Stadt Fürth

Martha Krautheimer, geborene Landmann, später Ehrlich (1875–1967) – die Stifterin der Fürther Krippe

Forschungsentwurf, nicht zur öffentlichen Publikation freigegeben. Family v525 + Wikimedia Commons Quellen im Text. Alle abweichenden Datierungen und Verwandtschaftszuschreibungen stehen unter Quellenprüfung.

Kindheit, Ausbildung und eigene Interessen

Martha Landmann kam 1875 in Fürth zur Welt. Ihre Eltern waren der Hopfenhändler Ernst Landmann und Pauline, geborene Hellmuth. Das Vermögen der Familie eröffnete der Tochter Bildungswege, die für Frauen ihrer Generation nicht selbstverständlich waren: Unterricht in mehreren Sprachen, Musik und Zeichnen, später ein Sprachenstudium in Heidelberg. Die biografische Überlieferung erwähnt auch öffentliche Gesangsauftritte. Diese Hinweise lassen eine Frau erkennen, deren Leben nicht erst mit Heirat, Mutterschaft und Stiftung begann. Wie lange ihr Studium dauerte und welche Zeugnisse erhalten sind, ist nicht nachgewiesen. Eine eigenständige Bildungsverlauf-Akte wäre für ihre Biografie ein erheblicher Gewinn. 1

1895 heiratete sie Nathan Krautheimer, einen Unternehmer im Großhandel für Kurz- und Schuhwaren. Das Paar bezog ein repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus an der Hornschuchpromenade 18, das 1895/96 durch Adam Egerer errichtet wurde. Das Gebäude verband private Räume, Handel und gesellschaftliche Repräsentation. Die ersten Zwillinge des Ehepaars starben 1896 bald nach der Geburt. Es ist nachvollziehbar, darin einen biografischen Bezug zu Marthas späterer Sorge um Säuglinge zu sehen; eine gesicherte Aussage über ihre inneren Motive ist daraus allein aber nicht abzuleiten. Zu den späteren Kindern gehörten Richard, Sophie Gertrude und Lotte. 1

Das Vermächtnis von Nathan und Marthas Entscheidung

Nathan Krautheimer starb 1910. Nach der Darstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte hatte er testamentarisch 60.000 Mark für einen sozialen Zweck vorgesehen. Seine Witwe erhöhte die verfügbare Summe und veranlasste die Gründung einer Säuglingskrippe. Die häufige Kurzformel, Nathan und Martha hätten 1912 gemeinsam ein Gebäude gestiftet, ist deshalb historisch ungenau: Der verstorbene Nathan lieferte das Vermächtnis, Martha organisierte und erweiterte die Stiftung. Für eine angemessene Würdigung muss ihre eigene Entscheidung und Verhandlung mit der Stadt sichtbar bleiben. Das Testament, die Schenkungsurkunde und die ursprüngliche Satzung wurden in diesem Forschungsblock nicht im Original eingesehen. 1 3

Ziel war es, Säuglingssterblichkeit und Notlagen arbeitender Mütter zu bekämpfen. Die Einrichtung war für die Tages- und Nachtpflege von etwa 20 bis 30 Säuglingen vorgesehen. Die Überlieferung nennt eine besonders hohe zeitgenössische Säuglingssterblichkeit und mangelnde Betreuungsmöglichkeiten. Martha richtete die Stiftung ausdrücklich über konfessionelle und eheliche Grenzen hinweg aus: Auch Kinder unverheirateter Mütter sollten aufgenommen werden. Dieser Anspruch verdient in der Museumsdarstellung eine eigene Passage, weil er Fürther Sozialgeschichte mit gesellschaftlichen Vorstellungen über Familie und Mutterschaft verbindet. Die genaue Formulierung der Satzung muss vor einer wörtlichen Zitierung überprüft werden. 1

Das Haus in der Maistraße 18

Der städtische Bauplatz lag in der Maistraße 18, nahe dem 1909 eröffneten Nathanstift. Stadtbaurat Josef Zizler plante einen zweigeschossigen klassizistischen Bau mit Walmdach, Eingangsvorbau und einem Turm mit Zwiebelhaube. 1912 wurde die Krautheimer-Krippe eröffnet; ein Pressebericht nennt den November als Zeitpunkt der Einweihung. Der Neubau stand damit in räumlichem Zusammenhang mit einem anderen großen Fürther Wohlfahrtsprojekt, war aber eine eigene Stiftung mit eigener Trägerschaft und Aufgabenstellung. Die beiden Gebäude sollten nicht mit einer einheitlichen alten Hausnummer oder einer gemeinsamen Gründungsurkunde zusammengezogen werden. 1 2 6

Aus heutiger Sicht erscheint das Haus als freundliches historisches Gebäude. Im Jahr 1912 war es vor allem Infrastruktur: Pflegeräume, hygienische Abläufe, Säuglingsversorgung und Entlastung von Familien. Die anfängliche Stiftungssumme reichte für den laufenden Betrieb nicht aus, weshalb Martha weitere Zuwendungen leistete. Ihr Handeln war somit nicht auf eine einmalige Spende beschränkt. Es betraf die dauerhafte wirtschaftliche Sicherung des Heims. Gerade Betriebsakten, Personalverzeichnisse, Pflegesatzungen und Jahresabrechnungen könnten diese Geschichte genauer erzählen als bloße Festreden. 1

