Häusergeschichte · Jüdisches Leben · Fürth 1717–1899
Schützenstraße 9: Färberhaus, Bad und Mikwe an der Rednitz
Die heutige Wilhelm-Löhe-Straße hieß früher Schützenstraße, Schützengasse oder Schrotgasse. Ein einzelnes Haus lässt sich über den Namenwechsel hinweg ausdrücklich verfolgen: die ehemalige Schützenstraße 9, heute Wilhelm-Löhe-Straße 9.
Ein Grundstück mit mehreren Nutzungen
Das historische Anwesen erscheint 1717 als Färberhaus. Um 1800 gehörten zu dem Komplex nach den ausgewerteten Akten neben Wohnungen unter anderem eine Färberei, eine Nagelschmiede, ein Hof, Brunnen und Fischgrube. Seit 1810 wird die Färber- und Wirtsfamilie Höfler in der Eigentumsüberlieferung genannt.
1814 wurde der Bereich mit Waschküche und Fischgrube abgeteilt. Der neue Teil erhielt die historische Nummer 56b; in der späteren Adresswelt ist dies der Standort Schießplatz 1. Der übrige Teil war die Nummer 56a und wurde später Schützenstraße 9 genannt. Die Teilung ist eine wichtige Grenze: Wir sprechen nicht von nur einem über die Jahrhunderte unverändert bestehenden Haus.
Ein Bad für die jüdische Gemeinde
Johann Friedrich Höfler errichtete 1826 ein hölzernes Badehäuschen direkt an der Rednitz. Weil es im Winter unzureichend war, entstand die Idee einer verbesserten Anlage. Im August 1834 schlossen mehrere Fürther Gemeindemitglieder einen Nutzungsvertrag mit Höfler. Die Anlage sollte auch als Mikwe dienen – als rituelles Tauchbad entsprechend den jüdischen Vorschriften.
Die Stadt ließ die Einrichtung durch eine Kommission prüfen. In der Untersuchung werden unter anderem Bade- und Umkleideraum, Wasserzufuhr, Beheizung und mögliche Probleme bei Hochwasser beschrieben. Genannt sind auch die Mikwenfrauen Jeanette Sichel und Vögele Erlenbusch. Ihre Tätigkeit sagt noch nichts über Eigentum oder einen dauerhaften Wohnsitz an der Hausadresse aus.
Vier historische Straßennamen – aber nicht vier verschiedene Häuser
Schrotgasse, Schützengasse und Schützenstraße sind im Laufe der Zeit als Namen beziehungsweise historische Formen im Bereich der heutigen Wilhelm-Löhe-Straße überliefert. Die Straße erinnert heute an den in Fürth geborenen evangelischen Theologen Wilhelm Löhe (1808–1872). Ein amtlich sicher nachgewiesener Tag der letzten Umbenennung liegt in der Forschungsdatenbank noch nicht vor.
Für den einzelnen Fall Schützenstraße 9 ist die Zuordnung zur heutigen Wilhelm-Löhe-Straße 9 in einem historischen Fachaufsatz ausdrücklich nachzulesen. Für die anderen zwanzig derzeit katalogisierten alten Straßenadressbeobachtungen ist damit noch keine Gebäudeidentität oder neue Hausnummer bewiesen.
1717
Frühes Färberhaus: diese Nutzung ist für das historische Anwesen überliefert.
1814
Ein älterer Anwesenkomplex wird geteilt. Der abgetrennte Bereich 56b wird später als Schießplatz 1 bezeichnet; das andere Anwesen wird als 56a geführt.
1826
Johann Friedrich Höfler errichtet an der Rednitz ein einfaches hölzernes Badehäuschen.
1834
Höfler bietet ein verbessertes Badehaus an. Am 5. August wird ein Vertrag über die Nutzung als jüdisches Ritualbad geschlossen; im September prüft eine Magistratskommission die Einrichtung.
1899
Ein quellenverlinkter Adressknoten nennt Schützenstraße 9; der Zeitungseintrag muss für Bewohnerdetails noch am Scan geprüft werden.
2011
Ein Aufsatz der Fürther Geschichtsblätter setzt Schützenstraße 9 ausdrücklich mit der heutigen Wilhelm-Löhe-Straße 9 gleich.
Welches Gebäude besteht heute?
Das denkmalgeschützte Wohnhaus Wilhelm-Löhe-Straße 9 besitzt Bausubstanz um 1700 und wird unter der Denkmalnummer D-5-63-000-1457 geführt. Das historische Badehäuschen an der Rednitz ist nicht automatisch ein heute noch vorhandener Teil dieses Wohnhauses. Die Quellenaussage gilt zunächst für den historischen Standort beziehungsweise Anwesenkomplex.
Quellen
- Fürther Geschichtsblätter 3/2011, S. 71–74, Abschnitt zur Mikwe Wilhelm-Löhe-Straße 9
- Haus der Bayerischen Geschichte: Fürth und die jüdische Gemeinde
- Altstadtverein: Geburtshaus Löhe und die früheren Straßennamen
- Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Denkmalliste Fürth 2026, D-5-63-000-1457
Die Fachliteratur nennt archivalische Primärbelege. Eine vollständige eigenständige Sichtprüfung sämtlicher Originalakten und OCR-Adressbuchbilder steht noch aus.