Stadtgeschichte Fürth · Historische Biografie
Ludwig Hörauf
Stadt Fürth
Biografie
Eine Fürther Unternehmerfigur im Vereinsnetzwerk
Ludwig Hörauf gehört zu den Personen, durch die sich die Entwicklung des Fürther Alpenvereins vor dem Ersten Weltkrieg mit seiner schwierigen Wiedergründung nach 1945 verbinden lässt. Ein originales Mitgliederverzeichnis der Sektion Fürth von 1909 führt ihn bereits unter seinem Namen und der Berufsbezeichnung Fabrikbesitzer. Das Mitgliederverzeichnis von 1913 bestätigt denselben Namens- und Berufsgebrauch. Damit ist ein enger Bezug zum industriell geprägten bürgerlichen Fürth vorhanden, ohne dass die einzelnen Firmenbezeichnungen schon eindeutig mit seiner Person verbunden wären.
Die Mitgliedschaft allein verleiht keine Vorstandsfunktion; diese muss eigens belegt werden. Ebenso bedeutet „Fabrikbesitzer“ keine unbeschränkte Eigentümerstellung an einer bestimmten, möglicherweise ähnlich benannten Fürther Firma. Überliefern lässt sich zunächst die Berufsangabe, wie sie der Verein selbst in seinen zeitgenössischen Listen führte.
Frühe Schriftführerarbeit und Quellenlücken
Die Hundertjahr-Festschrift von 1982 nennt Ludwig Hörauf als Zweiten Schriftführer 1913 und führt ihn für die Jahre 1914 bis 1927 in der Reihe der Schriftführer. Außerdem wird er als langjähriger Mitarbeiter im Vereinsvorstand erinnert. Die beiden Zeiträume sind quellenkritisch voneinander zu trennen: Die Liste von 1982 ist eine retrospektive Rekonstruktion. Die Festschrift weist selbst auf erhebliche Lücken in der ursprünglichen Vereinsüberlieferung 1908 bis 1918 hin.
Es gibt gute Gründe, den in der zeitgenössischen Mitgliederliste genannten Fabrikbesitzer und den späteren Schriftführer als identische Vereinsfigur zu betrachten, weil derselbe Name über eine fortlaufende Sektionstradition dokumentiert ist. Dennoch fehlen für die sichere Erfassung einer 1946 durchgehenden Personenbiografie ursprüngliche Geburts-, Wohn- und Geschäftsangaben. In der historischen Darstellung bleibt die Kontinuität als durch die Sektion überlieferter Lebensweg mit offener Registerprüfung kenntlich.
Antrag auf Wiederzulassung nach dem Zweiten Weltkrieg
Am Ende des Zweiten Weltkriegs war das bisherige Vereinsleben nicht einfach unverändert fortzusetzen. Die Militärregierung musste die Sektion neu zulassen; frühere Mitglieder und Funktionsträger standen vor politischen und organisatorischen Überprüfungen. Die detaillierte Hundertjahr-Chronologie nennt für den 1. November 1945 einen durch Ludwig Hörauf gestellten Antrag auf Vereinslizenz.
Für den 15. Januar 1946 berichtet sie von der Genehmigung durch die amerikanische Militärregierung in Ansbach. Am 19. Januar 1946 kamen im Fürther Gasthof „Drei Könige“ 36 Mitglieder zur Wiedergründung zusammen. Hörauf verlas die Zulassungsurkunde und wurde nach der Vereinschronik zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Damit ist die Neugründung nicht lediglich als allgemeines politisches Ereignis belegt, sondern mit einer konkreten Handlung und Funktion Höraufs verbunden.
Die Versammlung beschloss auch eine neue Satzung. Die in der Festschrift behandelten Einschränkungen der Mitgliedsaufnahme und die Entnazifizierung sind als historischer Kontext zu schildern. Aus Höraufs Rolle als Wiedergründer darf ohne seine individuellen Personalakten weder auf Parteizugehörigkeit noch auf eine bestimmte politische Haltung geschlossen werden.
Aufbau des Vereins 1946 bis 1949
Der neue Vorsitzende war in den Folgejahren mit der Wiederaufnahme der Vereinsarbeit und der Verbindung zu den überregionalen Alpenvereinsstrukturen beschäftigt. Die Vereinschronik hält für den 17. Mai 1947 seine Teilnahme an einer Besprechung des Münchner Alpenclubs fest. Die erneute Regelung der Sektionsmitgliedschaft, die Jugendarbeit und die Nutzung der Fürther Hütten waren damals praktische Aufgaben der Vereinsleitung.
