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Straßennamen · Stadtrat · Erinnerungskultur

Wie Fürth Straßen umbenennt – und wessen Namen bleiben

Ein Straßenname ist eine öffentliche Entscheidung: Er kann an Überlebende erinnern, die Leistungen einer Pionierin sichtbar machen oder den Wunsch eines Unternehmens ausdrücken. Drei Fürther Entscheidungen aus den Jahren 2007, 2017 und 2024 zeigen unterschiedliche Maßstäbe – mit Originalbeschlüssen und offen benannten Forschungslücken.

2007 · Golfpark Atzenhof

Aus Willy-Messerschmitt-Straße wird Melli-Beese-Straße

Eine Straße auf dem früheren Flughafengelände sollte zunächst an den Flugzeugkonstrukteur Willy Messerschmitt erinnern. Nach Kritik an seiner Rolle im Nationalsozialismus wurde sie 2007 nach der Flugpionierin Melli Beese (1886–1925) benannt. Die spätere Straße liegt im Golfpark Atzenhof. Die städtische Straßenwidmung von Januar 2007 nennt noch den alten Namen; historische Rückblicke dokumentieren den Wechsel.

Quellenstufe: zeitgenössische amtliche Verwendung des alten Namens und örtliche Sekundärdarstellung zum Wechsel. Das genaue Beschlussdatum der Umbenennung selbst ist noch nicht im Wortlaut gegengeprüft.

Straßendetail und heutige Gebäude →

23. November 2017 / ab 2018 · Innenstadt

Bella Rosenkranz statt Adolf Schwammberger

Bella Rosenkranz (1921–2017) wurde 1938 aus Fürth deportiert. Nach langer Verfolgungs- und Fluchtgeschichte, darunter Haft in der Sowjetunion, konnte sie 1961 in ihre Heimatstadt zurückkehren. Sie engagierte sich für das jüdische Gemeindeleben und für den Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft.

Nachdem historische Recherchen die Beteiligung des früheren Stadtarchivars Adolf Schwammberger am nationalsozialistischen Herrschaftssystem im besetzten Polen dokumentiert hatten, befasste sich der Stadtrat erneut mit seiner Ehrung. Am 23. November 2017 beschloss er einstimmig die Umbenennung der Schwammbergerstraße. Im städtischen Straßenreinigungsverzeichnis wurde 2018 der Name Bella-Rosenkranz-Straße eingetragen.

Die Entscheidung von 2017 und die administrative Namensführung von 2018 sind verschiedene historische Daten.

Straßendetail und Vorgängername →

27. November 2024 · im Bereich Aischweg

Eine neue Mercedes-Benz-Straße – und Vorbehalte aus dem Stadtarchiv

Die Firma Mercedes-Benz bat darum, eine neue Zufahrt zu ihrer Fürther Niederlassung nach dem Unternehmen zu benennen. Das Stadtplanungsamt unterstützte die Möglichkeit. Stadtarchiv und Stadtheimatpflege machten dagegen auf Fragen der Gleichbehandlung und auf die fehlenden Kriterien für solche firmennahen Namenswünsche aufmerksam. Eine einfache Verlängerung des Aischwegs wäre ebenfalls möglich gewesen.

Der Stadtrat entschied am 27. November 2024, die nach Norden führende Firmenzufahrt Mercedes-Benz-Straße zu nennen. Die offizielle Bekanntmachung erschien im Fürther Amtsblatt vom 29. Januar 2025.

Die Konzernadresse Aischweg 7 bleibt eine eigenständige Betriebsanschrift. Sie wird nicht ohne Adressnachweis zur Mercedes-Benz-Straße umgeschrieben.

Straßendetail mit Stadtratsquellen →

Quellen direkt zum Vorgang

Forschungsstand 11. Oktober 2026. Straßennamen, historische Umbenennungen und anliegende Häuser werden getrennt geführt. Ein erfolgreicher Benennungsbeschluss beweist nicht automatisch spätere Bebauung oder eine bestimmte Hausnummer.