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Fürther Lebensgeschichten · 1783–1859

Johann Christoph Schreiber – der Gürtlermeister, der Fürths Armenhaus veränderte

Als Johann Christoph Schreiber im Mai 1853 eine königliche Verdienstmedaille erhielt, ehrte Fürth nicht allein einen erfolgreichen Handwerker. Der Gürtlermeister hatte an der Versorgung von Kranken und Armen, am Bauwesen und am öffentlichen Leben mitgewirkt. Ein ausführlicher Zeitungsbericht zeigt die enge Verbindung zwischen Werkstatt und Stadtpolitik.

Ein Handwerker in der jungen Stadt

Schreiber wurde am 17. Juni 1783 geboren und stammte aus einer Gürtlerfamilie. Sein Vater Johann Heinrich Schreiber übte dasselbe Gewerbe aus. Aus dem Handwerker wurde ein selbstständiger Gürtlermeister und Knopffabrikant. Für 1819 verzeichnet eine auf Archiv- und Adressbuchbelegen beruhende Firmenchronik ein Haus an der damaligen Nürnberger Straße Nr. 275; eine spätere historische Nummer lautete Königsstraße 393. Solche alten Hausnummern sind nicht ungeprüft auf heutige Anschriften übertragbar.

Die auf der Firmenseite zusammengestellten Familienunterlagen erzählen auch von Verlusten. 1807 heiratete Schreiber Katharina Barbara Hüttner. Mehrere Kinder starben sehr jung; seine Frau starb 1821. Im Jahr darauf heiratete er Sibylla Philippina Seeling. Die große Familie verband das Handwerk später mit Kunst und Technik: Der Sohn Peter Konrad wurde Landschaftsmaler, Johann Andreas Maschineningenieur.

Das Armenhaus am Schießanger

Bereits 1817 wurde Schreiber nach einer zeitgenössischen Würdigung in den Armenpflegschaftsrat gewählt. Am Schießanger bestand ein Haus für kranke und mittellose Bewohner. Schreiber kümmerte sich um die Räume, die Ernährung und die Organisation des Alltags. Der Zeitungsbericht von 1853 stellt ausdrücklich fest, dass seine Frau an der Speisezubereitung beteiligt war. Die damalige Sprache über Armut, Betteln und Disziplin verrät zugleich die paternalistische Sicht der städtischen Fürsorge im 19. Jahrhundert.

In der Folgezeit wirkte Schreiber als Magistratsrat und Gemeindebevollmächtigter. Der Rückblick von 1853 nennt die Instandsetzung der Kirche St. Michael, Entwässerungsarbeiten auf der Hardt sowie öffentliche Wege und Brücken. Diese Aufgaben waren keineswegs bloß dekorativ: Sie betrafen Gesundheit, Verkehr und die Nutzbarkeit der Stadt. Ein Verkehrsweg wurde damals als Schreibersweg bezeichnet.

Der öffentliche Dank vom 12. Mai 1853

Im Fürther Tagblatt Nr. 114 vom 13. Mai 1853 erschien die ausführliche Würdigung einer Feier vom Vortag. In Gegenwart der städtischen Kollegien wurde Schreiber die goldene Medaille des Verdienstordens der bayerischen Krone überreicht. Der Bericht ist eine zeitgenössische Ehrung und daher selbst eine parteiliche Rückschau, keine neutrale Sozialstatistik. Gerade deshalb lässt sich an ihm erkennen, welche Verdienste die damalige Stadtöffentlichkeit hervorheben wollte.

Schreiber und Sohn – eine andere Unternehmensgeneration

Parallel arbeitete Schreiber als Unternehmer. Für die Industrie-Ausstellung 1840 sind Musterkarten von Mantelschließen dokumentiert; 1854 entstand mit dem Sohn Friedrich die Firma J. C. Schreiber & Sohn. Johann Christoph starb am 27. April 1859. Die spätere Firmenentwicklung, darunter die Aufnahme des Kaufmanns Rudolf Emil Hering 1871 und die Auflösung 1873, fällt bereits in eine andere Generation. Ebenso dürfen die für 1873 genannten 45 Beschäftigten nicht rückwirkend dem 1859 verstorbenen Gründer als persönliche Belegschaft zugerechnet werden.

Die Biografie verbindet Fürths frühe Kommunalverwaltung mit seiner Gewerbegeschichte: Wohlstand und Anerkennung entstanden in einer Stadt, in der Unternehmer auch öffentliche Aufgaben übernahmen. Zugleich bewahrt der zeitgenössische Bericht eine bemerkenswerte Erinnerung an die praktische Arbeit der Ehefrau im Armenhaus, die in reinen Amtsträgerlisten unsichtbar bliebe.

Quellen

  1. [1]Fürther Tagblatt, Nr. 114, 13. Mai 1853: zeitgenössischer Würdigungsbericht (Abschrift)
  2. [2]Bernhard Schwarz: Johann Christoph Schreiber & Sohn – Familien- und Firmengeschichte
  3. [3]Bayerische Staatsbibliothek: Fürther Tagblatt, digitalisierter Zeitungskalender

Der Bericht von 1853 ist bislang über eine veröffentlichte Abschrift erschlossen. Einzelne Originalseiten sowie die in der Firmengeschichte genannten Kirchen- und Gewerbeakten können künftig den personengeschichtlichen Nachweis erweitern.

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