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Fürther Biografien · Zinnfiguren und Handwerk
Adolf Konrad Gustav König – ein Zinngießer zwischen Nürnberg und Fürth
In den Werkstätten des 19. Jahrhunderts wurden nicht nur Figuren aus Metall gegossen. Es entstanden auch Familien- und Geschäftsverbindungen über die Stadtgrenzen hinweg. Der in Burgfarrnbach geborene Adolf König lernte in Nürnberg, heiratete in die Fürther Familie Haffner ein und eröffnete später eine eigene Zinngießerei.
Ein Lehrling wird Meister
Adolf Konrad Gustav König wurde 1842 in Burgfarrnbach geboren. Sein Vater Johann Christoph König war Drechslermeister; seine Mutter hieß Karolina Luisa Margaretha, geborene Karg. Im Juni 1857 begann Adolf nach der dokumentierten Firmenchronik die Zinngießerlehre. Am 20. September 1864 wurde er in Nürnberg als Meister aufgenommen. Für die damalige Werkstatt führt die Quelle drei beschäftigte Arbeiterinnen auf. Sie waren Teil der wirtschaftlichen Arbeit, auch wenn ihre individuellen Lebensgeschichten bisher nicht überliefert sind.
Der genaue Geburtstag ist noch nicht eindeutig zu bestimmen. Eine Haffner-Familienrekonstruktion nennt den 11. Januar 1842, die eigenständige König-Firmenchronik den 12. Januar. Ein Taufregister aus Burgfarrnbach muss diesen Widerspruch entscheiden. Das Geburtsjahr 1842 ist der hier verwendete sichere Rahmen.
Die Familie Haffner
Am 6. November 1864 heiratete König nach beiden Firmenchroniken Dorothea Maria Luisa Haffner, Tochter des Fürther Zinnfigurenherstellers Johann Haffner. Im Februar 1865 wurde Sohn Johann Martin geboren. Mit der Ehe wurde aus der Verbindung zwischen Nürnberg und Fürth auch eine wirtschaftliche Verflechtung: Johann Haffner verfügte über Werkstatträume im Haus Alexanderstraße 1. Nachdem der Haffner-Betrieb 1871 in die Mathildenstraße gezogen war, nutzte sein Schwiegersohn diese Räume für eine eigene Zinngießerei.
Schon für 1866 gibt die Firmenchronik einen Beschluss des Fürther Stadtmagistrats wieder, der einem Nürnberger Zinngießer die vorübergehende Niederlassung und das Herstellen von Zinnspielwaren gestattete. Die gedruckte Namensform lautet jedoch „Gustav Karl König“. Außerdem stimmen Wochentag und genanntes Sitzungsdatum in der Überlieferung nicht überein. Ohne Originalzeitung und Gewerbeakte kann dieser Vorgang Adolf Konrad Gustav König deshalb nur als zu prüfende mögliche Verbindung zugeordnet werden. Er ist kein sicherer Identitätsnachweis.
Ein früher Todesfall – und ein neuer Anfang
Adolfs erste Frau starb im Oktober 1871. Zwei im Fürther Tagblatt überlieferte Anzeigen nennen „Louise König, geborene Hafner“. Die Firmenforscher setzen sie mit Dorothea Maria Luisa Haffner gleich; der vollständige Nachweis ihrer Taufnamen verlangt zusätzlich einen originalen Trau- oder Sterbeeintrag. Eine Frau mit diesem Namen ist durch die zeitgenössische Anzeige belegt, aber die Verknüpfung aller Namensbestandteile bleibt vorläufig quellenkritisch zu lesen.
Am 21. Mai 1872 heiratete König nach der Firmenchronik Anna Elisabetha Karl aus Langenzenn, Tochter des Gürtlermeisters Vitus Karl und Dorothea Regina, geborene Bub. Für die zweite Ehe werden vier Kinder genannt: Johann Georg, Johann Leonhard, Anna Barbara und Robert. Über Adolfs eigene Beziehungen zu den Kindern wissen wir wenig; erhalten sind vor allem die formalen Lebensdaten.
