Ludwig Kleefeld
Eigenständiger Forschungsentwurf. Die historische Darstellung ist quellenkritisch und noch nicht für die produktive Veröffentlichung freigegeben. Die Kennung KAND-FAM533-KLEEFELD ist ausdrücklich vorläufig.
Ein Kleeblatt auf einer Spieleschachtel: Fürth besaß damit ein Markenzeichen, das weit über die Stadt hinaus sichtbar werden sollte. Der Mann, mit dessen Namen diese Marke begann, war der Kaufmann Ludwig Kleefeld. Er gründete 1884 eine Spielefabrik, die Gesellschafts-, Karten-, Beschäftigungs- und Würfel- beziehungsweise Kubusspiele herstellte. Ein Museumsobjekt kann heute erzählen, wie die Marke im 20. Jahrhundert weiterlebte. Aber um Kleefeld selbst zu verstehen, muss man zwischen dem Gründer von 1884, der späteren Familienfirma und den dramatischen Veränderungen nach seinem Tod unterscheiden. [1][2]
Fürth als Produktionsort für Spiele und Bilder
Ludwig Kleefeld wurde nach der Darstellung des Deutschen Spielearchivs 1857 geboren und starb 1908. Ein überprüfter Geburts- und Sterberegistereintrag mit genauem Datum liegt für diesen Forschungsstand nicht vor. Über seine Kindheit, Schulbildung und erste kaufmännische Tätigkeiten wissen wir aus den bisher ausgewerteten Quellen erheblich weniger als über seine Firmengründung. Gerade deshalb wäre es verfehlt, aus der späteren Größe der Marke eine erfundene frühe Erfolgsbiografie zu entwickeln. [1]
Fürth war damals mehr als ein Ort, an dem Spielwaren zufällig produziert wurden. Papierverarbeitung, Druckgewerbe, Metall- und Holzverarbeitung und der Handel mit Nürnberger Waren bildeten eine regionale Fertigungslandschaft. Spiele ließen sich aus mehreren dieser Fähigkeiten zusammensetzen: Ein Verlag benötigte Entwürfe, Papier oder Karton, farbige Drucke, mechanische Teile, Verpackungen und Vertrieb. Dieses Zusammenspiel war ein Standortvorteil, den Kleefeld 1884 nutzte. Das Warenzeichen bezog sich mit seinem Kleeblatt unmittelbar auf den Firmennamen und passte zugleich zur Symbolwelt der Stadt Fürth. [2][3]
Die Gründung 1884 und der Nachbar Löwensohn
Die Nürnberger Spielefabrik L. Kleefeld & Co. entstand 1884 in Fürth. Der Name verweist auf den regionalen Absatzmarkt, nicht auf eine Gründung in der Stadt Nürnberg. Die lokale Industrieübersicht nennt die Sommerstraße 16/18 als Standort, weitere Beschreibungen führen eine Folge benachbarter Hausnummern an. Die genaue historische Gebäudeeinheit ist in Adressbüchern, Bauplänen und Handelsregistereinträgen noch nachzuprüfen. [2][3]
Kleefeld begann nicht in einer wirtschaftlichen Isolation. Im selben Gebäude beziehungsweise eng verbundenen Betriebskomplex arbeitete die Bilderbücherfabrik G. Löwensohn, deren frühere Entwicklung auf eine 1844 gegründete Druckerei zurückging. Der Druckbetrieb fertigte nach der Firmengeschichtsschreibung Bild- und Schriftaufdrucke für Kleefelds Spiele. Dabei entstand eine arbeitsteilige Beziehung: Auf der einen Seite standen Druckverfahren, Farbigkeit und grafische Gestaltung, auf der anderen die Entwicklung und Vermarktung von Brett-, Karten-, Beschäftigungs- und Kubusspielen. Eine solche Kooperation war gerade bei preisgünstigen und visuell ansprechenden Produkten entscheidend. [3][4]
Die Familien Löwensohn erscheinen in der Überlieferung auch als finanzielle Unterstützer des Unternehmens. Ihre genaue Stellung als Kommanditisten und die anfänglichen Kapitaleinlagen müssen aus dem damaligen Handelsregister rekonstruiert werden. Die Geschichte zweier Nachbarbetriebe darf nicht zu einer einzigen Firma verkürzt werden: Kooperation, räumliche Nähe und gemeinsame Kapitalgeber bedeuteten nicht zwingend identische Eigentümer. [3][4]
Ein Spiel musste zugleich Ware und Geschichte sein
