Fürther Personen · Kommunalgeschichte
Adolph Schönwald – vom preußischen Husaren zum zweiten Bürgermeister Fürths
Als Fürth 1818 seine kommunale Selbstverwaltung erhielt, trat neben den ersten Bürgermeister Franz Joseph Bäumen ein Mann, dessen Karriere bereits durch mehrere Staaten und Verwaltungen geführt hatte. Adolph Schönwald, einst preußischer Husaren-Wachtmeister und pensionierter Kammersekretär, wurde zweiter Bürgermeister. Seine Geschichte verbindet Bürgermilitär, eine schwierige Stadtgründung und den erbitterten Kampf um die Eisenbahn nach Norden.
Fürth zwischen Preußen und Bayern
Schönwald gehörte bereits 1807 zum Führungspersonal des Fürther Bürgermilitärs. Peter Frank nennt ihn als Major des ersten Bataillons, während der Syndikus Korte das Gesamtkommando führte. Das war eine Zeit des Umbruchs: Die frühere Dreiherrschaft war erst wenige Jahre überwunden, 1806 hatte Bayern die Herrschaft über Fürth übernommen. Das Bürgermilitär gehörte zur neuen lokalen Ordnung und sollte unter anderem den Streifendienst organisieren. Eine rückblickende Darstellung nennt eine Gesamtstärke von ungefähr 914 Mann; das ist ausdrücklich eine zeitgenössisch überlieferte Schätzung.
Der schwierig geborene Magistrat von 1818
Im September 1818 wählten die Fürther ihre neue kommunale Vertretung. Bürgermeister Bäumen stellte Bedingungen, und die Regierung bestätigte zunächst weder Schönwald als zweiten Bürgermeister noch den rechtskundigen Magistratsrat Georg Gottfried Hessel. Hintergrund waren die prekäre kommunale Kasse und die Höhe der Besoldungen: Fürth musste nach dem Verzeichnis von Peter Frank mit einem Defizit von 5.700 Gulden und geringen Stiftungsmitteln rechnen.
Die Lösung war kein feierlicher Federstrich. Der Etat musste erläutert, auf Entschädigungen verzichtet und die Besoldung Schönwalds unter Berücksichtigung seiner früheren Pension gesenkt werden. Erst danach konnte der Magistrat im November 1818 eingesetzt werden. Am 19. November wurden die Amtsräume an der Königstraße 42 an die beiden Bürgermeister und die rechtskundigen Räte übergeben. Das ist mehr als eine Personalie: Die neue Stadtverwaltung musste zunächst finanzieren, wo und mit welchen Mitteln sie überhaupt arbeiten konnte.
Eine Eisenbahn – und die Angst, umfahren zu werden
Schönwald ist auch in der großen Bahnkontroverse der 1830er Jahre greifbar. Die 1835 eröffnete Ludwigsbahn hatte Nürnberg und Fürth verbunden. Beim geplanten Anschluss nach Bamberg wollten viele Nürnberger Entscheidungsträger die nächste Strecke jedoch nördlich der Stadt führen und Fürth umgehen. Für die Gewerbe- und Handelsstadt drohten erhebliche Nachteile.
Die Historikerin Barbara Ohm hat die Fürther Magistratsakten dazu ausgewertet. Im September 1836 traf sich Schönwald mit Kreisbaurat Ott und erkundigte sich nach den Vermessungen der möglichen Eisenbahntrassen. In einer Eingabe vom Juni 1836 vertraten Bäumen und Schönwald gemeinsam Fürths Interessen. Später gehörte Schönwald zu jener Deputation, die König Ludwig I. im Juli 1838 in Bad Brückenau eine Dankadresse überreichte und zugleich den Schutz der Fürther Verkehrsinteressen erbat.
Diese Verhandlungen zeigen Schönwald als handelnden Vertreter der Stadt und nicht nur als zweitrangigen Amtsinhaber. Sie zeigen aber auch die Grenzen seines Einflusses: Die von Fürth am stärksten bevorzugte Streckenführung setzte sich nicht durch.
Spuren und offene Lebensdaten
Im älteren Schriftgut wechseln die Schreibweisen Adolph und Adolf. In der Literatur ist seine Stellung als zweiter Bürgermeister ab 1818 belegt, ebenso die Aufgaben in den Jahren 1836 bis 1838. Ein älteres Verzeichnis nennt eine Amtszeit bis 1848; für diesen Endpunkt ist jedoch noch die dazugehörige Originalakte heranzuziehen. Geburt, Tod und genaue Familienverhältnisse bleiben hier bewusst ohne feste Daten, solange kein persönlicher Registerbeleg vorliegt.
Die Geschichte Adolph Schönwalds ist damit zugleich die Geschichte eines schwierigen kommunalen Neubeginns. Fürth benötigte nicht allein politische Anerkennung, sondern Personal, Räume, Gehälter und schließlich eine Verkehrsanbindung, die dem wirtschaftlichen Gewicht der Stadt entsprach.
Quellen
- [1]Peter Frank: Fürth als Stadt im Werden von 1808 bis 1818 – militärische Vorgeschichte, Magistratswahl, Besoldung und Amtsräume; Quellenapparat mit Stadtarchiv-Fundstellen
- [2]Barbara Ohm: „Missgünstige Gesinnungen Nürnbergs“, Fürther Geschichtsblätter 2/2010, S. 27–49 – Auswertung der Magistratsakten zur Bahnlinie Nürnberg–Bamberg, insbesondere S. 30–37
- [3]Fürth in Vergangenheit und Gegenwart: ältere Zusammenstellung der Bürgermeisterämter – zur historischen Amtszeit, ergänzend und mit Vorbehalt
Die Literatur stützt sich unter anderem auf die Magistratsakten im Stadtarchiv Fürth und Akten im Staatsarchiv Nürnberg. Die individuellen Personenstandsakten Schönwalds wurden für diesen Beitrag noch nicht im Original geprüft. Historische Abbildungen werden bis zur Lizenzprüfung nicht übernommen.