Stadtgeschichte Fürth · Historische Biografie
Robert Schweisheimer
Stadt Fürth
Biografie
Herkunft zwischen München und Fürth
Robert Schweisheimer wurde dem Gedenkbuch der Münchner Juden zufolge am 8. November 1894 in München geboren. Seine Eltern waren der Münchner Bankier Eugen Ensle Schweisheimer und dessen damalige Ehefrau Melitta, geborene Dispecker (auch Dispeker). Die Familie hatte Verbindungen nach Fürth: Melittas späterer Ehemann, der Jurist und Kunstsammler Michael Berolzheimer, stammte aus Fürth; auch die Geschäfte der Verwandtschaft berührten fränkische Industriefamilien.
Das Münchner Gedenkbuch nennt die Kinder des Ehepaars einzeln: Waldemar (1889), Nelly (1891) und Robert (1894). Die niederländische Restitutionskommission bestätigt unabhängig im Rahmen eines förmlichen Kunstrestitutionsverfahrens dieselbe Geschwistergruppe. Michael Berolzheimer heiratete Melitta am 26. September 1903. Für Robert war er der Stiefvater, nicht sein biologischer Vater. Diese Unterscheidung ist für jedes zukünftige Familiennetz des Kleeblattmuseums unverzichtbar.
Robert selbst war damit kein nachweislich in Fürth geborener oder dauernd in Fürth ansässiger Unternehmer. Sein Zusammenhang mit der Stadt ergibt sich aus einem verfolgten Familiennetz, dem Fürther Herkunftsort des Stiefvaters und der späteren Provenienzgeschichte. Eine frei angenommene Fürther Wohnadresse wird ihm nicht zugewiesen.
Das Münchner Bankhaus E. & J. Schweisheimer
Eugen Schweisheimer hatte bereits 1885 mit Simon Dispecker ein Bankhaus gegründet. Das Gedenkbuch beschreibt spätere Veränderungen der Teilhaberschaft und nennt ab 22. Februar 1924 das Bankgeschäft E. & J. Schweisheimer, Theatinerstraße 8/1, ausdrücklich mit Robert Schweisheimer als Teilhaber. Für den Betrieb werden acht Angestellte angegeben.
Diese konkrete Eintragung verbessert den bisherigen Kleeblatt-Master erheblich. Dort lautete die Berufsbeobachtung noch „Bankier / Teilhaber?“ – also eine nicht personenscharf abgeschlossene Vermutung. Die städtische Gedenkbuchrecherche benennt dagegen Firma, Ort, Datum und Rolle. Damit lässt sich Roberts Tätigkeit als Bankteilhaber in einer quellengebundenen Biografie behandeln. Nicht belegbar sind daraus jedoch seine individuelle Kapitaleinlage, Zeichnungsberechtigung zu jedem Zeitpunkt oder die genaue Aufteilung der Geschäftsführung zwischen den Teilhabern.
Die Geschichte eines privaten Münchner Bankhauses ist zugleich Teil der allgemeinen Finanz- und Wirtschaftsgeschichte der Weimarer Republik. Aus der bloßen Berufsangabe dürfen keine Kundenbeziehungen, persönlichen Wertpapierspekulationen oder politischen Einstellungen Roberts abgeleitet werden.
1938: Vollmacht für die Kunstsammlung Berolzheimer
Robert Schweisheimer erscheint in Provenienzforschung und Restitutionsakten von 1938 in einer ungewöhnlich genau dokumentierten Rolle. Die niederländische Restitutionskommission stellt fest, Michael Berolzheimer habe drei Tage vor seiner Ausreise am 25. Juli 1938 seinem Stiefsohn Robert eine Vollmacht erteilt, um Besitz zur Begleichung staatlich erhobener Abgaben zu verwerten.
Die Forschungsdatenbank Proveana verknüpft den Namen auch mit der Kunstsammlung Michael Berolzheimer und führt die Schreibvariante „Robert Schweissheimer“. Durch den spezifischen Bezug auf die Vollmacht, den Kunstbesitz und Michael Berolzheimer ist das mehr als eine zufällige Namensähnlichkeit. Dennoch sollte der Originalwortlaut der Vollmacht vor einer Änderung des kanonischen Namens oder der Eintragung einer amtlich anerkannten Aliasform geprüft werden.
