Pressegeschichte · Fürth · 1963
Als Fürth eine Zeitung verlor
Das Ende der Fürther Ausgabe der Nordbayerischen Zeitung im Januar 1963
Ungefähr 1.500 Exemplare wurden zuletzt verkauft. Dann verschwand die Fürther Regionalausgabe der Nordbayerischen Zeitung. Ein Bundestagsbericht dokumentiert ihren Abschied – und die Übernahme der Abonnenten durch die Konkurrenz.
In diesem Artikel 12 Kapitel und Abschnitte

Auf einen Blick: die wichtigsten Jahre
- 17. März 1930: Die kommunistische Nordbayerische Volkszeitung erscheint nach dem Namensstreit unter einem neuen Titel.
- 28. September 1951: Die Nordbayerische Zeitung berichtet über Grundigs Fernsehversuche in Fürth.
- 1. Vierteljahr 1952: Die IVW führt die Nordbayerische Zeitung und die Fürther Nachrichten als separate Pressetitel.
- 1960: Schüler interviewen die Redaktionssekretärin R. Mohr.
- 1962: Der Verlag der Nürnberger Nachrichten erwirbt eine Beteiligung an der Nürnberger Zeitung.
- Januar 1963: Die Fürther Regionalausgabe wird eingestellt; die Fürther Nachrichten übernehmen die Abonnenten.
Ein Abschied in der Bundestagsdrucksache
Im Januar 1963 wurde eine Fürther Regionalausgabe der Nordbayerischen Zeitung mit dem Untertitel Fürther Zeitung eingestellt. Was nach einer unscheinbaren Lokalnachricht klingt, taucht vier Jahre später in einem offiziellen Bericht über die Konzentration der deutschen Presse auf. Auf der gedruckten Seite 104 der Bundestagsdrucksache V/2403 stehen der Monat der Einstellung, eine durchschnittliche verkaufte Auflage von ungefähr 1.500 Exemplaren und der Hinweis, dass die Abonnenten von den Fürther Nachrichten übernommen wurden. [1]
Damit ist ein konkreter Einschnitt belegt. Der Bericht beweist allerdings weder, dass das gesamte Unternehmen verkauft wurde, noch, dass Redaktion, Gebäude oder Archiv an die Fürther Nachrichten übergingen. Selbst der genaue Tag der letzten Fürther Ausgabe ist noch unbekannt. Eine letzte Titelseite darf deshalb nicht ohne Fundstück beschrieben werden. [1][2]
Fürth hatte eine lebendige Zeitungslandschaft
Der Name Nordbayerische Zeitung ist viel älter als die Einstellung von 1963. Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert begegnet er in den Fürther Zeitungsbeständen. Während der NS-Zeit wurden Presseunternehmen und Redaktionen grundlegend verändert. Später erschien der Titel erneut in einem anderen verlegerischen Zusammenhang. Gleiche Zeitungsnamen über Jahrzehnte hinweg sind deshalb kein sicherer Beleg für dieselbe Redaktion oder denselben Rechtsträger. [3][4]
Die Fürther Nachrichten hatten seit 1948 ihr eigenes lokales Angebot innerhalb der Nürnberger Nachrichten entwickelt. Die Nürnberger Zeitung stand zugleich unter wirtschaftlichem Druck. Nach dem Krieg waren Zeitungsproduktion, Vertrieb und Mantelberichterstattung zunehmend auf größere Verlagsstrukturen angewiesen. Diese Entwicklung erklärt den Hintergrund des Fürther Falls, nicht aber ohne weitere Akten den einzelnen Beschluss zur Einstellung. [4][5]
Ein Name, unterschiedliche politische Zeitungen
