Stadt Fürth

Nachkriegszeit · Journalismus · 1945–1952

Die Zeitung aus der Küche

Fritz Wienroeder und die Anfänge der Fürther Nachrichten nach 1945

Erst eine halbe Seite, dann ein ganzes Blatt: In der Jakobinenstraße schrieb Fritz Wienroeder seine Fürther Nachrichten zunächst in einer kleinen Küche. Aus diesem Provisorium entwickelte sich eine feste Lokalredaktion.

In diesem Artikel 12 Kapitel und Abschnitte
Das Wohnhaus Jakobinenstraße 10 in Fürth, aufgenommen 2015.
Jakobinenstraße 10, Aufnahme von 2015. Hier lag die erste improvisierte Fürther Redaktion; das Foto zeigt nicht die damalige Küche. Foto: Gesperb / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0. Bild für die Webdarstellung verkleinert, inhaltlich unverändert.

Auf einen Blick: die wichtigsten Jahre

  1. 11. Oktober 1945: Die erste Ausgabe der Nürnberger Nachrichten erscheint.
  2. 8. März 1946: Fürth erhält eine eigene Seite innerhalb der Nürnberger Nachrichten.
  3. Mai 1947: Wienroeders Redaktion zieht in die Königswarterstraße 26.
  4. 1. Dezember 1948: Die Fürther Nachrichten erscheinen erstmals als eigenständige Lokalausgabe.
  5. 1950: Die Redaktion bezieht die Moststraße 33.
  6. 18. November 1952: Die Zeitung erscheint nun sechsmal in der Woche.
  7. 1974: Fritz Wienroeder stirbt; das genaue Sterbedatum bleibt zu prüfen.

Eine Zeitung im zerstörten Franken

Am 11. Oktober 1945 erschien die erste Ausgabe der Nürnberger Nachrichten. Wenige Monate nach Kriegsende fehlte es an Papier, funktionierenden Gebäuden und Transportmöglichkeiten. Gedruckt wurde zunächst in der Druckerei Bollmann im benachbarten Zirndorf. Die Zeitung berichtete auch über Fürth; doch ein eigenes regelmäßiges Lokalangebot musste erst aufgebaut werden. [1][2]

Am 8. März 1946 erhielten die Fürther Nachrichten innerhalb der Nürnberger Nachrichten eine ganze Seite. Zuvor stand lediglich eine halbe Seite zur Verfügung. Verantwortlich war zunächst ein einzelner Redakteur: Fritz Wienroeder. [1]

Eine Lizenzzeitung für den demokratischen Neubeginn

Die erste Nürnberger Nachrichten-Ausgabe vom 11. Oktober 1945 war eine Antwort auf den Zusammenbruch der nationalsozialistischen Presseordnung. Die amerikanische Militärregierung hatte Joseph E. Drexel und seinen Mitstreitern die Herausgabe erlaubt. Drexel hatte während der NS-Zeit selbst Verfolgung erlitten. Der neue Zeitungstitel sollte Nachrichten, politische Debatten und eine andere öffentliche Kultur ermöglichen. Die Fürther Lokalredaktion entwickelte sich in diesem Umfeld des Neubeginns und der noch lange anhaltenden Mangelsituation. [2][7]

Die Herstellung war ein alltägliches Hindernis. In Nürnberg fehlte nach den Bombardierungen eine geeignete Druckerei, weshalb zunächst in Zirndorf bei Bollmann produziert wurde. Die damalige Zeitung war nur wenige Seiten stark und erschien noch nicht täglich. Papierknappheit, Satztechnik und Transportwege waren daher nicht Nebensachen der Redaktionsgeschichte; sie bestimmten, wie viel von einer Fürther Geschichte überhaupt gedruckt werden konnte. [1][2]

