Fürther Vereinsgeschichte
TuSpo Fürth 1895 (historischer Turn- und Sportverein)
Der Weg der Fürther Arbeiterturner führte von einem Gasthaus über einen selbst finanzierten Sportplatz zum deutschen Meistertitel 1920, in die nationalsozialistische Enteignung und schließlich zur Rückerstattung nach 1945.
Geschichte und prägende Stationen
1895: Warum Arbeiter ihren eigenen Turnverein wollten
Der Arbeiter-Turnverein entstand Ende 1895 in der Gaststätte Zur weißen Taube, später wurden Turnstunden in der Restauration Bavaria an der Königstraße abgehalten. Für das exakte Gründungsdatum nennen die überlieferten Texte den 13. November beziehungsweise den 12. Dezember 1895. Ohne vollständig gelesenes Gründungsprotokoll bleibt dieser Tageskonflikt offen. Die Gründung gehört in die Geschichte einer Arbeiterbewegung, die eigene Möglichkeiten für Bildung, Geselligkeit, Turnen und sportlichen Wettbewerb schuf. Peter Lößler erscheint im Adressbuch 1901 als erster Vorstand und Commis; Hans Angler verbindet nach weiteren biografischen Quellen Arbeiterturnen und Gewerkschaften.[1]
Von Turnern zu Fußballern – und Frauen im Verein
1897 entstand nach dem Rückblick eine Frauenabteilung. 1908 kam der Turnverein Jahn hinzu, 1912 schlossen sich Kraftsportler und die Fußballclubs Merkur und Pfeil an. Daraus entwickelte sich der Turn- und Sportverein Fürth 1895, der mehr als ein reiner Fußballklub war. Die genauen Beschlüsse und Rechtsformen der Zusammenschlüsse bedürfen des Satzungsabgleichs. Der Name Merkur ist dabei eindeutig vom gleichnamigen kaufmännischen Verein zu unterscheiden, der bereits in den 1880er-Jahren bestand.[1]
1913–1928: Ein Sportplatz aus eigenen Mitteln
1913 erwarb der Verein mithilfe von Nikolaus Sand und Mitgliederanteilscheinen ein Waldgrundstück an der Kronacher Straße. Für den 2. August 1914 war eine Einweihung geplant, die der Weltkrieg verhinderte. Ein späteres Sportheim eröffnete am 14. August 1928 nach Planung des Architekten Ernst Hümpfner. Hier lässt sich Fürther Vereinsgeschichte als Arbeits- und Baugeschichte schreiben: Wer stellte Kapital bereit? Welche Eigenleistungen brachten Mitglieder auf? Wer haftete gegenüber Darlehensgebern? Der überlieferte Grundriss und die Hypotheken sind historische Prüfpunkte, keine Grundlage für erfundene Investitionssummen.[1]
11. Juli 1920: Der erste Meister des deutschen Arbeiterfußballs
Auf dem Platz der Spielvereinigung 99 Leipzig gewann Fürth das erste ATSB-Bundesfinale mit 3:2 gegen TSV Süden 07 Forst. Über die Halbzeitpause stand es 0:0. In der zweiten Hälfte trafen für Fürth Reck (50. Minute), Schmidtill (58.) und Dollinger (60.), ehe Forst durch einen Elfmeter und ein weiteres Tor verkürzte. Die Arbeiterfußball-Forschung gibt eine komplette Fürther Elf und den Schiedsrichter Fritz Gollmann an; der Rückblick auf den Empfang der Mannschaft schildert Tausende Menschen am Fürther Bahnhof und einen Rathausbesuch. Sieben Meisterspieler gingen anschließend zur SpVgg. Der Titel und die Wechsel waren damit auch eine Episode städtischer Konkurrenz, keine Verschmelzung der Vereine.[8]
4.500 oder 5.000 Zuschauer? Eine echte Quellenabweichung
Die Meisterschaftsübersicht auf Arbeiterfussball.de nennt für das Leipziger Endspiel von 1920 4.500 Zuschauer. Die ausführliche Finalstatistik auf demselben Portal nennt dagegen 5.000. Es handelt sich in beiden Fällen ausdrücklich um das Finale, nicht um eine Verwechslung mit einer Vorrunde. Ohne Einsicht in die zeitgenössische Sportpresse bleibt die genaue Zuschauerzahl offen.[9]
Ecken 5:11: eine bislang nicht unabhängig geprüfte Spielstatistik