Zweite Ehe, Firma und Krise

1913 heiratete Martha in zweiter Ehe den Schuhfabrikanten Franz Ehrlich (1876–1949). Mit ihm wurde die geerbte Firma unter dem Namen Ehrlich Schuhwaren-Compagnie fortgeführt. Zur Familie gehörte der 1914 geborene Sohn Paul. Die biografische Darstellung führt als weitere Wohn- und Geschäftsorte unter anderem die Uhlandstraße 3 sowie das Betriebsgelände Artilleriestraße 40–42 auf. Diese Adressen lassen sich im Häuser- und Firmenmaster verknüpfen; eine Eigentums- und Nutzungszuordnung braucht jedoch zeitgenössische Register. 1

Die Weltwirtschaftskrise traf das Unternehmen schwer. Die Firma geriet in Insolvenz beziehungsweise Konkurs; bereits 1932 verließ die Familie Deutschland in Richtung Schweden. Dass dieser Schritt vor der NS-Machtübernahme erfolgte, darf nicht in eine einfache Fluchtdatierung ab 1933 verwandelt werden. Ökonomische Krise, zunehmende Bedrohung und familiäre Auswanderungsnetzwerke sind auseinanderzuhalten. Eine besonders sensible Forschungslücke betrifft den Übergang großer Betriebsgrundstücke über den bayerischen Staat an Gustav Schickedanz. Diese Vermögensgeschichte braucht Grundbuch, Kaufvertrag und Konkursakten, nicht allein eine retrospektive Erzählung. 1

Verfolgung, Erinnerung und heutiger Ort

In der NS-Zeit wurde der jüdische Name der Stifterfamilie aus der Bezeichnung der Krippe entfernt. Das Heim trug danach eine allgemeine Bezeichnung als Kinder- beziehungsweise Säuglingsheim. Erst nach Kriegsende konnte die Erinnerung an die jüdische Stiftung öffentlich zurückkehren. Die Familie selbst erlebte die Verfolgung unterschiedlich: Tochter Sophie Gertrude und ihr Mann wurden deportiert und ermordet, während deren Sohn Gerard überlebte. Martha starb 1967 in Lugano. 1 4

Die Krippe beendete ihren ursprünglichen Betrieb Mitte beziehungsweise Ende der 1960er Jahre. Die Quellen differieren in der Enddatierung zwischen Ende 1966 und 1967; eine Betriebsschlussakte wäre maßgeblich. Heute bewahrt eine Außenstelle des Jüdischen Museums Franken in der Maistraße 18 die Erinnerung. Die Stadt Fürth berichtete 2025 über eine denkmalgerechte Fassadenrestaurierung. Damit besitzt die Biografie einen besuchbaren Ort, an dem Familien-, Bau-, Medizin- und Stadtgeschichte unmittelbar verbunden werden können. 3 4 5

Warum ihre Biografie eigenständig bleiben muss

Martha war Tochter einer Hopfenhändlerfamilie, ausgebildete junge Frau, Unternehmerwitwe, Stifterin, erneut verheiratete Geschäftsfrau und Emigrantin. Ihr Name darf weder unter Nathans Testament noch unter der Geschichte des Gebäudes verschwinden. Eine quellenkritisch vollständige Museumserzählung muss jedoch offenlassen, welche persönlichen Erlebnisse sie zu bestimmten Entscheidungen veranlassten, solange Briefe und eigene Zeugnisse fehlen. Das nächste Forschungsvorhaben sollte ihre Korrespondenz, die Stiftungssatzung, die Jahresrechnungen der Krippe und die Gewerbe- und Grundstücksakten zusammenführen. 1

Quellen und Nachweise

<a id="quelle-1"></a> [1] Haus der Bayerischen Geschichte, Biografie Martha Krautheimer. Wissenschaftliche Regionalbiografie mit bau- und sozialgeschichtlichen Daten. <a id="quelle-2"></a> [2] Haus der Bayerischen Geschichte, Jüdisches Leben Fürth. Regionale Stadt- und Stiftungsgeschichte. <a id="quelle-3"></a> [3] Stadt Fürth, Fassade der Krautheimer-Krippe restauriert, 24.06.2025. Kommunale Bestätigung zu Bau und Nutzung. <a id="quelle-4"></a> [4] Jüdisches Museum Franken / Bildungsportal, Online-Ausstellung Krautheimer-Krippe. Museumsausstellung; Vermittlungsperspektive. <a id="quelle-5"></a> [5] Museen in Bayern, Krautheimer-Krippe. Einrichtung und aktueller Denkmalort. <a id="quelle-6"></a> [6] Nordbayern, Bewegende Momente in der Milchküche, 2012. Zeitzeugen- und Erinnerungskontext.

Redaktioneller Status: Forschungsentwurf; eingesehene Publikation ist nicht gleichbedeutend mit Einsicht sämtlicher dort genannter Originalakten. Bildrechte nicht freigegeben.

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