Stadt Fürth

Stadtgeschichte Fürth · Historische Biografie

Waldemar Schweisheimer

Stadt Fürth

Biografie

Geburt und Familienzusammenhang

Das Gedenkbuch der Münchner Juden führt Waldemar Schweisheimer, geboren am 9. November 1889 in München, als Kind des Bankiers Eugen Ensle Schweisheimer und Melittas, geborene Dispecker. Die Geschwister heißen Nelly, geboren 1891, und Robert, geboren 1894. Die niederländische Restitutionskommission führt diese drei Kinder ebenfalls auf und bestätigt, dass sie aus Melittas erster Ehe mit Eugen stammten.

Nach der Scheidung der Eltern heiratete Melitta am 26. September 1903 den aus Fürth stammenden Juristen und Kunstsammler Michael Berolzheimer. Dieser wurde damit Waldemars Stiefvater. In der Fürther Forschungsdatenbank entstand der Personenfall aus der Verbindung der Familien Schweisheimer, Dispecker und Berolzheimer, nicht aus einem nachgewiesenen dauerhaft bewohnten Haus in Fürth. Das ist eine wesentliche Abgrenzung: Eine familiäre Nähe zu Fürth darf nicht in eine erfundene örtliche Biografie umgedeutet werden.

Studium und ärztliche Tätigkeit

Ein regionalhistorischer Bericht über Melitta und Michael Berolzheimer beschreibt die beiden Söhne Waldemar und Robert als späteren Arzt beziehungsweise Artillerieoffizier, ohne in dem betreffenden Satz eindeutig zu markieren, welcher Name welcher Berufsrolle zuzuordnen ist. Für Waldemar bietet eine zusätzliche genealogische US-Datenbank eine konkretere Spur: Das FamilySearch-Profil, das mehrere amerikanische Register und Volkszählungsquellen zusammenführt, verzeichnet 1935 die Berufsangabe Arzt.

Damit ist eine ärztliche Tätigkeit Waldemars gut als recherchierbare Berufsüberlieferung fassbar. Das ursprüngliche Ausbildungsdiplom, die Approbationsakte und seine konkrete ärztliche Fachrichtung wurden in dieser Runde nicht unabhängig eingesehen. Deshalb darf weder eine Fürther Praxis noch eine bestimmte Facharztausbildung behauptet werden.

Für die Geschichte jüdischer Akademiker vor 1933 wäre besonders interessant, an welcher Universität Waldemar studierte und wie er seine Berufsbiografie nach dem nationalsozialistischen Machtantritt fortsetzte. Hier sind Universitätsmatrikel, historische Ärzteverzeichnisse und US-Berufsregister der richtige nächste Schritt.

Erster Weltkrieg – eine quellenkritische Grenze

Die regionalhistorische Familienerzählung berichtet, dass beide Söhne Melittas am Ersten Weltkrieg teilnahmen und 1917 beziehungsweise 1918 verwundet wurden. Einer sei Offizier gewesen und habe eine Kriegsauszeichnung erhalten. Diese Passage ordnet jedoch die Einzelereignisse nicht ausreichend personenscharf zu, um einen bestimmten Verwundungstag, militärischen Rang oder eine konkrete Auszeichnung Waldemar sicher zuzuschreiben.

Ein militärisches Dienst- oder Krankenblatt fehlt der vorliegenden Biografie. Der historische Kontext – Generation der 1880er Jahre, Weltkrieg, anschließende Berufsausbildung beziehungsweise Berufstätigkeit – darf nicht an die Stelle personenbezogener Belege treten. Insbesondere wäre eine dekorative militärische Heldengeschichte ohne dokumentierte Einheit oder Feldpostakten unangemessen.

Das Haus Berolzheimer in Untergrainau

Melitta und Michael Berolzheimer ließen nach der regionalhistorischen Untersuchung 1906 ein Haus in Untergrainau errichten. Im Krieg diente dieses zeitweise als unentgeltlich zur Verfügung gestelltes Privatlazarett. Aus dieser Haushaltsgeschichte folgt nicht automatisch, dass Waldemar durchgehend dort wohnte, das Lazarett leitete oder medizinisch versorgte. Dafür müssten personennamige Dienst- und Korrespondenzbelege gefunden werden.

