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Fürther Biografien · Familie und soziale Fürsorge
Fanny Sahlmann – warum ihr Name zwanzig Jahre nach ihrem Tod weiterlebte
Im amtlichen Verzeichnis bayerischer Stiftungen von 1914 findet sich für Fürth eine Bernhard-und-Fanny-Sahlmann-Stiftung aus dem Jahr 1906. Fanny selbst war da bereits seit zwanzig Jahren tot. Ihre Lebensgeschichte zeigt, wie eine Frau aus Bamberg Teil einer aufstrebenden Fürther Handelsfamilie wurde und wie das Andenken an sie in der städtischen Fürsorge fortwirkte.
Von Bamberg nach Fürth
Fanny Dessauer wurde der Archiv- und Familienforschung von Heinz und Thea Ruth Skyte zufolge am 28. November 1839 in Bamberg geboren. Ihre Eltern waren Isidor Dessauer und Hanna, geborene Fleischer. Am 31. August 1859 heiratete sie Bernhard Sahlmann, der in diesem Jahr nach längeren behördlichen Verhandlungen eine Niederlassung als jüdischer Hopfenhändler in Fürth erhielt.
Der Aufnahmevorgang beleuchtet die zeittypische Verbindung von Heirat, wirtschaftlicher Sicherheit und staatlicher Erlaubnis. Die Familienuntersuchung nennt Bernhards Vermögen, seinen Matrikelantrag und einen bei der jüdischen Gemeinde von Burghaslach entrichteten Betrag im Zusammenhang mit der Eheschließung. Daraus folgt noch keine eigene kaufmännische Tätigkeit Fannys; ihre Person tritt in den erhaltenen Angaben vor allem als Tochter, Ehefrau und Mutter hervor.
Eine große Familie und ein früher Tod
Die Sahlmanns lebten in der Friedrichstraße 14. In Fürth wurden mehrere Kinder geboren, darunter Stefan und Johanna. Fanny starb am 22. März 1886 in Fürth, im Alter von 46 Jahren. Nach der Familienüberlieferung unterstützte ihre Tochter Johanna später den verwitweten Bernhard bei der Erziehung des jüngsten Sohnes Karl. Diese Schilderung macht eine familiäre Umorganisation nach Fannys Tod sichtbar, ohne Einblick in jeden einzelnen Haushaltstag zu geben.
Erst 1895/96 entstand nach der Unternehmenschronik Bernhards neues Haus an der Hornschuchpromenade 6. Der Bau darf deshalb nicht rückwirkend als Fannys Wohnhaus dargestellt werden. Ebenso wenig ist die Villa Sahlmann am Bahnhofplatz 4 mit diesem Familienzweig gleichzusetzen: Sie gehörte zur Geschichte von Bernhards Bruder Anton.
Die Stiftung mit zwei Namen
Bernhard starb am 15. Januar 1906. Für dasselbe Jahr nennt das vom Königlich Bayerischen Statistischen Landesamt 1914 veröffentlichte Stiftungsverzeichnis in Fürth eine Bernhard-und-Fanny-Sahlmann-Stiftung. Ihr Vermögen sollte nach der ausgewiesenen Zweckbestimmung überwiegend bedürftigen Verwandten dienen: zehn Zwölftel für diese Gruppe, zwei Zwölftel für andere Bedürftige mit Fürther Bezug. Die Verwaltung lag beim Stadtmagistrat.
Dass die Stiftung Fannys Namen trug, dokumentiert ihre Erinnerung im öffentlichen Fürth. Es beweist aber nicht, dass sie die Stiftung selbst gründete, Mittel auszahlte oder nach ihrem Tod eine Satzung verfügte. Wer die Stiftungsurkunde unterzeichnete und wie das Vermögen gewidmet wurde, kann nur die Originalakte des Stadtmagistrats klären.
Auf diese Weise steht Fanny Sahlmann zwischen zwei überlieferten Geschichten: dem Wandel einer Familie im Fürther Hopfenhandel und einer Fürsorgeeinrichtung, die ihren Namen in der Stadt bewahrte. Ein sorgfältiger Blick unterscheidet dabei zwischen dem nachgewiesenen Gedenken und den noch unbekannten persönlichen Entscheidungen der Namensgeberin.
Quellen
- [1]Heinz und Thea Ruth Skyte: Our Family – The Sahlmanns in Fuerth – Familienbeziehungen, Eheschließung, Wohnort und Sterbedatum, mit Archivnachweisen
- [2]K. Statistisches Landesamt: Verzeichnis der Stiftungen Bayerns nach dem Stand vom 31. Dezember 1913 (1914), S. 152, Eintrag 100 – amtlicher Nachweis von Stiftung, Jahr, Zweck und Verwaltung
Der Bamberger Geburtseintrag, die Fürther Trauungs- und Sterbeeinträge und die originale Stiftungsurkunde sind noch abzugleichen. Die biografische Darstellung beansprucht deshalb keine beleglose Aussage über eine individuelle Geschäftsleitung oder persönliche Stiftungshandlung Fannys.