Fürther Stadtgeschichte · Menschen
Albert Rosenfelder
1864–1916 · Unternehmer, Kommerzienrat und Hauptmann
Er prägte die Fürther Bilderbuchindustrie, unterstützte soziale Einrichtungen und übernahm im Ersten Weltkrieg Verantwortung für Verwundete und Soldaten. Sein Leben endete nicht auf einem Schlachtfeld, sondern auf einem Übungsplatz vor den Toren Fürths – unter Umständen, die bis heute Fragen aufwerfen.
Sein Leben im Zeitstrahl
Vom Fürther Kaufmannssohn zum Industrieleiter, Wohltäter und Offizier.
Geboren in Fürth
Als Abraham Hirsch Rosenfelder wächst er zunächst in einer Fürther Kaufmannsfamilie auf. [1]
Ausbildung und Militär
Dienst als Einjährig-Freiwilliger; 1886 folgt die Ernennung zum Leutnant der Reserve. [1]
Einstieg bei Löwensohn
Er beteiligt sich an der Fürther lithografischen Kunstanstalt der Familie Löwensohn. [1]
Amerikareise, Familie und Name
Besuch der Weltausstellung in Chicago, Heirat mit Dora Heim und Genehmigung des Vornamens Albert. [1]
Evora-Haus und Alpenverein
Um die Jahrhundertwende zieht die Familie in die Königswarterstraße; ab 1900 ist Rosenfelder in der Fürther Alpenvereinssektion. [1]
Firmenleitung und Ehrung
Leitung der Bilderbücherfabrik Löwensohn; Ernennung zum königlichen Kommerzienrat 1909. [1]
Stiftung und Auszeichnung
Rosenfelder errichtet die Salomon-Rosenfelder-Stiftung zur Unterstützung Bedürftiger und erhält den Verdienstorden vom Heiligen Michael. [4]
Hilfe für Verwundete und Soldaten
Aufgaben beim Roten Kreuz, in der Kriegsfürsorge und als Handelsrichter; im November Eintritt in den Militärdienst. [3]
Beförderung zum Hauptmann
Er bildet Rekruten des 21. bayerischen Infanterieregiments aus. [1]
Tod auf dem Hainberg
Ein Schuss trifft Rosenfelder auf dem Truppenübungsplatz nahe Fürth. Die Umstände bleiben ungeklärt. [1]
Kindheit, Familie und ein neuer Vorname
Albert Rosenfelder kam 1864 in Fürth als Abraham Hirsch Rosenfelder zur Welt. Sein Vater Emanuel, ein Kaufmann, starb, als der Sohn noch klein war. Albert besuchte in Nürnberg die Schule und fand über eine kaufmännische Tätigkeit seinen Weg in die Industrie. In den 1880er-Jahren arbeitete er auch bei der Fürther Spielefabrik L. Kleefeld & Co. [1]
1893 besuchte er die Weltausstellung in Chicago. Noch im selben Jahr heiratete er in Heidelberg Dora Heim. Die Familie lebte zunächst an der Hornschuchpromenade und bezog um die Jahrhundertwende eine Wohnung im sogenannten Evora-Haus in der Königswarterstraße 52. Mit einem Beschluss vom 25. Januar 1894 durfte Rosenfelder amtlich den Vornamen Albert führen. [1]
Die Bilderbücherfabrik als Lebenswerk
1890 beteiligte sich Rosenfelder an der 1844 gegründeten lithografischen Kunstanstalt G. Löwensohn. Die Firma produzierte Druckerzeugnisse und Bilderbücher – ein wichtiger Teil der Fürther Industrie, deren Produkte weit über die Stadt hinaus gelangten. Nach dem Rückzug von Theodor Löwensohn aus dem aktiven Geschäft übernahm Rosenfelder 1907 die Leitung. Die Ernennung zum königlichen Kommerzienrat 1909 zeigt, welches Ansehen er inzwischen genoss. [1]
Beim Besuch König Ludwigs III. im Berolzheimerianum 1913 konnte die Firma ihre Arbeiten präsentieren. Rosenfelder erhielt dort den Verdienstorden vom Heiligen Michael. Sein Unternehmen war für ihn mehr als ein Erwerb: Die Rolle als Firmenleiter verband sich mit öffentlicher Anerkennung und Verantwortung in der Stadt. [4]
Vereine, Alpenverein und Fürther Kriegsfürsorge
