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Fürther Biografien · Handel und NS-Verfolgung
Karl Sahlmann – als die Zukunft einer Fürther Familie zerbrach
Karl Sahlmann führte den Fürther Hopfenhandel seiner Familie fort. Seine Kinder fanden später Zuflucht im Ausland. Er selbst starb wenige Tage nach den antisemitischen Gewalttaten vom November 1938. Ein Familienbericht und die spätere Lebensgeschichte seiner Tochter zeigen, was die Verfolgung für diesen Haushalt bedeutete.
Das jüngste Kind einer Kaufmannsfamilie
Karl Sahlmann wurde nach der genealogischen Untersuchung von Heinz und Thea Ruth Skyte am 7. September 1877 in Fürth geboren. Er war der jüngste Sohn des Hopfenhändlers Bernhard Sahlmann und dessen Ehefrau Fanny, geborene Dessauer. Die Familie hatte sich zunächst in der Friedrichstraße 14 niedergelassen. Das 1895/96 errichtete Haus an der Hornschuchpromenade 6 stand für die gewachsene wirtschaftliche Stellung des Familienunternehmens. Die ältere Familienchronik nennt Karl als erfolgreichen Hopfengroßhändler in der Nachfolge seines Vaters. Einzelne Handelsgeschäfte können bisher nicht aus einem persönlichen Geschäftsbuch nachgewiesen werden.
Eine Ehe und drei Kinder
Am 20. Januar 1910 heiratete Karl die Fürtherin Ida Krailsheimer, geboren am 22. Februar 1887. Sie war die Tochter von Moritz Krailsheimer und Fanny, geborene Landecker. Das Paar bekam drei Kinder: Bernhard Erich, geboren 1911, Ilse, geboren 1913, und Lisa, geboren 1920. Die Familienuntersuchung gibt ihre späteren Auswanderungswege nach England und Südafrika an.
Die Lebensgeschichte der Tochter Lisa wurde 2018 in der britischen Zeitung The Guardiangewürdigt. Unter dem Namen Lesley Vickers wurde sie in Großbritannien Rechtsanwältin. Der Nachruf bestätigt Karl als Fürther Hopfenhändler, Ida Krailsheimer als Ehefrau und die Flucht der Familie vor der nationalsozialistischen Verfolgung. Damit liegt neben der Familienrekonstruktion eine zweite Überlieferung zum Schicksal der Kinder vor.
Die Ereignisse des Jahres 1938
Mit der nationalsozialistischen Entrechtung jüdischer Menschen veränderte sich das Leben der Familie grundlegend. Der Familienbericht führt Karls Tod am 15. November 1938 in Fürth als Suizid an, wenige Tage nach den Novemberpogromen. Der Zusammenhang wird von den Autoren mit den Verfolgungsereignissen beschrieben. Diese Quellenlage erlaubt keine weitergehende Aussage über seine letzten Stunden, persönliche Gedanken oder die Einzelheiten des Todes. Ein Sterberegistereintrag und gegebenenfalls erhaltene zeitgenössische Akten müssen die Datierung abschließend kontrollieren.
Nach Karls Tod emigrierten seine Frau Ida und die jüngste Tochter Lisa nach London. Sohn Bernhard Erich war bereits 1935 dorthin gegangen. Tochter Ilse hatte Deutschland ebenfalls verlassen und lebte später in Südafrika. Der britische Nachruf bestätigt diese Wege im Wesentlichen. Lisa studierte nach dem Krieg Rechtswissenschaften, qualifizierte sich 1950 als Solicitor und gründete später eine eigene Kanzlei.
Ein Familienunternehmen ist mehr als eine Geschäftsbilanz
Karl Sahlmann ist aus Fürths Hopfenhandel nicht wegzudenken, doch seine Geschichte endet nicht bei Firmenanschriften und Kaufmannstiteln. Sie erzählt von der gewaltsamen Zerstörung einer Lebenswelt und von der Suche seiner Kinder nach einem neuen Leben im Ausland. Auch innerhalb der Familie muss sauber unterschieden werden: Karl war der Sohn Bernhards und Fannys, nicht mit dem im Kindesalter verstorbenen Karl aus dem Familienzweig Anton Sahlmann identisch.
Quellen
- [1]Heinz und Thea Ruth Skyte: The Sahlmanns in Fuerth; Familien- und Archivforschung
- [2]The Guardian, 23. August 2018: Nachruf auf Lesley Vickers (Lisa Sahlmann)
- [3]Fürther Namens- und Gedenkliste: Karl (Carl) Sahlmann, geboren 7. September 1877
Für eine vollständige Endabnahme sind die Fürther Geburts-, Heirats- und Sterbeoriginale sowie Handelsregister und Vermögensakten gesondert zu prüfen. Auf historische Bilder ohne geklärte Nutzungsrechte wird verzichtet.