. 1898 wechselte die Bank ihren Sitz innerhalb der Karl-Friedrich-Straße, später an den Friedrichsplatz. Ellern starb im Juli 1917; die spätere Geschäftsführung übernahmen sein Sohn Hermann und sein Schwiegersohn Emanuel Forchheimer.

Die Lebensgeschichte macht deutlich, wie kaufmännische Ausbildung und Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Fürth und Karlsruhe zu einer selbstständigen Unternehmensgründung führten. Das Karlsruher Stadtlexikon rekonstruiert die Entwicklung anhand von Adressbüchern und Archivakten.

Quellen

Jakob Karl Wassermann BIO-081

Jakob Karl Wassermann

Personen-ID: BIO-081 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Jakob Wassermann wurde am 10. März 1873 in Fürth geboren. Aus dem Sohn eines jüdischen Kaufmanns wurde einer der bekanntesten deutschsprachigen Erzähler seiner Zeit. Er besuchte die Fürther Realschule, veröffentlichte schon früh literarische Versuche und sollte zunächst einen kaufmännischen Beruf erlernen. Eine Lehre in Wien führte jedoch nicht zu dem vom Vater erwarteten Berufsweg.

Nach unsteten Jahren arbeitete Wassermann in München für den „Simplicissimus“ und knüpfte Kontakte zur Literaturszene. 1897 erschien „Die Juden von Zirndorf“, später folgten zahlreiche Romane. Mit „Der Fall Maurizius“ erreichte er 1928 ein großes Publikum. Wiederholt beschäftigte er sich mit Schuld, Gewissen, gesellschaftlicher Ausgrenzung und der Suche nach Gerechtigkeit.

In „Mein Weg als Deutscher und Jude“ (1921) schilderte und untersuchte er die Spannungen zwischen seiner deutschen Zugehörigkeit und den Erfahrungen des Antisemitismus. Damit wurde seine Herkunft aus Fürth auch zu einem wichtigen Bezugspunkt seiner publizistischen Arbeit. Jakob Wassermann starb am 1. Januar 1934 in Altaussee. Die Geschichte seines Lebens verbindet die Fürther jüdische Stadtgesellschaft mit der literarischen Moderne in Deutschland und Österreich.

Quellen

Jean Mandel BIO-003

Jean Mandel

Personen-ID: BIO-003 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Jean Mandel wurde am 20. September 1911 in Fürth geboren. Seine Lebensgeschichte steht für eine jüdische Stadtgesellschaft, die durch die nationalsozialistische Verfolgung zerschlagen wurde und nach 1945 unter schwierigen Bedingungen neu begann. Nach dem Besuch der Israelitischen Realschule und einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete er in der väterlichen Lumpensortieranstalt. 1936 übernahm er die Firma gemeinsam mit seinem Bruder.

Im Oktober 1938 wurde Mandel nach Polen deportiert. Er hielt sich anschließend in Lemberg auf und überlebte die deutsche Besatzung von 1941 bis 1944 in verschiedenen Verstecken. Nach dem Ende der deutschen Herrschaft wurde er zeitweise von sowjetischen Stellen festgehalten. 1945 kehrte er schließlich nach Fürth zurück und begann, das Familienunternehmen wiederaufzubauen.

Der wirtschaftliche Neubeginn war nur ein Teil seines Wirkens. Mandel engagierte sich am Wiederaufbau der Israelitischen Kultusgemeinde Fürth und stand ihr bis zu seinem Tod vor. Er gehörte zu den Mitbegründern des Landesverbands Israelitischer Kultusgemeinden in Bayern und wirkte in der christlich-jüdischen Verständigung mit. Von 1964 bis 1974 war er Mitglied des Bayerischen Senats. Jean Mandel starb am 25. Dezember 1974 in Bernried. Seine Biografie verknüpft Verfolgung, Rückkehr und demokratischen Wiederaufbau auf besonders konkrete Weise.

Quellen

Jonas Heymann BIO-007

Jonas Heymann

Personen-ID: BIO-007 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Jonas Heymann (1807–1901) kam aus Schwaben nach Fürth. Zunächst war er als Messerschmied tätig, später führte er einen Großhandel für Galanterie- und Kurzwaren. Die Familie wohnte in der Königstraße 57. Mit seiner zweiten Frau Rebekka hatte Jonas nach der von Barbara Ohm ausgewerteten Familienüberlieferung 14 Kinder; neun erreichten das Erwachsenenalter.

Der wirtschaftliche Aufstieg setzte sich in der nächsten Generation fort. Die Söhne Adolf, Leopold und Sigmund gründeten eine mechanische Gummibandweberei und Hosenträgerfabrik, aus der ein größerer Fürther Industriebetrieb wurde. 1882 ließ die Familie anlässlich von Jonas' 75. Geburtstag vom jungen Bildhauer Johannes Götz eine Bronzebüste schaffen. Dieses Kunstwerk macht auch das Interesse der Familie an Kunst und Repräsentation sichtbar.

Jonas' Lebensweg zeigt, wie sich ein früher Einzelhandel über mehrere Generationen mit industrieller Fertigung, bürgerlichem Mäzenatentum und der Stadtentwicklung Fürths verbinden konnte. Die Firmengründung der Söhne darf dabei nicht dem Vater persönlich zugeschrieben werden.

Quellen

Judith Wassermann BIO-089

Judith Wassermann

Personen-ID: BIO-089 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Eine Tochter Jakob Wassermanns in der Schweizer Überlieferung

Judith Wassermann (1906–1994), später unter dem Namen Judith Barbara Benz geführt, war eine Tochter des Schriftstellers Jakob Wassermann und dessen ersten Ehefrau Julie Elsa Speyer. Die Deutsche Biographie führt sie in der ersten Ehe des Schriftstellers und unterscheidet sie damit von den Kindern aus seiner späteren Verbindung mit Marta Karlweis.

Über den bekannten Familienzusammenhang hinaus ist ein eigenes zeitgenössisches Dokument erhalten: In der Rückgabeverfügung Nr. 533, veröffentlicht am 31. Januar 1950 im Federal Register der Vereinigten Staaten, erscheint „Judith Barbara Benz (née Wassermann)“ mit einer Zürcher Anschrift. Sie gehört dort zu den Anspruchsberechtigten an literarischen Rechten des Werks „The World’s Illusion“. Dieses amtliche Dokument verbindet ihren späteren Familiennamen, ihren damaligen Aufenthaltsort und eine konkrete vermögensrechtliche Angelegenheit.

Der Rückgabeakt belegt nicht automatisch den tatsächlichen Empfang eines bestimmten Betrags. Er erlaubt auch keine Aussagen über Judiths Beruf, ihre Lebensumstände während des Krieges oder das Datum ihrer Eheschließung. Die Biografie beschränkt sich daher auf die eindeutig fassbaren Stationen.

Quellen

Julie Elsa Wassermann, geb. Speyer BIO-085

Julie Elsa Wassermann, geb. Speyer

Personen-ID: BIO-085 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Julie Elsa Wassermann-Speyer wurde am 5. Dezember 1876 in Wien geboren. Sie arbeitete als Schriftstellerin, Übersetzerin und Journalistin. Ihre Lebensgeschichte wird oft auf die Ehe mit Jakob Wassermann reduziert, doch ihre eigenen Bücher und ihre spätere publizistische Tätigkeit zeigen ein eigenständiges literarisches Profil.

1901 heiratete sie den Schriftsteller Jakob Wassermann. Das Paar trennte sich 1915. Julie Wassermann-Speyer veröffentlichte unter anderem eine Auswahl von Flaubert-Briefen, eigene Prosa und Romane. Zu ihren Arbeiten gehören „Das lebendige Herz“ (1927) und „Der Untergang einer Bürgerin“ (1932). Auch die Auseinandersetzung mit dem Werk ihres Ehemanns war Teil ihres literarischen Schaffens, ohne es vollständig zu bestimmen.