Ein Deutschlandradio-Kultur-Manuskript von Eduard Hoffmann und Jürgen Nendza überliefert aus einem historischen Bericht das Eckenverhältnis 5:11 für Fürths 3:2 gegen Süden Forst. Die unterlegenen Forster dürften demnach deutlich mehr Eckbälle erzwungen haben. Das Manuskript zitiert einen alten Bericht, ersetzt aber die Einsicht in die damalige Zeitungsseite nicht. Die Zahl bleibt als spezifischer Originalquellenhinweis gekennzeichnet.[17]
1933 bis 1950: Enteignung und unvollständige Rückkehr
Der Verein wurde 1933 im nationalsozialistischen Staat aufgelöst und verlor Grundstück, Sportheim und bewegliches Eigentum. Erst am 14. November 1948 fand im Wolfshöher Bräustübl die Neugründungsversammlung statt. Am 14. Juni 1950 wurden Grundstück und Gebäude laut Rückblick zurückgegeben; für verlorenes Inventar blieb ein voller Ausgleich aus. Nikolaus Sand und Martin Harscher werden als Verhandlungsvertreter genannt. Eine Akte zur Wiedergutmachung liegt im Staatsarchiv Nürnberg unter der Verzeichnungseinheit 1458 – bislang ist sie nur katalogisch nachgewiesen, nicht vollständig eingesehen.[1]
1966–1977: Von der Pestalozzischule zur eigenen Turnhalle
1966 begann der wiederaufgebaute TuSpo erneut mit einer Turnabteilung, anfangs vor allem mit Angeboten für Kinder. Mangels eigener Halle nutzte sie die Pestalozzischule. Erst 1977 gelang der Umzug in eine vereinseigene Turnhalle; nun kamen Mutter-Kind-Turnen, Hausfrauengymnastik, Skigymnastik und Leistungsturnen hinzu. Damit verschob sich das Profil vom klassischen Arbeiterturnen zu einem breiten Angebot für unterschiedliche Generationen. Woher Mittel, Grundstücke und Übungsleitungen kamen, muss mit Bau- und Vereinsakten überprüft werden.[3]
2000–2007: Gesundheitssport und neuer organisatorischer Rahmen
Im Jahr 2000 gründete die Turnabteilung eine Herzsportgruppe und erweiterte damit ihren sozialen Auftrag auf den Rehabilitationssport. 2003 kam der Zusammenschluss des TuSpo Fürth mit der SpVgg Greuther Fürth. Seit 2007 nennt die Abteilung Qigong-Angebote; auch Tai-Chi sowie Präventions- und Gesundheitskurse gehören zur heutigen Selbstdarstellung. Die Geschichte ist damit keine Erzählung einer bloßen Vereinsauflösung, sondern auch die einer umgeformten sozialen Einrichtung. Die rechtlichen Einzelheiten des Zusammenschlusses bleiben durch Register und Vertrag zu prüfen.[3]
2017–2025: Integration, Übungsleitungen und Mitgliedschaft mit Stichtag
Seit 2017 ist die Turnabteilung als Stützpunktverein im Programm Integration durch Sport anerkannt. Die eigene Seite nennt für Juni 2025 rund 750 Mitglieder, etwa zwanzig Betreuende einschließlich Übungsleitungen, Assistenz und ärztlicher Betreuung und circa dreißig Kurse pro Woche. Auch Nichtmitglieder können ausgewählte Erwachsenenkurse gegen Kursgebühr besuchen. Diese Daten bezeichnen ausschließlich die Turnabteilung im Juni 2025, nicht den TuSpo-Gesamtverein 1948 und nicht die gesamte SpVgg 2026. Sie zeigen jedoch anschaulich, wie sich ehrenamtlicher Sport, Prävention und gesellschaftliche Teilhabe heute überschneiden.[3]
Weitere überlieferte Angaben zur Vereinsgeschichte
Vereinsgeschichte in der NS-Zeit
Der Ursprung des TuSpo lag 1895 im Fürther Arbeiterturnverein, gegründet von Arbeitern und freiheitlich orientierten Turnern. Nach frühen Turnlokalen und wachsender Mitgliederzahl wurden weitere Sportvereine angeschlossen; 1912 veranlassten unter anderem die Fußballvereine Merkur und Pfeil die Umbenennung zum Turn- und Sportverein Fürth 1895. Ein 1913 erworbenes Waldgrundstück an der Kronacher Straße sollte als Vereinsanlage am 2. August 1914 eröffnet werden, was die Mobilmachung am Vortag verhinderte. Während der NS-Zeit wurde der Arbeitersport aufgelöst beziehungsweise verboten, 1948 lebte TuSpo wieder auf. In den Nachkriegsjahrzehnten entstanden vielfältige Abteilungen einschließlich Turnen und Herzsport. 2003 ging der finanziell angeschlagene Verein in der SpVgg Greuther Fürth auf; 2005 entstand auf dem ehemaligen TuSpo-Gelände das Sportzentrum Kleeblatt.
