Ärztinnen und Ärzte

Emilie Lehmus – Ärztin und Pionierin der medizinischen Berufsausbildung

Emilie Lehmus wurde am 30. August 1841 in Fürth geboren. Auf dem Weg zu einer medizinischen Ausbildung musste sie Hindernisse überwinden, weil Frauen an deutschen Universitäten lange nicht regulär Medizin studieren durften. Sie wechselte deshalb in die Schweiz und erwarb dort ihren medizinischen Abschluss.

Die Verbindung zwischen Fürth und dem späteren medizinischen Pionierwerk von Emilie Lehmus beginnt in ihrer Schulbildung. Ihr Vater, der Kirchenrat Eduard Lehmus, unterstützte die Berufswünsche seiner Töchter. Emilie wurde zeitweilig in Paris ausgebildet und unterrichtete nach der Rückkehr mehrere Jahre am Fürther Marienstift, einer höheren Töchterschule. Während eines Berlinbesuchs fasste sie um Ostern 1870 den Entschluss, Medizin zu studieren. Zur Vorbereitung erhielt sie von ihrem Vater Lateinunterricht. Im Oktober 1870 schrieb sie sich an der Universität Zürich ein.

Nach ihrer Promotion am 27. Februar 1875 sammelte sie Erfahrungen an Entbindungsanstalten in Prag und Dresden. 1876 begann ihre Berliner Tätigkeit als Ärztin für Frauen und Kinder, obwohl sie keine deutsche Approbation erlangen konnte. Gemeinsam mit Franziska Tiburtius entstand zunächst eine Praxis und ab 1877/78 ein frauenärztliches Poliklinikangebot, das auch unbemittelte Frauen erreichte. Die verschiedenen Jahresangaben betreffen wahrscheinlich unterschiedliche Schritte bei Praxis- und Klinikgründung und müssen in einer genaueren Berliner Chronologie getrennt werden.

Lehmus engagierte sich außerdem für die medizinische Versorgung von Lehrerinnen und weiblichen Angestellten. Nach Erkrankungen zog sie sich um 1900 aus der Praxis zurück und verbrachte ihre letzten Lebensjahre in der Region um Gräfenberg. Ihr Weg zeigt, dass die frühen Hürden für Ärztinnen nicht allein im Medizinstudium lagen: Auch nach dem Abschluss mussten berufliche Anerkennung und institutionelle Zugänge neu geschaffen werden.

Ihr berufliches Netzwerk in Berlin reichte über die gemeinsam mit Franziska Tiburtius geführte Poliklinik hinaus. Die biografische Datenbank der Charité nennt Tätigkeiten für den Sanitätsverein für Lehrerinnen und Erzieherinnen von 1878 bis 1885 und ab 1889 für einen kaufmännischen und gewerblichen Hilfsverein weiblicher Angestellter. Diese Angaben zeigen, dass die ärztliche Versorgung von Frauen bei Lehmus eng mit der sozialen Absicherung arbeitender Frauen verbunden war. Dieselbe Datenbank dokumentiert die besonderen Hindernisse ihrer Niederlassung ohne deutsche Approbation und führt den 27. Februar 1875 als Promotionsdatum. Eine allgemeine Formulierung über den Sommer 1875 darf diese präzisere Datumsangabe nicht verdrängen.

Quellen und Literatur

  1. https://geschichte.charite.de/aeik/biografie.php?ID=AEIK00016
  2. https://magazin.aekb.de/kultur-geschichte/aerztinnen-der-ersten-generation-emilie-lehmus
  3. https://www.gedenktafeln-in-berlin.de/gedenktafeln/detail/emilie-lehmus-und-franziska-tiburtius/284
  4. https://www.matrikel.uzh.ch/active/static/12985.htm
  5. https://www.geschichtsverein-fuerth.de/index.php/menuetitel2/fgb-download/category/23-fgb-jahrgang-2020?download=144%3Afgb-heft-4-2020

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