Ein Haus am Schützenhof
Für 1874 dokumentiert die auf Grundbesitzakten beruhende König-Firmenchronik zwei konkrete Eigentumsvorgänge: Am 15. Januar kaufte Adolf König das Haus Nr. 12 am Schützenhof für 4.000 Gulden. Am 1. Mai veräußerte er es für 4.760 Gulden an Franz und Babette Hein, ein Metallschläger-Ehepaar. Der Differenzbetrag ist kein gesicherter Gewinn; Nebenkosten, Hypotheken oder Umbauten sind damit nicht erfasst. Entscheidend ist, dass der Handwerker auch als Akteur des örtlichen Immobilienmarkts sichtbar wird.
Die Biografie steht damit für eine ungewöhnlich bewegliche Gewerbewelt. Ein Nürnberger Geselle wurde Meister und Unternehmer, schloss familiäre Verbindungen zu Fürther Fabrikanten und war mit mehreren Wohn- und Werkstattadressen verbunden. Doch die Namensvarianten in Magistratsakten und der Geburtsdatumswiderspruch zeigen, weshalb genaues Quellenlesen wichtiger ist als das ungeprüfte Zusammenfügen ähnlicher Einträge.
Von der Werkstatt zum Firmenstandort an der Promenade
Die Firmengeschichte dokumentiert eine Reihe weiterer Werkstattanschriften: 1877 zog die Gießerei in die Schwabacherstraße 38, 1881 ist sie in der Alexanderstraße 15 nachgewiesen. Adolf König ließ 1888 in der Weinstraße 35 ein Wohn- und Geschäftshaus errichten. 1890 wurde diese Anschrift zur Promenadestraße 1; 1913 erhielt die Straße den Namen Hornschuchpromenade. Drei unterschiedliche Straßenbezeichnungen sind in diesem Fall deshalb nicht drei voneinander unabhängige Fabrikgründungen.
1897 arbeitete Sohn Johann Georg im väterlichen Betrieb. Am 5. Dezember 1905 zählte die Firma nach der Chronik zu den Mitbegründern des Verbands Deutscher Zinnfiguren-Fabrikanten. Das zeigt die Einbindung in eine mittlerweile organisierte Branche. Die Originalunterlagen des Verbands sind noch zu prüfen.
Die nächste Generation und das Ende 1932
Am 22. Februar 1913 übernahm der ausgebildete Graveur und Zinngießer Johann Georg König den Betrieb. Er erscheint nun im Adressbuch an der Hornschuchpromenade 1. Im März desselben Jahres heiratete er Anna Maria Schaller, Tochter des Fürther Schreinermeisters Johann Adam Schaller. Dieser Johann Adam darf weder mit Johann Christian Schaller, dem Ehemann einer Haffner-Tochter, noch mit dem Aussteller Johann Jakob Schaller aus dem Katalog von 1882 verwechselt werden.
Nach der überlieferten Firmenchronik wurde die Zinnfigurenherstellung 1932 aufgegeben. Das ist ein Datum der Unternehmensgeschichte, nicht automatisch das Todesjahr des Gründers. Für Adolf Konrad Gustav König ist bislang kein gesicherter Sterbeeintrag ausgewertet. Auch können spätere Waren unter dem Familiennamen nicht ohne Weiteres seiner persönlichen Hand zugeschrieben werden.
Quellen
- [1]Bernhard Schwarz: Adolf Conrad Gustav König, Nürnberg und Fürth – Firmenchronik mit Anzeigen und Aktenreferaten
- [2]Bernhard Schwarz: Johann Haffner – Familien- und Firmengeschichte, mit abweichender Geburtsdatierung
- [3]Germanisches Nationalmuseum: „Ritterturnier“ um 1840 – Kontextobjekt der Haffner-Werkstatt, kein persönliches Werk Adolfs
Die Kirchen- und Personenstandsregister sowie die Magistrats- und Grundakten wurden für diesen Beitrag noch nicht eigenständig im Original eingesehen. Historische Abbildungen werden bis zur Klärung ihrer Nutzungsrechte nicht übernommen.