Fürther Schulgeschichte · Schulporträt

Städtische höhere Mädchenschule am Tannenplatz

höhere Mädchenschule / Mädchenlyzeum / Handelsschule · Überliefert seit 1907

Geschichte und Einordnung

Schulart
höhere Mädchenschule / Mädchenlyzeum / Handelsschule
Beginn / erste Nachweise
1907
Ende / spätere Phase
1945
Trägerschaft
Stadt Fürth
Konfessioneller Bezug
konfessionell gemischt
Unterrichtsangebot
höhere Mädchenbildung; kaufmännische und frauenberufliche Bildung

1907 am Tannenplatz eröffnet, im ersten Schuljahr 358 Schülerinnen. 1912 amtliche Bezeichnung mit Frauenschule und Handelsschule. 1920/21 Realgymnasialkurse/Realabteilung; 1924 Umbenennung in Städtisches Mädchenlyzeum mit Handelsschule. Enddatum 1945 nur Projektgrenze.

Historischer Verlauf

  1. 1907
    Gründung/Eröffnung

    Städtische höhere Mädchenschule am Tannenplatz eröffnet; im ersten Schuljahr 358 Schülerinnen, weil zwei Privatschulen in der neuen Anstalt aufgingen.

  2. 1909
    Eigenes Gebäude

    Angeschlossene Handelsschule für Mädchen erhielt wegen starken Andrangs ein eigenes Gebäude.

  3. 1910
    Unterrichtsausstattung

    Maschinenschreibraum mit 15 Schreibmaschinen und Übungskontor für praktischen kaufmännischen Unterricht eingerichtet.

  4. 15.05.1912
    Namens-/Organisationsänderung

    Ministerielle Bezeichnung als konfessionell gemischte städtische höhere Mädchenschule mit anschließender Frauenschule und angeschlossener Handelsschule für Mädchen.

  5. 25.04.1924
    Umbenennung

    Nach Stadtratsbeschluss 17.04.1924 und ministerieller Zustimmung 25.04.1924 Umbenennung zum Städtischen Mädchenlyzeum mit Handelsschule.

  6. 1939/40
    Reservelazarett/Unterrichtsverlagerung

    Gebäude der Mädchenoberschule am Tannenplatz teilweise als Reservelazarett genutzt; Unterricht teilweise nachmittags an der Oberschule für Jungen Kaiserstraße.

  7. 15.09.1941
    Umwandlung/Vollanstalt

    Mädchenoberschule zur Vollanstalt mit Abitur ausgebaut; Oberstufe hauswirtschaftlicher und sprachlicher Zweig; 740 Schülerinnen, sechs zusätzliche Räume in der Volksschule Maistraße.

  8. 1942/43
    Kriegshilfsdienst/erstes Abitur

    Erste Abschlussklasse leistete Kriegshilfsdienst im Warthegau/Posen, im städtischen Krankenhaus Fürth und bei Ernteeinsätzen; Abiturprüfung 1.-15.03.1943, alle bestanden.

  9. 25.02.1944
    Bombenschaden/Unterrichtsverlagerung

    Gebäude am Tannenplatz so schwer beschädigt, dass kein Unterricht mehr möglich war; gesamte Schule zur Kaiserstraße verlegt, fünf Nachmittage mit je vier Stunden eingeschränktem Unterricht. Für Fürth nennt die Stadtgeschichte 122 Tote; HDBG nennt 122–139. Eine sekundäre Zusammenstellung nennt 122 Verletzte, offiziell nicht bestätigt. Keine Opferzahl der Schule belegt. Das Gebäude wurde instandgesetzt und bis Januar 1952 genutzt; vollständige Zerstörung ist nicht belegt.

  10. 04/1944
    Kinderlandverschickung/Widerspruch

    NSDAP-Kreisleitung ordnete Verlegung der Mädchenoberschule samt Lehrerinnen/Lehrern und Schülerinnen in KLV-Lager bei Danzig an; Schulleitung und Elternschaft verweigerten dies in öffentlicher Versammlung, Verlegung unterblieb.

