Kleeblattmuseum · Ärzteschaft und Stadtgeschichte Fürths
Dr. Fritz Gastreich
Chirurg und Beteiligter an der kampflosen Übergabe Fürths 1945
1895–1979
Lebensweg und Vereinsgeschichte
Fritz Gastreich wurde am 7. September 1895 in Fürth geboren und studierte Medizin in Erlangen, wo er 1922 promovierte. Seit den 1920er-Jahren führte er eine chirurgische Praxis in Fürth. Das Bayerische Ärzteblatt nennt ihn schon 1929 in einer Mitteilung des regionalen ärztlichen Umfelds. Gemeinsam mit seinem Bruder Eugen gehörte er zu den öffentlich bekannten Fürther Ärzten.
Besonders bedeutsam wurde Gastreich während der letzten Kriegstage im April 1945. Er leitete damals Kriegslazarette und war mit anderen Fürthern um eine Übergabe der Stadt ohne weitere Kämpfe bemüht. Nach einer historischen Recherche von 2020 wirkte er gemeinsam mit dem Obsthändler Josef Gleixner und weiteren Beteiligten auf die Kapitulation hin. Bei den Verhandlungen mit den amerikanischen Truppen am 19. April 1945 half Gastreich, das Zögern des kommissarischen Oberbürgermeisters Karl Häupler zu überwinden. Eine einzige Person als alleinigen 'Retter' der Stadt zu bezeichnen würde die Rolle der übrigen Beteiligten übergehen.
Nach Kriegsende blieb Gastreich eine wichtige Auskunftsperson: Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Enteignung jüdischer Frauenärzte nennt Gutachten, die er 1963 im Rahmen von Entschädigungsverfahren erstellte. Er starb am 31. Dezember 1979 in München. Die Fürther Stadtchronik dokumentiert die öffentliche Würdigung bei der Trauerfeier 1980. Für seine persönliche Rolle im Widerstand sollte eine zukünftige Edition auch seine eigenen Aufzeichnungen und die US-Befreiungsunterlagen quellenkritisch gegenüberstellen.