Stadt Fürth

Stadtgeschichte Fürth · Historische Biografie

Nelly Schweisheimer / Friedberg

Stadt Fürth

Biografie

Kindheit und erster Familienkreis

Nelly Schweisheimer wurde nach dem Gedenkbuch der Münchner Juden am 22. Juni 1891 in München geboren. Sie war Tochter des Bankiers Eugen Ensle Schweisheimer und seiner Ehefrau Melitta, geborene Dispecker, sowie Schwester von Waldemar und Robert. Die niederländische Restitutionskommission listet dieselbe Geschwistergruppe mit den Jahrgängen 1889, 1891 und 1894 als Kinder aus Melittas Ehe mit Eugen.

Der Fall ist für das Kleeblattmuseum über den Fürther Familien- und Verfolgungskontext relevant, nicht wegen einer belegten Fürther Geburt. Melitta heiratete im Jahr 1903 Michael Berolzheimer, einen in Fürth geborenen Juristen und Kunstsammler. Michael wurde Nellys Stiefvater. Die Quellen betonen, dass aus Melittas zweiter Ehe keine weiteren Kinder hervorgingen. Es wäre deshalb falsch, Nelly als leibliche Tochter Michaels oder als Fürther Gebürtige zu führen.

In den familiären Überlieferungen treten zwei geographische Umfelder hervor: das Bankiermilieu in München und der spätere Haushalt Berolzheimer in Untergrainau. Ob Nelly in bestimmten Jahren selbst in Grainau wohnte, kann aus dem Haushalt der Mutter nicht abgeleitet werden; hierfür sind Schul-, Melde- und Heiratsunterlagen gesondert nötig.

Die späteren Familiennamen

Das Münchner Gedenkbuch berichtet, dass Nelly den in Karlsruhe am 12. April 1881 geborenen Leopold Friedberg heiratete und später unter dem Namen Sheridan verheiratet war. Die Bezeichnung „Nelly Schweisheimer / Friedberg“ im Fürther Forschungsregister ist damit keine freie Namensfantasie, sondern besitzt einen nachvollziehbaren genealogischen Hintergrund. Die zeitliche Reihenfolge, der Ort der Eheschließungen und die formelle Namensführung im Exil sind jedoch noch nicht über originale Urkunden überprüft.

Die familiären Daten sind sensibel für eine genaue Identitätsrekonstruktion: Ein Eintrag als „Nelly Friedberg“, ein späterer unter „Sheridan“ und ein früherer als „Schweisheimer“ müssen auf dieselbe Frau zurückgeführt werden, bevor die Datenbank deren Lebensstationen verknüpft. Umgekehrt darf nicht jede namensgleiche Nelly oder jeder Mann namens Leopold Friedberg mit diesem Familienkreis gleichgesetzt werden.

Über Nellys eigene Ausbildung, berufliche Tätigkeit, gesellschaftliches Engagement oder politische Haltung liegen bislang keine belastbaren Einzelquellen vor. Der Umstand, dass ihre männlichen Verwandten in Unternehmen tätig waren, erlaubt keine Aussagen über ihren eigenen Beruf.

Familie Berolzheimer und die erzwungene Ausreise

Eine regionale Untersuchung beschreibt, wie Melitta und Michael Berolzheimer 1938 die Ausreise aus Deutschland vorbereiteten. Pass- und Devisenbehörden, die Gestapo und die erzwungene Abwicklung von Vermögenswerten beeinflussten die Flucht. Nach amtlich beschriebenem Ablauf konnten sie am 25. Juli 1938 Deutschland verlassen und reisten über Zürich Richtung New York.

Das war die Verfolgungsgeschichte der Mutter und des Stiefvaters; es darf nicht ohne Nellys persönliche Passunterlagen behauptet werden, sie sei am selben Tag im selben Zug oder auf demselben Schiff gereist. Das Münchner Gedenkbuch hält allerdings für alle drei Kinder Eugen Schweisheimers ausdrücklich fest, dass ihnen die Emigration in die Vereinigten Staaten gelang.

