Häusergeschichte · Altstadt · 1701–1890
Vier Adressen, ein Hausstandort: Königstraße 110
Ein Haus kann seine Nummer mehrfach wechseln, ohne seinen Standort zu verlassen. Das frühere Gasthaus „Zum Posthorn“ an der heutigen Königstraße 110 führt durch fast ein Jahrhundert Fürther Adressgeschichte. 1837 eröffnete hier die Lehmus’sche Kinderbewahranstalt.
1792
Hausnummer 277
1807 als „Am Poppengäßlein“ Nr. 277 geführt
1827
Bezirk I / Haus 391
1836 und 1846 als „Königsstraße“ Nr. 391 belegt
1860
Königsstraße 54
Straßenweise Nummerierung vor 1890
1890
Königstraße 110
Nach der Reform mit geraden und ungeraden Hausnummern
Ein Gasthaus und ein früher Ort der Kinderbetreuung
Der denkmalgeschützte Kern des Hauses wird auf 1701 datiert. Die Lokalchronik nennt ein Gasthaus „Zum Posthorn“ und überliefert mehrere Umbauten. Im Jahr 1837 wurde in dem Gebäude die Lehmus’sche Kinderbewahranstalt eröffnet, eine frühe Einrichtung der Fürther Kinderfürsorge. Eine Straße namens Lehmusstraße liegt hier allerdings nicht: Die Verbindung ist biografisch und institutionell, nicht räumlich.
Ein weiterer Eingriff ist für 1867 überliefert: Die Kaufmannswitwe Nanette Hirschmann ließ demnach das Vorderhaus und einen rückwärtigen, 1805 errichteten Anbau aufstocken. Dass ein Standort historisch derselbe bleibt, heißt also nicht, dass der Baukörper unverändert überliefert ist.
Königsstraße oder Königstraße?
Das historische Adressmaterial verwendet den Namen „Königsstraße“. Im heutigen amtlichen Straßenverzeichnis steht „Königstraße“. Die Lokalquelle zu diesem konkreten Haus dokumentiert die Umstellung der Hausnummer 391 (Bezirk I) zur straßenweisen Nummer 54 und nach 1890 zu 110. Damit ist die Bezeichnung für diesen Standort gut rekonstruierbar. Sie berechtigt nicht dazu, sämtliche 322 im Forschungs-Master unter „Königsstraße“ gefundenen Adressbelege ohne Einzelprüfung auf heutige Hausnummern umzulegen.
Vom Handelsweg zur städtischen Hauptstraße
Die Königstraße war Teil der älteren Fernverbindung zwischen Nürnberg und Frankfurt. In historischen Unterlagen begegnet deshalb auch die Bezeichnung Frankfurter Straße. Die amtliche Ursache und das genaue Datum des späteren Namens „Königstraße“ bedürfen einer eigenen Prüfung; der Verkehrsweg ist älter als seine heutige Benennung.
Quellen und Grenzen
Die Adressfolge stammt aus der lokalhistorischen Erschließung mit Verweisen auf Fürther Adressbücher 1807, 1819, 1836 und 1846 sowie die Wunschelchronik. Die ursprünglichen Einzelnachweise sind noch nicht alle direkt am Scan geprüft. Veränderungen am Gebäude und die wechselnden Eigentümer werden von der bloßen Straßen- und Hausnummernfolge getrennt.