Die Verbindung des Hauses zur Familiengeschichte ist dennoch relevant: Es dokumentiert gesellschaftliche und wirtschaftliche Handlungsmöglichkeiten einer Familie, deren Lebensverhältnisse sich nach 1933 dramatisch änderten. Das im Forschungsbestand vorhandene Familiennetz sollte zwischen Melitta als Mutter, Michael als Stiefvater und der eigenen Wohnung Waldemars unterscheiden.

Verfolgung und Emigration in die USA

Das Münchner Gedenkbuch berichtet, dass alle drei Kinder Eugen Schweisheimers in die USA emigrieren konnten. Die Biografie der Eltern verlief dagegen auseinander: Melitta und Michael Berolzheimer verließen Deutschland 1938, während Eugen in München blieb, 1942 deportiert und in Theresienstadt ermordet wurde. Für Waldemar bedeutet dies eine einschneidende familiäre Zäsur, aber sein genauer eigener Ausreisetag ist hier nicht personengebunden belegt.

Die amerikanische Forschungskonkordanz bei FamilySearch verzeichnet einen US-Zensusbezug 1940 in New Rochelle, Westchester County, und führt einen Registrierungsbeleg zum Zweiten Weltkrieg 1942 auf. Solche Registerhinweise können Emigrations- und Aufenthaltsketten dokumentieren. Der volle Originaldatensatz muss aber auf Namensvarianten, Alter, berufliche Angaben und Haushaltsmitglieder überprüft werden, bevor eine präzise Einreise- oder Naturalisationsgeschichte erstellt wird.

Letzte Lebensjahre und Tod

Das Münchner Gedenkbuch gibt an, Waldemar sei im März 1986 in Rye, New York, gestorben. Die niederländische Restitutionskommission bestätigt 1986 als Todesjahr. Diese Übereinstimmung zweier unabhängig geführter Forschungskontexte unterstützt die personelle Zuordnung deutlich. Das genaue Tagesdatum wurde noch nicht mit einem US-Sterberegister kontrolliert und wird nicht erfunden.

Waldemars Biografie zeigt so einen generationellen Übergang: Kindheit im Münchner Bankiershaushalt, berufliche Qualifikation, nationalsozialistische Verfolgung der Familie und ein nachweisbarer späterer Lebensmittelpunkt in den USA. Jede darüber hinausgehende Detailstation bedarf einer eigenen Quelle.

Quellenkritik, Abgrenzungen und offene Aufgaben

Die Münchner Gedenkbuchdaten und die niederländische Restitutionsakte bilden die robuste Identitätsbasis für den Namen, das Geburtsjahr und die Eltern; das genaue Geburtsdatum liefert das Gedenkbuch. Die Berufsangabe und amerikanischen Wohn- beziehungsweise Registerspuren stammen aus einer aggregierenden Genealogiedatenbank. Der regionalhistorische Bericht beschreibt die Familiensituation und Kriegsbezüge, lässt aber in einzelnen Sätzen die Zuordnung zu Waldemar oder Robert offen.

Noch zu recherchieren: Studien- und Approbationsdokumente, ursprüngliche US-Volkszählungszeile 1940, Passagierliste und Naturalisation, die Todesregistrierung von 1986, militärische Dienstunterlagen sowie Briefe und Fotografien mit geklärten Nutzungsrechten. Keine ungesicherte Kriegsfunktion, kein medizinischer Betrieb in Fürth, keine neue E3-Familienrelation ohne überprüfte Originalakten.

Quellen und weiterführende Nachweise (3)

Quellen

  1. [1]Biografische Sekundärquelle – Garmisch-Partenkirchen jüdische Geschichte o.J.
  2. [2]Eugen Ensle Schweisheimer, Gedenkbuch der Münchner Juden, Datensatz 619
  3. [3]Recommendation regarding Berolzheimer, RC 1.166, 4 September 2017