1937 emigrierte sie in die Schweiz. Dort schrieb sie für mehrere Zeitungen, darunter Blätter in Basel und St. Gallen. Sie starb im April 1963 in der Schweiz. Dieses Sterbejahr wird durch die Deutsche Biographie und das österreichische Frauenlexikon gestützt; die abweichende Angabe 1966 aus einer älteren Darstellung wird nicht als Fakt übernommen. Ihr Lebensweg macht sichtbar, wie deutschsprachige Schriftstellerinnen auch im Exil publizistisch weiterarbeiteten.

Quellen

Julie Sahlmann, geborene Gutmann BIO-041

Julie Sahlmann, geborene Gutmann

Personen-ID: BIO-041 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Julie Sahlmann, geborene Gutmann, wurde am 18. Juli 1875 in Stuttgart geboren. 1895 heiratete sie den aus Fürth stammenden Kaufmann Louis Sahlmann, der auch den Namen Joseph Bär führte. Das Ehepaar lebte zunächst in Fürth, wo Louis Sahlmann im Hopfenhandel tätig war. In der damaligen Promenadenstraße kam 1896 die Tochter Franziska zur Welt. Die Familiengeschichte gehört damit ebenso zur Fürther Handels- wie zur Stadtgeschichte.

Später lebte Julie Sahlmann in Berlin. Während der nationalsozialistischen Judenverfolgung wurde sie entrechtet und zunehmend ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Am 29. Januar 1943 deportierten die Nationalsozialisten sie nach Theresienstadt. Dort starb sie am 24. November 1944 unter den Bedingungen der Verfolgung. Die Berliner Stolperstein-Dokumentation nennt beide Daten ausdrücklich und stützt sich unter anderem auf Gedenkbücher, Adressbücher und Finanzakten.

Der Stolperstein in der Schlüterstraße 54 erinnert heute an ihr Schicksal. Julie Sahlmanns Biografie zeigt, wie eine im Fürther Wirtschaftsleben verwurzelte Familie über Ortsgrenzen hinweg von Verfolgung und Ermordung betroffen war. Die an anderer Stelle überlieferte abweichende Deportationsjahreszahl wird nicht übernommen, da die Berliner Gedenkdokumentation den Transporttag konkret belegt.

Quellen

Julius Bock BIO-026

Julius Bock

Personen-ID: BIO-026 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Julius Bock war mit Ida Rosenau verheiratet, der Tochter des Juweliers Simon Hermann Rosenau und seiner aus Fürth stammenden ersten Ehefrau Luise Feuchtwanger. Durch diese Ehe gehörte er zu einem weitverzweigten Familiennetz, das Verbindungen zwischen Fürth, München und Bad Kissingen unterhielt. Das Paar hatte unter anderem die Kinder Herbert und Kate.

Angesichts der nationalsozialistischen Verfolgung verlegte die Familie ihr Leben nach Südafrika. Später wohnte sie im Raum Johannesburg. Julius und Ida Bock hielten von dort aus Kontakt zu ihren in Europa lebenden Verwandten und reisten nach 1945 wiederholt nach Frankreich und in die Schweiz. Die Erinnerungen ihrer Tochter Kate geben Einblick in die familiäre Emigrationsgeschichte, müssen aber als persönliche Rückschau gelesen werden.

Julius Bock starb 1975, ein Jahr vor seiner Frau Ida. Die genaue Beschreibung seiner eigenen wirtschaftlichen Tätigkeit bleibt zukünftiger Forschung vorbehalten. Für diesen Artikel sind zunächst die dokumentierte Familienzugehörigkeit, das Exil und die Nachkriegskontakte gesichert.

Quellen

Karl Sahlmann BIO-036

Karl Sahlmann

Personen-ID: BIO-036 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Hopfenhändler im Schatten des Novemberpogroms

Karl Sahlmann wurde 1877 als Sohn des Fürther Hopfenhändlers Bernhard Sahlmann und seiner Frau Fanny, geborene Dessauer, geboren. Er wuchs in einer Unternehmerfamilie auf, deren Handel mit Hopfen eng mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Fürths im 19. Jahrhundert verbunden war. Wie sein Vater arbeitete er im Hopfengroßhandel.

1910 heiratete Karl Sahlmann Ida Krailsheimer. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verschlechterten sich die Lebensbedingungen der jüdischen Familie. Karl Sahlmann starb am 15. November 1938 in Fürth, wenige Tage nach den Novemberpogromen. Die von Heinz und Thea Ruth Skyte zusammengestellte Familiengeschichte nennt den Tod im Zusammenhang mit der Verfolgung. Seine Frau und die drei Kinder konnten später emigrieren.

Die Biografie verbindet eine über mehrere Generationen geführte Fürther Handelsfirma mit den unmittelbaren Folgen nationalsozialistischer Gewalt für ihre Angehörigen. Angaben zu den näheren Todesumständen beruhen auf der Familienforschung und werden hier nicht über deren Befund hinaus ergänzt.

Quellen

Kurt Adolf Prager BIO-039

Kurt Adolf Prager

Personen-ID: BIO-039 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Kurt Adolf Prager wurde 1903 in Fürth geboren. Er war der Sohn des Fürther Arztes Michael Sigmund Prager und von Paula Prager, geborene Sahlmann. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften arbeitete er als Jurist; die Familienchronik bezeichnet ihn als Richter. Die nationalsozialistische Verfolgung zerstörte seine berufliche Perspektive in Deutschland.

Kurt lebte später in Amsterdam, wo er nach den Angaben der Familienchronik eine juristische Praxis eröffnete. Er und seine Ehefrau Lisa, geborene Rau, wurden aus den Niederlanden deportiert. Die Fürther Opferdokumentation nennt seinen Tod in Auschwitz am 17. August 1942. Seine Eltern wurden im folgenden Jahr Opfer der Deportationen nach Sobibor.

Sein Schicksal zeigt, dass die Emigration nach Holland zunächst einen beruflichen Neuanfang ermöglichen konnte, aber keine dauerhafte Sicherheit bot. Für die vollständige Berufsgeschichte fehlen noch Personalunterlagen seiner deutschen Richter- und niederländischen Tätigkeit; deren Fehlen ändert nichts an den belegten Grunddaten der Verfolgung.

Quellen

Lotte Fridman, geb. Krautheimer BIO-071

Lotte Fridman, geb. Krautheimer

Personen-ID: BIO-071 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Lotte Krautheimer wurde 1909 in Fürth als Tochter von Nathan und Martha Krautheimer geboren. Sie war die jüngere Schwester des Kunsthistorikers Richard Krautheimer und von Sophie Gertrude Caspary. Während die Familie zu den im Handel und in der städtischen Wohlfahrt aktiven Fürther Haushalten gehörte, entwickelten die Kinder sehr unterschiedliche Lebenswege.

Lotte verließ Deutschland 1934 und emigrierte nach Stockholm. In biografischen Quellen ist sie unter mehreren Ehenamen, darunter Grünberg, Israelski und Fridman, belegt. Das ist für die historische Recherche bedeutsam: Ein Namenswechsel darf nicht zur irrtümlichen Anlage mehrerer Personen führen. Nach der Emigration arbeitete Lotte als Hauswirtschafterin und Handelsvertreterin. Sie starb 2005 in Stockholm. Ihre Biografie ergänzt die Familiengeschichte um eine Überlebens- und Migrationsgeschichte, die sich von der Verfolgung ihrer Schwester Sophie grundlegend unterscheidet.