Bei Kleefeld konnte die Geschichte eines Produkts durch das Material selbst vermittelt werden. Klassische Gesellschaftsspiele verbanden Regeln, Bilder und handwerkliche Fertigung. Die ältere Firmengeschichtsschreibung nennt Spiele wie „Glocke und Hammer“, „Schwarzer Peter“ und „Löwe und Esel“ im frühen Sortiment. Bei einzelnen Ausgaben kam es nicht nur auf die Spielfläche an, sondern auch auf zusätzlich bewegliche Elemente oder eine anspruchsvolle Verpackung. Ob eine heute erhaltene Schachtel tatsächlich vor Kleefelds Tod 1908 hergestellt wurde, muss nach Druckvermerk, Material, Warenzeichen und Sammlungseintrag geklärt werden. [4]
Ein besonders überzeugender Eindruck von der späteren Firmengeschichte entsteht in den Sammlungen des Deutschen Spielearchivs Nürnberg. Dort bewahrte man Spiele und Spieleverlage aus der Region in der Sammlung Mensenkamp, einem großen Bestand historischer Brettspiele. In der digitalen Ausstellung findet sich beispielsweise ein um 1925 erschienenes Laufspiel mit dem damals neuen Medium „Radio“ als Motiv. Das zeigt, wie flexibel der von Kleefeld gegründete Betrieb Themen der Zeit aufgreifen konnte. Zugleich lag diese Ausgabe deutlich nach seinem Tod: Sie ist ein Beleg für den Nachruhm der Firma, nicht für eine von Ludwig Kleefeld persönlich getroffene gestalterische Entscheidung. [1]
Ein Familienunternehmen über den Gründer hinaus
Die Verwandtschaftsbeziehung zu Albert Rosenfelder, einem späteren Teilhaber der Bilderbücherfabrik Löwensohn, ist ein Schlüssel zum Fürther Unternehmernetz. Die biografische Forschung bezeichnet beide Männer als Halbbrüder und Rosenfelder als zeitweiligen Prokuristen bei L. Kleefeld & Co. ab 1888. Der gemeinsame Elternteil ist aus den bisher eingesehenen Sekundärtexten nicht durch einen Familienregistereintrag unabhängig bestätigt. Für die genealogische Datenbank muss die Beziehung daher als gut belegte Arbeitsannahme, nicht als neu eingesehene Abstammungsurkunde erscheinen. [4][5]
Die Nachfolge im Unternehmen war bereits vor Kleefelds Lebensende in Gang gekommen. Der Schwiegersohn Leopold Bomeisl wird in der lokalen Spielwarengeschichte seit 1907 als Mitglied der Geschäftsführung genannt. Eine Sammlungsdatenbank verwendet teils die Schreibform Bromeisl. Die Originalschreibung ist deshalb an Handelsregister und Personenstandsdokumente anzuschließen, bevor zwei getrennte Personenprofile angelegt werden. Nach Kleefelds Tod 1908 verzeichnet eine spätere Firmenübersicht auch seine Witwe Thekla als Beteiligte. Über ihre eigene Entscheidungsmacht sagt diese Nennung ohne Gesellschaftsakten noch wenig aus. [2][3][4]
1915 trat nach mehreren Darstellungen Leopolds Bruder Moritz in die Geschäftsführung ein. Der Betrieb wuchs weiter, zog 1926 nach Nürnberg und wurde ein gewichtiger Name im deutschen Spielwarenmarkt. Diese Entwicklung fällt nicht mehr in Ludwig Kleefelds persönliche Lebenszeit, gehört aber zu seiner Wirkungsgeschichte. Die Aufteilung der früheren Beteiligungen innerhalb der Familie sollte nicht aus späteren Firmenetiketten erschlossen werden, sondern aus Veränderungen der haftenden Gesellschafter und Kommanditisten. [2][3]
Enteignung und Verfolgung als Bruch der Unternehmensgeschichte
Die Geschichte des Kleeblatts lässt sich nicht erzählen, ohne den nationalsozialistischen Eigentumsentzug zu benennen. 1939 ging das jüdische Unternehmen nach der Firmengeschichte an den Thüringer Spielwarenhersteller Max Herbart beziehungsweise Christian Herbart über. In dieser Zeit blieb das bekannte Zeichen nicht einfach unverändert: Das Motiv wurde in eine neue Markenform mit dem Kürzel „CH“ eingebunden. Eine erhaltene „Kinderpost“-Spieleschachtel aus der Sammlung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation dokumentiert diese Phase anschaulich. Das Stück ist auf 1939 bis 1953 datiert; die Museumsbeschreibung grenzt die Herstellung unter der damaligen Firma auf die Jahre 1939 bis 1945 ein. Für die Bildunterschrift muss diese zweistufige Datierung erhalten bleiben. [2]
