Kleeblattmuseum · Schützenwesen, SpVgg Fürth und die Geschichte der Verfolgung

Heinrich Morgenstern

Fürther Unternehmer, Schützenkönig und SpVgg-Ehrenförderer in der NS-Zeit

1869–1944

Lebensweg und Vereinsgeschichte

Heinrich Morgenstern wurde 1869 in die Fürther Unternehmerfamilie Morgenstern geboren. Sein Vater David Morgenstern hatte die Spiegelglas- und Zinnfolienfabrik in Forchheim und Fürth zu einem bedeutenden Betrieb gemacht und gehörte zu den frühen jüdischen Abgeordneten des Bayerischen Landtags. Heinrich wurde selbst Miteigentümer der Fabrik und führte den Titel Kommerzienrat. Neben der gewerblichen Tätigkeit unterstützte er wohltätige Aufgaben; eine spätere familiengeschichtliche Untersuchung berichtet von einer Stiftung für die Witwen verstorbener Arbeiter seines Betriebs.

Auch das Fürther Sportleben war Teil seines Wirkungskreises. Die Königlich privilegierte Schützengesellschaft Fürth führt einen Heinrich Morgenstern, Kommerzienrat, als Schützenkönig des Jahres 1913. Die Verbindung zur SpVgg Fürth ist besonders aufschlussreich: In einer vom Historiker Andreas Mau ausgewerteten Verwaltungssitzung vom 31. Juli 1933 berichtete die Vereinsführung, ein Kommerzienrat Morgenstern habe seine Ehrenförderschaft niedergelegt. Dies geschah während der Umsetzung des antisemitischen sogenannten Arierparagraphen. Mau identifizierte den Betroffenen ausdrücklich nur mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit Heinrich Morgenstern, doch der Titel und der Fürther Kontext passen zu ihm.

Die nationalsozialistische Verfolgung traf auch die Firma und die Familie Morgenstern. Das Nürnberger Stadtarchiv berichtet über einen 1938 erzwungenen Verkauf seiner Kunstsammlung, nachdem er und seine Familie nach London geflohen waren. Er starb 1944. Damit verbindet sich an seinem Lebensweg eine Geschichte des Unternehmertums und der bürgerlichen Sportförderung mit dem Verlust gesellschaftlicher Zugehörigkeit, erzwungenen Vermögensverkäufen und Emigration.

Der wissenschaftliche Aufsatz zur SpVgg nennt in einer Fußnote irrtümlich 1896 als Geburtsjahr Heinrich Morgensterns. Zwei voneinander unabhängige historische Forschungsquellen belegen dagegen 1869 bis 1944. Für eine abschließende Gleichsetzung des 1933 protokollierten Ehrenförderers mit dem Fabrikbesitzer wären die vollständigen SpVgg-Vereinsakten und die Nachlassunterlagen zu vergleichen.

Quellen

  1. [1]Königlich privilegierte Schützengesellschaft Fürth, Königsfolge 1913
  2. [2]Andreas Mau, Die Gleichschaltung der SpVgg Fürth, mit Protokoll vom 31. Juli 1933
  3. [3]Stadtarchiv Nürnberg, Norica 1/2005, Kunstsammlung und Emigration
  4. [4]Jüdische Familiengeschichte aus Bad Kissingen, Heinrich Morgenstern 1869–1944

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