Quellen

Louis Berneis BIO-078

Louis Berneis

Personen-ID: BIO-078 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Louis Berneis wuchs in einer Fürther Kaufmannsfamilie auf. Sein Vater Bärmann führte einen erfolgreichen Warenhandel. Nach dessen Tod übernahmen Louis und sein Bruder Albert das Geschäft. 1875 gründeten sie zusätzlich die Schuhfabrik »B. Berneis«, die sich von einer kleinen Fertigung zu einem Unternehmen mit weiteren Standorten entwickelte. Der traditionelle Handelsbetrieb bestand daneben fort.

Die Schuhfabrik nutzte neue Maschinen, ließ aber auch außerhalb Fürths arbeiten. 1880 gewann die Familie Nathan Krautheimer als Partner für die Erweiterung der Produktion. Ein Großbrand im Jahr 1892 führte zur Aufgabe des Fürther Hauptwerks. Das unternehmerische Netzwerk der Familie reichte gleichwohl weiter in die Region. Die spätere Geschichte der Familie wurde durch die nationalsozialistische Verfolgung geprägt: Sein Sohn Bruno verlor unter der NS-Herrschaft seine wirtschaftliche Stellung. Einzelne in der Forschung publizierte Daten über Louis' Ehefrau Rosie Benda sind chronologisch widersprüchlich und werden hier nicht wiederholt.

Quellen

Louis Sahlmann (Josef Bär Sahlmann) BIO-042

Louis Sahlmann (Josef Bär Sahlmann)

Personen-ID: BIO-042 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Ein Sohn der Fürther Hopfenhändlerfamilie

Louis Sahlmann wurde 1867 in Fürth als Sohn des Hopfenhändlers Bernhard Sahlmann und seiner Frau Fanny Dessauer geboren. Die Familie gehörte zu den im 19. Jahrhundert aus Burghaslach nach Fürth gekommenen jüdischen Kaufmannsfamilien. Der Handel mit Hopfen bildete ihre wirtschaftliche Grundlage; innerhalb der Verwandtschaft bestanden enge Beziehungen zwischen den einzelnen Handelsunternehmen.

1895 heiratete Louis Sahlmann in Stuttgart Julie Gutmann. Die Ehe verband zwei jüdische Familien aus verschiedenen Städten. Louis starb 1925. Seine Witwe Julie lebte später in Berlin und wurde während der NS-Herrschaft nach Theresienstadt deportiert, wo sie 1944 starb.

Die Familienforschung von Heinz und Thea Ruth Skyte verzeichnet Louis Sahlmann in den Unterlagen der Fürther Familie. Sie weist zugleich auf eine weitere Namensform in einem Geburtsregister hin. Diese wird hier nicht als gesicherter zweiter Vorname übernommen. Louis ist als Person vom gleichnamigen Familienkreis anderer Sahlmann-Handelsunternehmen zu unterscheiden.

Quellen

Louise Dedi, geborene Schickedanz BIO-058

Louise Dedi, geborene Schickedanz

Personen-ID: BIO-058 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Zwischen zwei Unternehmerfamilien

Louise Schickedanz wurde 1925 geboren und war eine Tochter von Gustav Schickedanz und dessen erster Ehefrau Anna, geborene Zehnder. Sie wuchs in einer Familie auf, deren Name eng mit dem Fürther Versandhaus Quelle verbunden ist. Ihre Mutter starb 1929; später heiratete ihr Vater Grete Lachner. Louise gehörte damit zur älteren Generation der Kinder Gustav Schickedanz’, während Madeleine Schickedanz aus der zweiten Ehe stammte.

Louise heiratete den Unternehmer Hans Dedi. Durch diese Ehe waren zwei Familien miteinander verbunden, die auch im geschäftlichen Umfeld des Versand- und Textilhandels Bedeutung hatten. Hans Dedi übernahm in späteren Jahren leitende Funktionen bei Quelle und verbundenen Unternehmen. Diese beruflichen Stationen sind die des Ehemanns und dürfen nicht ohne gesonderten Nachweis Louise selbst zugeschrieben werden.

Louise starb 1994. Die Deutsche Biographie dokumentiert ihre Herkunft und Ehe im Stammbaum Gustav Schickedanz’. Für ein umfassenderes Bild ihres eigenen Wirkens sind weiterhin persönliche oder institutionelle Quellen erforderlich.

Quellen

Lucy Büchenbacher, geborene Mailaender (Lucy Malden) BIO-004

Lucy Büchenbacher, geborene Mailaender (Lucy Malden)

Personen-ID: BIO-004 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Lucy Büchenbacher, geborene Mailaender, kam 1886 in Fürth zur Welt. Ihre Familie war mit der Fürther Brauerei Mailaender verbunden. Lucy wandte sich jedoch selbst dem Schreiben zu und veröffentlichte Kinderbücher und Gedichte unter dem Namen Lucy Malden. Ihre Lebensgeschichte vereint damit zwei unterschiedliche Seiten der Stadtgeschichte: das wirtschaftliche Fürth und die Welt der Kinder- und Jugendliteratur.

Die nationalsozialistische Judenverfolgung zerstörte diese Lebenswelt. Lucy Büchenbacher floh 1939 aus Deutschland. Teile ihres für die Auswanderung vorgesehenen Eigentums wurden beschlagnahmt; dazu gehörten Bücher aus ihrer privaten Bibliothek. Die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel konnte zwei Exemplare später als NS-verfolgungsbedingt entzogene Werke aus ihrem Besitz identifizieren. Im Jahr 2025 wurden sie an eine Erbin zurückgegeben.

Lucy Büchenbacher starb 1978 in den Vereinigten Staaten. Ihre Biografie handelt nicht allein von einem enteigneten Familienvermögen, sondern von der gewaltsamen Trennung einer Autorin von ihrer Arbeit, ihrem Eigentum und ihrem bisherigen Lebensumfeld. Die Rückgabe der Bücher macht diese Geschichte bis in die Gegenwart sichtbar.

Quellen

Luise Rosenau, geborene Feuchtwanger BIO-019

Luise Rosenau, geborene Feuchtwanger

Personen-ID: BIO-019 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Luise Feuchtwanger stammte aus einer Fürther jüdischen Kaufmannsfamilie. Ende 1892 heiratete sie in Zell am Main den Gold- und Silberschmied Simon Hermann Rosenau, der Geschäftsbeziehungen nach Bad Kissingen und München unterhielt. Die Ehe verband zwei Familien, deren wirtschaftliche und persönliche Netzwerke über Fürth hinausreichten.

Luise wurde Mutter von drei Kindern: Ida, Hermann Sigmund und Felicie. Die Familie lebte im Wechsel zwischen München und Bad Kissingen. Luise starb bereits im August 1898 in München. Die Kinder waren damals noch klein. Ihr Witwer heiratete im folgenden Jahr Luises jüngere Schwester Paula Feuchtwanger, die die Kinder mitbetreute.

Luises kurze Lebensgeschichte ist für die spätere Familienchronik von großer Bedeutung: Sie erklärt die Halbgeschwisterbeziehung zu Arthur Rosenau und verhindert, dass die vier Kinder irrtümlich einer einzigen Ehe zugerechnet werden. Zu einer medizinischen Todesursache liegen in den verwendeten Nachweisen keine ausreichenden Belege vor.

Quellen

Madeleine Schickedanz BIO-060

Madeleine Schickedanz

Personen-ID: BIO-060 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Madeleine Schickedanz wurde am 20. Oktober 1943 in Nürnberg geboren. Sie ist die Tochter von Gustav und Grete Schickedanz, die mit dem Versandhaus Quelle eng verbunden waren. Madeleine wuchs in Hersbruck auf und besuchte später unter anderem eine Schule in Fürth. Die Deutsche Biographie und Munzinger dokumentieren ihre Herkunft und ihre Verbindung zur deutschen Handelsgeschichte.

