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Personen · Familiengeschichte und Wirtschaftsleben
Joseph Sahlmann – ein Testament und die Wurzeln eines Fürther Handelshauses
Die Geschichte der Fürther Hopfenhändlerfamilie Sahlmann beginnt für eine wichtige Generation nicht in Fürth, sondern in Burghaslach. Dort kämpfte Joseph Loew Schlom um seine Heiratserlaubnis, handelte mit Textilien und arbeitete als Einnehmer der königlich bayerischen Lotterie. Sein Testament von 1862 erzählt ungewöhnlich viel über die Beziehungen zwischen den Generationen.
Ein Mann mit mehreren Namen
In den Unterlagen erscheint Joseph als Joseph Loew oder Loeb Schlom, später als Joseph Louis Sahlmann. Die jüdische Gemeindeüberlieferung und eine historische Grabinschrift verwenden ebenfalls die Schreibweise Josef. Die archivalische Familienforschung von Heinz und Thea Ruth Skyte verbindet diese Namen über Ehefrau, Wohnhaus, Beruf und Kinder. Sie sind deshalb nicht getrennten Personen zuzuordnen. Der am 12. Januar 1866 gestorbene Joseph darf aber nicht mit zwei späteren Kaufleuten gleichen Namens verwechselt werden, die 1866 beziehungsweise 1875 geboren wurden.
Ein genaues Geburtsdatum bleibt offen. Die dokumentierte Matrikelüberlieferung nennt den 17. Mai 1784. In seinem Testament vom 12. Mai 1862 bezeichnete sich Joseph hingegen als 72 Jahre alt, was eher für ein Geburtsjahr um 1790 spricht. Bis das einschlägige Geburtsregister und die Originalakte gemeinsam geprüft sind, wird hier bewusst kein bestimmter Geburtstag als gesichert verwendet.
Für die Ehe brauchte es mehr als einen Entschluss
Schon 1815 beantragte Joseph die staatliche Erlaubnis zur Niederlassung und Familiengründung. Den von den Forschern zitierten Unterlagen zufolge besaß er ein Haus, hatte ein Vermögen von 1.000 rheinischen Gulden, handelte mit Stoffen und erhielt als Lotterieeinnehmer jährlich mehr als 300 Gulden. Trotzdem wurde seine Aufnahme zunächst zweimal abgelehnt. Erst nach einem Gesuch an die Regierung in Ansbach und mit Zustimmung der Herrschaft Castell wurde die Eheschließung 1817 möglich. Die behördliche Begründung verweist ausdrücklich auf die begrenzte Zahl zugelassener jüdischer Familien.
Joseph heiratete Mathilde Rosenblatt, die in Quellen auch Mindele, Mandele oder Magdaliene genannt wird. Das Haus der Familie stand in der Burghaslacher Hofgasse. Der Zensus von 1837 verzeichnet den Beruf des Haushaltsvorstands als königlich bayerischen Lotterieeinnehmer. Die Eltern zogen nicht selbst nach Fürth; mehrere ihrer Söhne sollten dort später wirtschaftlich tätig werden.
Die Söhne und die Stadt Fürth
Die Gemeinderegister nennen unter den Kindern Moritz, Sigmund, Bernhard und Anton. Sie gingen als Erwachsene nach Fürth und wurden dort Teil des Hopfenhandels und weiterer Unternehmungen. Diese spätere Fürther Familiengeschichte darf jedoch nicht rückwirkend als persönliche Geschäftsleitung Josephs in Fürth beschrieben werden. Er selbst blieb in Burghaslach verankert. Andere Angehörige zogen nach der Heirat an andere Orte; einzelne Kinder starben bereits früh.
Das Testament von 1862: eine Familie in Zahlen
Das in der Familienuntersuchung erschlossene Testament vom 12. Mai 1862 berücksichtigt bereits erhaltene Mitgiften und soll die Zuwendungen an die Kinder annähernd ausgleichen. Die Abrechnung sah für jedes Kind insgesamt 2.000 Gulden vor, wobei früher erhaltene Beträge angerechnet wurden. Für die Kinder seiner Tochter Gidel wurde darüber hinaus ein eigener Fonds eingerichtet. Das Geld sollte zu vier Prozent angelegt werden; aus den Zinsen sollten Kleidung und später die Berufsausbildung der Enkel finanziert werden.
Der Text nennt auch ein zusätzliches Vermächtnis für die Hausangestellte Babette Berg. Nicht zuletzt enthält er eine sogenannte Strafklausel für Erben, die das Testament gerichtlich anfechten sollten. Solche Bestimmungen ermöglichen einen Blick auf wirtschaftliche Verantwortung, die Stellung einer Beschäftigten und mögliche Konflikte innerhalb einer Familie. Was davon tatsächlich ausgezahlt wurde, ist erst anhand der Nachlassakten zu klären.
Joseph starb nach der von Skyte wiedergegebenen Grabinschrift am 12. Januar 1866. Auf dem jüdischen Friedhof Burghaslach liegt sein Begräbnisplatz bei dem seiner 1861 verstorbenen Frau Mathilde. Die historischen Grabaufnahmen sind in der Forschungsarbeit dokumentiert, werden hier aber ohne geklärte Bildrechte nicht übernommen.
Quellen
- [1]Heinz und Thea Ruth Skyte: The Sahlmanns in Burghaslach – auf Grundlage von Schutzbriefen, Gemeinderegistern, Testament und Grabüberlieferung
- [2]Heinz und Thea Ruth Skyte: The Sahlmanns in Fürth – Lebenswege von Sigmund, Bernhard und Anton
Der originale Geburtseintrag, die Heiratserlaubnis und das vollständig archivierte Testament wurden für diesen Artikel noch nicht selbst eingesehen. Der Alterswiderspruch 1784/1790 ist daher nicht abschließend geklärt; auch die persönlichen Lebensdaten seiner gleichnamigen Enkel und Nachkommen bleiben strikt getrennt.