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Stadt Fürth · Wirtschafts- und Firmengeschichte · Quellenprofil

J. L. Lehmann

Zu dieser historischen Firmenbezeichnung sind Originalrechnungen oder Geschäftspapiere aus der Sammlung Zweckerl dokumentiert. Darunter folgt eine quellengebundene Unternehmensgeschichte mit den bislang belegten Personen, Standorten und wirtschaftlichen Zusammenhängen. Umfang und Sicherheit der einzelnen Biografien sind unterschiedlich; ungeklärte Inhaber- und Rechtsnachfolgen bleiben ausdrücklich offen.

Historische Rechnungen und Geschäftspapiere

Historische Rechnungen und Geschäftspapiere aus der eigenen Sammlung Zweckerl, mit Freigabe zur Wiedergabe auf Kleeblattmuseum. Die Scans sind lokal auf dem Museumsserver gesichert; Datum und Firmenbezeichnung beruhen zunächst auf der Galeriebeschriftung. Die Zuordnung beweist weder einen Inhaberwechsel noch eine Firmenrechtsnachfolge.

Unternehmensgeschichte – quellengebundener Forschungsstand

Der Fürther Spiegel- und Spiegelglasbetrieb J. L. Lehmann ist in drei Geschäftspapieren von 1910, 1922 und 1923 fassbar. Das Dokument von 1910 ist ein Prima-Wechsel und keine gewöhnliche Warenrechnung. Auf den späteren Briefen stehen die Telegrammadresse MIDAS und die Telefone 571 und 560.

Am 19. April 1922 beklagt die Firma gegenüber Hermann von Grafenstein in Röthenbach einen andauernden Streik, der die Kontrolle von Lieferungen behindere. Sie verweist auf noch unverpackte Gläser und eine Zahlung von 100.000 Mark. Am 25. Juni 1923 drängt ein Folgebrief auf raschen Versand vor einer angekündigten Frachterhöhung am 1. Juli. Die drei Blätter erzählen Arbeitskampf und Lieferkrise aus der Sicht der Geschäftskorrespondenz; Angaben zu den Streikenden fehlen noch.

Historischer Quellenbefund (Originalseitenbilder bei OCR-Auszügen noch nicht vollständig geprüft): Originaldokument der Sammlung Zweckerl (direkte Sichtprüfung des archivierten Scans) · Streikbrief vom 19. April 1922 · Brief zur Frachterhöhung, 1923. Namensgleichheiten belegen nicht automatisch Familien- oder Rechtsnachfolgen.

Streik, Bahnfrachten und ein gemeinsamer Geschäftspartner

Neben Lehmann schrieben auch Leopold Heilbronn (1921) und N. Wiederer & Co. (1923) an Hermann von Grafenstein in Röthenbach. Dessen eigener Spiegelglasbetrieb wird im Branchenverzeichnis von 1930/31 mit Rohglasfabrik, Schleiferei, Polierwerken und 110 Arbeitern beschrieben. Die Lehmann-Briefe von 1922 und 1923 geben dem Netzwerk eine soziale und wirtschaftliche Dimension: Arbeitskampf, unvollständige Lieferungen und drohende Frachtsteigerungen. Die Ursachen des Streiks und der tatsächliche Warenfluss bleiben offen.

Quellenverbindungen: Heilbronn: Scheckbestätigung 1921 · Wiederer: Scheckbrief 1923 · Industrieverzeichnis 1930/31. Die Geschäftskontakte sind keine automatische Freigabe einer Firmen-, Personen- oder Eigentümeridentität.

Vertiefte Firmengeschichte

Von Jonatan Levi Lehmann zur Familie Midas (1848/49–1906)

Jonatan Levi Lehmann gründete die Fürther Spiegelfabrik nach der archivalisch gestützten Gedenkrecherche 1848/49. Das frühe Geschäft lag in der Schwabacher Straße, heute Hausnummer 43. Auguste Lehmann heiratete 1872 Adolph Midas; die Darstellung berichtet von acht Kindern. Um 1906 verlagerte sich der Betrieb in die Lange Straße 53. Die Quelle nennt den Erwerb des Areals für 110.000 Mark sowie einen weiteren Grundstückskauf von 1919 für 6.450 Mark. Die Heirat allein belegt nicht den genauen Zeitpunkt des Übergangs der Firmenanteile.