Als Angehörige der Eigentümerfamilie war sie später am Handelskonzern KarstadtQuelle beziehungsweise Arcandor beteiligt. Die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens, besonders die Insolvenz von 2009, veränderte ihre Rolle als große Anteilseignerin. Ihre biografische Bedeutung liegt in ihrer Stellung innerhalb der Nachkriegsgeschichte des Versandhandels; sie darf nicht mit der operativen Geschäftsführung ihrer Eltern oder späterer Manager gleichgesetzt werden.

Auch die Geschichte des Unternehmens in der NS-Zeit wird dadurch nicht ausgeblendet: Für Gustav Schickedanz ist eine eigene quellenkritische Biografie vorgesehen. Bei Madeleine handelt es sich um eine lebende Person; der Artikel beschränkt sich auf öffentliche, historisch relevante Lebens- und Unternehmensdaten.

Quellen

Marie Sahlmann, geborene Klein BIO-043

Marie Sahlmann, geborene Klein

Personen-ID: BIO-043 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Die Sahlmann-Villa und eine Fürther Stifterin

Marie Sahlmann, geborene Klein, stammte aus Mainz und wurde auch Flora Marianne genannt. Sie heiratete 1870 den verwitweten Fürther Hopfenhändler Anton Sahlmann. Aus dessen erster Ehe mit Betti Frankenthal lebten bereits Kinder in der Familie; später kamen weitere hinzu. Das gemeinsame Familienleben spielte sich in der Sahlmann-Villa am Bahnhofplatz 4 ab, einem der markanten Häuser der Fürther Bahnhofsumgebung.

Beim Besuch des bayerischen Prinzen Ludwig im Mai 1906 war die Villa Schauplatz eines offiziellen Empfangs. Ein später überlieferter Brief Maries an ihren Sohn Paul schildert den Alltag dieser ungewöhnlichen Feier aus Sicht der Gastgeberin. Der Bericht ist auch deshalb bemerkenswert, weil hier die Stimme einer Frau aus dem Fürther Bürgertum in einer Familienquelle erhalten ist.

Nach Antons Tod 1909 unterstützte Marie nach Angaben der Familienforschung mehrere gemeinnützige Einrichtungen. Sie war an der Gründung einer nach Anton und Marie Sahlmann benannten Bildungsstiftung beteiligt. Sie starb 1919 in Fürth. Ihr Geburtsjahr wird in der Forschung unterschiedlich angegeben und deshalb hier nicht festgelegt.

Quellen

Marta Barbara Wassermann, geb. Karlweis BIO-086

Marta Barbara Wassermann, geb. Karlweis

Personen-ID: BIO-086 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Marta Karlweis wurde am 27. April 1889 in Wien geboren. Sie wuchs in einem künstlerisch geprägten Umfeld auf und veröffentlichte ab 1913 eigene literarische Arbeiten. Mit Romanen, Essays und journalistischen Beiträgen setzte sie sich mit dem gesellschaftlichen Leben Österreichs auseinander. Zu ihren Werken gehören »Die Insel der Diana« von 1919 und »Ein österreichischer Don Juan« von 1929.

Marta Karlweis war zunächst mit dem Industriellen Walter Stross verheiratet; aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor. Später lebte sie mit dem Schriftsteller Jakob Wassermann zusammen, mit dem sie einen Sohn, Carl Ulrich, hatte. Nach Wassermanns Tod 1934 arbeitete sie in der Schweiz als Publizistin und beschäftigte sich erneut mit Psychologie. 1939 emigrierte sie nach Kanada und setzte dort ihre berufliche Tätigkeit fort. Sie starb am 2. November 1965 in der Schweiz. Ihr Lebensweg zeigt eine eigenständige Schriftstellerin und Psychologin, nicht bloß eine Figur aus der Biografie Jakob Wassermanns.

Quellen

Martha Krautheimer, geb. Landmann, später Ehrlich BIO-062

Martha Krautheimer, geb. Landmann, später Ehrlich

Personen-ID: BIO-062 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Martha Krautheimer, geborene Landmann (1875–1967), gehörte zu den Fürtherinnen, die sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Säuglingen und kleinen Kindern einsetzten. Sie heiratete den Kaufmann Nathan Krautheimer. Die beiden erstgeborenen Zwillinge starben 1896 bald nach der Geburt. Später wurden die Kinder Richard, Sophie Gertrude und Lotte geboren.

Marthas Engagement für die Kinderfürsorge erhielt eine dauerhafte städtische Bedeutung. Sie förderte die Fürther Krautheimer-Krippe, deren Geschichte eng mit sozialen Reformen und einer besseren Versorgung der jüngsten Stadtbewohner verbunden ist. Nach Nathans Tod blieb sie Teil des weitreichenden Familiennetzwerks. Zu ihren Kindern gehörte der Kunsthistoriker Richard Krautheimer; die Geschichte ihrer Töchter führt weiter zu Verfolgung und Emigration während der NS-Zeit. Martha Krautheimers Biografie zeigt, dass Fürther Stadtgeschichte nicht nur durch Fabriken und Kaufleute, sondern ebenso durch die Einrichtung sozialer Angebote gestaltet wurde.

Quellen

Moritz Sahlmann BIO-034

Moritz Sahlmann

Personen-ID: BIO-034 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Moritz Sahlmann wurde nach der Familiengeschichte der Skytes 1823 in Burghaslach geboren. Er arbeitete zunächst in Mühlhausen, heiratete Fanny Sulzbacher und wechselte später mit seiner Familie nach Fürth. Die Studie beschreibt ein Genehmigungsverfahren für den Handel und die Niederlassung im Jahr 1861. In Fürth betrieb Moritz die Firma M. Sahlmann & Co.

Das Unternehmen steht für die Bedeutung des Agrarprodukte- und Hopfenhandels in der Fürther Wirtschaft des 19. Jahrhunderts. Moritz starb laut Familienchronik 1892, seine Ehefrau bereits 1879. Die Familie ist mit dem Alten Jüdischen Friedhof in Fürth verbunden.

Wichtig für die Forschung ist eine Namensgleichheit: Ein Neffe des Händlers hieß ebenfalls Moritz Sahlmann. Die beiden Personen dürfen weder bei Firmennachfolgen noch bei Lebensdaten und Wohnadressen miteinander verschmolzen werden. Deshalb bezieht sich dieser Artikel ausschließlich auf den Sohn Josephs und Mathildes aus Burghaslach.

Quellen

Nathan Krautheimer BIO-061

Nathan Krautheimer

Personen-ID: BIO-061 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Nathan Krautheimer (1854–1910) gehörte zum Fürther Handelsbürgertum des späten 19. Jahrhunderts. Er gründete 1885 mit Unterstützung seiner Verwandten Albert und Louis Berneis das Unternehmen Krautheimer & Co., das Großhandel mit Kurz- und Schuhwaren betrieb. Der erste Firmensitz befand sich in der Hallstraße 9. Ab 1890 führte er das Geschäft allein.

Die Verbindung zu den Berneis war nicht nur geschäftlicher Natur: Krautheimer stammte aus demselben familiären Netzwerk, das auch die Fürther Schuhindustrie prägte. Seine Ehefrau Martha, geborene Landmann, engagierte sich später für die Säuglings- und Kinderfürsorge. Ihr Sohn Richard wurde ein international angesehener Kunsthistoriker. Nathan Krautheimer starb 1910. Seine Biografie zeigt, wie Handelsunternehmen, Verwandtschaft und bürgerliches Engagement in Fürth ineinandergriffen, ohne dass dabei die selbstständige Geschichte der einzelnen Unternehmen aus dem Blick geraten darf.