Vereinsleben und weitere Entwicklung
Der historische TuSpo darf daher nach 2003 nicht als selbstständiger, weiterbestehender Fürther e.V. gezählt werden.
Vertiefung zum Arbeitersport und zum Zusammengehen mit der SpVgg: Die TuSpo-Chronik nennt für 1895 nicht nur die Gründung, sondern die frühen Übungsstätten: die Restauration Bavaria an der Königstraße, später die Wilhelmshöhe, den Evorasaal und ab 1905 die Männerturnhalle im Hambergergarten. 1908 trat der Turnverein Jahn bei; 1912 folgten ein Kraftsportclub sowie FC Merkur und FC Pfeil. Mit Unterstützung von Nikolaus Sand wurde 1913 das Waldgrundstück an der Kronacher Straße gekauft. Die für den 2. August 1914 geplante Einweihung verhinderte die Mobilmachung vom Vortag; erst 1919 wurde das Gelände eröffnet. Der Verein errang in der Saison 1920/21 die deutsche Meisterschaft im Arbeiter-Turn- und Sportbund und weihte am 14. August 1928 sein neues Vereinshaus ein.
Organisation und Veränderungen
Die NS-Behörden lösten den Arbeitersportverein später zwangsweise auf; laut Chronik wurden zahlreiche Vereinsakten vernichtet. Für das Ende des eigenständigen TuSpo 2003 liegt jetzt zusätzlich ein kommunaler Beleg vor: Auf der Stadtratssitzung am 28. Mai 2003 stand die Verschmelzung mit der SpVgg Greuther Fürth als TOP Ö 3, Vorlage 2939, auf der Tagesordnung. Die SpVgg beschreibt die Vereinigung mit dem damals finanziell angeschlagenen Nachbarverein in ihrer offiziellen Chronik. Das Stadtratsdatum ist nicht automatisch das Datum der registerrechtlichen Wirksamkeit. Das Sportzentrum Kleeblatt wurde 2005 auf dem ehemaligen TuSpo-Gelände eröffnet. Die Gebäude bleiben eigenständige Bauobjekte, die TuSpo-Rechtsperson ein historischer Knoten.
Vereinsgeschichte in der NS-Zeit
Die TuSpo-Chronik ermöglicht eine praezise Darstellung des Neubeginns nach der gewaltsamen Aufloesung in der NS-Zeit: Am 14. November 1948 wurde im Wolfshoeher Braeustuebl eine Wiedergründungsversammlung abgehalten, die den Verein einstimmig neu formierte und die erneute Eintragung beim Registergericht beantragte. Fritz Adler und Nikolaus Sand waren daran als alte Vereinsangehoerige beteiligt. Die Beschlagnahme des Sportgelaendes nach 1933 machte langwierige Wiedergutmachungsverfahren notwendig. Erst am 14. Juni 1950 wurden Grundstück und Gebaeude nach Vereinsdarstellung zurueckerstattet; Ansprueche auf Geraete, Inventar und Vermoegen blieben abgelehnt. Nikolaus Sand und Martin Harscher wirkten an den Verhandlungen mit. 1951 wurde Georg Fritz Haas zum Vorsitzenden gewaehlt; die Chronik nennt seine Funktion bis 1968. Der Sportplatz an der Kronacher Strasse aus der Zeit vor 1914 ist vom spaeter entwickelten Sportzentrum am Seeacker zu unterscheiden.
Vereinsleben und weitere Entwicklung
Die Geschichte der Enteignung und Rückgabe muss in Grundbuch- und Wiedergutmachungsakten verifiziert werden und ist nicht mit dem erst 2003 erfolgten Übergang zur SpVgg Greuther Fürth zu vermischen.
