Kleeblattmuseum · Nathanstift, jüdische Ärzteschaft und Verfolgung
Dr. Hans Sahlmann
Fürther Frauenarzt, aus der Medizin ausgegrenzt und 1936 in die USA emigriert
geboren 1895; Emigration 1936
Lebensweg und Vereinsgeschichte
Hans Sahlmann war ein erfolgreicher Fürther Frauenarzt. In den 1920er-Jahren praktizierte er neben Richard Fleischer und übernahm im Nathanstift dessen Vertretung. Eine ausführliche wissenschaftliche Studie zur Bayerischen Gesellschaft für Geburtshilfe und Frauenheilkunde beschreibt die beiden Ärzte, ihre Praxen und die städtische Stiftung. Für Sahlmann führt sie als besonders wichtige Primärquelle seine Wiedergutmachungsakte Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, M LEA 31 625, an.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde das Fürther Nathanstift systematisch in die neue Politik eingegliedert. Jüdische Ärzte wurden unter Druck gesetzt und aus den bisherigen beruflichen Zusammenhängen verdrängt. Die wissenschaftliche Studie schildert, wie Sahlmann im Mai 1936 mit seiner Familie über Paris und Cherbourg nach New York floh. Sie nennt eine gezahlte Reichsfluchtsteuer von 35.286 Reichsmark; einen Teil seiner Praxisausstattung musste er zurücklassen.
Aus späteren Aussagen im Entschädigungsverfahren geht hervor, dass Sahlmann einen drohenden antisemitischen Angriff in der Hetzzeitung 'Der Stürmer' befürchtete. Die Studie vermerkt ausdrücklich, dass der konkret behauptete Zeitungsartikel nicht nachgewiesen werden konnte. Die Angst und Flucht sind dokumentiert, die Veröffentlichung dieses einen Artikels jedoch nicht. 1939 erhielt Sahlmann die Zulassung, im US-Bundesstaat Indiana erneut als Arzt zu arbeiten. Seine Geschichte verbindet medizinisches Vereinswesen, Verfolgung, materielle Verluste und den mühsamen beruflichen Neuanfang im Exil.