Fürther Schulgeschichte · Schulporträt
Israelitische Bürgerschule
Bürgerschule · Überliefert seit 1862
Geschichte und Einordnung
- Schulart
- Bürgerschule
- Beginn / erste Nachweise
- 1862
- Trägerschaft
- eingetragene Genossenschaft (zur Gründung 1862)
- Konfessioneller Bezug
- israelitisch
- Unterrichtsangebot
- bürgerliche/real-kaufmännische Bildung
Jahresberichte 1884/85, 1887/88, 1889/90 und 1892/93: 1862 von einer eigens gebildeten eingetragenen Genossenschaft gegründet; seit 1882 Berechtigung zu Zeugnissen für den einjährig-freiwilligen Militärdienst; zehn Klassen (4 Elementar-, 6 Realklassen). 1899 amtliche Bezeichnung Israelitische Realschule; 1928 160 Schüler/innen in 10 Klassen laut Sekundärserie; 1933-37 starker Zustrom infolge NS-Ausgrenzung; Realschulteil Ende 1939 aufgelöst, Volksschulklassen bis Ende 1941.
Historischer Verlauf
- 1879Organisationsausbau
Umbau der zuvor vierklassigen Schule mit acht Jahreskursen in eine sechsklassige Realschule mit vorgeschalteter vierklassiger Vorschule.
- 09/1898Direktorenwechsel
Moritz Stern als Nachfolger Samuel Dessaus gewählt und staatlich bestätigt; zeitgenössischer Bericht nennt vierklassige Volksschule, sechsklassige Realschule und 18 staatlich geprüfte Lehrkräfte.
- 1899Namensänderung
Zeitgenössischer Bericht meldet die Erlaubnis, die Israelitische Bürgerschule in Israelitische Realschule umzubenennen; Begründung: tatsächlicher Realschulcharakter und Militärberechtigung.
- 31.08.1899Namensänderung
Erlaubnis zur Führung des Namens Israelitische Realschule öffentlich gemeldet; der frühere Titel Bürgerschule galt als missverständlich, weil die Anstalt Realschulcharakter und Militärberechtigung besaß.
- 1903Schülerfrequenz
Zu Beginn 51 Vorschüler und 67 Realschüler; im Jahresverlauf Endstand 52 Vorschüler und 65 Realschüler.
- 1909/10Schülerzahl
82 Kinder in der Realschule plus 61 Volksschüler in der vierklassigen Vorschule.
- 27.10.191250-jähriges Jubiläum
Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen; Feilchenfeld veröffentlichte Festschrift; 14 Schüler schlossen die oberste Jahrgangsstufe ab.
- 1914/15Kriegsbedingter Unterricht
Einberufungen nebenamtlicher Lehrer, Tod Dr. Fritz Künneths und militärische Belegung der städtischen Turnhalle führten zu Vertretungen und Stundenkürzungen.
- 1917Tod langjähriger Lehrer
Dr. Emanuel Blüth starb im Alter von 52 Jahren nach mehr als 25 Jahren Tätigkeit an der Israelitischen Realschule.
- 1920Ausbauantrag Volksschule
Träger beantragte Ausbau der vierklassigen Vorschule zur achtklassigen Bekenntnisschule; durchschnittlich ca. 55 Vorschüler; Feilchenfeld legte 21 potentielle Schüler für Klassen 5–7 vor; Stadtschulbehörde lehnte ab.
- 1928Koedukation/Mädchenaufnahme
Schule nahm nun Schülerinnen in größerer Zahl auf; 1928 insgesamt 160 Schüler/innen in zehn Klassen laut Sekundärserie.
- 1928Schüler/Personal
160 Schüler und Schülerinnen in zehn Klassen; elf hauptamtliche Lehrer (3 Volksschul-, 2 Religions-, 6 Reallehrer) plus technische Hilfskräfte.
- 1931/32Schülerzahl nach Schulzweig
Volksschulklassen: 36 Jungen und 38 Mädchen; Realschulklassen: 65 Jungen und 31 Mädchen.
- 17.03.1932Schlussfeier
Schlussfeier im Weißengartensaal; 160 Schüler/innen; besondere Ehrungen für Lehrkräfte Rosenbaum und Dr. Deutsch; Gedenktafel für gefallene ehemalige Schüler geschmückt.
- 1933NS-Verfolgung / Schülerzuwachs
Schülerzahl stieg infolge des Ausschlusses und der Drangsalierung jüdischer Kinder an öffentlichen Schulen von etwa 92 (1933) auf 224 (1937).
- 1934Schülerzahl/NS-Verdrängung
Israelitische Realschule Fürth erreichte infolge der Verdrängung jüdischer Kinder aus öffentlichen Schulen bereits 197 Schüler.
