Stadt Fürth

Stadtplanung · Heilquellen · 1900 bis heute

Bad Fürth – der Traum von der Bäderstadt

Wie Heilwasser, große Baupläne, die NS-Diktatur und die Grundig-Werke die Geschichte eines Fürther Geländes prägten

Fürth hätte eine Bäderstadt werden sollen. Die König-Ludwig-Quelle zog Kurgäste an, in der NS-Zeit wurde ein monumentaler Kurort geplant. Später wuchs auf Teilen des Geländes ein Grundig-Werk. Die Geschichte verbindet Fortschrittshoffnungen mit Eigentumskonflikten und politischer Gewalt.

In diesem Artikel 13 Kapitel und Abschnitte
Mainau-Pavillon der Espanquelle in Fürth, fotografiert 2010.
Pavillon an der Espanquelle in der Kleinen Mainau, Aufnahme 2010. Das Bild zeigt nicht die geplante NS-Kuranlage. Foto: Janericloebe / Wikimedia Commons · Gemeinfrei (Freigabe durch den Fotografen). Bild für die Webdarstellung verkleinert, inhaltlich unverändert.

Auf einen Blick: die wichtigsten Jahre

  1. 1913: Ein tatsächlich bestehender Kurbetrieb zählt Badevorgänge und Trinkkurnutzungen.
  2. 1934–1936: Die Stadt plant den Ausbau zum Kurort; eine neue Espanbohrung entsteht.
  3. 1947: Grundig baut auf Teilen des früheren Kurgeländes Produktionsräume.
  4. 1948: 34 Entwürfe für ein Sportbad Espan werden eingereicht.
  5. 13. Januar 1950: Die historische Forschung verweist auf einen Vergleich zu Rechts- und Nutzungsfragen; die Urkunde fehlt noch.
  6. 2025: Die Stadt vergibt technische Prüfungen der Espanquelle.

Heilwasser statt Kohle

Um 1900 wurden bei der Suche nach Bodenschätzen im Fürther Raum mineralhaltige Tiefenwässer erschlossen. Aus dem zunächst unerwarteten Fund entstand die Hoffnung auf einen Kurort. Die König-Ludwig-Quelle wurde zur Grundlage eines tatsächlichen Bade- und Trinkkurbetriebs. 1913 verzeichnet die historische Überlieferung 11.709 Badevorgänge und 74.380 als Trinkkurgäste bezeichnete Nutzungen. Aus solchen Zahlen lässt sich nicht berechnen, wie viele unterschiedliche Personen zu Gast waren. [1][2]

Die Kurbadpläne waren also nicht erst eine Erfindung der NS-Zeit. Gleichzeitig waren Grundstücke, Gebäude, Unternehmen und Quellrechte schon lange unterschiedlich verteilt. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und gescheiterte Übernahmeversuche schwächten den Betrieb. Ein öffentlicher Kurpark war deshalb keineswegs automatisch Eigentum aller, die sich für die Heilquellen interessierten. [1][2]

Ein wirklicher Kurbetrieb vor der Monumentalplanung

Vor den nationalsozialistischen Bauplänen gab es in Fürth einen tatsächlichen Bade- und Trinkkurbetrieb. Eine historische Statistik für 1913 nennt 11.709 abgegebene Bäder sowie 74.380 Trinkkurnutzungen beziehungsweise als Trinkgäste bezeichnete Vorgänge. Es handelt sich dabei nicht nachweislich um ebenso viele unterschiedliche Personen. Für die Geschichte des Kurorts sind die Zahlen dennoch wichtig: Sie zeigen, dass sich die Stadt lange vor den Großentwürfen der 1930er Jahre mit Gesundheitsanwendungen und Mineralwasser profilieren wollte. [1][2]

Der ursprüngliche Betrieb gehörte zu einer Industrie- und Handelsstadt, deren Eigentums- und Unternehmensverhältnisse kompliziert waren. Grundstücke, Gebäude, Gesellschaftsanteile und Wasserrechte konnten bei unterschiedlichen Rechtsträgern liegen. Das ist kein bloß juristisches Detail: Es erklärt, weshalb ein späterer Grundstückskauf nicht automatisch die gesamte Heilquellen-Gesellschaft oder sämtliche Förderrechte einschloss. [1][2][3]

Nach dem Krieg: Badeanstalt oder Industriestandort?