Das Finale, das Fürth zum ersten deutschen Meister des Arbeiterfußballs machte, lässt sich nun auf den Tag genau rekonstruieren. Am Sonntag, dem 11. Juli 1920, spielte TSV 1895 Fürth auf dem Platz der Spielvereinigung Leipzig an der Demmeringstraße in Leipzig-Lindenau gegen TSV Süden Forst. Zur Pause stand es 0:0; nach dem Seitenwechsel trafen Reck in der 50., Schmidtill in der 58. und Dollinger in der 60. Minute. Die Forster verkürzten durch einen Elfmeter in der 75. und ein weiteres Tor in der 78. Minute. Fürth gewann 3:2. Die Endrunde hatte für die Fürther mit einem 4:0 gegen Dresdner SV am 4. Juli begonnen. Die zeitgenössischen und sporthistorisch ausgewerteten Zeugnisse unterscheiden an diesem Punkt die erste Bundesmeisterschaft 1920 eindeutig von der in späteren Rückblicken vereinzelt verwendeten Spielzeitbezeichnung 1920/21.
Es gibt keinen Nachweis einer zweiten TuSpo-Meisterschaft im Jahr 1921.
Der 1920er Triumph bietet mehr als eine Ergebnistabelle: Das ATSB-Finale fand auf einer Anlage eines bürgerlichen Fußballklubs statt. Die Fürther trugen schwarze Hosen und weiße Trikots mit Kleeblatt, sahen damit der SpVgg Fürth ähnlich und blieben doch Teil einer eigenen Arbeitervereinsbewegung. Am Montagabend nach dem Finale wurde die Mannschaft am Fürther Staatsbahnhof von Tausenden Menschen empfangen und anschließend im Rathaus gewürdigt. Als elf Finalspieler sind C. Volkert, Hamm, Birner, Meyer, Max Trost, Nickel, Knorr, Schmidtill, Dollinger, Reck und Osterländer dokumentiert. Die Spezialchronik berichtet, dass sieben von ihnen noch im Sommer zur SpVgg wechselten; die Liste wird als Quellenbeobachtung geführt. Dass sie dort Stammspieler der ersten Mannschaft wurden, folgt daraus ausdrücklich nicht.
Die Zuschauerzahl des Endspiels schwankt zwischen 4.500 und 5.000 je nach Quelle; beide Werte bleiben als ungeklärte Schätzungen erhalten.
Auch die soziale Vernetzung wird sichtbar: Der SPD-Politiker Hans Vogel hielt beim fünfundzwanzigjährigen Vereinsjubiläum am 4. Juli 1920 eine Festrede; der spätere Gewerkschaftsführer Hans Böckler wird in der Arbeitersportforschung zu den frühen Gründungsmitgliedern gezählt. Letzteres bedarf weiterhin des Abgleichs mit dem Originalgründungsprotokoll von 1895. Der gesamte TSV zählte nach der Spezialchronik 1928 rund 800 Mitglieder. Dieser Mitgliederbestand bezieht sich auf die Vereinsstruktur acht Jahre nach dem Erfolg, nicht auf die Fußballmannschaft. Die Geschichte erklärt, weshalb der TuSpo zugleich Teil der Arbeiterbewegung, der städtischen Sozialgeschichte und der Vorgeschichte der heutigen SpVgg ist.
Die Gründungsphase des Fürther Arbeitersports ist quellenkritisch neu zu betrachten. Die ausführliche historische TuSpo-Chronik nennt Gründungsmitglieder des 1895 ins Leben gerufenen Arbeiter-Turnvereins: Wilhelm Adler, Andreas Egelseer, Hans Vogel, Hans Böckler, Fritz Rittler, Hans Angler, Heinrich Frank, Leonhard Harrer, Ludwig Doernhoefer, Heidingsfelder, Hans Kiessling, Georg Klemm und Wuerflein. Die beiden letztgenannten nur teilweise lesbaren Namensformen werden im Forschungsbestand ohne erfundene Vornamen bewahrt. Die historische Grundungslokalitaet war die Gastwirtschaft Zur weißen Taube; geturnt wurde unter anderem in der Bavaria an der Königstrasse. Das genaue Gründungsdatum ist derzeit nicht widerspruchsfrei feststellbar: Eine Sportzusammenstellung nennt den 12. Dezember 1895, waehrend ein Zeitungsrueckblick vom 25. Maerz 2019 den 13. November 1895 angibt. Das in der Vereinschronik abgebildete Protokoll muss am Original lesbar abgeglichen werden.