Weitere 12 historische Ereignisse anzeigen
- 1936Aufnahmerecht
Im Sommer 1936 Genehmigung, jüdische Schüler anderer höherer Lehranstalten ohne zahlenmäßige Beschränkung aufzunehmen.
- 1936/37Waisenhaus-Lehrerkooperation
Waisenhausleiter Dr. Isaak Hallemann wurde an der Israelitischen Realschule als ehrenamtlicher Lehrer mit fünf Wochenstunden Religion und Violine geführt.
- 1937Schülerzahl/Übertritte
224 Schüler an der Israelitischen Realschule; darunter 21 sogenannte Übertrittsschüler.
- 02/1938Schulstatus
Behördlich genehmigtes Fortbestehen als höhere Schule mit fünf Klassen. 1938 zugleich Ausschreibungen für Lehrer/Lehrerin an der privaten jüdischen Volksschule Blumenstraße 31.
- 10.11.1938NS-Enteignung/Zwangsverkauf
Vorstandsmitglieder der jüdischen Gemeinde wurden gezwungen, u.a. Grundstück der jüdischen Elementar- und Realschule für 100 RM an die Stadt Fürth zu verkaufen.
- 12/1939Auflösung Realschulteil
Reichsvereinigung verfügte am 02.12.1939 die Auflösung des Realschulteils; nur noch 12 Mädchen in der Anstalt, 57 Schüler in der Volksschule registriert.
- 1940Religiöse Nachnutzung im NS
Nach Zerstörung der Synagogen gestatteten die Behörden 1940-1942 liberale Gottesdienste in der Aula der Israelitischen Realschule.
- 12/1941Zwangsschließung
Jüdische Volksschulklassen auf NS-Anordnung zum Jahresende 1941 geschlossen; Oktober 1941 noch 76 Schüler.
- 1942Endgültige Schließung/Vermögensübernahme
Nach Schließung der jüdischen Schule übernahm die Stadt Fürth das gesamte Schulinventar für 700 RM.
- 01.07.1942Zwangsauflösung Volksschule
Jüdische Volksschule Fürth wurde im Zuge der reichsweiten Zwangsauflösung jüdischer Schulen geschlossen.
- Ohne genaue Datierung
Israelitische Bürgerschule laut Jahresbericht 1892/93 von einer anerkannten Genossenschaft gegründet.
- Ohne genaue Datierung
Seit 1882 Berechtigung zur Erteilung von Reisezeugnissen für den einjährig-freiwilligen Militärdienst.
Standorte und Gebäude
Adressen beziehen sich auf die jeweils genannte historische Zeit. Frühere Hausnummern sind nicht automatisch mit heutigen Adressen identisch.
Blumenstraße 31
Belegt 1899
Schulstandort
Personen aus der Schulgeschichte
- Dr. Samuel DessauDirektor · Naturwissenschaften (frühere Tätigkeit); genaue Fürther Fächer prüfen · 1873
- Dr. Moritz SternDirektor · 09/1898
- Benzion Ellingerordentlicher Lehrer · 1899
- Dr. Emanuel Blüthordentlicher Lehrer · 1899
- Dr. K. WertheimHilfslehrer · 1899
- Dr. Salomon Herzsteinordentlicher Lehrer · 1899
- Ernst WiedenmannHilfslehrer/Turnlehrer · 1899
- Hermann Müllerordentlicher Lehrer · 1899
- Jakob Stollordentlicher Lehrer · 1899
- Josef WeinhöppelHilfslehrer · 1899
- Karl MeinelHilfslehrer · 1899
- L. SchuhmannPedell · 1899
- Polykarp KäuflHilfslehrer · 1899
- Salomon Eldodordentlicher Lehrer · 1899
- Simon Eleasar Nordheimerordentlicher Lehrer · 1899
- Theodor Starkordentlicher Lehrer · 1899
- Thomas LinkHilfslehrer · 1899
- Prof. Dr. Abraham Alfred FeilchenfeldDirektor · Religion; Deutsch; Geschichte; Geographie · 09/1900
Weitere 29 Personalnennungen anzeigen
- Dr. E. Blüthhauptamtlicher Lehrer · Realien · 1904/05
- Dr. I. Hamburgerhauptamtlicher Lehrer · Naturwissenschaften · 1904/05
- Dr. Jos. Hofmannhauptamtlicher Lehrer · Neuere Sprachen · 1904/05
- Dr. K. Wertheimhauptamtlicher Lehrer · Neuere Sprachen · 1904/05
- I. Bambergerhauptamtlicher Lehrer / Vorschule · Vorschulfächer (im Verzeichnis als Vorschullehrer) · 1904/05
- Th. Starkhauptamtlicher Lehrer · Arithmetik; Handelskunde · 1904/05
