Personenbiografie · Vereinsgründer · Industrie und Sport · 3. November 2026

Andreas Zolles

In diesem Artikel 11 Kapitel und Abschnitte

1864–1949 · Vereinsgründer · Industrie und Sport

Andreas Zolles kümmerte sich um kleine Spielfiguren und um einen neuen Sport, für den in Fürth zunächst der passende Platz fehlte. Als Unternehmer entwickelte er eine Halterung zum sicheren Aufstellen und Verpacken von Figuren. Als erster Vorsitzender der Spielvereinigung gehörte er zu den Organisatoren, die aus den Fußballanfängen eine dauerhafte Einrichtung machten.

Sein Lebensweg verbindet deshalb zwei Teile der Fürther Geschichte: die Spielwarenherstellung und eine wachsende Vereinslandschaft. Zinnfiguren, Fußball, Turnen und Alpenverein erscheinen dabei in unterschiedlichen Quellen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Ein Unternehmer aus der Spielwarenstadt

Die fachhistorische Zusammenstellung zur Firma Gebrüder Zolles nennt den 28. September 1864 als Geburtstag von Andreas. Sie beschreibt die Gründung seiner Fabrikation 1888 in der Engelhardtstraße 4 und die spätere Beteiligung seines Bruders Johann Michael. Zum Sortiment gehörten plastische Figuren und Schiffe aus Metall. Diese Angaben stammen aus einer späteren Firmenrecherche, die unter anderem Adressbücher und Fachliteratur auswertet.

Der unternehmerische Anfang lag damit vor seiner Führungsrolle im Fußball. Die beiden Tätigkeiten liefen zeitweise nebeneinander. Das erklärt einen Teil seines Handlungsspielraums: Er trat im Sport nicht als unbekannter Außenstehender auf, sondern gehörte bereits zur örtlichen Gewerbewelt. Welche privaten Mittel er tatsächlich für Vereine einsetzte, müssen allerdings einzelne Zahlungs- und Vereinsunterlagen zeigen.

Quellen zu diesem Abschnitt: [4]

1891: Zwei Mitinhaber in der Engelhardtstraße

Das Adreß- und Geschäfts-Handbuch von Fürth für 1891 führt Andreas Zolles als Zinnfigurenfabrikanten und Mitinhaber der Firma Gebrüder Zolles. Als Adresse steht Engelhardtstraße 6. Im selben Verzeichnis erscheint Johann Michael mit derselben Berufs- und Firmenzuordnung. Der gedruckte Eintrag verbindet somit Person, Tätigkeit, Geschäft und Ort unmittelbar miteinander.

Das ist genauer als ein undatierter Firmenname. Für diesen Jahrgang sind zwei Mitinhaber belegt; die spätere Fortführung unter einer einzelnen Person darf nicht rückwirkend auf 1891 übertragen werden. Auf derselben Seite werden auch andere Zolles mit eigenen Berufen und Adressen genannt. Namensgleichheit allein begründet weder eine Tätigkeit in der Zinnfigurenfabrik noch eine bestimmte Familienbeziehung.

Quellen zu diesem Abschnitt: [5]

Eine Erfindung für empfindliche Figuren

Die US-Patentschrift 751824 nennt Andreas Zolles in Fürth als Erfinder und die Firma Zolles Brothers als Rechtsnachfolgerin. Die Anmeldung erfolgte am 11. April 1903, die Patentierung am 9. Februar 1904. Geschützt wurde eine Vorrichtung zum Befestigen und Präsentieren kleiner Figuren.

Der Mechanismus verbindet eine Grundplatte, Laschen und einen herausziehbaren Sicherungsdraht. Die Figuren sollten fest stehen und sich beim Transport nicht gegenseitig beschädigen. Nach dem Lösen der Sicherung konnten sie einzeln abgenommen werden. Auch das geordnete Ausstellen im Schaufenster gehörte zum beschriebenen Zweck. Das Patent dokumentiert eine technische Lösung; über Verkaufszahlen sagt es nichts.

Quellen zu diesem Abschnitt: [6]

Eigenes Schema nach Zolles: Lasche durch die Grundplatte, Figurenfuß aufsetzen, mit Draht durch die Öse sichern
Zolles’ Befestigungsprinzip: Lasche, Figurenfuß und herausziehbarer Sicherungsdraht. Eigene vereinfachte Darstellung nach US751824. Patentvorlage: 9. Februar 1904. Grafik: Kleeblattmuseum. Original und Bildnachweis · CC0 1.0 (eigene Grafik). Neu gezeichnetes Prinzipbild, keine Reproduktion der Originalzeichnung; ohne Maßstab, Figur und Verpackung weggelassen.