Die retrospektive Vorstandschronik führt Hörauf als Ersten Vorsitzenden für 1946 bis 1949. Für den 10. November 1949 berichtet die Jahrestabelle, dass die Hauptversammlung ihn zum Ehrenvorsitzenden ernannte. Das ist von einer fortdauernden operativen Vorsitzfunktion zu unterscheiden. Für die genaue Abfolge von Rücktritt, Neuwahl und Übergabe an Albrecht Schröder sind die originalen Protokolle der Jahre 1949/50 nachzutragen.
Tod im Dezember 1950 und die offene Unternehmeridentität
Die Hundertjahr-Festschrift verzeichnet den Tod des Ehrenvorsitzenden am 15. Dezember 1950, nach ihrem Wortlaut im Alter von fast 82 Jahren. Die präzise Altersformulierung passt nicht ohne Weiteres zu jedem Unternehmer gleichen Namens aus den überlieferten Firmenlisten. Das Datum ist als Vereinschroniküberlieferung eindeutig zu nennen; ein originales Sterberegister oder eine zeitgenössische Familienanzeige wurde jedoch noch nicht geprüft. Deshalb bleibt das maschinenlesbare, taggenaue Todesfeld vorläufig unbesetzt.
In einer gesonderten wirtschaftshistorischen Firmenchronik erscheint Ludwig Leonhard Hörauf, geboren am 15. Oktober 1868 in Burgfarrnbach, als Unternehmer und Eigentümer der Fürther Firma Conrad Schildknecht & Sohn seit Anfang 1898. Der seltene Name, die passende Berufsbezeichnung und die zeitliche Nähe sind auffällige Indizien. Dennoch fehlt bisher eine unmittelbar personenscharfe Verbindung zwischen dem DAV-Fabrikbesitzer und dem firmenhistorischen Ludwig Leonhard Hörauf. Besonders die Altersangabe der Sektion ist bei dieser Prüfung zu berücksichtigen; eine zweite Person gleichen Namens oder ein ungenau formulierter Nachruf bleiben möglich.
Es wird daher keine gesicherte Unternehmens- oder Familienrelation zur Firma Schildknecht angelegt und der genaue Geburtstag des Unternehmernamensvetters nicht in die neue DAV-Person übernommen. Ein Vereinsmitgliederverzeichnis mit Geburtsdatum, eine entsprechende Handelsregisterakte oder eine eindeutig bezeichnete Todesanzeige wäre die erforderliche Brücke.
Vereins- und Stadtgeschichte, Quellenkritik
Höraufs Biografie zeigt die Verbindung von Fürther Gewerbe- und Vereinswelt, darf aber die überprüfte Vereinsrolle nicht mit einer unbewiesenen Firmenidentität überfrachten. Seine nachgewiesene organisatorische Rolle vom Wiederzulassungsantrag bis zur Wahl 1946 und seine Ehrenfunktion ab 1949 sind gut dokumentierte Aussagen der Vereinschronik. Die zeitgenössischen Vereinslisten von 1909/1913 ergänzen die berufliche Einordnung. Sie ersetzen aber kein Geburts- oder Sterberegister.
Weitere Prioritäten sind die ursprünglichen Lizenzierungsakten der Militärregierung in Ansbach, das Wahlprotokoll vom Januar 1946, die Sektionsakten 1949/50 und der Personenstandsabgleich. Keine ungesicherte Verwandtschaft, keine Zusammenführung mit dem Unternehmer Ludwig Leonhard Hörauf allein anhand des Namens und keine Fotos ohne gesicherte Bildrechte.
Quellen: DAV Fürth, Mitgliederverzeichnis und Jahresbericht 1909; DAV Fürth, Mitgliederverzeichnis und Jahresbericht 1913; DAV Fürth, Festschrift 100 Jahre 1882–1982; Firmenhistorische Untersuchung Conrad Schildknecht & Sohn.
Lebensstationen und Verbindungen im Detail
Beruf
Vereine, Organisationen und Ämter
- –Funktionär bei Alpenverein Sektion Fürth – Erster Vorsitzender der am 19. Januar 1946 neugegründeten Sektion Fürth, als Vorsitzender für 1946–1949 überliefert und ab 10. November 1949 Ehrenvorsitzender.[3]
Quellen und weiterführende Nachweise (3)
Quellen
Belegte Verbindungen im Museum
Diese veröffentlichten Artikel sind durch belegte historische Zusammenhänge verbunden. Gleiche Namen allein gelten nicht als Beziehung.