Heilstätte · Quellengebundenes Forschungsdossier
Lungenheilstätte im Stadtwald – der Hauptbau der Gustav-Neumann-Stiftung
Ein historischer Ort der Fürther Gesundheitsgeschichte: Seine Nutzung, die beteiligten Menschen und seine Entwicklung werden anhand überlieferter Quellen rekonstruiert.
Geschichte und Nutzung
Das große Heilstättenhaus steht für eine Epoche, in der Tuberkulosemedizin die Landschaft selbst in die Behandlung einbezog. Der viergeschossige, symmetrische Putzbau mit Walmdach, Sandsteingliederung und Fachwerkgiebeln wurde 1902/03 nach Plänen von Bernhard Mucke im historisierenden Heimatstil errichtet. Mit offenen Liegehallen und einem umgebenden Kurpark entstand ein ganzer Behandlungsort im Wald. Ein Rückblick nennt den ersten Patienten am 7. Dezember 1903; die genaue Eröffnungschronologie muss mit zeitgenössischen Klinikakten abgeglichen werden.
Die Überlieferung macht den Wandel anschaulich: Eine Chronik nennt 213 Kranke und 16.671 Verpflegungstage für das erste Betriebsjahr. Für 1909 werden 348 Aufnahmen genannt, darunter viele Patientinnen aus Nürnberg – die Einrichtung war also nicht nur für die Fürther Bevölkerung bedeutend. Julius Ziller ist als Direktor ab 1910 belegt; der erste verantwortliche Arzt vor ihm bleibt unbekannt. Die späteren Angaben zur Bettenzahl 55, 65 und 66 gehören zu verschiedenen Zeitpunkten beziehungsweise Quellen und dürfen nicht einfach vereinheitlicht werden.
1933 endete nach retrospektiver Darstellung der eigentliche Heilstättenbetrieb; die spätere Nutzung unter anderem durch die SA gehört zur bedrückenden Geschichte der Anlage. Nach 1945 kam es erneut zur medizinischen Nutzung. Die Denkmalliste nennt 1980 als Schließung des Waldkrankenhauses und den Beginn des Umbaus zur Wohnanlage ab 2002. Die Biografie führt deshalb von der Hoffnung auf Genesung über politische Zweckentfremdung zu einem heute anders genutzten Gebäude.
Vertiefung v199: Eine spätere amtliche Bestandsaufnahme ergänzt die bereits lange Erzählung des Hauses: Im Krankenhausverzeichnis von 1953 steht die Lungenheilstätte Oberfürberg unter Heilstättenstraße 160 mit 102 Betten. Ein ärztliches Fachverzeichnis nennt 1951 Dr. Wambach am Standort. Beides belegt Nachkriegsinstitution und Fachpersonenkontext, aber gerade nicht die vor 1910 ungelöste Leitung oder eine gleichbleibende Kapazität seit 1903. Die chronologische Hausbiografie wird daher ausdrücklich in Gründung, Zwischenkriegszeit, politische Zweckentfremdung, Nachkriegsmedizin und spätere Wohnnutzung gegliedert.
Quellenvertiefung v209 — 66 Betten 1903 und spätere Funktionswechsel
Eine wissenschaftliche Stadtgeografie nennt die 1903 eingerichtete Lungenheilstätte mit 66 Betten für tuberkulosekranke Frauen. Im Rückblick von Schwammberger, den Bender zitiert, ist der Heilstättenbetrieb 1933–1947 unterbrochen und 1957 endgültig eingestellt worden. Diese Aussage betrifft die dort definierte Einrichtung und ist nicht ohne Weiteres mit dem später bis 1980 belegten Waldkrankenhaus oder den Wohnumbauten identisch. Ein Forschungsauftrag lautet daher, die Betriebs-, Träger- und Gebäudegeschichte nach 1933 in getrennten Zeitachsen abzugleichen.
Abbildung und Bildnachweis
Aufnahmejahr, Bildquelle und Lizenz stehen direkt bei jedem Motiv. Das Aufnahmejahr ist nicht automatisch das Baujahr.
Baugeschichte und historische Adressen
Überlieferte Bau- und Gestaltungspersonen: Bernhard Mucke
Denkmal- bzw. Objektvermerk: D-5-63-000-1527
Diese Angaben sind keine automatische Gleichsetzung mit heutigen Hausnummern oder benachbarten Gebäudeteilen. Baukörper und historische Nutzungszeiten werden getrennt geprüft.
Menschen im Zusammenhang mit diesem Ort
- Julius Ziller
Die namentliche Erwähnung bedeutet keine bereits nachgewiesene vollständige Personal- oder Gebäudebeziehung. Zum Personenregister →
Offene Fragen und Quellenkritik
Erster Leiter 1903–1909, Originaljahresberichte, genaue Nutzungsphasen nach 1933, Umbaubestand 2002.
Das Dossier dokumentiert den jeweiligen Forschungsstand und kann bei neuen Originalfunden ergänzt oder korrigiert werden.
Quellen und Nachweise
- https://geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_563000.pdf#page=70
- https://www.fuerthwiki.de/wiki/images/d/d5/K%C3%A4ppner-Chronik_1887-1910.pdf
- https://www.bayerisches-aerzteblatt.de/fileadmin/aerzteblatt/ausgaben/1939/03/komplettpdf/03_1939.pdf
- https://dokumen.pub/frth-von-a-bis-z-ein-geschichts-lexikon.html
- https://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_563000.pdf
- https://api.digitale-sammlungen.de/ocr/bsb12067230/40
- https://www.econstor.eu/bitstream/10419/285965/1/9783428573738.pdf
- https://www.statistischebibliothek.de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00071440/Verzeichnis%20der%20Krankenh%C3%A4user_1953.pdf
- https://fis.uni-bamberg.de/bitstream/uniba/9/1/Dokument_1.pdf#page=164
Die Nachweise sind Forschungsquellen. Ihre Aufnahme bedeutet keine pauschale Zustimmung zu allen Einzelangaben.