Quellen: Gedenkprojekt Spiegelfabrik – Gründung und Familie.

Die Menschen hinter der Firma

Das Verzeichnis jüdischer Gewerbebetriebe von 1938 nennt die Firma J. L. Lehmann, Lange Straße 53, unter der Buchnummer 3493. Darin erscheinen Joseph Max Midas (geboren 6. Oktober 1873), Lothar Midas (geboren 8. März 1875) und Ernst Mohr (geboren 16. März 1892) als Inhaber, Gesellschafter beziehungsweise Organmitglieder. Die einzelne juristische Funktion der drei und eine verwandtschaftliche Beziehung Ernst Mohrs sind damit noch nicht ausreichend geklärt.

Quellen: Gedenkprojekt – Gewerbeverzeichnis 1938.

1938: NS-Zwangsverkauf und Liquidation

Am 13. August 1938 erfolgte der nationalsozialistisch erzwungene Verkauf an Büttner & Stiegler. In ihrem späteren Rückerstattungsantrag berichtete die Familie Midas von massiven Drohungen und von Druck auf die Ausreisemöglichkeit eines Sohnes und seiner Angehörigen. Als Teilbeträge wurden 52.100 Reichsmark für Grundstück und Gebäude sowie 14.264 Reichsmark für Maschinen und Einrichtung genannt, mit einem späteren Abzug von 3.364 Reichsmark. Dies waren keine unter freien Marktbedingungen vereinbarten Preise. Am 24. Oktober 1938 vermerkte die IHK die Auflösung und Liquidation der Gesellschaft.

Quellen: Rückerstattungsunterlagen, ausgewertet im Gedenkprojekt · Müller, Seligman Bendit & Söhne, S. 46.

Exil, Arbeit und Wiedergutmachung

Erich Midas, seine Frau Thea und die Tochter Margarete konnten 1938 in die USA fliehen. Joseph Max Midas und seine Ehefrau fanden 1939 zunächst in England Zuflucht und gelangten erst 1943 in die Vereinigten Staaten. Erich Midas bezifferte in einer rückblickenden eidesstattlichen Erklärung die frühere Belegschaft der Fabrik auf etwa 50 Arbeiter und Angestellte; diese Angabe ist keine amtliche Personalzählung. Ein Vergleich vom 6. Juli 1950 sah 50.000 DM Nachzahlung und die Rückgabe zweier Grundstücke vor, nicht jedoch die vollständige Wiederherstellung des alten Unternehmens.

Quellen: Gedenkprojekt – Exil und Rückerstattung.

Verbindung zu Seligman Bendit & Söhne

Die gemeinsame Verbindung führt über Büttner & Stiegler: Nach zuvor genutzten Bendit-Gewerberäumen erwarb diese Firma im August 1938 das jüdisch geführte Lehmann-Unternehmen und am 25. Januar 1939 einzelne Belegmaschinen sowie Büro- und Kleingeräte von Bendit. Die Aktenauswertung nennt das Staatsarchiv Nürnberg, insbesondere BLVW Nr. 1853 und Finanzamt Fürth Nr. 1062. Dies dokumentiert Geschäftsvorgänge und NS-Verfolgung, aber keinen Zusammenschluss der früheren Familienunternehmen.

Quellen: Michael Müller, Fürther Geschichtsblätter 2/3 2006, S. 46.

Vom Familienbetrieb zur enteigneten Spiegelfabrik

Die Spiegelfabrik J. L. Lehmann wurde nach der archivalisch gestützten Recherche des Fürther Gedenkprojekts 1848/49 von Jonatan Levi Lehmann gegründet. Sie lag zunächst in der Schwabacher Straße (heute Hausnummer 43). Die Heirat von Auguste Lehmann mit Adolph Midas 1872 verbindet die beiden Familien; den genauen gesellschaftsrechtlichen Übergang des Unternehmens belegt die Heirat allein nicht. Um 1906 wurde der Betrieb an der Langen Straße 53 eingerichtet, 1919 kam nach der Gedenkdokumentation ein weiteres Grundstück hinzu.