Am 2. November 1938 schloss Robert nach Feststellung der Restitutionskommission eine Vereinbarung mit dem Münchner Kunstversteigerer Adolf Weinmüller zur Veräußerung der verbliebenen Sammlung. Auch eine museumswissenschaftliche Untersuchung zu Kunstankäufen zwischen 1933 und 1945 beschreibt die zunehmende Einschränkung seiner Verfügungsbefugnisse und die Einschaltung von Georg Keller als nationalsozialistischem Vermögensverwalter.
Die historischen Tatsachen dürfen nicht als gewöhnliche freiwillige Kunstveräußerung dargestellt werden. Die Ausreise der Familie, die diskriminierende Besteuerung und die staatliche Vermögenskontrolle bildeten den Zwangskontext. Gleichzeitig ist zwischen der belegten Handlung des Bevollmächtigten Robert und der Verantwortung der nationalsozialistischen Behörden beziehungsweise des Auktionsunternehmens zu unterscheiden. Seine Unterschrift unter einer Vereinbarung ist kein Beweis freier wirtschaftlicher Entscheidungsgewalt unter diesen Bedingungen.
Emigration und das Ende des Bankgeschäfts
Die Restitutionskommission nennt Roberts Ausreise aus Deutschland zehn Tage nach der Vereinbarung vom 2. November 1938, also am 12. November 1938. Das Münchner Gedenkbuch bestätigt, dass allen drei Kindern Eugen Schweisheimers die Emigration in die USA gelang.
Das Bankgeschäft wurde laut Gedenkbuch am 22. Dezember 1938 zum 31. Dezember 1938 abgemeldet. Die zeitliche Nähe zu Novemberpogrom, Vermögenseingriffen und Emigration macht deutlich, wie stark die nationalsozialistische Verfolgung den bisherigen Berufs- und Familienzusammenhang zerstörte. Die Proveana-Überlieferung nennt Keller zudem als kommissarischen Leiter des Bankhauses. Die Rechtsakte über seine Bestellung und den tatsächlichen Firmenabschluss sollten noch selbst eingesehen werden.
Roberts Vater Eugen blieb in Deutschland. Er wurde nach dem Gedenkbuch 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet. Das ist Teil der familiären Verfolgungsgeschichte, darf aber nicht fälschlich als persönliches Schicksal Roberts beschrieben werden. Robert überlebte die Emigration. Die niederländische Restitutionskommission führt 1963 als sein Todesjahr; ein unabhängig geprüftes US-Sterberegister und sein genauer Todesort fehlen diesem Entwurf noch.
Quellenkritik und offene Forschungsfragen
In der Personenkonkordanz treffen vier unterschiedliche Beleggruppen zusammen: Münchner Gedenkbuch für Geburt und Bankteilhaberschaft, niederländische Restitutionskommission für die Rolle 1938, Proveana für die Provenienz- und Namenskonkordanz sowie eine wissenschaftliche Ausstellungspublikation über NS-Erwerbungen. Die Forschung kann hier deutlich mehr leisten als eine chronologische Kurznotiz: Sie rekonstruiert, wie ein Bankteilhaber unter Druck zum Bevollmächtigten einer gefährdeten Kunstsammlung wurde und selbst emigrierte.
Ungeklärt bleiben die Originalvollmacht vom Juli 1938, sein genauer US-Aufenthalt und spätere Berufstätigkeiten, das Sterberegister von 1963, einzelne nachweisbare Kunstwerke und die Rechtsfolgen der Restitutionsentscheidungen. Es werden keine ungeprüften E3-Verwandtschaften, keine Altseiten-Merges und keine Porträts ohne Rechteprüfung angelegt.
Lebensstationen und Verbindungen im Detail
Beruf
- –Teilhaber des Bankhauses E. & J. Schweisheimer in München ab 22. Februar 1924, nach Angaben des Münchner Gedenkbuchs.[1]