Ärztinnen und Ärzte
Simon Höchheimer – ein Fürther Armenarzt und Vordenker der Gleichberechtigung
Von Fürth aus blickte Simon Höchheimer auf ein Leben zurück, das zwischen jüdischer Gelehrsamkeit, Medizin und dem Kampf um Bürgerrechte verlief. 1744 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Veitshöchheim geboren, erhielt er zunächst eine traditionelle jüdische Ausbildung. Vieles erarbeitete er sich selbst: Mathematik, Ökonomie und Geographie gehörten zu seinen Studiengebieten. Als junger Mann führte ihn sein Weg 1773/74 nach Berlin, wo er als Hauslehrer wirkte und Zugang zum Umfeld des Philosophen Moses Mendelssohn fand.
Mit einem Empfehlungsschreiben Mendelssohns suchte Höchheimer berufliche Anerkennung in Franken. Nach weiteren Reisen und Aufenthalten begann er in Mainz Medizin zu studieren. 1791 promovierte er als erster jüdischer Doktorand der Medizin an der Universität Freiburg. Später war er als Arzt und fürstlicher Leibarzt in Wien und Mähren tätig. Dass er zugleich pädagogische und politische Schriften verfasste, ist kein Nebenaspekt: Für ihn gehörten Bildung, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe zusammen.
Nach der Säkularisation des Hochstifts Würzburg 1803 richtete Höchheimer Vorschläge zur jüdischen Schulbildung an Kurfürst Max IV. Joseph. Die erhoffte Anstellung in Würzburg blieb ihm trotz anfänglicher Aussicht versagt. Schließlich übernahm er in Fürth die Tätigkeit eines Armenarztes der jüdischen Gemeinde. Hier traf seine lange Auseinandersetzung mit rechtlicher Benachteiligung auf den Alltag einer Stadt, in der organisierte religiöse Gemeindehilfe eine wichtige Rolle spielte.
Auch als Autor widersprach er antijüdischen Darstellungen. Mit dem 1816/17 entstandenen Drama „Der Spiegel für Israeliten“ reagierte er auf das 1815 populäre Stück „Unser Verkehr“, das jüdische Menschen in Klischees zeichnete. Schon 1786 hatte er über Moses Mendelssohns Tod geschrieben; 1824 erschien in Fürth eine autobiografisch und pädagogisch angelegte Schrift. Höchheimer starb am 26. Mai 1828 in Fürth. Sein Lebenswerk zeigt, wie ärztliche Versorgung und das Streben nach rechtlicher Gleichstellung für einen jüdischen Aufklärer eng verbunden sein konnten.