Quellen

Paul Ehrlich BIO-072

Paul Ehrlich

Personen-ID: BIO-072 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Halbbruder des Kunsthistorikers Richard Krautheimer

Paul Ehrlich wurde 1914 geboren und gehörte zur Fürther Familie Krautheimer. Seine Mutter Martha Klara Krautheimer, geborene Landmann, hatte nach dem Tod ihres ersten Ehemanns Nathan Krautheimer 1913 den Schuhfabrikanten Franz Ehrlich geheiratet. Paul war ein Sohn aus dieser zweiten Ehe.

Damit war er der jüngere Halbbruder von Richard Krautheimer sowie von Sophie Gertrude und Lotte Krautheimer. Diese Familienbeziehung ist in der ausführlichen genealogischen Dokumentation der Deutschen Biographie festgehalten. Der Zweig ist auch deshalb wichtig, weil die Angehörigen der Familie in den 1930er Jahren unterschiedliche Wege ins Exil einschlugen. Aus der bloßen Familienzugehörigkeit kann jedoch keine persönliche Fluchtgeschichte Pauls abgeleitet werden.

Paul Ehrlich starb 2005. Seine hier rekonstruierbare Biografie ist eine vorsichtig formulierte Familienkurzgeschichte. Für eigene Berufsstationen und Aufenthaltsorte sind zusätzliche Nachweise notwendig.

Quellen

Paul Mailaender BIO-016

Paul Mailaender

Personen-ID: BIO-016 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Paul Mailaender (1851–1918) gehörte zu den Söhnen des Fürther Brauerei- und Hopfenhändlers Wolf Wilhelm Mailaender. Nach dem Tod des Vaters führten Angehörige den Betrieb weiter; Paul und sein Bruder Leonhard übernahmen dabei wichtige Aufgaben. Der Ausbau der Brauerei mit dem Neubau von 1883 oberhalb der Wolfsschlucht gehört zur Firmengeschichte dieser zweiten Generation.

Paul war mit Alice Bloch verheiratet. Zu den Kindern gehörten Lucy, später als Kinderbuchautorin Lucy Malden bekannt, und Fritz, der nach der nationalsozialistischen Verfolgung um die Rückgabe des Familienunternehmens kämpfte. Die überlieferten Lebensgeschichten der Kinder verweisen weit über Fürth hinaus nach Palästina, in die Schweiz und in die Vereinigten Staaten.

Paul selbst starb vor der nationalsozialistischen Enteignung. Seine Rolle im Betrieb und die spätere Rückerstattung an die Nachkommen müssen zeitlich und rechtlich getrennt beschrieben werden. Die Brauereigeschichte ist so zugleich eine Familiengeschichte über mehrere politische Epochen hinweg.

Quellen

Paula Prager, geborene Sahlmann BIO-037

Paula Prager, geborene Sahlmann

Personen-ID: BIO-037 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Paula, auch Pauline Prager genannt, wurde 1869 in Fürth in die Familie Sahlmann geboren. Sie heiratete den Arzt Michael Sigmund Prager. Das Paar lebte lange in Fürth und hatte einen Sohn, Kurt Adolf Prager, der später Rechtswissenschaften studierte.

Unter dem nationalsozialistischen Regime verließen Paula und ihr Ehemann 1939 Fürth und gingen in die Niederlande. Dort waren sie nach der deutschen Besetzung erneut bedroht. Eine familiengeschichtliche Untersuchung und die Fürther Opferdokumentation verzeichnen ihre Deportation nach Sobibor und den 2. April 1943 als Todestag.

Die Familie zerbrach durch die Verfolgung: Auch Kurt wurde deportiert und 1942 in Auschwitz ermordet. Die Opferliste nennt für Paula ein genaues Geburtsdatum, während die Familienchronik lediglich den Geburtsmonat abweichend angibt. Bis zur Prüfung des Originalregisters wird deshalb nur das Geburtsjahr 1869 angegeben. Das belegte Schicksal darf durch den offenen Geburtstagskonflikt nicht unsichtbar bleiben.

Quellen

Paula Rosenau, geborene Feuchtwanger BIO-020

Paula Rosenau, geborene Feuchtwanger

Personen-ID: BIO-020 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Paula Feuchtwanger wurde 1878 in Fürth geboren. Sie war die Tochter von Amson Feuchtwanger und Röschen Oppenheimer. Als ihre ältere Schwester Luise 1898 starb, hinterließ diese drei kleine Kinder. Im November 1899 heiratete Paula in Eyb bei Ansbach deren Witwer, den Juwelier Simon Hermann Rosenau. Die Familie lebte zwischen Bad Kissingen und München; aus Paulas Ehe wurde 1901 der Sohn Arthur geboren.

Paula übernahm nicht nur Aufgaben in einer bestehenden Familie, sondern war auch selbst von der späteren Verfolgung betroffen. Nach 1933 floh sie mit ihrem Mann nach Frankreich. Die Familie hielt sich unter anderem in Nizza auf. Im Oktober 1943 wurden Paula und ihr Mann nach Drancy gebracht und von dort nach Auschwitz deportiert.

Paula Rosenau wurde in Auschwitz ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht nachgewiesen. Ihre Biografie zeigt, wie die Geschichte einer Fürther Unternehmerfamilie über Heirat, Flucht und Deportation in die europäische Geschichte des Nationalsozialismus führt.

Quellen

Pauline Landmann, geb. Hellmuth BIO-067

Pauline Landmann, geb. Hellmuth

Personen-ID: BIO-067 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Die ältere Generation der Krautheimer-Krippe

Pauline Hellmuth lebte von 1855 bis 1953 und war mit dem Kaufmann und Hopfenhändler Ernst Landmann verheiratet. Die Deutsche Biographie führt sie als Großmutter mütterlicherseits des Fürther Kunsthistorikers Richard Krautheimer. Ihre Tochter Martha Klara Landmann heiratete Nathan Krautheimer und gründete 1912 in Fürth die später nach der Familie benannte Krautheimer-Krippe.

Damit gehörte Pauline zur vorhergehenden Generation eines Familienkreises, der Fürths Handelsgeschichte mit der Entwicklung privater sozialer Einrichtungen verband. Die Fürther Hopfenwirtschaft, die kaufmännische Tätigkeit der Landmanns und die spätere soziale Stiftung werden über diese Verbindung verständlich. Es wäre jedoch falsch, Pauline selbst die Gründung der Kinderkrippe zuzuschreiben.

Über ihren eigenen Beruf oder ein öffentliches Amt geben die ausgewerteten Quellen keinen sicheren Aufschluss. Die Lebensdaten und die verwandtschaftliche Verbindung lassen sich aber klar dokumentieren.

Quellen

Raphael Krautheimer BIO-064

Raphael Krautheimer

Personen-ID: BIO-064 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Ein Viehhändler aus Niederstetten im Fürther Familiennetz

Raphael Krautheimer wurde 1826 geboren und stammte aus Niederstetten im hohenlohischen Raum. Die Deutsche Biographie bezeichnet ihn als Viehhändler. Er war mit Sophie, geborene Berneis, verheiratet. Beide gehörten zu jener Generation jüdischer Handelsfamilien, deren Kinder und Enkel ihre beruflichen Verbindungen später über verschiedene Städte Süddeutschlands ausweiteten.

Zu ihren Nachkommen gehörte Nathan Krautheimer, der sich als Kaufmann in Fürth niederließ und im Handel mit Kurz- und Schuhwaren tätig war. Dessen Sohn Richard Krautheimer wurde später als Architekturhistoriker international bekannt. Der Familienzweig verband somit den regionalen Viehhandel des 19. Jahrhunderts mit der Fürther Wirtschaft und dem Gelehrtenleben des 20. Jahrhunderts.