Der erste Vorsitzende der Fußballabteilung

Die veröffentlichte Präsidentenfolge setzt Zolles an den Anfang: September 1903 bis November 1906. Sein Nachfolger war Hans Ruff. Für die frühe Phase ist dabei wichtig, dass die Spielvereinigung zunächst eine Abteilung des TV 1860 war. Die historische Führungsrolle lässt sich nicht vollständig mit dem heutigen Bild eines Präsidenten eines selbständigen Profivereins gleichsetzen.

Der Rückblick auf die Fußballanfänge nennt Zolles bereits unter den Sportbegeisterten um Reinhard Barthel. Als die zunächst provisorische Vorstandschaft im September 1903 bestätigt wurde, stand er ihr vor. Die Entwicklung beruhte damit auf mehreren Beteiligten mit verschiedenen Aufgaben. Weder der Vorsitz allein noch eine spätere Ehrenbezeichnung macht ihn zum einzigen Gründer.

Quellen zu diesem Abschnitt: [7] · [8]

Lernen vom Nürnberger Nachbarn

Anfangs mussten die Fürther den Umgang mit dem Fußballspiel erst praktisch erlernen. Der historische Rückblick berichtet von Besuchen Nürnberger Spiele und von eigenen Übungsversuchen. Zolles wird darin als derjenige genannt, auf dessen Veranlassung Fritz Servas aus Nürnberg die Führung der Fürther Mannschaft übernahm.

Die Episode zeigt eine andere Seite der Vereinsgründung als eine Namensliste. Ein Verein brauchte Kenntnisse, Anleitung und Kontakte zu einem erfahrenen Gegner. Noch bevor das fränkische Derby zum großen Rivalitätsereignis wurde, konnte der Nachbar also als Lehrmeister dienen. Die Einzelheiten der ersten Begegnungen werden in späteren Darstellungen unterschiedlich datiert; aus dem beschriebenen Kontakt wird hier kein neu originalgeprüftes Spielprotokoll gemacht.

Quellen zu diesem Abschnitt: [8]

Als der Spielplatz fehlte

Ein Rückblick zum Ronhof schildert die erste größere Platzkrise: 1906 untersagte der Magistrat das Fußballspiel am Schießanger. Zur Überbrückung stellte Zolles danach einen Acker an der Flößaustraße zur Verfügung. Als dauerhafte Lösung eignete sich das Gelände der Darstellung zufolge kaum. Die Spielvereinigung suchte weiter und richtete schließlich eine Sportstätte an der Vacher Straße ein.

Diese Geschichte erklärt, weshalb organisatorische und räumliche Entscheidungen für den jungen Sport ebenso wichtig waren wie Spielergebnisse. Ein Übungsfeld musste verfügbar und benutzbar sein. Der Bericht belegt die spätere Erinnerung an Zolles’ Hilfe; für Eigentumsverhältnisse, genaue Grundstücksgrenzen und Vertragsbedingungen wäre dagegen die Grundstücks- oder Vereinsakte maßgeblich. Eine heutige Hausnummer folgt aus dem damaligen Acker nicht.

Quellen zu diesem Abschnitt: [9]

Turnverein, Fechten und ein unvollständiger Name

Die Vereinsgeschichte des Fechtclubs nennt für Juni 1913 einen Herrn Zolles, bezeichnet als ersten Vorstand des TV 1860, neben Fritz Kern, Georg Reu und Max Loew als Beteiligten der Gründung. Begonnen wurde mit schwerem Säbel und Florett. Der Schritt passt zum Umfeld des Turnvereins und zu einer Sportkultur, die mehrere Bewegungsformen unter einem organisatorischen Dach verband.

Der Vorname fehlt jedoch in dieser konkreten Darstellung. Die Zuschreibung an Andreas bleibt deshalb ausdrücklich prüfbedürftig. Auch der viel später, 1928, eingeführte Damenflorettsport ist nicht ohne weiteres seine persönliche Entscheidung. Zwischen einer belegten Gründerliste mit verkürztem Namen und einer vollständig erschlossenen individuellen Amtsgeschichte besteht ein Unterschied.