Bis dahin ist 1895 gesichert, nicht einer der beiden Tage.
Organisation und Veränderungen
Die Sozialgeschichte des Vereins wird durch ein bemerkenswert breites Programm sichtbar. Schon 1897 entstand eine Damenabteilung. 1904 berichtete die Chronik von nahezu 200 Mitgliedern und Turnuebungen im Evora-Saal beziehungsweise auf dem Evorakeller. 1905 konnte die Männerturnhalle am Hambergergarten in der Erlanger Strasse gepachtet werden, 1906 entstand eine Schülerabteilung. Der Beitritt des TV Jahn 1908 und der Zusammenschluss mit einem Kraftsportclub sowie den Fußballclubs Merkur und Pfeil 1912 fuehrten zur Namensform Turn- und Sportverein Fürth 1895. Um 1912 verzeichnet der Vereinsrueckblick etwa 500 Mitglieder. Der Kauf eines Sportgrundstuecks an der Kronacher Strasse 1913 wurde laut Vereinschronik durch Anteilscheine und Hilfe von Nikolaus Sand getragen. Die für den 2. August 1914 vorbereitete Einweihungsfeier kam wegen der Mobilmachung nicht zustande; die eigentliche Anlage wurde 1919 eingeweiht.
Vereinsleben und weitere Entwicklung
Für die Geschichte von Frauen, Jugendlichen, Gewerkschaftsbewegung und Stadtteilen sind dies zentrale Querverbindungen.
Nach der Zerschlagung unter der NS-Herrschaft wurde TuSpo 1948 wieder ins Leben gerufen. Ein sekundarer Registeraggregator nennt für den im Amtsgericht Fürth unter VR 502 gefuehrten Turn- und Sportverein 1895 TUSPO Fürth e.V. den 8. Juni 1949 als ersten Eintrag. Dieses Datum ist nicht gleichbedeutend mit dem Ursprung von 1895 und auch nicht dem sportlichen Wiederbeginn 1948. Der Originalregisterauszug muss noch folgen. 2003 ging TuSpo in der SpVgg Greuther Fürth auf; die sportliche und organisatorische Nachfolge ist von den einzelnen Eigentumsübertragungen seiner Sportanlagen zu unterscheiden.
Neubeginn und weitere Entwicklung
Eine neue Verknuepfung betrifft die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg: Die SpVgg berichtet rueckblickend, dass Funktionaere der zuvor verbotenen Arbeiterbewegung Anspruch auf den Ronhof erhoben. Dies dokumentiert konkurrierende Ansprueche in einer historischen Übergangssituation, aber kein erworbenes Grundstueck oder bestaetigtes Recht. Die genaue Eigentumsgeschichte bleibt deshalb im Haeuser- und Vereinsregistermaster zur weiteren Pruefung.
Vereinsleben und weitere Entwicklung
Die Quellenkonkordanz zur Arbeitersport-Meisterschaft 1920 liefert nun eine weitere Station: Am 4. Juli 1920 bezwang der TSV Fürth den Dresdner SV 1910 im Halbfinale mit 4:0 (Halbzeit 0:0). Das süddeutsche Endspiel gegen die Freie Turnerschaft München-Gern war bereits am 2. Mai in Nürnberg-Schweinau mit 2:0 gewonnen worden. Am 11. Juli folgte das Bundesfinale gegen TSV Süden 07 Forst (3:2). Für das Endspiel nennen die Arbeitersport-Fachübersichten unterschiedliche Zuschauerzahlen von 4.500 und 5.000; ein exakter Wert ist ohne Prüfung des zeitgenössischen Zeitungsberichts nicht gesichert. Das Meisterjahr ist 1920 und darf nicht mit dem DFB-Endspiel der SpVgg Fürth vom 13. Juni 1920 verwechselt werden.
Aus der Gründergeschichte sind zwei Personen identifiziert: Hans Böckler (1875–1951), später erster DGB-Vorsitzender, und Hans Vogel, eigentlich Johann Vogel (1881–1945), später SPD-Vorsitzender im Exil. Sie sind mit den eigenständigen Biografien im Personenbestand verknüpft. Der 1819 belegte Fürther Namensvetter Johann Vogel ist ausdrücklich eine andere Person. Das genaue Gründungsdatum des Arbeiter-Turnvereins im Jahr 1895 bleibt ungeklärt: 13. November und 12. Dezember stehen sich als spätere Quellenangaben gegenüber. Die Einsicht in das Originalprotokoll und in die einschlägigen Zeitungsnummern ist weiterhin erforderlich.