Raphael Krautheimer starb 1892 in Bad Mergentheim. Die Lebensdaten und verwandtschaftlichen Beziehungen sind in der genealogischen Übersicht der Deutschen Biographie festgehalten. Über sein unmittelbares Geschäft und seine Wohnstationen liegen hier noch keine gleichwertig detaillierten Nachweise vor.

Quellen

Regine Ellern, geborene Feuchtwanger BIO-053

Regine Ellern, geborene Feuchtwanger

Personen-ID: BIO-053 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Regine Feuchtwanger wuchs als Tochter des Fürther Silberhändlers Seligmann Feuchtwanger und seiner Frau Fanny, geborene Wassermann, in einer weitverzweigten Kaufmannsfamilie auf. Die jüdische Familie verband den Handel in Fürth mit verwandtschaftlichen Geschäftsbeziehungen in anderen Städten.

Als junge Frau war Regine bereits im Dezember 1851 mit Hayman Ellern verlobt. Die erhaltene Verlobungsurkunde belegt die sorgfältigen wirtschaftlichen Regelungen der Verbindung: Seligmann Feuchtwanger verpflichtete sich zu einer Mitgift von 6.000 Gulden. Die Hochzeit fand im Oktober 1852 statt, einige Monate nach dem Tod ihres Vaters. Durch Regines Ehe entstand eine weitere Verbindung zwischen kaufmännischen Familien. Die dokumentierten Vereinbarungen zeigen, dass die Heirat in der Mitte des 19. Jahrhunderts zugleich eine soziale und wirtschaftliche Angelegenheit war. Angaben über ihr späteres Leben werden erst nach Prüfung weiterer Personen- und Familienunterlagen ergänzt.

Quellen

Richard Krautheimer BIO-063

Richard Krautheimer

Personen-ID: BIO-063 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Richard Krautheimer wurde am 6. Juli 1897 in Fürth geboren. Er wurde einer der einflussreichsten Architekturhistoriker des 20. Jahrhunderts. Nach dem Ersten Weltkrieg studierte er zunächst Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft, dann Kunstgeschichte. 1923 promovierte er in Halle; später habilitierte er sich in Marburg. Besonders intensiv beschäftigte er sich mit den frühchristlichen Kirchen Roms.

Die nationalsozialistische Machtübernahme beendete seine Perspektiven als jüdischer Wissenschaftler in Deutschland. Krautheimer forschte zunächst in Rom und lehrte anschließend in den Vereinigten Staaten. Am Vassar College und später an der New York University baute er eine internationale wissenschaftliche Laufbahn auf. Seine Arbeiten zur Architektur der Spätantike und des byzantinischen Raums prägten Methoden und Fragestellungen des Fachs.

Im Zentrum seines Forschens stand die Frage, wie Bauten in ihrer jeweiligen religiösen, sozialen und politischen Umgebung verstanden werden können. Statt Kirchen allein nach Stilmerkmalen zu ordnen, untersuchte Krautheimer auch deren Bedeutung für Auftraggeber und Zeitgenossen. Er starb am 1. November 1994 in Rom. Seine Biografie zeigt den Verlust wissenschaftlicher Talente durch die NS-Verfolgung – und die nachhaltige Wirkung eines Forschers, dessen Lebensweg in Fürth begann.

Quellen

Richard Sahlmann BIO-035

Richard Sahlmann

Personen-ID: BIO-035 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Richard Sahlmann (1859–1927) war ein Sohn des Fürther Hopfenhändlers Sigmund Sahlmann und seiner Ehefrau Nanni. Nach der Familienchronik von Heinz und Thea Ruth Skyte kam er in Mühlhausen zur Welt und lebte später in Fürth. 1893 heiratete er Berta Berolzheimer aus einer bedeutenden Fürther Unternehmerfamilie.

Die Ehe verband zwei wirtschaftlich und gesellschaftlich aktive Familien, deren Angehörige im Hopfenhandel, in der Industrie und im Fürther Gemeindeleben tätig waren. Die Familienforschung nennt zwei Söhne, Franz Siegfried und Ernst Sahlmann. Für die Nachkommen ist eine Emigration aus dem nationalsozialistischen Deutschland überliefert, deren genaue Umstände noch gesondert zu prüfen sind.

Richards Biografie verdeutlicht damit die Verflechtung Fürther Familien über Heiraten, Gewerbe und soziale Netzwerke. Die beiden Familienbezeichnungen Sahlmann und Berolzheimer begründen eine konkret überlieferte Eheverbindung, aber nicht automatisch Eigentumsanteile oder gemeinsame Firmen. Entsprechende Aussagen werden erst nach Handelsregisterprüfung ergänzt.

Quellen

Robert Löwensohn BIO-049

Robert Löwensohn

Personen-ID: BIO-049 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Robert Löwensohn wurde 1895 in Fürth geboren und entstammte der Familie des bekannten Fürther Verlagsunternehmens. Er war mit Ella-Ruth Mündheim verheiratet. Die Studie Fiorda 14–18 beschreibt den Ausbau des Familienlebens in Fürth, die Wohnung in der Königswarterstraße und später den Erwerb eines Hauses im Villenviertel Dambach. Die Biografie steht damit auch für die soziale Lage einer wohlhabenden jüdischen Unternehmerfamilie vor 1933.

Die nationalsozialistische Verfolgung zwang Robert zur Emigration nach Frankreich. Im August 1942 wurde er zusammen mit seiner Frau festgenommen; beide wurden am 18. September 1942 aus Drancy nach Auschwitz deportiert. Eine Fürther Opferdokumentation führt ihn als vermisst. Eine ausführlichere Studie berichtet von einem späteren Häftlingsnachweis in Auschwitz im Jahr 1944 und von einer Überlieferung zu einem Todesmarsch 1945.

Weil der genaue Todestag nicht gesichert ist, wird weder 1942 noch 1945 als zweifelsfreies Todesdatum angegeben. Die Biografie hält stattdessen die nachgewiesenen Stationen fest und beschreibt die noch offene Quellenfrage.

Quellen

Rosie Berneis, geborene Benda BIO-095

Rosie Berneis, geborene Benda

Personen-ID: BIO-095 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Von New York in die Fürther Unternehmerfamilie

Rosie Berneis, geborene Benda, wurde nach der Familiengeschichte der Stadt Herzogenaurach in New York geboren. Im Jahr 1881 heiratete sie den Fürther Schuhfabrikanten Louis Berneis. Aus der Ehe ging der 1887 geborene Sohn Bruno hervor, der später selbst in der Schuhindustrie tätig war und unter dem Nationalsozialismus verfolgt wurde.

Rosies Lebensgeschichte ist mit dem raschen Aufstieg der Fürther Schuhindustrie verbunden. Louis Berneis hatte 1875 zusammen mit seinem Bruder Albert die Schuhfabrik B. Berneis gegründet. Die Familie blieb nach der Eheschließung zunächst in Fürth, wo die Brüder Berneis mit ihren Angehörigen ein Haus in der Louisenstraße bezogen. Nach der Darstellung von Irene Lederer verlegten beide Familien 1890 ihren Wohnsitz nach Nürnberg.

Die biografischen Angaben über Rosie sind lückenhaft. Insbesondere enthält eine landeshistorische Onlinebiografie die unmögliche Kombination eines Sterbejahrs 1884 mit der Geburt des Sohnes 1887. Deshalb werden für Rosie weder ein Geburts- noch ein Todesjahr angegeben. Ein eigenständiger beruflicher Werdegang ist bisher nicht nachgewiesen.