Noch 1947 bemühte sich die Stadt nach den Fürther GeschichtsBlättern um Anerkennung und Schutz der Heilquellen. Sie gab Arbeiten zur Instandsetzung der alten Mineralwasserbrunnen in Auftrag. Fachleute befassten sich mit geologischen Einzugsgebieten und möglichen Schutzzonen. Zugleich bezweifelte ein Heilquellenforscher, dass Fürth als große Industriestadt zu einem mondänen Kurort werden könne. Er erkannte jedoch den möglichen Nutzen einer Badeanstalt für die Bevölkerung von Fürth und Nürnberg an. [4]

Im Jahr 1948 trat Martin Bauer, der sich als früherer Liquidator der König-Ludwig-Quellen-GmbH bezeichnete, mit einem weiteren Nutzungsvorschlag hervor. Auch ein Wettbewerb für ein neues Sportbad am Espan wurde durchgeführt. 34 Entwürfe gingen ein; vorgeschlagen war unter anderem ein Becken von 50 mal 25 Metern. Die Pläne blieben Papier. Das Nachkriegsjahrzehnt war daher nicht nur eine Geschichte der Umwandlung in ein Grundig-Werk, sondern auch der konkurrierenden Vorstellungen über öffentlichen Freizeitraum, Gesundheit und Industriebeschäftigung. [4]

Die Technik der Espanquelle und die neuen Untersuchungen

Der Quellenname sagt noch nichts über die technische Gestalt des Brunnens. Die Stadt Fürth bezeichnete in einer Vergabeausschreibung von 2025 die Espanbohrung als bis 437,88 Meter unter der Geländeoberkante ausgebaut. Dabei handelt es sich ausdrücklich um die Ausbautiefe, nicht zwingend um die historische Endtiefe der Bohrung von 448,5 Metern. Die beiden Werte können deshalb nebeneinander zutreffen. [6]

Die Ausschreibung unterscheidet drei getrennte Entnahmestränge mit Filtern im mittleren Keuper, unteren Keuper und Buntsandstein. Für die Untersuchung waren Reinigungsmaßnahmen, geophysikalische Messungen und Pumpversuche vorgesehen. Der spätere Zuschlag ging an die Aqua Bohr und Brunnenbaugesellschaft mbH: Der Vertrag wurde laut Bekanntmachung am 20. Mai 2025 über 315.457,68 Euro geschlossen. Der Auftragswert ist weder ein bestätigter Endpreis noch ein Nachweis, dass alle Messungen bereits erfolgreich abgeschlossen wurden. [6][7]

1934 beginnt die große städtische Planung

Der Fürther Stadtrat beschloss im Dezember 1934, die Nutzung der Mineralquellen am Espan voranzutreiben. 1935 begannen neue Bohrarbeiten, im folgenden Jahr ließen sich hoffnungsvolle Ergebnisse vorweisen. Aus dem Vorhaben für einen Badebetrieb entstand der Anspruch, Fürth als große Bäderstadt neu zu gestalten. Geplant waren Kurhotel, Hallenbad, Wandel- und Trinkhallen sowie ausgedehnte Parkflächen. [3]

Der Architekt Roderich Fick erarbeitete 1936 ein umfangreiches Konzept. Zur Grünplanung wurde später Alwin Seifert hinzugezogen. Für die neuen Anlagen ließ man sogar ältere Bäume von der Hard an den Espan transportieren. Was in Festreden als Aufbruch erschien, war zugleich Teil nationalsozialistischer Stadtpolitik und Propaganda. [3]

Der problematische Erwerb von 1935

Zur Geschichte gehört ein Grundstücksgeschäft, das nicht als gewöhnlicher Immobilienkauf dargestellt werden kann. Franz und Rolf Kimberger berichten, die Stadt habe 1935 Teile des alten Kurparks von jüdischen Eigentümern aus dem Umfeld der Spiegelglasindustrie für 28.500 Reichsmark erworben, und bewerten den Betrag als erheblich zu niedrig. In der Quelle erscheinen die Schreibungen Bachmann-Kupfer beziehungsweise Bechmann-Kupfer. Die historische Firma ist anderweitig unter Bechmann-Kupfer nachgewiesen. [3][4]

Während der NS-Diktatur waren jüdische Eigentümer systematischer Entrechtung und wirtschaftlichem Druck ausgesetzt. Für dieses einzelne Geschäft liegen dem Kleeblattmuseum jedoch noch nicht Kaufvertrag, Wertgutachten, Grundbuch und vollständige Wiedergutmachungsentscheidung vor. Wer welches Flurstück besaß, wer unterschrieb und wie später entschädigt wurde, bleibt deshalb ausdrücklich offen. Firmenbeteiligung, Grundstückseigentum und Wasserrechte sind dabei getrennt zu untersuchen. [3][4]

Große Entwürfe, kein großer Kurort

Der Espan-Plan zog erhebliche Mittel an sich. Das Wasser war real; der erträumte Kurort blieb es nicht. Mit dem Zweiten Weltkrieg gerieten die Bauvorhaben ins Stocken. Die historische Untersuchung beschreibt schließlich die Einstellung der großen Pläne und einen bis 1941 erheblich angewachsenen Mitteleinsatz. Die Fürther Bäderstadt entstand nicht. [3]