Rosenfelder gehörte zum Fürther Vereinsleben. Der Jahresbericht der Sektion Fürth des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins führt ihn als Fabrikbesitzer und nennt das Eintrittsjahr 1900. Das ist ein klarer Vereinsnachweis – aber noch keine Aussage darüber, welche Bergtouren er persönlich unternahm. [2]
1913 gründete er zum Andenken an seinen Onkel Salomon die Salomon-Rosenfelder-Stiftung mit 10.000 Mark Kapital. Die Erträge sollten sowohl jüdischen als auch christlichen Bedürftigen zugutekommen und im Winter den Kauf von Kohlen und Holz ermöglichen. In dieser Stiftung verbinden sich sein wirtschaftlicher Erfolg, familiäres Gedenken und Fürther Sozialgeschichte. [4]
Als 1914 der Krieg begann, übernahm Rosenfelder Aufgaben beim Roten Kreuz. Er war an der Organisation von Vereinslazaretten in Fürth beteiligt und stand einer Stelle der städtischen Kriegsfürsorge vor, die Pakete für Soldaten zusammenstellte. Im November 1914 wurde er zudem zum königlichen Handelsrichter berufen. Am 24. November desselben Jahres trat er in den aktiven Militärdienst ein; am 9. Januar 1915 wurde er zum Hauptmann befördert. Seine militärische Aufgabe lag in der Ausbildung neuer Soldaten. [3]
1. Juli 1916: Der Schuss auf dem Hainberg
Während der Ausbildung von Rekruten traf Rosenfelder am 1. Juli 1916 auf dem Truppenübungsplatz Hainberg ein tödlicher Schuss. Zeitungsberichte und militärische Darstellungen schilderten den Ablauf unterschiedlich. Auch die Frage, wie der Schuss abgegeben wurde, ist durch die überlieferten Ermittlungsangaben nicht abschließend geklärt. Deshalb wäre es irreführend, seinen Tod einfach als Gefallenenfall an der Front darzustellen – ebenso wenig lässt sich eine bestimmte Täterschaft sicher behaupten. [1]
Die Trauerfeier fand am 3. Juli 1916 in Nürnberg statt. Rosenfelders Name findet sich später in der Erinnerung an die jüdischen Kriegstoten aus Fürth. Die Fürther Geschichtsblätter verzeichnen ihn mit den Lebensjahren 1864–1916 als Kaufmann und Hauptmann der Landwehr. So wird an einen Menschen erinnert, dessen Lebensweg viel mehr umfasste als seinen gewaltsamen Tod. [5]
Quellen und Nachweise
- [1]Simon Rötsch: Albert Rosenfelder – FIORDA 14–18, Biografie und historische Belege↩ Zur Textstelle
- [2]Deutscher und Österreichischer Alpenverein, Sektion Fürth: Jahresbericht 1905, Mitgliederverzeichnis, Eintrag Rosenfelder↩ Zur Textstelle
- [3]Stadtheimatpflege Fürth: Gegen das Vergessen – Simon Rötsch und die Fürther Spuren jüdischen Lebens↩ Zur Textstelle
- [4]Simon Rötsch: FIORDA 14–18, vollständige Forschungsarbeit (PDF)↩ Zur Textstelle
- [5]Peter Frank: Die Fürther Kriegsopfer des Ersten Weltkriegs, Fürther Geschichtsblätter 4/2004↩ Zur Textstelle
Zur Geburtsangabe: Die ausführliche Forschungsdarstellung nennt im Text den 9. September 1864, an einer anderen Stelle jedoch den 19. September. Bis zur Prüfung des Originaleintrags wird hier nur das Geburtsjahr als gesichert angegeben. Die ausführliche FIORDA-Biografie nennt für den Umzug in das Evora-Haus 1901, die gesonderte Hausgeschichte hingegen Mai 1899. Bis zum Adressbuchabgleich steht im Text deshalb „um die Jahrhundertwende“. Die Rolle als Fabrikbesitzer und die Alpenvereinsmitgliedschaft sind unabhängig im zeitgenössischen Sektionsbericht nachweisbar.
Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Fürther Rechtsanwalt Dr. Albert Rosenfelder (1892–1933), der im Konzentrationslager Dachau starb.