  11. 25.02.1944
    Belegnachtrag zum Bombenschaden Tannenplatz (kein eigenes Ereignis)

    Zusätzliche Belegbeobachtung zu EV-1944-TANNENPLATZ-BOMBENSCHADEN. Bei dem Angriff starben stadtweit 122 Menschen. Das Mädchenoberschulgebäude am Tannenplatz wurde so schwer beschädigt, dass dort kein Unterricht mehr möglich war. Die Schule wich vollständig an die Oberschule für Jungen an der Kaiserstraße aus und unterrichtete fünf Nachmittage pro Woche je vier Stunden. Die Opferzahl ist stadtweit; keine Toten/Verwundeten werden dem Schulhaus zugerechnet.

  12. 04/1944
    KLV-Anordnung / Elternwiderstand

    Die NSDAP-Kreisleitung ordnete die Verlegung der Mädchenoberschule samt Lehrkräften in den Raum Danzig an. Schulleitung und Eltern lehnten die Verlegung bei einer öffentlichen Versammlung ab; der Plan wurde aufgehoben. Quelle nennt weder Teilnehmende noch Versammlungsort.

Standorte und Gebäude

Adressen beziehen sich auf die jeweils genannte historische Zeit. Frühere Hausnummern sind nicht automatisch mit heutigen Adressen identisch.

Tannenplatz

Belegt 1907 bis 1945

Schulstandort

Tannenstraße 19

Belegt 1909 bis 1945

Handelsschule/Mädchenbildungs-Komplex

Personen aus der Schulgeschichte

  • Louis KissingerHauptlehrer · Deutsch, Rechnen, Realien · 1919/20
  • Else SchilfarthLeiterin / Pädagogin · Mädchenbildung / Berufsbildung · 1920

Quellen und Literatur

  1. [1]Die Geschichte des Fürther Schulwesenshttps://www.fuerth.de/fileadmin/redaktion/04-Bildung-Soziales/02-Dokumente-Allgemein/Die-Geschichte-des-Fuerther-Schulwesens.pdf
  2. [2]Städtische Handelsschule für Mädchen / Aufsichthttps://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/EC2YKRTMDOE2IHIM5MMCIYHAKOAGUUKN
  3. [3]Städtische Höhere Mädchenschule. Beanstandungenhttps://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/H6P2LURJQZAYCYBRVOBWOTE4ZTD5UH3N
  4. [4]Höhere Mädchenschule und Handelsschule - Spitzenstellenhttps://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/VR7VMBCHHFLECE663BELHRNEEPM6VVNQ
  5. [5]Die Geschichte des Fürther Schulwesens - Detailauswertung 1907-1945https://www.fuerth.de/fileadmin/redaktion/04-Bildung-Soziales/02-Dokumente-Allgemein/Die-Geschichte-des-Fuerther-Schulwesens.pdf
  6. [6]Zur Entstehung und Entwicklung der Schulen in Fürth seit Beginn des 19. Jahrhunderts – Kriegsjahre 1939-1945https://www.fuerth.de/fileadmin/redaktion/04-Bildung-Soziales/02-Dokumente-Allgemein/Die-Geschichte-des-Fuerther-Schulwesens.pdf
  7. [7]Fürth – Wiederaufbauatlashttps://hdbg.eu/wiederaufbau/orte/detail/fuerth/54
  8. [8]Luftangriffe auf Fürthhttps://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriffe_auf_F%C3%BCrth
Forschungsstand und historische Zuordnungen

Dieses Porträt verbindet datierte Quellen aus Schul- und Adressverzeichnissen mit späteren historischen Berichten. Namenswechsel und Schulformen werden nicht automatisch als eigene Gründungen gezählt.

Lehrer- und Personalnennungen bezeichnen jeweils die Quellenphase, nicht zwingend die vollständige Dienstzeit. Gleiche Namen, Hausnummern und Gebäudebezeichnungen werden ohne Nachweis nicht als identisch behandelt.

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