Die eigenen Briefe von 1922 und 1923 zeigen, wie sehr Arbeitskonflikte und Lieferprobleme den Betrieb betrafen. Im April 1922 schrieb die Firma über einen andauernden Streik, der Kontrolle und Verpackung von Gläsern erschwerte. Im Juni 1923 drängte sie gegenüber Hermann von Grafenstein auf Lieferung vor einer angekündigten Frachtpreiserhöhung. Die Beschäftigten erscheinen hier bislang vor allem durch die Sicht der kaufmännischen Korrespondenz.

1938 verzeichnete die Industrie- und Handelskammer unter Nummer 3493 die Firma J. L. Lehmann, Lange Straße 53, mit Joseph Max Midas, Lothar Midas und Ernst Mohr. Am 13. August 1938 wurde das Familienunternehmen nach der detaillierten Aufarbeitung des Gedenkprojekts unter nationalsozialistischem Zwang an Büttner & Stiegler verkauft. Die Auswertung eines Rückerstattungsantrags schildert Drohungen, mit denen auch die Ausreise der Familie erzwungen und gefährdet wurde. Die frühere Gesellschaft wurde im Oktober 1938 als aufgelöst und in Liquidation gemeldet.

Der Besitzwechsel war Teil eines größeren Netzes von Verfolgung und Eigentumsübertragung. Der Historiker Michael Müller belegt, dass Büttner & Stiegler bereits 1932 von zwei früheren Mitarbeitern der Firma Seligman Bendit & Söhne gegründet worden war und zunächst Gewerbeflächen dieser Firma nutzte. 1939 erwarb Büttner & Stiegler zusätzlich Maschinen und Einrichtungen aus Bendit-Besitz. Das sind mehrere getrennte Unternehmen mit belegten Transaktionen, keine verschmolzene Firma.

Erich Midas und seine Familie flohen 1938 in die USA; Joseph Max Midas und seine Frau gelangten 1939 über England 1943 ebenfalls in die Vereinigten Staaten. Die Familie beantragte 1948 Rückerstattung. Der Vergleich vom 6. Juli 1950 umfasste eine Nachzahlung von 50.000 DM und die Rückgabe zweier Grundstücke, aber keine Wiederherstellung des früheren Unternehmens. Heute erinnert das Areal Lange Straße 53 mit einer Gedenkstätte und neuer gemeinschaftlicher Wohnnutzung an diese Geschichte.

Quellen und Nachweise: Gedenken Spiegelfabrik: Gründung, Entrechtung, Exil und Restitution · Michael Müller, Seligman Bendit & Söhne (Fürther Geschichtsblätter 2006) · Bayerische Architektenkammer: Neue Nutzung Lange Straße 53. Sekundärdarstellungen und Archivaliennachweise sind von selbst eingesehenen Originalakten zu unterscheiden.

  • Historischer Firmenbeleg: J.L.LEHMANN 1910.07.14
    14. Juli 1910 – J.L.LEHMANN 1910.07.14. Lokal archivierter Originalscan: Sammlung Zweckerl, mit Zustimmung des Sammlungsinhabers zur Wiedergabe auf Kleeblattmuseum. Belegart: Prima-Wechsel / Bankbeleg. Quellenbild öffnen.
  • Historischer Firmenbeleg: J.L.LEHMANN 1922.04.19
    19. April 1922 – J.L.LEHMANN 1922.04.19. Lokal archivierter Originalscan: Sammlung Zweckerl, mit Zustimmung des Sammlungsinhabers zur Wiedergabe auf Kleeblattmuseum. Belegart: Geschäftsbrief (Aussteller). Quellenbild öffnen.
  • Historischer Firmenbeleg: J.L.LEHMANN 1923.06.25
    25. Juni 1923 – J.L.LEHMANN 1923.06.25. Lokal archivierter Originalscan: Sammlung Zweckerl, mit Zustimmung des Sammlungsinhabers zur Wiedergabe auf Kleeblattmuseum. Belegart: Geschäftsbrief (Aussteller). Quellenbild öffnen.

Forschungsgrenze: Gleichlautende Namen belegen allein weder eine identische juristische Firma über mehrere Jahrzehnte noch verwandtschaftliche Beziehungen. Datumsangaben und Dokumentarten wurden soweit möglich direkt am Scan geprüft; bei noch nicht lesbaren Originalen sind Katalogangaben als solche erkennbar. Sekundärliteratur, Registerfunde und eigene Originalbelege sind in der Biografie getrennt ausgewiesen.