Menschen und Vereinsarbeit
- Lößler, Peter: 1. Vorstand · 1901 · Commis[18]
- Nikolaus Sand: Vereinsvertreter Wiedergutmachung/Rückerstattung · 1948 bis 1950[1]
- Martin Harscher: Vereinsvertreter Wiedergutmachung/Rückerstattung · 1948 bis 1950[1]
- Georg Fritz Haas: 1. Vorsitzender · 1951 bis 1968[1]
- Gerhard Linz: Leiter Tennisabteilung · 1979?[1]
Vereinslokale und Wirkungsorte
Zur weißen Taube
Gründungslokal: Fürth · 1895[5][1]
Gründungslokal. Datierungskonflikt: Nordbayern nennt 13.11.1895, Vereinsüberlieferung/Master 12.12.1895; nicht still vereinheitlicht.
Bavaria
Turn-/Vereinslokal: Königstraße, Fürth · 1895[1]
Erstes Turnlokal nach der Gründung 1895; die Gründungsversammlung selbst fand laut Überlieferung in der Weißen Taube statt.
Zur weißen Taube
Gründungslokal: Fürth; genaue Adresse noch offen · 1895[5][1]
Gründung des Arbeiter-Turnvereins 1895 hier; exakter Tag konfliktär 13.11. vs. 12.12.1895. Nicht mit erstem Turnlokal Bavaria verwechseln.
Wolfshöher Bräustübl
Gründungslokal: Fürth; genaue Adresse offen · 1948-11-14[1]
Neugründungsversammlung am 14.11.1948.
Zum Seeacker
Sportheim/Gaststätte: Seeackerstraße, Fürth · 1977 bis 2003[1]
Begegnungsstätte des Sportzentrums; genaue Hausnummer/Eröffnungsdatum separat prüfen.
Historische Stationen im Überblick
- 1920-07-11 · TSV Fürth 1895 gewinnt das ATSB-Bundesmeisterschaftsfinale 3:2 (0:0) gegen TSV Süden 1907 Forst. Fürther Tore: Reck 50., Schmidtill 58., Dollinger 60.; Quellen nennen 4.500 bzw. 5.000 Zuschauer. Ort: Leipzig-Lindenau, Demmeringstraße.[7][8]
- 1981 · Komplette Hockeyabteilung der SpVgg mit mehr als 100 Sportlern wechselt zum TuSpo Ort: Seeackerstraße.[1]
- 1931-05-25 · Freie TG Darmstadt besiegt TuSpo Fürth 10:4 (6:4). Zeitgenössischer Bericht schildert zunächst ausgeglichenes, schnelles Spiel; Fürth verkürzt bis zur Pause auf 4:6, danach macht sich Reisemüdigkeit bemerkbar. Ort: Darmstadt.[19]
- 1904 · Im Winter Turnbetrieb im Evorasaal, im Sommer im Evorakeller bzw. auf dem Brauereigelände Evora & Meyer. Ort: Evorasaal / Evorakeller.[1]
- 1901 · Im Fürther Adressbuch 1901 als Arbeiter-Turnverein Fürth verzeichnet; 1. Vorstand Peter Lößler, Commis. Ort: Fürth.[18]
- 1904 · Vereinsüberlieferung: fast 200 Mitglieder; Winterübungen im Evorasaal, Sommerübungen im Evorakeller. Ort: Evorasaal / Evorakeller.[1]
- 1895 (13.11./12.12. Konflikt) · Gründung des Arbeiter-Turnvereins in der Restauration Zur weißen Taube. Nordbayern nennt 13.11.1895; bisheriger Master 12.12.1895; Vereinschronik nennt nur 1895. Ort: Zur weißen Taube.[1][5]
- 1895 · Die Restauration Bavaria in der Königstraße wird als erstes Turnlokal genutzt. Ort: Restauration Bavaria, Königstraße.[1]
- 1897 · Wegen steigender Mitgliederzahl wird der Übungsbetrieb auf die Wilhelmshöhe verlegt; dort entsteht zugleich eine ansehnliche Damenabteilung. Ort: Wilhelmshöhe.[1]
- 1904 · Bei fast 200 Mitgliedern nutzt der Verein im Winter den Evorasaal und im Sommer den Evorakeller. Ort: Evorasaal / Evorakeller.[1]