Der Unterschied zwischen Familien- und Einzelschicksal ist historisch zentral: Die Mutter floh mit ihrem neuen Ehemann, Robert handelte bei der Vermögensabwicklung, und der Vater Eugen wurde 1942 in Theresienstadt ermordet. Nelly und ihre Geschwister konnten sich in den USA retten. Eine individuelle Reiseroute Nellys bleibt dennoch ungeklärt.

Eine Familie zwischen Verfolgung und späterer Restitution

Die niederländische Restitutionskommission behandelte Jahrzehnte später die unter Verfolgungsdruck verkaufte Kunstsammlung des Stiefvaters Michael Berolzheimer. Sie bestätigte die ursprüngliche familiäre Zusammensetzung und machte damit indirekt auch Nellys Existenz und Zugehörigkeit zum betreffenden Familienkreis wieder sichtbarer.

Nelly war damit nicht automatisch Eigentümerin einzelner Bilder oder Partei jeder konkreten Versteigerung. Ein genealogischer Zusammenhang mit einer Restitutionsentscheidung beweist keinen bestimmten persönlichen Rechtsanspruch an jedem Werk, solange der Erbgang und die Vertretung nicht im Einzelfall geprüft sind. In einer Biografie kann sie jedoch als Angehörige einer Familie behandelt werden, deren kultureller Besitz durch die nationalsozialistische Vermögenspolitik betroffen war.

Spätere Lebensjahre und Todesjahr

Die Restitutionskommission führt Nelly Schweisheimer mit dem Lebenszeitraum 1891–1971. Das entspricht dem im Kleeblatt-Melderegister-Master bislang nur jahresgenau geführten Tod 1971. Das genaue Sterbedatum und der Sterbeort sind ohne Originalregister oder standesamtliche Auskunft nicht gesichert. Ein aus der Datenbank technisch erzeugter 1. Januar 1971 ist kein echter Todestag.

Auch zum später verwendeten Ehenamen Sheridan sind die Akten noch zu vervollständigen. Der New Yorker Familienkontext ist durch den Emigrationshinweis belegt; eine konkrete letzte Wohnadresse oder Staatsangehörigkeitsänderung darf nicht erfunden werden.

Quellenkritik und nächster Forschungsblock

Der neue Forschungsstand verbindet das Münchner Gedenkbuch (exakter Geburtstag, Eltern, Ehenamen, Flucht der Kinder) und die niederländische Restitutionskommission (Geschwistergruppe und Todesjahr). Eine weitere regionalhistorische Arbeit erschließt den Hintergrund des Haushalts Berolzheimer und die Ausreise 1938.

Für eine vollständige Frauenbiografie fehlen die individuellen Schul- und Berufsspuren, die Heiratsregister Friedberg und Sheridan, eigene Emigrations- und Naturalisationsakten sowie das Todesregister 1971. Statt diese Lücken durch Tätigkeiten des Bankhauses oder der Stiefeltern zu ersetzen, werden sie explizit als offene Forschungsaufgaben ausgewiesen.

Eine neue Familienrelation nach E3 wird erst nach separater Identitäts- und Quellendokumentation in den gemeinsamen Personen-Master geschrieben. Keine doppelte „Nelly Friedberg“-Person anlegen, keine frei erfundene Fürther Anschrift und keine Übernahme fremder Porträtbilder ohne Rechteprüfung.

Quellen und weiterführende Nachweise (3)

Quellen

  1. [1]Biografische Sekundärquelle – Garmisch-Partenkirchen jüdische Geschichte o.J.
  2. [2]Eugen Ensle Schweisheimer, Gedenkbuch der Münchner Juden, Datensatz 619
  3. [3]Recommendation regarding Berolzheimer, RC 1.166, 4 September 2017