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Fürther Firmengeschichte bis 1945

Versandhaus Quelle / Gustav Schickedanz

Versandhandel, Großhandel, Textilien und Konsumgüter

Zeitlicher Ausgangspunkt: 1922 (Vorläufer); Quelle GmbH ab 26.10.1927

Unternehmensgeschichte

Die Firmenbiografie hat zwei getrennte Anfänge: Gustav Schickedanz machte sich 1922 in Fürth mit einer Großhandlung für Kurzwaren selbständig; der Name Quelle wurde 1927 als Versandhaus mit eigener GmbH eingetragen. Der Vorläuferhandel begann in der Moststraße. Ende 1926 zog die Firma Gustav Schickedanz Kurz- und Wollwaren en gros in die Königswarterstraße 10; am 26. Oktober 1927 wurde an derselben Adresse das Versandhaus Quelle GmbH mit Sitz Fürth gegründet. Ob zwischen Großhandlung und GmbH eine juristische Kontinuität oder eine Übertragung einzelner Geschäftsteile bestand, ist noch anhand der Registerakten zu klären.

Das Geschäftsmodell verband preisgünstigen Einkauf, Direktverkauf und Versand an Haushalte, die außerhalb der Städte nur eingeschränkten Zugang zu einem breiten Warenangebot hatten. Zunächst dominierten Wolle, Garne, Zwirne und Stoffe, später kamen Textilien, Schuhe und weitere Alltagswaren hinzu. Der erste kleine Quelle-Katalog für 1928/29 umfasste rund 80 Seiten. Katalog, Preislisten und Kundenkartei machten das Sortiment ortsunabhängig bestellbar und wurden zum Kern der Vertriebsorganisation. Die familiäre Katastrophe von 1929 – beim Autounfall starben Schickedanz’ Frau Anna, sein Sohn Leo und sein Vater – fiel in die frühe Aufbauphase; das Unternehmen wurde danach weitergeführt und wuchs in der Weltwirtschaftskrise.

Die räumliche Expansion lässt sich an mehreren Funktionen ablesen. 1931 übernahm Schickedanz die Fürther Filiale des Exporthauses Borgfeldt und richtete im Borgfeldthaus, Nürnberger Straße 95, die Quelle-Hauptverwaltung ein. Das Borgfeldt-Handelshaus und seine Fürther Filiale bleiben als eigener Firmenknoten getrennt. 1932 erwarb Schickedanz für den Versandbetrieb ein etwa 8.000 Quadratmeter großes Gelände an der damaligen Artilleriestraße und errichtete Fertigungshallen. Diese Fläche ist der heutigen Merkurstraße zuzuordnen. Der Großhandel verblieb zunächst an der Königswarterstraße; daher darf ein Adresswechsel beim Versandhaus nicht mit dem Ende des Großhandels gleichgesetzt werden.

In der NS-Zeit wandelte sich die Quelle von einem Versandhändler zu einem Handels-, Produktions- und Beteiligungsverbund. Die Neue Deutsche Biographie nennt für 1938 etwa 600 Beschäftigte und mehr als zwei Millionen Kunden. Gustav Schickedanz trat 1932 der NSDAP bei und gehörte ab 1935 dem Fürther Stadtrat an. 1935 erwarb er die Vereinigte Papierwerke AG, Hersteller der Marke Tempo; deren Mitinhaber Oskar Rosenfelder war 1933 emigriert. Die NDB ordnet diese und weitere Erwerbungen als Unternehmen aus vormals jüdischem Besitz ein. Die Firmenverknüpfungen bilden solche Vorgänge als Erwerbungen im Schickedanz-Umfeld ab, nicht als automatische Fusionen mit der Quelle GmbH. Erwerber, Rechtsträger, Beteiligungsform, Preis, Zwangslage und spätere Rückerstattung sind jeweils einzeln mit Unternehmens- und Wiedergutmachungsakten zu sichern. Formale Kaufverträge heben den nationalsozialistischen Verfolgungs- und Enteignungskontext nicht auf.

Am 10. und 11. August 1943 wurden fast alle Gebäude auf dem Quelle-Betriebsgelände an der Artilleriestraße zerstört. Ein Notbetrieb wurde aufrechterhalten und vom Geschäftssitz Nürnberger Straße 91/95 aus geleitet. Das Haus Nürnberger Straße 95 war zuvor Borgfeldthaus und seit 1931 Quelle-Hauptverwaltung; Gebäude-, Grundstücks- und Firmengeschichte treffen hier zusammen. 1945 endete die von Gustav Schickedanz geführte Phase mit Vermögenskontrolle durch die US-Militärregierung und einem Berufsverbot gegen ihn. Der Wiederaufbau nach 1949 liegt außerhalb dieses Profils.

Personen und ihre Rollen

Gustav Abraham Schickedanz: Gründer und Inhaber. Grete Lachner: kaufmännischer Lehrling ab 1927, später Buchhaltung und Einkauf; vor 1945 keine sichere formale Leitungsfunktion. Handelshaus Geo. Borgfeldt & Co.: Träger der Fürther Filiale vor dem Übergang 1931. Firmengründer Georg Borgfeldt (1833–1903) war 1931 bereits verstorben; ihn nicht als damaligen Verkäufer führen.

Adressen und Betriebsstätten

Moststraße (Großhandelsbeginn 1922); Königswarterstraße 10 (Großhandel ab 1926, Quelle ab 1927); Nürnberger Straße 95/Borgfeldthaus (Hauptverwaltung ab 1931); Artilleriestraße, heute Merkurstraße (Versand- und Fertigungsgelände ab 1932); Nürnberger Straße 91/95 (Notleitung nach den Angriffen 1943 bis Kriegsende). Fürther Freiheit/Hindenburgstraße als Schickedanz-Immobilienbezug vom Betriebssitz trennen.

Quellenstand und offene Verbindungen

Quelle ist als eigene Versandhaus-GmbH ab 1927 zu führen. Der Großhandel Gustav Schickedanz en gros ist Vorgänger desselben Unternehmers; juristische Kontinuität bleibt zu belegen. Borgfeldt war nicht die Quelle: 1931 gingen die Fürther Filiale und die Nutzung des Borgfeldthauses an Schickedanz über. Erwerbungen von Vereinigte Papierwerke/Tempo und weitere Firmen sind als Schickedanz-Unternehmensumfeld, nicht ohne Beleg als Quelle-Tochter oder Fusion zu führen. NS-Eigentumsvorgänge einzeln rekonstruieren.

Richard Winkler, NDB: Gustav Schickedanz (2005); Bayerisches Landesamt für Statistik, Das Bayerische Landesamt im Spiegel seiner Gebäude (2019), S. 16–17; Museum Industriekultur Nürnberg, Quellekatalog; Gustav-Schickedanz-Stiftung, Der Stifter

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