Ärztinnen und Ärzte

Ernst Alfred Seckendorf – Fürther Dermatologe und NS-Verfolgter

Ernst Alfred Seckendorf wurde am 30. Dezember 1892 in Nürnberg geboren und praktizierte später in Fürth als Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Neben der ärztlichen Arbeit beschäftigte er sich intensiv mit Medizingeschichte. Seine Übersetzung eines lateinischen Lehrgedichts über Syphilis erschien erst nach seinem Tod in einer von Walther Schönfeld betreuten Ausgabe.

Die nationalsozialistische Verfolgung zerstörte seine berufliche und persönliche Existenz. 1938 verurteilte ihn das Landgericht Nürnberg-Fürth wegen Schwangerschaftsabbrüchen und wegen seiner Beziehung zu Barbara Woog unter den nationalsozialistischen Rassegesetzen zu einer langjährigen Zuchthausstrafe. Inhaftiert war er unter anderem in Amberg; 1942 wurde er in das Straflager Rottgau/Dieburg gebracht.

Zum letzten Haftort widersprechen sich historische Veröffentlichungen. Rolf Winau schrieb 2002, Seckendorf sei unter ungeklärten Umständen in Dieburg gestorben. Eine archivgestützte Fürther Untersuchung und eine weitere Opferdokumentation nennen dagegen den 11. Februar 1943 in Auschwitz. Das Amtsgericht Fürth hatte 1950 noch den 31. Dezember 1941 als Todeszeitpunkt festgesetzt; diese ältere Festsetzung ist keine zeitgenössische Sterbeurkunde. Unterlagen aus den Haft- und Sterberegistern wären nötig, um den letzten Haftweg sicher zu rekonstruieren.

Nach dem Krieg wurde die Verbindung von Ernst Alfred Seckendorf und Barbara Woog 1959 aufgrund der Gesetzgebung zur Anerkennung sogenannter freier Ehen rassisch Verfolgter nachträglich als Ehe anerkannt. Sein Schicksal erinnert daran, wie NS-Recht medizinische Entscheidungen und private Beziehungen kriminalisierte und die Erinnerung an die Opfer noch Jahrzehnte später belastete.

Weitere Lebensgeschichten

Quellen und Literatur

  1. https://rijo.hier-im-netz.de/pdf_2/DE_FU_JU_frank.pdf
  2. https://www.jewishgen.org/yizkor/nuremberg/nur011.html
  3. https://www.fu-berlin.de/presse/publikationen/fundiert/archiv/2002_01/02_01_winau/index.html

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