Ärztinnen und Ärzte

Irma Kraus – Praktische Ärztin und NS-Verfolgte

Irma Kraus wurde am 12. Mai 1896 in Neustadt an der Aisch geboren. Ihr Weg zur Ärztin begann mit der Schulbildung in Fürth und Nürnberg. 1917 legte sie das Abitur ab und nahm in Erlangen das Medizinstudium auf, das sie in Würzburg fortsetzte. Das praktische Jahr 1923/24 absolvierte sie an der Erlanger Universitäts-Frauenklinik und am Städtischen Krankenhaus Nürnberg. Am 24. März 1924 promovierte sie in Erlangen mit einer Dissertation zur operativen Behandlung von Herzverletzungen.

Im selben Jahr begann Kraus als praktische Ärztin in Fürth zu arbeiten. Anfangs teilte sie Behandlungs- und Wartezimmer mit ihrem Bruder Hans, der als Gynäkologe tätig war. Für 1933 bis 1935 nennt die Charité-Forschungsdatenbank die Johannisstraße 14 als Fürther Praxisanschrift. Diese konkrete Verbindung aus Ausbildung, Familiennetz und Praxisbetrieb vermittelt ein Bild von ihrer eigenständigen Berufstätigkeit, bevor die nationalsozialistische Verfolgung ihre Existenz zerstörte.

Am 4. Juli 1935 wurde Kraus unter dem Vorwurf von Abtreibungen festgenommen. Am 27. November desselben Jahres verurteilte man sie zu sechs Jahren Zuchthaus. Die Verfahren und ihre Bewertung sind im historischen Kontext nationalsozialistischer Repression darzustellen, nicht als unkritisch zu übernehmende staatliche Tatsachenfeststellungen. Nach der Haft in Aichach wurde Kraus in das Konzentrationslager Ravensbrück gebracht, wo sie am 6. Juni 1942 starb.

Ein von Kraus unterzeichnetes Arbeitszeugnis aus dem Jahr 1933 ist in einer medizinhistorischen Untersuchung abgebildet. Es bezeugt die frühe wirtschaftliche Belastung ihrer ärztlichen Existenz. Die vollständigere Geschichte ihres beruflichen Alltags lässt sich über die erhaltene Promotionsakte, Ärzteverzeichnisse, Strafakten und Unterlagen der Haftanstalten erschließen. Irma Kraus war nicht nur ein Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, sondern zuvor eine ausgebildete Ärztin mit eigener Praxis und konkreter wissenschaftlicher Qualifikation.

Weitere Lebensgeschichten

Quellen und Literatur

  1. https://geschichte.charite.de/aeik/biografie.php?ID=AEIK01011
  2. https://www.bggf.de/cms/assets/content/geschichte/Jubilaeumsband_BGGF_2012.pdf

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