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Fürther Biografien · Frauen, jüdisches Leben und Bildung

Marie Sahlmann – die Frau, die vom Prinzenempfang erzählte

Als Prinz Ludwig im Mai 1906 zur Jahrhundertfeier der Zugehörigkeit Fürths zu Bayern anreiste, wohnte er in der Villa Sahlmann am Bahnhofplatz. Seine Gastgeberin Marie Sahlmann berichtete später ihrem Sohn Paul in einem persönlichen Brief von dem außergewöhnlichen Abend. Anders als die üblichen Hof- und Zeitungsmeldungen überliefert dieses Schreiben die Perspektive einer Fürtherin auf das Geschehen.

Flora Marianne Klein wird Marie Sahlmann

Flora Marianne, genannt Marie, entstammte der Familie Klein aus Mainz. Die genealogische Untersuchung von Heinz und Thea Ruth Skyte nennt Naphtali und Clementine Klein als ihre Eltern. Als Geburtsjahr führt sie zwei unterschiedliche Lesarten, 1850 und 1858. Mangels geprüften Geburtseintrags wird hier keines der beiden Jahre als gesichert angegeben. Am 28. Dezember 1870 heiratete Marie nach dieser Untersuchung den Fürther Hopfenhändler Anton Sahlmann.

Anton, der seit den 1850er Jahren am Fürther Hopfenhandel beteiligt war, hatte aus einer ersten Ehe bereits Kinder. Mit Marie bekam er weitere Kinder, darunter Robert und Paul. Die Familie wohnte im repräsentativen Haus am Bahnhofplatz 4. Diese Villa war Wohnort, Ort der gesellschaftlichen Begegnung und Bühne eines ungewöhnlichen Staatsbesuchs. Das Haus ist vom späteren Wohnhaus des Familienzweigs Bernhard Sahlmann an der Hornschuchpromenade zu unterscheiden.

Ein außergewöhnlicher Abend im Mai 1906

Zur Feier des hundertjährigen Übergangs Fürths an Bayern kam Prinz Ludwig am 25. Mai 1906 in die Stadt. Die Chronik nennt ein festlich geschmücktes Rathaus, Straßen mit Girlanden, die illuminierte Villa Sahlmann und die Teilnahme von Vertreterinnen und Vertretern der Stadtgesellschaft an verschiedenen Festveranstaltungen. Der Prinz wohnte nicht im Hotel, sondern bei Anton und Marie Sahlmann.

Die Publikation „Fiorda 14–18“ gibt einen Auszug aus Maries Brief an Sohn Paul wieder. Darin beschreibt sie, wie der hohe Gast sie begrüßte, ihr seinen Arm reichte und sie in den gelben Salon führte. An der Einladungsliste werden die gesellschaftlichen Verbindungen sichtbar: Vertreter der Regierung und Justiz, der Bamberger Erzbischof, der Bürgermeister und Rabbiner Dr. Neubürger. Das Schreiben zeigt Marie als aktive Gastgeberin. Es ist aber nur ein veröffentlichter Briefauszug; das vollständige Original sollte separat untersucht werden.

Der Abend erzählt auch etwas über die Stellung jüdischer Familien im damaligen Fürth. Dass der spätere König Ludwig III. bei einer jüdischen Kaufmannsfamilie wohnte, war ein öffentlich sichtbares Zeichen ihrer gesellschaftlichen Anerkennung. Die späteren Ausgrenzungen und Verfolgungen der nationalsozialistischen Zeit lassen dieses Ereignis im historischen Rückblick besonders eindringlich erscheinen.

Eine Stiftung für Ausbildung über Konfessionsgrenzen hinweg

Das 1914 vom Königlich Bayerischen Statistischen Landesamt veröffentlichte amtliche Stiftungsverzeichnis führt für Fürth unter Nummer 99 die „Anton und Marie Sahlmann'sche Unterrichtsstiftung“ mit dem Jahr 1909 auf. Ihr Zweck war sehr konkret: je ein Stipendium von 250 Mark für einen mittellosen christlichen und einen jüdischen jungen Menschen, bestimmt für eine höhere wissenschaftliche oder künstlerische Ausbildung. Die Verwaltung lag beim Stadtmagistrat.

Anton starb im Juni 1909. Die Familienforschung berichtet, dass Marie nach seinem Tod zusätzliche Zuwendungen in seinem Gedenken machte und die Unterrichtsstiftung einrichtete. Das amtliche Verzeichnis belegt die Institution und ihre Satzungsabsicht unabhängig; die persönlichen Unterschriften, Geldflüsse und die einzelnen Bewilligungen sind damit noch nicht nachgewiesen. Eine auf historischen Rechnungs- und Stiftungsakten beruhende Forschung kann ihre Umsetzung im Alltag der Stadt weiter aufklären.

Die Frau hinter der bekannten Villa

Marie Sahlmann starb nach der Familienuntersuchung am 25. Februar 1919 in Fürth. Ihr Grab wird dort mit dem ihres Mannes auf dem neuen jüdischen Friedhof an der Erlanger Straße verortet. Für den Todestag und das Grab sind die Personenstands- und Friedhofsoriginale noch einzusehen.

Marie wird nicht allein durch das Amt ihres Mannes oder die Fassade der berühmten Villa sichtbar. Ihr Brief bietet eine persönliche Stimme aus dem gesellschaftlichen Fürth von 1906. Die nach ihr benannte Stiftung zeigt, wie sich die Familie auch im Bildungswesen der Stadt engagierte. Beide Überlieferungen machen ihr Leben zu einem eigenständigen Kapitel der Fürther Geschichte.

Quellen

  1. [1]FIORDA 14–18: Spuren jüdischen Lebens in Fürth – Auszug aus Maries Brief an Paul Sahlmann, zum Prinzenbesuch 1906
  2. [2]K. Statistisches Landesamt, Verzeichnis der Stiftungen Bayerns (1914), S. 152, Eintrag 99
  3. [3]Heinz und Thea Ruth Skyte: Our Family – The Sahlmanns in Fuerth, Familien- und Archivforschung
  4. [4]Stadtheimatpflege Fürth: Rezension zu Barbara Ohm, Geschichte der Juden in Fürth

Das Geburtsjahr 1850 oder 1858 bleibt ausdrücklich ungeklärt. Der vollständige Brief, die Stiftungsakte von 1909 und Personenstandsregister sind weitere Prüfaufträge. Eine Übernahme historischer Fotografien setzt die Klärung ihrer Nutzungsrechte voraus.

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