Quellen

Sara Feuchtwanger, geborene Fürther BIO-029

Sara Feuchtwanger, geborene Fürther

Personen-ID: BIO-029 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Von Pappenheim in das Familiennetz Feuchtwanger

Sara Fürther wurde 1830 in Pappenheim geboren. Sie war eine Tochter des Handelsmanns Maier Moses Fürther und seiner Frau Jette, geborene Neumann. Ihre Familiengeschichte hat ihren Ausgangspunkt nicht in der Stadt Fürth: „Fürther“ ist hier der Familienname, während Pappenheim als Geburtsort dokumentiert ist.

Am 1. März 1853 heiratete Sara in Fürth den aus dieser Stadt stammenden Elkan Feuchtwanger. Der Ehemann wurde später als Unternehmer in München tätig. Die Ehe verknüpfte damit zwei jüdische Familien aus verschiedenen bayerischen Orten und führte die Pappenheimer Familienlinie in den Münchner Zweig der Feuchtwangers. Zu den Nachkommen dieser Linie gehörte der Schriftsteller Lion Feuchtwanger.

Sara starb nach dem von Rolf Hofmann zusammengestellten Pappenheimer Familienblatt 1906 in München. Die Familienüberlieferung lässt sich bei dieser Biografie durch konkrete Daten zur Herkunft und Eheschließung fassen. Mehr über ihren eigenen Alltag oder ihre beruflichen Tätigkeiten lässt sich aus den gegenwärtig zugänglichen Quellen nicht zuverlässig ableiten.

Quellen

Seligmann Feuchtwanger BIO-051

Seligmann Feuchtwanger

Personen-ID: BIO-051 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Seligmann Feuchtwanger, 1786 geboren, gehörte im frühen 19. Jahrhundert zu den Fürther jüdischen Kaufleuten, die sich in einem streng geregelten Niederlassungssystem eine wirtschaftliche Existenz aufbauten. Seine Ansässigmachung ist für 1818 aktenmäßig nachgewiesen. Die Unterlagen nennen ihn als Silberhändler; auch der Handel mit altem Kupfer, Silber und Messing ist überliefert. Im selben Jahr heiratete er Fanny Wassermann aus Wallerstein.

Die Ehe verband zwei weitverzweigte Handelsfamilien. Fannys Familie betrieb einen überregional erfolgreichen Warenhandel, der später in ein bedeutendes Bankgeschäft hineinwuchs. Die Verbindung veränderte die Chancen der nächsten Generation. Kinder des Ehepaars erhielten ihre kaufmännische Ausbildung teilweise bei Verwandten aus der Familie Wassermann und gründeten später selbst Unternehmen. Seligmann starb im März 1852. Seine Biografie zeigt, wie Berufswege, Heirat und verwandtschaftliche Netzwerke in der jüdischen Wirtschaftsgeschichte Fürths zusammenwirkten.

Quellen

Siegfried Sahlmann BIO-045

Siegfried Sahlmann

Personen-ID: BIO-045 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Verbindungen zwischen Hopfenhandel und Spiegelglasindustrie

Siegfried Sahlmann wurde 1859 in Fürth geboren. Er war ein Sohn des Hopfenkaufmanns Anton Sahlmann aus dessen erster Ehe mit Betti, geborene Frankenthal. Die Sahlmanns gehörten zu den Familien, die im 19. Jahrhundert im Fürther Handel mit Hopfen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen Bedeutung erlangten.

1890 heiratete Siegfried die aus Fürth stammende Fanny Büchenbacher, Tochter von Leopold Büchenbacher. Mit dieser Ehe wurden zwei unterschiedliche Wirtschaftsbereiche familiär verbunden: der Hopfenhandel der Sahlmanns und die Spiegelglasindustrie, mit der die Familie Büchenbacher verbunden war. Die Familienforschung nennt außerdem eine berufliche Verbindung Siegfrieds zur Fürther Spiegelglas-Aktiengesellschaft, ohne dass aus der vorliegenden Quelle ein bestimmtes Vorstands- oder Aufsichtsratsamt zuverlässig abzuleiten wäre.

Siegfried starb 1932 in Nürnberg. Der biografische Eintrag dokumentiert vor allem die über Eheverbindungen entstehenden Unternehmernetzwerke zwischen den beiden Nachbarstädten. Eine spezifische Organfunktion in der Spiegelglasgesellschaft wird nicht zugeschrieben.

Quellen

Sigmund Sahlmann BIO-033

Sigmund Sahlmann

Personen-ID: BIO-033 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Sigmund Sahlmann wurde nach der Familiengeschichte von Heinz und Thea Ruth Skyte 1828 in Burghaslach geboren. Er war zunächst in Mühlhausen im Hopfenhandel tätig, bevor er Anfang der 1860er-Jahre seine geschäftliche Tätigkeit nach Fürth verlagerte. Die Familienchronik nennt die Erteilung einer Handelserlaubnis und des Niederlassungsrechts vom 16. Januar 1862.

In Fürth führte er das Unternehmen S. Sahlmann, zunächst in der Friedrichstraße 18 und später in der Gebhardtstraße. Seine Ehefrau war Nanni Sulzbacher. Zu den Kindern gehörten Richard, Emma und Paula, deren Lebenswege auf unterschiedliche Weise nach Fürth, Nürnberg und später in die nationalsozialistische Verfolgung führten. Sigmund starb der Familienüberlieferung zufolge 1903 in Fürth.

Die Firmenbezeichnung S. Sahlmann ist von den Geschäften anderer Angehöriger, insbesondere M. Sahlmann & Co. und Gebrüder Sahlmann, zu unterscheiden. Diese Trennung verhindert, dass aus einem weit verzweigten Familiennetzwerk fälschlich ein einziges Unternehmen entsteht.

Quellen

Simon Hermann Rosenau BIO-005

Simon Hermann Rosenau

Personen-ID: BIO-005 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Simon Hermann Rosenau wurde 1861 in Bad Kissingen geboren. Der Gold- und Silberschmied führte dort sowie in München ein Juweliergeschäft und gehörte zur jüdischen Geschäftswelt der beiden Städte. Über seine Ehen war er eng mit Fürth verbunden: Zunächst heiratete er Luise Feuchtwanger. Nach ihrem frühen Tod wurde deren Schwester Paula seine zweite Ehefrau.

Aus der ersten Ehe stammten Ida, Hermann Sigmund und Felicie. Arthur war der gemeinsame Sohn aus der zweiten Ehe. Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil die Verfolgungs- und Fluchtgeschichten der vier Kinder unterschiedlich verliefen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlor auch Rosenau seine bisherige Lebensgrundlage. 1933 emigrierte er nach Frankreich und lebte später in Nizza.

Im Oktober 1943 wurde er über das Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert. Er überlebte die Verfolgung nicht. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt. Sein Leben zeigt die Verflechtung von Fürther Familienbeziehungen, süddeutschem Schmuckhandel und der europäischen Verfolgungsgeschichte.

Quellen

Sophie Gertrude Caspary, geb. Krautheimer BIO-068

Sophie Gertrude Caspary, geb. Krautheimer

Personen-ID: BIO-068 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Sophie Gertrude Krautheimer wurde am 29. Mai 1900 in Fürth geboren. Sie war eine Tochter von Nathan und Martha Krautheimer und die Schwester des später in den USA wirkenden Kunsthistorikers Richard Krautheimer. Sophie ließ sich zur Krankenschwester ausbilden und arbeitete auch als Industriefotografin. Sie heiratete den Kaufmann Ernst Caspary; der Historiker Gerard Ernest Caspary war ihr Sohn.