Aber der Wunsch nach öffentlichen Badeeinrichtungen überlebte den Krieg. 1948 wurden für ein Sportbad am Espan 34 Entwürfe eingereicht. Ausgezeichnet wurden laut der Studie die Architekten Heinrich Radderschall, Brita Vollin und Hans von der Heyde. Geplant waren unter anderem ein großes Schwimmbecken und Liegewiesen. Auch dieser Entwurf blieb unrealisiert. [4]

Aus dem Kurgelände wird ein Industriewerk

Ab März 1947 ließ Max Grundig auf dem früheren Kurbadgelände neue Betriebsräume errichten; im Herbst standen erste Werkbaracken. In der Kurgartenstraße entwickelte sich ein wichtiger Fürther Industriestandort. Die späteren Bauten des Verwaltungs- und Direktionsgebäudes gehören zu einer anderen Bauphase und dürfen nicht mit den Baracken des Jahres 1947 verwechselt werden. [4][5]

Die rechtliche Geschichte ist komplizierter als die Baugeschichte. Die Fürther GeschichtsBlätter verweisen auf einen Vergleich vom 13. Januar 1950 und nennen eine spätere Aufteilung der Heilwasserentnahme im Verhältnis 90 Prozent für die Stadt und zehn Prozent für die Radiofabrik. Die Originalurkunde ist noch nicht eingesehen. Daraus lässt sich insbesondere keine entsprechende Eigentumsquote am Grund und Boden ableiten. [4]

Was von Bad Fürth blieb

Auch nach 1950 wurden die Heilwässer genutzt und untersucht. Bei Grundig entstanden Badeanlagen für Beschäftigte. An der Espanquelle entwickelte sich die Kleine Mainau. Der Quellenpavillon, alte Parkreste und das ehemalige Industrieareal erinnern daran, dass hier nacheinander unterschiedliche Vorstellungen von Fortschritt verwirklicht oder verworfen wurden. [4][5]

Die Geschichte ist deshalb keine bloße Kuriosität über einen nie gebauten Badepalast. Sie handelt von einem echten Badebetrieb, einer nationalsozialistischen Großplanung, problematischen Eigentumsverhältnissen, dem Ausbau der Fürther Industrie und wiederholten Versuchen, das Wasser öffentlich zu nutzen. Die abschließende Prüfung der Eigentums- und Wiedergutmachungsakten bleibt eine Aufgabe der historischen Forschung. [1][2][3][4]

Historische Bilder und erhaltene Orte

Pavillon der König-Ludwig-Quelle I in Fürth, aufgenommen 2014.
Der erhaltene Pavillon der König-Ludwig-Quelle I, aufgenommen 2014. Er gehört zum älteren Kurbetrieb und ist keine Fotografie des unvollendeten NS-Kurhausprojekts. Foto: Janericloebe / Wikimedia Commons · CC BY 3.0.
Grundig-Fernsehlabor in Fürth im Jahr 1952 mit früher Fernsehtechnik.
Fernsehlabor der Firma Grundig, Kurgartenstraße 37, im Jahr 1952. Eine historische Aufnahme aus dem Nachleben des ehemaligen Kurbadgeländes. Foto: Walter Mayer / Superikonoskop / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0.
Ehemaliges Grundig-Direktionsgebäude an der Kurgartenstraße, fotografiert 2008.
Das frühere Grundig-Direktionsgebäude, Aufnahme von 2008. Es gehört zu den Bauten der Nachkriegszeit, nicht zum unvollendeten NS-Kurprojekt. Foto: Dr. Alexander Mayer / Superikonoskop / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0.

Quellen und Nachweise

  1. [1]Franz/Rolf Kimberger, Bad Fürth, Teil I, Fürther GeschichtsBlätter 1/2003
  2. [2]Franz/Rolf Kimberger, Bad Fürth, Teil II, Fürther GeschichtsBlätter 2/2003
  3. [3]Franz/Rolf Kimberger, Bad Fürth, Teil III, Fürther GeschichtsBlätter 3/2003
  4. [4]Franz/Rolf Kimberger, Bad Fürth, Teil IV, Fürther GeschichtsBlätter 4/2003
  5. [5]VDE: Grundig Radio-Werke, Standort und Baugeschichte in Fürth
  6. [6]Stadt Fürth, Ausschreibung 2025 zur Untersuchung der Espanquelle (Ausbaudaten und drei Wasserhorizonte)
  7. [7]Stadt Fürth, Zuschlagsbekanntmachung zur Espanquelle vom Mai 2025

Querverbindungen im Kleeblattmuseum

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