In Nordbayern gab es nicht nur die bürgerliche Nordbayerische Zeitung. Eine kommunistische Nordbayerische Volkszeitung erschien in der Weimarer Republik ebenfalls unter einem ähnlichen Namen. Nach einem juristischen Titelstreit hieß das kommunistische Blatt ab dem 17. März 1930 Neue Zeitung, Ausgabe A. Diese Namensänderung ist im Historischen Lexikon Bayerns nachgewiesen. Die Zeitungen repräsentierten unterschiedliche politische Öffentlichkeiten. Für ein Presseverzeichnis dürfen sie deshalb weder als eine gemeinsame Redaktion noch als eine durchgehende Zeitung gezählt werden. [7]
Nach dem Krieg begegnet erneut eine kommunistische Nordbayerische Volkszeitung. Ein am 12. Dezember 1950 ergangenes Urteil des Oberlandesgerichts Nürnberg dokumentiert ihren Streit um den Druckvertrag; es führt das Aktenzeichen 3 U 278/50. Der Urteilsabdruck ist ein seltener Einblick in die materielle Abhängigkeit politischer Presse von Druckereien. Zugleich ist es ein anderer Zeitungstitel als die Fürther Ausgabe, deren Schließung 1963 die Bundestagskommission untersuchte. Die personelle Kontinuität der kommunistischen Presse vor und nach 1945 ist gesondert zu prüfen. [8]
Die Zeitung berichtete über die Zukunft des Fernsehens
Ein Bericht vom 28. September 1951 lässt die Arbeitswelt des Blattes lebendig werden. Die Nordbayerische Zeitung schilderte eine drahtlose Fernseh-Versuchssendung der Fürther Grundig-Werke auf der Leistungsschau. Der Förderverein des Rundfunkmuseums Fürth hat den zeitgenössischen Bericht überliefert. Das neuartige Fernsehen war damals noch keine alltägliche Einrichtung, sondern eine Attraktion, die Interessierte auf der Ausstellung erleben konnten. [9]
Diese Zeitungsnotiz verbindet Mediengeschichte, Industriegeschichte und die Geschichte des ehemaligen König-Ludwig-Kurgeländes an der Kurgartenstraße. Die Zeitung erzählte ihren Lesern von einer Technik, die später selbst ein wichtiges Massenmedium werden sollte. Aus diesem Fund lässt sich jedoch kein direkter Zusammenhang zwischen dem Fernsehversuch von 1951 und der Einstellung der Fürther Ausgabe von 1963 ableiten. [9][1]
Das Verlagsjahr 1962 und die offenen Fragen von 1963
Die Chronik des Verlags Nürnberger Presse nennt für 1962 den Erwerb von 49 Prozent der Nürnberger Zeitung durch die Gruppe um die Nürnberger Nachrichten. Der Verlag betont zugleich, dass die Nürnberger Zeitung als publizistische Alternative bestehen bleiben sollte. Ein Jahr später wurde jedoch die hier untersuchte Fürther Regionalausgabe eingestellt. Diese zeitliche Nähe ist eine wichtige Spur für die Unternehmensgeschichte, aber noch keine Erklärung für den konkreten Beschluss. [10][1]
Aus den beiden Bundestagsberichten geht hervor, dass zuletzt ungefähr 1.500 Exemplare der Ausgabe verkauft und ihre Abonnenten von den Fürther Nachrichten übernommen wurden. Das ist weder die gesicherte Zahl der Leser noch der Beweis für eine Übernahme von Redaktion, Mitarbeitern oder Archiv. Für die Rekonstruktion des Abschieds brauchen wir weiterhin den letzten Zeitungskopf, die damaligen Verlagsunterlagen und, sofern erhalten, Reaktionen aus Fürth. [1][2]
R. Mohr und die Arbeit hinter der Zeitung
Wie Zeitungen damals überhaupt entstanden, zeigt ein ungewöhnlicher Bericht aus dem Jahr 1960. Schüler der Fürther Zeitschrift Die Pennalen besuchten die Nordbayrische Zeitung und sprachen mit der Redaktionssekretärin R. Mohr. Sie beschrieb Post und Telefonate, den Veranstaltungskalender, diktierte Texte und die Pflege des Redaktionsarchivs. Der Bericht erwähnt eine Stadt-, eine Land- und eine besondere Zirndorfer Ausgabe. [6]