Quellen zu diesem Abschnitt: [2]

1909 im Alpenverein, 1913 als Privatier geführt

Im Mitgliederverzeichnis der Alpenvereinssektion Fürth von 1913 steht Andreas Zolles unter Nummer 393 als Privatier. Das Eintrittsjahr lautet 1909. Damit ist eine weitere Verbindung zur städtischen Vereinswelt direkt nachgewiesen. Die Bezeichnung Privatier beschreibt seinen damaligen Registerstatus; sie beweist nicht, dass er keinerlei wirtschaftliche Interessen mehr besaß.

Die spätere Firmenrecherche setzt die Auflösung des Betriebs auf 1907 und nennt Zolles’ Tod 1949 in Gauting bei München. Personenstandsunterlagen sind dafür noch gesondert zu prüfen. Deutlich wird dennoch ein Lebensweg, der über die einzelne Fabrik hinausführt: Der Unternehmer wurde zum Organisator und Mitglied verschiedener Sportzusammenhänge. Seine persönliche Bergtätigkeit ist mit dem Mitgliedereintrag allein noch nicht beschrieben.

Quellen zu diesem Abschnitt: [10] · [4]

Weiterführende Lebensgeschichten

Historische Quellen und ihre Aussagekraft

  1. [1]Bisheriger weiterführender Nachweis

    Als bisherige Quelle erhalten; neue Aussagen und korrigierte Zuordnungen sind abschnittsweise belegt.

  2. [2]Fechtclub Fürth:Vereinsgeschichte

    Die konkrete Gründungsangabe nennt1913 nur HerrnZolles; Vorname in dieser Quelle offen.

    ↩ Zur Textstelle
  3. [3]Bisheriger weiterführender Nachweis

    Als bisherige Quelle erhalten; neue Aussagen und korrigierte Zuordnungen sind abschnittsweise belegt.

  4. [4]Firmengeschichte Gebrüder Zolles

    Spätere Fachzusammenstellung; Lebensdaten und Firmenfolge als solche zugeschrieben, Personenstandsakten nicht neu eingesehen.

    ↩ Zur Textstelle
  5. [5]Adreß- und Geschäfts-Handbuch Fürth1891,S.183/Digitalisat233

    Originalseitenbild geprüft: Andreas und Johann Michael als Mitinhaber,Engelhardtstraße6. Kein Eigentumsnachweis.

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  6. [6]US-Patent751824,9.Februar1904,PDF-S.1–3

    Originalseitenbild geprüft: Anmeldung11.04.1903,Patentierung09.02.1904; keine Absatzstatistik.

    ↩ Zur Textstelle
  7. [7]SpVgg: Veröffentlichte Präsidentenfolge

    Zeitlicher Vorsitz1903–1906; nicht mit dem gesamten Leben oder allen Vereinsentscheidungen gleichsetzen.

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  8. [8]Die ersten Jahrzehnte der SpVgg, veröffentlichter Rückblick

    Frühe Zusammenarbeit mit Fritz Servas und Vereinsorganisation; kein neu eingesehenes Originalprotokoll.

    ↩ Zur Textstelle
  9. [9]Nürnberger Presse:110JahreRonhof

    Späterer Rückblick zur Platzkrise1906; kein Grundbuchbeweis für den Acker.

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  10. [10]DAVFürth:Jahresbericht1913,S.19,Nr.393

    Originalseitenbild geprüft: AndreasZolles,Privatier,Eintritt1909. Kein Einzel-Tourenbeweis.

    ↩ Zur Textstelle

Forschungsstand und offene Fragen

Adressbuch1891 und US-Patent1904 im Originalseitenbild geprüft; Unternehmer, frühe Fußballorganisation und weitere Vereinsbezüge chronologisch verbunden.

FürthWiki-Abgleich: Die Grundzüge waren in Firmen- und Vereinsdarstellungen vorhanden. Eigenständiger Mehrwert sind der datierte Mitinhabernachweis, die Unterscheidung von Anmeldung und Patentierung sowie die Erklärung des Befestigungsmechanismus.

  • Geburts- und Sterbeeintrag sowie die gesamte Handelsregisterfolge prüfen.
  • Den Vornamen des Fechtclub-Mitgründers1913 aus dem Originalprotokoll ergänzen.
  • Grundstücksunterlagen zum Acker an der Flößaustraße prüfen.
  • Die behauptete Straßenbenennung nur anhand kommunaler Unterlagen aufnehmen; die Sekundärquelle schreibt unzutreffend Zollernstraße.

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