Die Umgestaltung eines vertrauten Markenzeichens war keine harmlose Stiländerung. Der Betrieb bestand unter anderem Namen fort, während Angehörige der früheren Eigentümerfamilien verfolgt wurden. Die Museumsstiftung führt den Tod Leopold Bomeisls im Vernichtungslager Sobibor an und berichtet, dass Moritz den Krieg überlebte. Die genaue Biografie Leopolds, seine Personenidentität einschließlich Namensschreibung sowie die Transport- und Todesdokumentation erfordern eine separate Originalaktenprüfung. Für Ludwig Kleefelds Biografie ist entscheidend, dass seine Firma in eine Geschichte von Entrechtung und Nachfolge hineingeriet, auf die er selbst keinen Einfluss mehr haben konnte. [2][3]
Restitution, neue Spiele und das Fortleben des Namens
Nach 1945 kamen frühere Eigentumsansprüche erneut zur Geltung. Moritz Bomeisl erhielt den stark geschädigten Betrieb nach der Überlieferung zurück; bei der genauen Jahreszahl werden 1951 und unterschiedliche Stufen der Wiederherstellung genannt. Original-Rückerstattungsbeschluss, Handelsregister und Inventarlisten sind hier die nächste Evidenzstufe. [2][3]
Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts blieb die Marke mit Brett- und Beschäftigungsspielen verbunden. Die Museumsstiftung nennt eine Zusammenarbeit mit Spear ab 1978, die spätere Rechtsform Klee-Spiele GmbH von 1981 und die Rückkehr des Firmensitzes nach Fürth 1984. Nicht jede dieser Angaben ist schon mit dem originalen Registerereignis verglichen. Sie zeigen dennoch eine bemerkenswerte Langlebigkeit der Firmenidee: Eine aus der Fürther Druck- und Spielwarenlandschaft von 1884 hervorgegangene Marke gehörte noch hundert Jahre später zum Alltag spielender Familien. [2]
Der Mensch hinter dem Kleeblatt
Was wir über Ludwig Kleefeld bislang sicherer erzählen können, sind Gründung, Produktionsverbund, Marke und Nachfolge. Noch schwach erschlossen bleiben seine eigene Ausbildungszeit, die exakte Geburts- und Sterbestelle, seine Ehe mit Thekla, die Namen seiner Kinder und die primären Nachweise für das Halbbruderverhältnis zu Albert Rosenfelder. Ein eigenständiger Museumsartikel sollte diese Lücken nicht mit beliebigen Kindheitserzählungen füllen. Sinnvoller sind konkrete Originalaufträge: Geburts- und Sterberegister, Heirats- und Familienbogen, Handelsregister 1884–1917, Markenregister Nr. 58, die Gesellschaftsverträge der Löwensohn-Beteiligung und die erste Geschäftskorrespondenz. [3][4]
Ludwig Kleefeld war nicht nur der Namensgeber späterer Spiele. Er war ein Unternehmer, der eine lokale technische Arbeitsteilung in eine dauerhaft wiedererkennbare Marke verwandelte. Das Fürther Kleeblatt wurde zum Warenzeichen – und die Geschichte dieses Zeichens führt zurück zu einem Menschen, dessen eigene Biografie nun Schritt für Schritt aus den Firmenakten herausgelöst werden muss.
Quellen und Nachweise
- [1]
Deutsches Spielearchiv Nürnberg, Sammlung Mensenkamp – Museumssammlung, Gründungsdaten und spätere Objekte; keine Personenstandsakte.
- [2]
Museumsstiftung Post und Telekommunikation, Objekt „Kinderpost“, Inventar 4.2009.473 – Originalobjekt mit Herstellerkennzeichnung, Datierungsintervall und musealer Firmengeschichte; ausdrücklich nach Ludwig Kleefelds Lebenszeit.
- [3]
Walter Ley, „Fürther Spielwarenhersteller im vergangenen Jahrhundert“, Fürther Geschichtsblätter 4/2009 – lokaler Branchenüberblick, mögliche Namens- und Zeitabweichungen.
- [4]
Museum der Ärger-Spiele: Firmen- und Markenübersicht L. Kleefeld & Co. – sekundäre Handels- und Markenhistorie.
- [5]
Simon Rötsch, FIORDA 14–18: Albert Rosenfelder – Halbbruderbeziehung und Arbeitsstation; gemeinsam benutzte Sekundärquellen sind keine unabhängigen Abstammungsbelege.