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Historisches Fürther Straßenlexikon

Marienstraße

Warum heißt die Straße so?

Die Bezeichnung ist überliefert; wer oder was der Namensgeber war, ist noch nicht ausreichend nachgewiesen.

Ausführliche Straßenbiografie

Vom Spiegelhandel zur verlorenen jüdischen Nachbarschaft

Peter Franks Untersuchung der Marienstraße eröffnet einen ungewöhnlich genauen Blick auf eine Straße im Wachstum des 19. Jahrhunderts. Das Hausnummernverzeichnis von 1867 nennt Thomas Dannhäuser und einen Wohnungsbauverein unter den frühen Bauplatzinteressenten. Bereits 1879 waren 35 Grundstücke bebaut. Hinter den Straßenfassaden lagen Arbeitsräume von Spiegelglas- und Hopfenhändlern, Spielwaren- und Bronzefarbenherstellern, Viehhändlern und Schatullenfabrikanten: eine vielfältige Nachbarschaft statt einer reinen Wohnstraße.

Franks Auswertung von Personenstandsregistern und Melderegister zeigt Familiengeschichten über mehrere Adressen hinweg. Ein besonders klarer Weg führt zur Familie Kissinger. Louis und Paula Kissinger zogen 1925 mit Heinz Alfred und Walter Bernhard aus der Mathildenstraße 23 in den zweiten Stock der Marienstraße 5. Dort lebten sie bis zur Abmeldung im August 1938, als die nationalsozialistische Verfolgung sie zur Flucht zwang. Henry Kissinger wurde später US-Außenminister; die Bedeutung dieses Ortes liegt zugleich in der Geschichte aller von Verfolgung betroffenen Nachbarn.

Auch Familien wie Heinemann, Ansbacher, Königshöfer, Rindskopf und Rothschild sind in der Untersuchung an unterschiedlichen Häusern belegt. Einige Biografien führen in die Maxstraße, Rosenstraße und Nürnberger Straße weiter. Die Quelle berichtet von Emigration, Deportationen und Todesfällen: Diese Schicksale müssen mit ihrer jeweiligen Person, Datierung und Quelle erzählt werden, ohne gleiche Familiennamen als Nachweis einer Verwandtschaft zu behandeln.

Die historische Forschung kann einzelne Häuser wie Marienstraße 5 mit belegten Bewohnerfolgen verbinden. Sie muss aber bei älteren, vor 1890 verwendeten Nummern weiterhin Bauakten, Kataster und amtliche Nummernlisten prüfen, bevor daraus eine durchgehende moderne Hausgeschichte wird.

Quellenkritischer Hinweis: Die familien- und haushaltsbezogenen Angaben gehen auf Peter Franks quellenbasierte Sekundärrekonstruktion zurück. Verwandtschaft und Gebäudeidentität nicht aus Namensgleichheit oder Hausnummern ableiten.

Weitere Straßen dieser Geschichte

Thematische Verbindungen – keine automatischen Haus- oder Personenidentitäten.

Die Biografie dieser Straße

Adressbelege vorhanden – Namensgeschichte offen

Marienstraße ist im Fürther Straßenbestand nachgewiesen. Wann und mit welchem Beschluss die Benennung erfolgte, lässt sich aus den derzeit zugeordneten Quellen noch nicht sicher erklären.

Zur Adressgeschichte liegen 98 Quellenbeobachtungen im Forschungsbestand vor; 12 ausgewählte Belege sind in diesem Straßenprofil erschlossen, darunter Nennungen aus 1886 bis 1899. Die Nennungen dokumentieren historische Adressen und Nutzungen, nicht automatisch den Fortbestand desselben Gebäudes.

Namentlich erschlossen sind unter anderem Bechmann, Meyer (1886, Hausnummer 1, Kaufmann.); Naumburger, Maier (1886, Hausnummer 12, Kaufmann.); Rudolf Kimmel (1886, Hausnummer 13a, Lehrer); Dachlauer, Georg (1886, Hausnummer 13d, Kaufmann.). Die jeweilige Rolle als Bewohner, Gewerbetreibender oder Eigentümer muss anhand der einzelnen Quelle unterschieden werden.

Menschen aus den historischen Quellen

  • 1886: Bechmann, Meyer, Marienstraße 1 – Kaufmann.Beleg
  • 1886: Naumburger, Maier, Marienstraße 12 – Kaufmann.Beleg
  • 1886: Rudolf Kimmel, Marienstraße 13a – LehrerBeleg
  • 1886: Dachlauer, Georg, Marienstraße 13d – Kaufmann.Beleg
  • 1886: Dietsch, Joh. Gg., Marienstraße 16 – Wirt.Beleg
  • 1886: Döppert, Joh. Friedrich, Marienstraße 22 – Wirt.Beleg
  • 1886: Hofmann, Heinrich, Marienstraße 25 – Wirt.Beleg

Historische Adressnennung ist kein automatischer Nachweis für Eigentum, Wohnsitz oder ein heute erhaltenes Gebäude.

Nachgewiesen im städtischen Großdruck-Stadtplan 2019 · PDF-Seite 5. Ein Nachweis von 2019 ist kein amtlicher Erstbenennungsbeschluss und kein bestätigter aktueller 2026er Straßenstatus. Zur Gesamtliste von 2019 →

Alt-/Neu-Adressen nach Krause (1994)

Die folgenden Paare stammen aus einer nach Archivquellen zusammengestellten Tabelle. Sie sind sekundär dokumentiert; die vollständige originale Nummerierungsübersicht von 1889 wurde noch nicht gegengeprüft. Bei Straßenwechseln kann der spätere Name erst Jahrzehnte nach 1890 entstanden sein.

Alle 99 Forschungs-Konkordanzen ansehen →

Historisch belegte Hausadressen

Archivische Hausbelege sind datierte Quellen-Nennungen. Eine heutige Identität, Eigentümerschaft oder durchgehende Bewohnung ist daraus nicht automatisch ableitbar.

Warum die Quellenphasen wichtig sind

Zum 1. Januar 1890 traten in Fürth geänderte Straßennamen und Hausnummern in Kraft. Ältere Nummern dürfen deshalb nicht anhand der Ziffer allein mit neueren verbunden werden. Mehr zur Nummernreform.

Forschungsstand 11. Oktober 2026 · 98 erfasste Quellenbeobachtungen (nicht gleichzusetzen mit einzelnen Gebäuden).