- 1905 · Pachtung der Männerturnhalle im Hambergergarten an der Erlanger Straße als zweckdienliche Übungsstätte. Ort: Hambergergarten / Erlanger Straße.[1]
- 1905 · Der Verein beschickt das erste Kreisturnfest in Würzburg mit einer stattlichen Zahl von Turnern. Ort: Würzburg.[1]
- 1906 · Gründung einer Schülerabteilung. Ort: Fürth.[1]
- 1913 · Mit finanzieller Hilfe von Nikolaus Sand und Anteilscheinen der Mitglieder wird das Waldgrundstück an der Kronacher Straße erworben. Ort: Kronacher Straße.[1]
- 1913/14 · Mitglieder roden und planieren das Waldgrundstück in freiwilliger Arbeitsleistung und schaffen die erste eigene Sportplatzanlage. Ort: Kronacher Straße.[1][5]
- 1914-08-02 (geplant) · Die für 2. August 1914 geplante Einweihungsfeier der Sportplatzanlage findet wegen des Mobilmachungsbefehls vom 1. August nicht statt; der Verein kann zunächst nur passiv weiterbestehen. Ort: Kronacher Straße.[1][5]
- 1920-05-02 · TSV Fürth 1895 besiegt München-Gern 2:0. Ort: Fürth?.[7]
- 1920-07-04 · TSV Fürth 1895 besiegt Dresdner SV 1910 mit 4:0 (0:0) und zieht ins Bundesendspiel ein. Ort: Dresden, Platz des SV Guts Muts 1902 an der Vogelwiese.[7]
- 1920-07-04 · Der TSV Fürth feiert auf der selbstgeschaffenen Sportanlage sein 25-jähriges Bestehen. Hans Vogel hält die Festrede; am Abend trifft die Siegesnachricht aus Dresden ein. Ort: Fürth, TSV-Sportanlage.[7]
- 1919 · Die 1913/14 geschaffene Sportplatzanlage an der Kronacher Straße wird nach dem Krieg endlich eingeweiht; Turnen, Turnspiele, Gymnastik, Schwer-/Leichtathletik und Fußball entwickeln sich rasch. Ort: Kronacher Straße.[1]
- 1922 · In freiwilliger Arbeitsleistung wird das Spielfeld verlegt und vergrößert; Aschenbahn, Sprung-/Stoßbahn und Fußballfeld werden angelegt. Ort: Kronacher Straße.[1]
- 1924 · Gründung einer Handballabteilung mit raschem sportlichem Aufstieg. Ort: Kronacher Straße.[1]
- 1927 · Der durch die Athletikabspaltung entstandene Mitgliederrückgang ist ausgeglichen; die Chronik nennt 800 Mitglieder. Ort: Fürth.[1]
- 1928-04 · Grundsteinlegung des neuen Sportheims unter Beteiligung städtischer Behörden, Arbeitervereine, Gewerkschaften und SPD. Entwurf/Bauleitung Ernst Hümpfner; Bau Reinmann & Mittenentzwei. Ort: Kronacher Straße.[1]
- 1928-08-14 · Feierliche Übergabe des neuen Sportheims. Finanzierung u.a. über zwei Hypotheken bei Städtischer Sparkasse Fürth und Brauhaus Nürnberg sowie Bausteine/Eigenleistung. Ort: Kronacher Straße.[1]
- 1933 · Der Arbeitersportverein wird vom NS-Regime gewaltsam aufgelöst; Vereinsakten/Bibliothek werden nach Vereinsüberlieferung zerstört, Vermögen, Sportheim, Sportplatz, Inventar und Geräte beschlagnahmt. Ort: Kronacher Straße.[1][5]
- 1948-11-14 · Gründungsversammlung im Wolfshöher Bräustübl; einstimmige Neugründung, Wahl einer Verwaltung und Antrag auf Neueintragung beim Registergericht. Fritz Adler und Nikolaus Sand hatten die Wiederbelebung vorbereitet. Ort: Wolfshöher Bräustübl.[1]
