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Menschen · Jüdische Familiengeschichte · NS-Verfolgung
Paula Sofie Sahlmann – ein Weg von Fürth über Frankreich nach Auschwitz
1939 verließ Paula Sahlmann Deutschland und flüchtete nach Frankreich. Sie hatte in Fürth eine Familie gegründet, später in Nürnberg gelebt und ihren Mann bereits 1938 verloren. Fünf Jahre nach ihrer Flucht geriet sie in die Gewalt der deutschen Besatzungs- und Deportationsmaschinerie: Am 31. Juli 1944 wurde sie von Drancy nach Auschwitz deportiert.
Aus Bamberg in eine Fürther Kaufmannsfamilie
Paula Sofie Frank wurde am 17. Oktober 1882 in Bamberg geboren. Das Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs nennt Max Frank und Berta Obermaier als ihre Eltern. Nach der familiengeschichtlichen Untersuchung von Heinz und Thea Ruth Skyte heiratete sie am 10. November 1905 in Dresden den Fürther Hopfenhändler Josef Sahlmann. Der stammte aus dem Familienzweig von Sigmund Sahlmann und Nanni Sulzbacher, nicht aus dem gleichnamigen Zweig von Anton und Betti Frankenthal.
Am 12. Dezember 1906 wurde in Fürth ihr Sohn Georg geboren. In den Quellen erscheint sein zweiter Vorname abweichend: Das Bamberger Gedenkbuch schreibt Georg Simon, die Familie Skyte Georg Sigmund. Der Geburts- und gegebenenfalls Tauf- beziehungsweise Gemeinderegistereintrag muss diese Differenz klären. Die Quellen belegen außerdem, dass der Sohn Deutschland frühzeitig verließ; Einzelheiten zu seinem späteren Lebensweg sind vorläufig getrennt zu prüfen.
Ein Umzug nach Nürnberg
1918 verlegte das Ehepaar den Wohnsitz von Fürth nach Nürnberg. Die Nürnberger Opferdatenbank führt für Paula die Adresse Lenbachstraße 17 als letzte dort bekannte Wohnanschrift auf. Sie weist zugleich auf ihre Verbindung zur Kaufmannsfamilie und die weitere Verfolgungsgeschichte hin. Ein Wechsel des Wohnortes ist dabei nicht mit dem Ende aller wirtschaftlichen Verbindungen nach Fürth gleichzusetzen.
Josef Sahlmann starb am 3. Februar 1938 in Fürth. Das Bamberger Gedenkbuch nennt den Tag, während die ältere Familienrekonstruktion zunächst nur Februar 1938 angibt. Paula war nun Witwe. Über ihren genauen beruflichen Alltag ist in den bisher zugänglichen Quellen nichts Sicheres überliefert. Man darf ihr weder eine selbstständige Firmenleitung zuschreiben noch die Tätigkeit ihres Mannes einfach als ihre eigene darstellen.
Flucht und Deportation
Am 25. August 1939 flüchtete Paula nach Paris. Sie lebte zuletzt in Nizza. Über die Zeit in Frankreich zwischen Ankunft und Verhaftung berichten die bislang ausgewerteten Quellen nur sehr wenig. Die Lücke darf nicht mit einer erfundenen Fluchtgeschichte ausgefüllt werden.
Der Deportationstransport vom 31. Juli 1944führte von Drancy nach Auschwitz. Das Bamberger Gedenkbuch verzeichnet Paula Sahlmann als dort ermordet. Die Nürnberger Opferliste führt denselben Transport und nennt eine spätere Todeserklärung zum 8. Mai 1945. Diese juristische Todeserklärung ist kein dokumentierter tatsächlicher Todestag. Ein genauer Tag ihrer Ermordung ist daher nicht belegt.
Eine Biografie mit offenen Spuren
Der Weg von Bamberg über Fürth und Nürnberg nach Frankreich zeigt, wie weit sich Familiengeschichte und Verfolgung geografisch verzweigen. Ihr Name gehört zur Fürther Handelsgeschichte ebenso wie zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Die bisher gefundenen Texte ermöglichen eine eindeutige Identitätszuordnung; für das vollständige Bild fehlen jedoch Meldeakten, der Dresdner Trauungsnachweis und Einzeldokumente zu ihrem französischen Aufenthalt.
Quellen
- [1]Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, 2. Auflage, S. 329: Paula Sofie Sahlmann
- [2]Nürnberger Opferliste, Eintrag 1774: Paula Sofie Sahlmann
- [3]Heinz und Thea Ruth Skyte: The Sahlmanns in Fuerth, Familienrekonstruktion und Dresdner Eheschließung
Die vollständigen französischen Aufenthalts- und Deportationsakten und der ursprüngliche Personenstandseintrag sind noch nicht selbst geprüft. Auf das im Gedenkbuch enthaltene Porträt wird wegen ungeklärter Bildnutzungsrechte nur verlinkt.