Personenbiografie · Amtsrichter · erster DAV-Vorsitzender 1882–1885 · 3. November 2026

August Witschel

Amtsrichter, erster gewählter Vorsitzender der DAV-Sektion Fürth 1882–1885; Lebensdaten noch offen · Amtsrichter · erster DAV-Vorsitzender 1882–1885

Es war ein Dienstag im Mai 1882, als in der Gaststätte Hörauf an der Ecke Most- und Friedrichstraße vierzehn Männer die Gründung einer Alpenvereinssektion für Fürth beschlossen. Der Amtsrichter August Witschel war unter ihnen. Die erste Zusammenkunft leitete jedoch ein anderer: der Arzt Dr. Wilhelm Mayer. Erst eine Woche später erhielt Witschel das Amt, für das man sich bis heute an ihn erinnert.

Das ist der Anfang einer Lebensgeschichte, die fast vollständig über Amtsbezeichnungen, einen Wohnort und Protokollrückblicke greifbar wird. Sie erklärt, wie in einer Handels- und Industriestadt ein Verein für Berge entstand, die von Fürth aus nur mit größerem Reiseaufwand zu erreichen waren.

9. Mai 1882: Die erste Versammlung, noch ohne endgültigen Vorsitzenden

Die 1932 veröffentlichte Fünfzigjahrfestschrift, geschrieben unter Benutzung älterer Protokolle und Jahresberichte, nennt für den Gründungsabend den 9. Mai 1882 und das damalige Restaurant Hörauf an der Ecke Most- und Friedrichstraße. Den vorläufigen Vorsitz führte der praktische Arzt Dr. Wilhelm Mayer. Die Anwesenheitsliste nennt neben Amtsrichter Witschel einen weiteren Amtsrichter, Ärzte, Kaufleute, Staatsanwaltschafts- und Bahnangehörige sowie Lehrer und Rechtspraktikanten. Auch eine Rückschau von 1982 bestätigt die Trennung zwischen erster Versammlung und späterer Vorstandswahl.

Wer die Gründungsgeschichte als Gründung „durch Witschel“ erzählt, unterschlägt also die gemeinsame Initiative. Witschel war ein wichtiger Organisator, aber der Verein entstand aus einem Netzwerk. Auch der damalige Begriff „Sektion“ meinte zunächst eine lokale Gliederung des überregionalen Deutschen und Österreichischen Alpenvereins; er bezeichnet keine Bergexpedition.

Quellen zu diesem Abschnitt: [4] · [5]

16. Mai und 19. Juni: Aus Begeisterung wird ein Verein

Nach der Vereinsüberlieferung wurde am 16. Mai die Satzung angenommen und die erste Vorstandschaft gewählt. Witschel trat an die Spitze, Dr. Heinrich Aldinger wurde sein Stellvertreter. Am 19. Juni konnte Witschel die Aufnahme der Fürther Sektion in den Deutschen und Österreichischen Alpenverein mitteilen. Drei Termine bilden so eine nachvollziehbare Gründungsfolge: gemeinsamer Beschluss, rechtliche Organisation, Aufnahme in den Hauptverband.

Die Jahre der frühen Sektion waren zunächst von Satzungsfragen, Mitgliedern, Versammlungsorten und dem Aufbau einer dauerhaften Organisation bestimmt. Die Hundertjahrfestschrift nennt für 1883 unterschiedliche Vereinslokale, zunächst ein Gasthaus, später das Café Union. Solche Treffpunkte sind der soziale Unterbau der späteren Fürther Hütten- und Bergsportgeschichte. Für einzelne dort von Witschel persönlich geleitete Sitzungen muss jeweils ein Protokoll vorliegen.

Quellen zu diesem Abschnitt: [4] · [5]

1885: Ein Rücktritt aus beruflichen Gründen

Die 1982 veröffentlichte Chronologie vermerkt, Witschel habe 1885 den Vorsitz aus beruflichen Gründen niedergelegt. Ab 15. April folgte Landgerichtsrat Johann Hetzel. Der Rücktritt ist damit ein datierter Wechsel im Vereinsamt; er beweist weder einen Zerwürfnisfall noch ein Ende Witschels aller Vereinskontakte.

Ein Fürther Adressbuch von 1880 nennt einen Amtsrichter August Witschel in der Gebhardtstraße 12. Diese unabhängige berufliche und örtliche Nennung stützt die Identität, nicht aber den tatsächlichen Wohnsitz in jedem Jahr zwischen 1882 und 1885. Eine Versetzung, Beförderung oder spätere Dienststelle müsste in den Justizpersonalakten gesucht werden.

Quellen zu diesem Abschnitt: [5] · [3]

Witschel als Teil einer längeren Stadtgeschichte

Später folgten Hüttenbauprojekte, die alte Fürther Hütte von 1903 und nach dem Ersten Weltkrieg die neue Hütte im Hollersbachtal von 1927 bis 1929. Dies sind Leistungen der fortentwickelten Sektion, nicht automatisch persönliche Leistungen ihres ersten Vorsitzenden. Der Abstand zeigt vielmehr, wie dauerhaft die 1882 geschaffene Vereinsorganisation wirkte.

Geburts- und Sterbedaten sowie eigene Alpenreisen sind noch nicht gesichert. Ein wissenschaftlich redlicher Artikel kann den Gründer daher als Richter und Organisationsperson beschreiben, ohne eine vermeintliche Gipfelbiografie zu erfinden.

Quellen zu diesem Abschnitt: [5]

Weiterführende Lebensgeschichten

Historische Quellen und ihre Aussagekraft

  1. [1]Historischen Beleg 1 öffnen
  2. [2]Historischen Beleg 2 öffnen
  3. [3]BSB: Fürther Adressbuch 1880, Witschel

    Zeitnaher beruflicher und räumlicher Nachweis; OCR kontrollieren und Hausadresse nicht auf spätere Jahre ausdehnen.

    ↩ Zur Textstelle
  4. [4]DAV Sektion Fürth: Festschrift 1882–1932

    Vereinsgeschichtliche Rückschau auf Grundlage von Protokollbüchern; ausdrücklich getrennte Daten 9.5., 16.5. und 19.6.1882. Rückblick von 1932, kein Autograph des Gründungsprotokolls.

    ↩ Zur Textstelle
  5. [5]DAV Sektion Fürth: Festschrift 1882–1982, Zeittafel

    Retrospektive Ergänzung, Vereinslokale 1883 sowie Witschels Rücktritt und Nachfolge Hetzel ab 15.4.1885.

    ↩ Zur Textstelle

Forschungsstand und offene Fragen

Klärt die drei verschiedenen Gründungstermine, den Unterschied zwischen Sitzungsleiter und erstem Vorsitzenden und den Wechsel 1885 mit städtischem Amts- und Adressnachweis.

FürthWiki-Abgleich: Nicht bloß eine Gründungsliste: die Vereinschronik von 1932 wird nach Quellenart, Ablauf und sozialem Umfeld interpretiert; noch ungeklärte Privatinformationen werden nicht erfunden.

  • Wo liegt das originale Protokoll vom 9. und 16. Mai sowie 19. Juni 1882?
  • Wann und wo wurde August Witschel geboren, wann und wo starb er?
  • Welcher berufliche Wechsel war der Anlass des Rücktritts 1885?
  • Ist die Anschrift Gebhardtstraße 12 auch für die Gründungsjahre dokumentiert?

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