Kleeblattmuseum · Arbeitersport und Fahrradvereine
Karl Reißenleiter
Fürther Wegbereiter der sozialdemokratischen Arbeiter-Radfahrerbewegung
1893–1895 im Arbeiter-Radsport nachgewiesen
Lebensweg und Vereinsgeschichte
Im Herbst 1893 war Fürth ein Ausgangspunkt der sich organisierenden sozialdemokratischen Radfahrer. Eine Einladung zum ersten Leipziger Arbeiter-Radfahrerkongress erschien am 26. September 1893 im 'Hamburger Echo'. Für die Anfragen aus dem süddeutschen Raum zeichnete 'K. Reißenleiter' aus Fürth verantwortlich; angegeben wurde Marienstraße 41. Die Druckquelle belegt sowohl seine Beteiligung als auch eine zeitgenössische Kontaktadresse.
Eine spätere Rückschau des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes Solidarität nennt den Fürther Optiker Karl Reißenleiter als Initiator des Gründungskongresses am 1. und 2. Oktober 1893 in Leipzig. Ein Sportarchiv führt ihn für den Zeitraum Mai 1894 bis Juni 1895 als Vorsitzenden der Agitationskommission der Arbeiterradfahrer Deutschlands. Die Vereinigung hatte es unter Polizeirepression und schwierigen organisatorischen Bedingungen mit dem Aufbau einer reichsweiten Arbeiter-Radfahrerbewegung zu tun.
Ein Fürther Vereinsregister von 1891 nennt zudem einen 'K. Reißenleiter', Gürtler, als Vorstand eines Geselligkeitsvereins namens Reunion I. Diese zeitlich frühere Person könnte, muss aber nicht mit dem später als Optiker bezeichneten Radfahrerorganisator identisch sein. Die berufliche Abweichung ist erheblich. Deshalb gehören das Gürtler-Amt und die Reunion-I-Mitgliedschaft noch nicht zur gesicherten Biografie Karl Reißenleiters; für die Klärung wären Meldeunterlagen und ein Adressbucheintrag an der Marienstraße 41 erforderlich.