Nach Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft emigrierte die Familie 1933 nach Frankreich. Für Sophie bedeutete die Flucht jedoch keine dauerhafte Sicherheit. 1942 wurde sie in das Sammel- und Internierungslager Drancy bei Paris deportiert und anschließend nach Auschwitz verschleppt. Dort wurde sie ermordet. Die biografische Überlieferung ermöglicht es, ihr Leben nicht auf die Verfolgung zu reduzieren: Sie war ausgebildete Berufsfrau, Mutter und Teil eines transnationalen Familiennetzwerks. Ein gesicherter individueller Todestag wird in dieser Fassung nicht behauptet.

Quellen

Sophie Krautheimer, geb. Berneis BIO-065

Sophie Krautheimer, geb. Berneis

Personen-ID: BIO-065 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Eine Familienverbindung zwischen Niederstetten und Fürth

Sophie Berneis wurde 1822 geboren und stammte aus Niederstetten. Sie heiratete den Viehhändler Raphael Krautheimer. Beide gehörten zu einem weitverzweigten jüdischen Familiennetz in Hohenlohe und Franken, in dem wirtschaftliche Tätigkeit und Verwandtschaft häufig über die Grenzen einzelner Städte hinausreichten.

Ihr Sohn Nathan Krautheimer arbeitete später als Kaufmann in Fürth. Der Enkel Richard Krautheimer wurde 1897 in Fürth geboren und entwickelte sich zu einem bedeutenden Architekturhistoriker. Diese genealogische Verbindung ist in der Deutschen Biographie ausdrücklich dokumentiert. Sie zeigt, wie sich die Herkunftsfamilien des Fürther Bürgertums mit kleineren Handelsorten des Umlands verbinden lassen.

Sophie starb 1888 in Bad Mergentheim. Ein eigener Beruf oder eine rechtliche Funktion in einem der späteren Fürther Unternehmen ist aus den hier ausgewerteten Unterlagen nicht ersichtlich. Die biografische Bedeutung der dokumentierten Person liegt daher vorerst in ihrer klar belegbaren Stellung innerhalb einer überregionalen Familiengeschichte.

Quellen

Sophie Scheler, geborene Fürther BIO-030

Sophie Scheler, geborene Fürther

Personen-ID: BIO-030 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Pappenheimer Herkunft und eine Münchner Gelehrtenfamilie

Sophie Fürther wurde 1844 in Pappenheim geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann und Bankier Meyer beziehungsweise Maier Moses Fürther und Jette Neumann. Sie gehörte damit zu jener jüdischen Familie aus Pappenheim, deren Mitglieder im 19. Jahrhundert durch Handel und Eheschließungen Beziehungen nach Fürth, München und in weitere Städte knüpften.

Sophie heiratete Gottlieb Scheler, der aus Coburg stammte und als Domänenverwalter tätig gewesen war. Das Ehepaar lebte später in München. Ihr Sohn Max Scheler, geboren 1874, wurde als Philosoph bekannt. Die Deutsche Biographie dokumentiert Sophie ausdrücklich als dessen Mutter und nennt die Eltern der geborenen Fürther. Ein regionales Familienblatt ergänzt ihre eigenen Lebensjahre 1844 bis 1915.

Sophies Biografie verdeutlicht die regionale Mobilität einer Familie, deren Name mit der Stadt Fürth verwechselt werden kann. Ein eigener Beruf oder öffentliches Amt der Sophie Scheler ist in den ausgewerteten Nachweisen nicht belegt.

Quellen

Theodor Löwensohn BIO-048

Theodor Löwensohn

Personen-ID: BIO-048 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Theodor Löwensohn prägte über Jahrzehnte die Entwicklung der Fürther Bilderbücherfabrik. Mit seinem Bruder Bernhard übernahm er 1871 nach dem Tod des Vaters Gerson das Unternehmen. Die Brüder erweiterten das Verlagsgeschäft und organisierten die Produktion zunehmend nach industriellen Maßstäben. Bilderbücher, Bilderbögen und weitere Druckerzeugnisse erreichten ein Publikum über Fürth hinaus.

Theodor Löwensohn engagierte sich zugleich für soziale Einrichtungen. 1894 entstand eine nach ihm benannte Arbeiterstiftung. Ihre Zielgruppe waren vor allem langjährig tätige Arbeiterinnen und Arbeiter, während die Stiftung seines Bruders Bernhard stärker auf Hinterbliebene ausgerichtet war. Diese unterschiedlichen Zwecke sind für die Sozialgeschichte Fürths aufschlussreich.

Zeitgenössische Meldungen aus dem Jahr 1911 berichten zudem von einer Zuwendung über 50.000 Mark für eine in Cadolzburg gegründete Walderholungsschule, deren Stiftung den Namen seiner Frau Rosa trug. Ebenfalls 1911 wurde eine weitere Zuwendung an Kaufmannserholungsheime bekannt. Theodor Löwensohns Wirken lässt sich deshalb nicht allein anhand der Unternehmensentwicklung beschreiben: Es reichte in Bereiche der Erholung, der Gesundheitsvorsorge und der Unterstützung von Beschäftigten hinein. Das in den Quellen unterschiedlich angegebene Sterbejahr wird in dieser Fassung bewusst nicht festgelegt.

Quellen

Trude Krautheimer-Hess BIO-074

Trude Krautheimer-Hess

Personen-ID: BIO-074 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Trude Krautheimer-Hess (1902–1987) war Kunsthistorikerin und Kunstsammlerin. Unter ihrem Geburtsnamen Hess und unter dem Namen Krautheimer-Hess sind eigene wissenschaftliche Arbeiten sowie bibliografische Nachweise überliefert. Sie war mit dem aus Fürth stammenden Kunsthistoriker Richard Krautheimer verheiratet.

Die beiden teilten ein wissenschaftliches Umfeld, doch Trudes eigene Tätigkeit darf nicht auf die Rolle als Ehefrau reduziert werden. Die Klassik Stiftung Weimar führt sie ausdrücklich als Kunsthistorikerin und Kunstsammlerin. Auch die Deutsche Biographie erfasst sie unter eigenständiger Normdaten-ID und verweist auf weiterführende Archiv- und Literaturnachweise. Ihr Name ist deshalb ein eigener Zugang zur Geschichte der kunsthistorischen Forschung und ihrer Sammlungen im 20. Jahrhundert. Zur genauen Datierung ihrer Promotion bestehen unterschiedliche bibliografische Angaben; sie wird hier nicht ohne weitere Universitätsunterlagen festgelegt.

Quellen

Wolf Wilhelm Mailaender BIO-015

Wolf Wilhelm Mailaender

Personen-ID: BIO-015 · Redaktioneller Kurzartikel · Quellen am Artikelende

Wolf Wilhelm Mailaender war Kaufmann, Hopfenhändler und Begründer der späteren Brauerei Mailaender. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte er seine Handelsgeschäfte in Fürth. Eine ausführliche Familienbiografie in der Hamburger Stolperstein-Dokumentation beschreibt zunächst Schwierigkeiten bei der Niederlassung und seine Tätigkeit im Stoffhandel; ab 1853 wurde der Hopfenhandel zu einem wichtigen Schwerpunkt.

1862 erwarb Mailaender zwei ältere Fürther Brauereien und schuf die wirtschaftliche Grundlage für den Familienbetrieb. Ein Ausflugslokal und ein Biergarten, der als Fürther Prater bekannt wurde, gehörten später ebenfalls zur Unternehmensgeschichte. Nach seinem Tod führten Angehörige die Geschäfte weiter. Der erst später gebräuchliche Name Bergbräu darf für die Gründungszeit nicht rückwirkend verwendet werden; er setzte sich nach dem Neubau von 1883 durch.

Die Quellen widersprechen sich beim genauen Sterbejahr des Firmengründers. Seine biografische Bedeutung ist dennoch gut belegt: Er verband Handel, Immobiliengeschäfte und Brauereiwesen und schuf die Grundlage für eine über Generationen fortgeführte Fürther Firma.

Quellen