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Fürther Biografien · Gewerbe und Stadtgesellschaft
Bernhard Sahlmann – der lange Weg in den Fürther Hopfenhandel
Ein wohlhabender Kaufmann konnte 1859 nicht einfach nach Fürth ziehen und ein Geschäft eröffnen. Bernhard Sahlmann aus Burghaslach musste zunächst einen freien Matrikelplatz erhalten. Seine Aufnahme führte über mehrere Anträge und die Interessen anderer Familien – und wurde zum Ausgangspunkt eines Handelshauses, dessen Name noch Jahrzehnte später bekannt war.
Ausbildung und wirtschaftliche Grundlagen
Bernhard Sahlmann wurde nach der auf Archivunterlagen beruhenden Familienforschung von Heinz und Thea Ruth Skyte am 16. Oktober 1831 in Burghaslach geboren. Seine Eltern waren Joseph und Mathilde Sahlmann, geborene Rosenblatt. Schon als Jugendlicher erlernte er im Betrieb seines Vaters den Handel mit Hopfen und Stoffen. Später arbeitete er dort selbstständig. Diese frühen Jahre erklären, weshalb der Weg nach Fürth auf einem vorhandenen wirtschaftlichen Netzwerk beruhte.
Die Hürde von 1859
Sein jüngerer Bruder Anton war bereits seit 1857 in Fürth tätig. Bernhard wollte ihm folgen. Doch eine behördliche Aufnahme in die jüdische Matrikel war erforderlich; der erste Antrag wurde wegen der begrenzten Zahl zugelassener Stellen abgelehnt. Die Familienforscher geben aus den entsprechenden Akten ein Vermögen Bernhards von 10.000 Gulden wieder. Alexander Frankenthal, Antons Schwiegervater, vertrat Bernhards Interessen im Verfahren.
Am 9. Juni 1859 erhielt Bernhard nach dieser archivalisch gestützten Untersuchung den freigewordenen Matrikelplatz des bereits 1857 in New York verstorbenen Lippmann Markbreiter. Erst danach wurde die gewerbliche Niederlassung in Fürth bewilligt und die gemeinsame Firma Gebrüder Sahlmann möglich. Die benannte Akte ist im Stadtarchiv Fürth unter Fach 18a, Nr. 441nachzuprüfen. Eine eigene Einsicht in das Aktenoriginal steht noch aus.
In dieser Geschichte wird sichtbar, dass unternehmerische Initiative im Bayern des 19. Jahrhunderts nicht unabhängig von Herkunft und staatlichen Zulassungsregeln war. Das ökonomische Kapital reichte allein nicht aus.
Die Familie Bernhard und Fanny Sahlmann
Bernhard heiratete am 31. August 1859 Fanny Dessauer aus Bamberg. Ihr Beitrag zur frühen familiären Vermögensbildung wird in den Unterlagen zur Mitgift deutlich; aus dem späteren Firmennamen folgt jedoch keine nachgewiesene persönliche Geschäftsführung Fannys. Die Familie wohnte zunächst in der Friedrichstraße 14. Fanny starb am 22. März 1886. Nach ihrem Tod half die Tochter Johanna dem Vater laut Familienüberlieferung bei der Erziehung des jüngsten Sohnes Karl.
In den Jahren 1895/96 ließ Bernhard nach der Familienchronik das Haus Hornschuchpromenade 6 errichten. Die prachtvolle Promenade verkörperte den gesellschaftlichen Aufstieg zahlreicher Fürther Handelsfamilien. Das Haus ist von der bekannteren Sahlmann-Villa am Bahnhofplatz 4 zu unterscheiden: Die gehörte zum Familienzweig seines Bruders Anton.
Eine Stiftung zwischen Familienstütze und öffentlicher Fürsorge
Bernhard starb am 15. Januar 1906. Das vom Königlich Bayerischen Statistischen Landesamt 1914 veröffentlichte amtliche Stiftungsverzeichnis nennt für Fürth eine Bernhard-und-Fanny-Sahlmann-Stiftungmit Gründungsjahr 1906. Für die Unterstützung bedürftiger Verwandter waren zehn Zwölftel der Mittel bestimmt; zwei Zwölftel sollten an andere bedürftige Personen mit Fürther Bezug fließen, die nicht bereits aus öffentlichen Mitteln versorgt wurden. Die Verwaltung lag beim Stadtmagistrat.
Damit ist die Stiftung unabhängig von der Familienüberlieferung als bestehende Einrichtung nachgewiesen. Weil Fanny bereits 1886 und Bernhard Anfang 1906 gestorben waren, darf das Stiftungsdatum nicht als Beleg dafür gelten, dass beide die Satzung persönlich unterzeichneten. Hier müssen Stiftungsgeschäft und Nachlassakten noch herangezogen werden.
Der Name Sahlmann bezeichnet in den Fürther Quellen nicht eine einzelne Firma oder eine einzige Person. Bernhards Geschäft, die Unternehmerlinie seines Bruders Anton sowie der davon getrennte Hopfenhandel ihres Bruders Sigmund sind jeweils gesondert zu untersuchen. Gerade die getrennte Betrachtung macht die Entwicklung der Stadtwirtschaft verständlich.
Quellen
- [1]Heinz und Thea Ruth Skyte: Our Family – The Sahlmanns in Fuerth – Familienrekonstruktion auf Basis u. a. Stadtarchiv Fürth, Fach 18a, Nr. 441
- [2]K. Statistisches Landesamt: Verzeichnis der Stiftungen Bayerns nach dem Stande vom 31. Dezember 1913 (1914), S. 152, Nr. 100 – Bernhard-und-Fanny-Sahlmann-Stiftung
- [3]Historisches Lexikon Bayerns: Hopfenanbau und Hopfenhandel – Branchen- und Handelskontext
Der Matrikelentscheid und die Heirat sind bislang anhand einer veröffentlichten Archivrekonstruktion erschlossen. Vor einer abschließenden Personenstandsprüfung sind die Originalakte Fach 18a, Nr. 441 sowie Trau- und Sterbeeinträge einzusehen. Historische Abbildungen werden bis zur Rechteklärung nicht übernommen.