Die Schüler schilderten damit einen lebendigen Arbeitsalltag nur wenige Jahre vor der Einstellung der Fürther Regionalausgabe. Welches Verhältnis die 1960 genannten Ausgaben zur 1963 eingestellten Fürther Zeitung hatten, muss anhand der damaligen Zeitungsköpfe erst genauer überprüft werden. [1][6]
Was bei der Einstellung wirklich verloren ging
Unterschiedliche lokale Zeitungen können dieselben Ereignisse mit verschiedenen Schwerpunkten darstellen. Sie bieten Raum für Debatten über Kommunalpolitik, Wohnungen, Schulen, Sport und Wirtschaft. Mit dem Wegfall einer Ausgabe verringerte sich dieses lokale Angebot. Was die Leser konkret vermissten, wissen wir bisher nicht: Leserbriefe, Abschiedskommentare und die letzte Ausgabe wurden noch nicht ausgewertet. [1][3]
Der Name Nordbayerische Zeitung wurde später erneut verwendet. Daraus folgt jedoch nicht, dass die 1963 eingestellte Ausgabe unverändert weiterlief. Die Geschichte einer Zeitung besteht aus ihren Menschen, Eigentümern, Druckorten und tatsächlichen Erscheinungsformen – nicht nur aus einem wiederkehrenden Titel. [4][5]
Ein Blick in die zeitgenössische Auflagenstatistik
Die zeitgenössische Auflagenliste der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) für das erste Vierteljahr 1952 nennt die Fürther Nachrichten mit der Adresse Moststraße 33 und führt die Nordbayerische Zeitung gesondert auf. Sie vermerkt zudem, dass die Nürnberger Zeitung in Fürth unter dem Titel Nordbayerische Zeitung erschien. Die Angaben sind eine Momentaufnahme zehn Jahre vor der Schließung; sie zeigen gerade keine Abonnentenzahl für Januar 1963. Die einzelnen Zahlenkolonnen müssen anhand der vollständigen Tabellenspalten geprüft werden, bevor konkrete Auflagenwerte daraus übernommen werden. [11][1]
Die offene letzte Seite
Die Fürther Zeitung verschwand nachweislich im Januar 1963. Das letzte gedruckte Exemplar und eine mögliche Abschiedserklärung sind noch nicht gefunden. Das Stadtarchiv beschreibt seinen einschlägigen Zeitungsbestand bis 1962. Gerade diese kleine Lücke macht deutlich, weshalb Zeitungsgeschichte auch die Geschichte ihrer Überlieferung ist. [1][3]
Quellen und Nachweise
- [1]Deutscher Bundestag, Drucksache V/2403, 15.12.1967, S. 104 (Einstellung und Auflage)
- [2]Deutscher Bundestag, Drucksache V/3122, 03.07.1968 (Schlussbericht der Pressekommission)
- [3]Stadtarchiv Fürth, Bestandsbeschreibung, historische Zeitungsbestände
- [4]Historisches Lexikon Bayerns: Nürnberger Zeitung
- [5]Historisches Lexikon Bayerns: Nürnberger Nachrichten
- [6]Die Pennalen, Jg. 8, Nr. 2 (1960), Bericht über die Redaktionssekretärin
- [7]Historisches Lexikon Bayerns: Münchner Rote Fahne und der Zeitungstitelstreit 1930
- [8]OLG Nürnberg, Urteil vom 12.12.1950 (3 U 278/50), in Neue Justiz 1951, S. 135
- [9]Förderverein Rundfunkmuseum Fürth, Zeitungsbericht vom 28. September 1951
- [10]Verlag Nürnberger Presse, Unternehmensgeschichte: 1962 Beteiligung an der Nürnberger Zeitung
- [11]IVW, Auflagenmeldungen, 1. Vierteljahr 1952: Fürther Nachrichten und Nordbayerische Zeitung