- Dr. Fritz KünnethLehrer · Naturwissenschaften · ca. 1914
- Dr. Markus EliasDirektor · 1923
- Dr. Leo Breslauernebenamtlicher Lehrer; Rabbiner · 03/1924
- A. BingLehrer · 1928
- Dr. LebherzStudienassessor · 1928
- H. GeißlerStudienassessor · 1928
- M. MaunzHilfslehrerin · 1928
- ZeilhoferLehrer · 1928
- Adolf KohnVolksschullehrer · Mitte 1930er
- Adolf KohnVolksschullehrer · 1930er
- FalkenmeierLehrer · Mitte 1930er
- HeinemannLehrer · Mitte 1930er
- Hermann MandelbaumLehrer · Mitte 1930er
- Meier Oppenheimernebenamtlicher Lehrer · 1930er
- Simon EldodStudienrat/Lehrer · Mitte 1930er
- Simon EldodStudienrat; Studienassessor · Gymnasialunterricht · 1930er
- Dr. Fritz PragerStudiendirektor / Schulleiter · 1932
- GünzlerLehrer · 1932
- KönigshöferLehrer · 1932
- KrausLehrer · 1932
- OttLehrer · 1932
- Hermann MandelbaumStudienrat · Rechnen; Erdkunde; Schreiben; Wirtschaftslehre; Kurzschrift; Violine; Maschinenschreiben · ca. 1933/34
- Dr. Isaak Hallemannehrenamtlicher Lehrer · Religion; Violine · 1936/37
Quellen und Literatur
- [1]Israelitische Bürgerschule Fürth, Jahresbericht 1884/85https://api.digitale-sammlungen.de/iiif/presentation/v2/bsb11566855/manifest
- [2]Jüdische Schulen in Fürth bis zur NS-Zeithttps://www.alemannia-judaica.de/fuerth_juedische_schule.htm
- [3]Jüdisches Schulwesen in Bayern 1918/19-1945https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Jüdisches_Schulwesen_in_Bayern_(1918/19-1945)
- [4]Israelitische Realschule Fürthhttps://bavaria-judaica.de/kultur/israelitische-realschule-fuerth/
- [5]Israelitische Realschule Fürth – Bavaria Judaicahttps://bavaria-judaica.de/kultur/israelitische-realschule-fuerth/
- [6]Die Geschichte des Fürther Schulwesens - Detailauswertung 1907-1945https://www.fuerth.de/fileadmin/redaktion/04-Bildung-Soziales/02-Dokumente-Allgemein/Die-Geschichte-des-Fuerther-Schulwesens.pdf
- [7]Altstadtbläddla Nr. 35: Synagogen in Fürth / Zeit der Vernichtunghttps://www.fuerthwiki.de/wiki/images/1/13/Altstadtblaeddla_035_2000.pdf
- [8]Jüdische Schulen in Fürth – Israelitische Bürgerschule/Realschulehttps://www.alemannia-judaica.de/fuerth_juedische_schule.htm
- [9]Vorwort 1932 / Fürther Tageschronikhttps://www.fuerthwiki.de/wiki/images/4/4d/Kuntermann_1932.pdf
- [10]Israelitische Bürgerschule/Realschule Fürth – Titeländerung 1899https://www.alemannia-judaica.de/fuerth_juedische_schule.htm
- [11]Jüdisches Schulwesen in Bayern (1804–1918)https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/J%C3%BCdisches_Schulwesen_in_Bayern_%281804-1918%29
- [12]BSB bsb11566858, Jahres-Bericht der Israelitischen Bürgerschule Fürth 1887/88Literatur- oder Archivhinweis ohne direkte Webadresse
- [13]BSB bsb11566860, Jahres-Bericht der Israelitischen Bürgerschule Fürth 1889/90Literatur- oder Archivhinweis ohne direkte Webadresse
- [14]BSB bsb11566863, Jahres-Bericht der Israelitischen Bürgerschule Fürth 1892/93Literatur- oder Archivhinweis ohne direkte Webadresse
- [15]"BLLV Projekt Erinnern – jüdische Lehrerinnen und LehrerLiteratur- oder Archivhinweis ohne direkte Webadresse
Forschungsstand und historische Zuordnungen
Dieses Porträt verbindet datierte Quellen aus Schul- und Adressverzeichnissen mit späteren historischen Berichten. Namenswechsel und Schulformen werden nicht automatisch als eigene Gründungen gezählt.
Lehrer- und Personalnennungen bezeichnen jeweils die Quellenphase, nicht zwingend die vollständige Dienstzeit. Gleiche Namen, Hausnummern und Gebäudebezeichnungen werden ohne Nachweis nicht als identisch behandelt.