Vom Schreibtisch bis zur Druckmaschine

Wienroeders Küche in der Jakobinenstraße war der Ort des lokalen Journalismus, nicht der gesamte Herstellungsbetrieb. Zeitungsarbeit brauchte auch Menschen an Setzmaschinen, Papierlieferungen, Druckpressen, Auslieferungsfahrzeuge und Zusteller. Die Jubiläumsbilder der Fürther Nachrichten zeigen einen Setzer bei der Arbeit und erinnern an Papierrollen, die auf einem wöchentlichen Güterzug nach Zirndorf gelangten. Nach dem Umzug des Verlags nach Nürnberg 1949 mussten Redakteure und Drucker über die Stadtgrenzen hinweg zusammenarbeiten. [1]

Über längere Zeit fuhr nach der Jubiläumsgalerie am Abend ein Redakteur aus Fürth zum Nürnberger Druckhaus, um bei der Herstellung der fertigen Zeitung mitzuwirken. Diese Tätigkeit macht deutlich, dass selbst eine vergleichsweise kleine Lokalredaktion ein breites Netzwerk von Helfern und technischen Abläufen benötigte. Die frühen Adressen in der Jakobinen-, Königswarter- und Moststraße sollten deshalb auch mit der Geschichte von Druck, Anzeigenannahme und Vertrieb verbunden werden. [1]

Vom Montagssport zum Nürnberger Modell

Die Lokalausgabe der Fürther Nachrichten erschien ab Dezember 1948 zunächst mittwochs und samstags. Bald wurde der Montag ergänzt, weil Sportbegeisterte nach dem Wochenende aktuelle Ergebnisse suchten. Erst im November 1952 wurde daraus eine sechsmal wöchentlich erscheinende Ausgabe. Zwischen diesen Daten veränderte sich nicht nur der Rhythmus: Die Lokalredaktion gewann zunehmend die Fähigkeit, Stadtpolitik, Vereine, Wirtschaft und Nachbarschaft fortlaufend abzubilden. [1][4]

Eine andere Form der regionalen Zusammenarbeit entstand 1959 mit dem sogenannten Nürnberger Modell. Der Verlag rund um Bruno Schnell versorgte lokale Heimatzeitungen mit einem gemeinsamen überregionalen Mantel; deren lokale Redaktionen blieben eigenständig. Das Konzept ist ein Schlüssel zum Verständnis der fränkischen Presselandschaft, aber kein Beleg dafür, dass Wienroeder oder die Fürther Nachrichten alle Entscheidungen der angeschlossenen Verlage steuerten. [7][2]

Redaktionsschluss in der Jakobinenstraße

Wienroeders Arbeitsplatz lag in der Jakobinenstraße 10. Eine kleine Küche diente als Schreibzimmer, das benachbarte kalte Wohnzimmer als Warteraum für Menschen mit Hinweisen und Geschichten. Es fehlte selbst an Heizmaterial. Diese Szene aus der späteren Jubiläumsüberlieferung erzählt von der Mangelwirtschaft der Nachkriegsjahre und zugleich davon, wie dringend Fürth eine eigene journalistische Stimme brauchte. [1]

Die Lokalredaktion hatte viel zu berichten: Wohnungsnot, Lebensmittelversorgung, kommunale Entscheidungen, die Rückkehr des Vereinslebens und den Sport. Jede veröffentlichte Nachricht musste unter schwierigen Bedingungen gesammelt, geschrieben, gesetzt und zur Druckerei gebracht werden. [1][2][3]

Von zwei Erscheinungstagen zur Tageszeitung

Im Mai 1947 zog Wienroeder in größere Räume in der Königswarterstraße 26. Am 1. Dezember 1948 begann die eigenständige Lokalausgabe Fürther Nachrichten. Wegen des Papiermangels erschien sie zunächst mittwochs und samstags. Die spätere Jubiläumsrückschau verweist auf weitere Erscheinungstage; nach einer 1971 überlieferten Darstellung gab es im Herbst 1949 bereits vier Ausgaben wöchentlich. [1][4]

