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Fürther Bildungsgeschichte · Straßennamen · Erinnerungskultur

Lehmus und Hallemann: Zwei Straßennamen, zwei Geschichten über Kinderfürsorge

Eine Fürther Straße trägt den Namen eines evangelischen Pfarrers, eine andere den eines jüdischen Pädagogen. Die Einrichtungen, die mit ihnen verbunden sind, zeigen unterschiedliche Kapitel der städtischen Fürsorgegeschichte.

Friedrich Lehmus und die Kinderbewahranstalt

Die Lehmusstraße wurde 1903 nach dem Fürther Pfarrer Friedrich Theodor Eduard Lehmus (1806–1890) benannt. Die Ehrung galt seinem Wirken in der Kirchengemeinde und besonders der Lehmus’schen Kinderbewahranstalt. Deshalb ist die verbreitete Vermutung falsch, die Straße würdige seine Tochter Emilie Lehmus, eine Pionierin des Ärztinnenberufs.

1837 eröffnete die Kinderbewahranstalt im früheren Gasthaus „Zum Posthorn“, heute Königstraße 110. Das Gebäude wird in der Denkmalüberlieferung auf 1701 datiert. Die Straßenadresse ist die heutige Bezeichnung des Gebäudes, nicht zwingend die Hausnummer von 1837.

Friedrich Lehmus engagierte sich darüber hinaus für das Carolinenstift und die Kranken- und Armenfürsorge der evangelischen Gemeinde. Die nach ihm benannte Straße ist somit Teil der Bildungs- und Sozialgeschichte Fürths.

Isaak Hallemann und das jüdische Waisenhaus

1982 erhielt die frühere Julienstraße den Namen Hallemannstraße. Er erinnert an den jüdischen Pädagogen Dr. Isaak Hallemann, der die Fürther Waisenkinder während der nationalsozialistischen Verfolgung betreute und nicht im Stich ließ. Er und die verbliebenen Kinder wurden deportiert und ermordet.

Das jüdische Waisenhaus in der früheren Julienstraße wurde 1868 als Knabenwaisenhaus errichtet; 1894 kam ein Erweiterungstrakt für Mädchen hinzu. Die Gebäude sind heute unter Hallemannstraße 2/2a bekannt. Die Straßenbezeichnung von 1982 darf nicht auf die Baujahre zurückdatiert werden.

Eine Untersuchung in den Fürther Geschichtsblättern beschreibt außerdem eine während der NS-Zeit im Waisenhaus angelegte Mikwe, die 1967 nach Instandsetzung wieder eingeweiht wurde. So blieb im Gebäude eine Spur jüdischen Gemeindelebens erhalten, während der Straßenname an die ermordeten Menschen erinnert.

Quellen und Abgrenzungen

Die kirchliche Kinderbewahranstalt und das jüdische Waisenhaus waren verschiedene Einrichtungen. Die Hausnummerierung von 1890 und die Umbenennung der Julienstraße 1982 sind ebenfalls getrennte historische Vorgänge.