- 1950-06-14 · Nach Verfahren nach Militärregierungsgesetz Nr. 59 werden Grundstück und Gebäude an den Verein als Eigentum zurückerstattet; Entschädigung für Geräte, Inventar und Vermögen wird abgelehnt. Ort: Kronacher Straße.[1]
- 1951 · Georg Fritz Haas wird 1. Vorsitzender und bleibt laut Chronik bis 1968 im Amt. Ort: Fürth.[1]
- 1956 · Gründung der Tischtennisabteilung. Ort: Fürth.[1]
- 1966 · Wiederaufbau einer Turnabteilung zunächst für Kinderturnen; mangels eigener Halle Nutzung der Pestalozzi-Turnhalle. Ort: Pestalozzi-Turnhalle.[3]
- 1970 · Anschluss des alten Vereinsgeländes an das Kanalnetz; fast 200 m Kanalrohre mit Stadtdarlehen und Eigenleistung. Ort: Kronacher Straße.[1]
- 1976-05-24 · Grundsteinlegung des neuen Sportzentrums an der Seeackerstraße nach mehrjähriger Planung. Ort: Seeackerstraße.[1]
- 1976-09-16 · Richtfest des neuen Seeacker-Sportzentrums. Ort: Seeackerstraße.[1]
- 1977-06-25 · Feierliche Einweihung des neuen Sportzentrums mit 2-fach-Sporthalle und weiterer Infrastruktur. Ort: Seeackerstraße.[1]
- 1978 · Gründung der Badmintonabteilung; Nutzung der neuen hohen Halle mit fünf Spielfeldern. Ort: Seeackerstraße.[1]
- 1979 · Gründung der Tennisabteilung; später Ausbau auf zehn Plätze mit Tennisheim. Ort: Seeackerstraße.[1]
- 1980 · Gründung der Basketballabteilung; Chronik hebt zahlreiche amerikanische Mitglieder hervor. Ort: Seeackerstraße.[1]
- 1987 · Bau einer 3-Feld-Tennishalle mit Tennisstüberl als weiterer Ausbau des Seeacker-Zentrums. Ort: Seeackerstraße.[1]
- 2000 · Einrichtung einer Herzsportgruppe; Ausbau des Reha-/Gesundheitssports. Ort: Fürth.[3]
- 1914-1918 · Die spätere Vereinschronik erinnert an 52 im Ersten Weltkrieg gefallene Vereinsmitglieder. Eine überprüfte Einzelliste mit Namen liegt diesem Nachtrag noch nicht zugrunde. Ort: Fürth.[1]
Verbindungen in Fürth
Quellen
- [1]Webquelle www.kleeblatt-chronik.de: https://www.kleeblatt-chronik.de/v3/chronik/tuspo_fuerth.php
- [2]Webquelle www.sgf1903.de: https://www.sgf1903.de/das-kleeblatt/historie/vereinsgeschichte
- [3]SpVgg Greuther Fürth Turnen: TuSpo-Geschichte
- [4]Stadtrat Fürth 28.05.2003, TOP Ö3 VO 2939: Verschmelzung TUSPO und SpVgg
- [5]Fürther Nachrichten: Der Stolz der Fürther Arbeiter, 25.03.2019
- [6]Deutsche Akademie für Fussball-Kultur: Der andere Fussball 2021
- [7]Arbeiter-Fussball, Christian Wolter: TSV 1895 Fürth – Erster ATSB-Bundesmeister
- [8]Arbeiter-Fussball: Endrunde 1920, Finaldatum und Spielaufstellung
- [9]Arbeiter-Fussball: Meisterschaftsstatistik 1920
- [10]Arbeiter-Fußball: Die deutschen Meister und TSV 1895 Fürth
- [11]Online-Handelsregister: TUSPO Fürth e.V., VR 502
- [12]Anpfiff: TuSpo Fürth historische Mannschafts- und Vereinsmeldung
- [13]SpVgg Greuther Fürth: Ronhof 1945 und Anspruch der Arbeitersportbewegung
- [14]FT München-Gern: Vereinschronik
- [15]Landtag NRW: Hans Böckler
- [16]Deutsche Biographie: Hans Vogel
- [17]Deutschlandradio-Kultur-Manuskript; referierter Originalbericht, Originaldruck noch nicht autopsiert
- [18]Adressbuch-Transkription Master v226, Teil V, S. 10
- [19]Vereinschronik: 1931-05-25