1950 zog die Redaktion in die Moststraße 33 um. Seit dem 18. November 1952 erschienen die Fürther Nachrichten an sechs Tagen in der Woche. Aus dem kleinen Provisorium war damit eine journalistische Einrichtung mit dauerhaftem Rhythmus geworden. [1][4]

Der Sport als Nachrichtentreiber

Die Wochenendausgabe war gerade für Fußballanhänger wichtig. Eine spätere Montagsausgabe trug dem Wunsch nach aktuellen Sportberichten Rechnung. In einer Stadt, in der die Spielvereinigung Fürth das öffentliche Leben mitprägte, gehörten Vereinsmeldungen und Spielberichte zum Kern der lokalen Aufmerksamkeit. [1]

Dass Sportjournalismus umstritten sein konnte, zeigt ein Streit aus dem Jahr 1960 über den Wechsel des Fürther Spielers Reinhold Gettinger zum 1. FC Nürnberg. In der Club-Vereinszeitung erschien eine von Fritz Wienroeder unterzeichnete Gegendarstellung. Die Aussagen der Beteiligten widersprechen sich teilweise. Sie zeigen eine lebendige journalistische Auseinandersetzung, dürfen aber nicht ohne Vergleich mit den Originalausgaben der Fürther Nachrichten als erwiesene Vorwürfe übernommen werden. [5]

1952: Das Blatt im Branchenverzeichnis

Eine wichtige Ergänzung ist die Original-Auflagenliste der IVW für das erste Vierteljahr 1952. Sie nennt die Fürther Nachrichten ausdrücklich mit der Adresse Moststraße 33. In derselben überregionalen Statistik erscheint die Nordbayerische Zeitung als eigenes Presseobjekt. Damit sind beide konkurrierenden Pressetitel für dieselbe Zeit in einem zeitgenössischen, nicht erst Jahrzehnte später zusammengestellten Dokument nachgewiesen. Zahlen für einzelne Verbreitungsarten bleiben bis zum Abgleich der Spaltenüberschriften bewusst unerwähnt. [8]

Ein Arbeitsort wird Stadtgeschichte

Die frühen Redaktionsadressen verbinden Zeitungsgeschichte unmittelbar mit der Fürther Häuser- und Straßenlandschaft: Jakobinenstraße 10, Königswarterstraße 26 und Moststraße 33. Auch die Entwicklung des Verlags, der Druckereien und der Zustellung lässt sich an diesen Stationen erzählen. Die Räume wandelten sich – der Wunsch nach Nachrichten aus der eigenen Stadt blieb. [1]

Wienroeder starb 1974. Sein genauer Sterbetag ist bislang nicht anhand einer amtlichen Personenstandsurkunde gesichert. Für die Geschichte der Fürther Lokalredaktion sind vor allem seine Jahrzehnte journalistischer Arbeit bedeutsam: Aus einer Küche heraus begann er eine Redaktion aufzubauen, die Fürths Nachkriegsöffentlichkeit dauerhaft mitprägte. [1][6]

Quellen und Nachweise

  1. [1]Claudia Ziob, 75 Jahre Fürther Nachrichten, 03.12.2023, Bildchronik
  2. [2]Historisches Lexikon Bayerns: Nürnberger Nachrichten
  3. [3]Arbeitsgemeinschaft Fürther Baugenossenschaften, Jubiläumsschrift 2024, Nachkriegsquellen
  4. [4]Gert Kuntermann, Jahreschronik Fürth 1971 (Jubiläumsrückblick)
  5. [5]1. FC Nürnberg, Vereinszeitung 1960, Stellungnahme Fritz Wienroeders
  6. [6]Gert Kuntermann, Jahreschronik Fürth 1974
  7. [7]Verlag Nürnberger Presse, Geschichte: Lizenz, 1948, 1949 und Nürnberger Modell
  8. [8]IVW, Auflagenmeldungen, 1. Vierteljahr 1952: Fürther Nachrichten, Moststraße 33

Querverbindungen im Kleeblattmuseum

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