Fürther Gaststätten · Historische Biografie
Johann Andreas Weigmann: vom Goldenen Schwan zur Zinngießerei und Bürgervertretung
Johann Andreas Weigmann (26. Februar 1816–12. Juni 1892, Tod laut Lokalchronik; abweichende DDB-Katalogdatierung 1896/99) war ein Fürther Zinngießermeister, Händler und kommunal tätiger Bürger. Der Index der Deutschen Biographie nennt 1816–„nach 1870“ und den Beruf Zinngießermeister; diese offene Untergrenze widerspricht dem von der Lokalchronik genannten Tod am 12. Juni 1892…
Geschichte und Lebensweg
Johann Andreas Weigmann (26. Februar 1816–12. Juni 1892, Tod laut Lokalchronik; abweichende DDB-Katalogdatierung 1896/99) war ein Fürther Zinngießermeister, Händler und kommunal tätiger Bürger. Der Index der Deutschen Biographie nennt 1816–„nach 1870“ und den Beruf Zinngießermeister; diese offene Untergrenze widerspricht dem von der Lokalchronik genannten Tod am 12. Juni 1892 nicht, bestätigt dieses genaue Datum aber auch nicht. Ein DDB-Objektdatensatz zu einem Zinnteller führt für den Meisterzeichen-Träger die abweichende Lebenszeit 1816–1896/99. Da diese Angabe in einem Sachobjekt-Katalog und nicht in einem eigenständigen Sterberegisterbeleg erscheint, bleibt ihre Grundlage ungeklärt. Das Sterbedatum 1892 ist daher weiterhin eine quellenreiche, aber sekundäre Chronikangabe; der DDB-Datensatz wird als offener Metadatenkonflikt dokumentiert.
Die Familienrekonstruktion ordnet Johann Andreas als Sohn des Fürther Wirts Andreas Weigmann (1759–1823) ein, der den „Goldenen Schwan“ am Marktplatz führte. Über die Relation -1397 → -1420 (REL-1778, Familiennetz ) ist Johann Andreas damit die Generation zwischen dem Wirtshaus und seinem Sohn Hermann. Die Abstammung ist sekundär und kirchenbuchbezogen rekonstruiert; die Originalmatrikel wurden in diesem Schritt nicht erneut geprüft.
Seine handwerkliche Ausbildung begann früh: Von 1830 bis 1833 lernte er laut Lokalchronik in Nürnberg bei Zinngießermeister Caspar Gundermann. Vor Beginn der Wanderschaft arbeitete er dort weitere elf Monate und 24 Tage. Das transkribierte Wanderbuch verfolgt seine Reisen vom 17. Februar 1834 bis 14. Oktober 1837 durch zahlreiche süd- und mitteldeutsche Städte und bis in die Schweiz; danach arbeitete er bis Februar 1838 wieder als Geselle in Nürnberg. Diese Stationen zeigen den üblichen Weg vom Lehrling über den wandernden Gesellen zum selbständigen Meister, aber der originale Wanderbuchband wurde hier nicht eingesehen.
Im Februar 1838 beantragte Weigmann die Zulassung zur Meisterprüfung. Er legte ein Leuchtermodell vor und fertigte am 20. März unter Aufsicht eine Probearbeit. Laut Chronik wurde er im Juli als Bürger und Zinngießermeister aufgenommen und erhielt die frei gewordene Konzession. Ein Fürther Fasskrug, den das Stadtarchiv auf etwa 1840 datiert, macht die handwerkliche Tätigkeit auch als Objekt der lokalen Alltagskultur greifbar. 1844 stellte er auf der Gewerbeausstellung in Berlin Zinnwaren aus, darunter Kinderhausrath und medizinische Spritzen. Daneben entwickelte sich sein Geschäft zu einer Porzellan-, Steingut- und Glashandlung; 1851 erhielt er demnach eine Konzession für Hohlglaswaren.
Am 30. Januar 1843 heiratete er Anna Maria Clara Vogel. Die rekonstruierte Familienliste nennt dreizehn Kinder; darunter Hermann Jacob Weigmann, geboren 1856 und später als Hermann Weigmann ein bedeutender Milchwissenschaftler. Diese Vater-Sohn-Verbindung wird unabhängig auch durch die NDB-Biografie Hermanns gestützt. Die Verbindung macht Weigmanns Werkstatt- und Händlerhaushalt zum familiären Ausgangspunkt einer späteren Wissenschaftsbiografie, ohne einen direkten fachlichen Einfluss der Werkstatt auf Hermanns Forschung zu behaupten.
Für die lokale Stadtgeschichte ist Weigmann außerdem als Mitglied des Collegiums der Gemeindebevollmächtigten 1859 greifbar. Werkstätte und Geschäft lagen laut Chronik damals im Haus seiner Schwägerin Anna Jacobina Weigmann am Marktplatz 225. 1860 kauften Johann Andreas und seine Frau Anna Maria Clara Vogel (eigenes Dossier BIO-LANG-026) das Anwesen Königsstraße 246, das noch im selben Jahr die neue Nummer 132 erhielt; 1890 wurde daraus Königsstraße 69. Diese historische Kette ist aus einer Sekundärchronik übernommen und muss für den Anschluss an heutige Haus-IDs mit dem Häuser-/Adressregister einzeln gegengeprüft werden.
1874 ging die Firma J. A. Weigmann an den Sohn Johann Stefan über; 1882 wird Johann Andreas als Privatier bezeichnet. Die Gewerbelinie gehört damit in die Firmenmappe, ist aber nicht mit dem dort separat geführten, ungelösten Eintrag „W. Weigmann / Jean Ziegele“ (V176-010, Sterngasse 17, 1873) zu verschmelzen: Name, Ort und Gewerbe ergeben keine belegte Identität. Der Familienbestand NL 42 im Stadtarchiv Fürth – 166 Jahre Familienunterlagen vom Goldenen Schwan, laut DDB noch unerschlossen – ist der zentrale nächste Primärhebel, um Familien-, Geschäfts- und Hausfragen genauer zu lösen.
Der Abgleich mit der Deutschen Biographie präzisiert die Datumsfrage: Ihr eigener Personenindex führt Johann Andreas mit GND 127019478X, Geburtsjahr 1816, Berufszuordnung Zinngießermeister und nur dem Endhinweis „nach 1870“. Die NDB-Genealogie des Sohnes Hermann bezeichnet ihn ebenfalls als Zinngießermeister sowie Händler von Zinnwaren, Porzellan und Glas. Zusammen stützen beide NDB-Treffer die Berufs- und Vaterbrücke, liefern aber kein exaktes Sterbedatum. Die Kurzform „Marie Claire N. N.“ für Hermanns Mutter lässt sich mit der Chronikangabe Anna Maria Clara Vogel nur als möglicher Namensabgleich notieren; ohne Matrikelbeleg wird die Identität nicht als geklärt behandelt.
Ein unabhängiger Sachbeleg des Stadtarchivs Fürth erweitert die Gewerbebiografie: Eine „Schnabelstitze aus Zinn“ wird Johann Andreas Weigmann zugeschrieben und auf „um 1850“ datiert (Objektsignatur IX/1999). Das belegt die archivische Zuschreibung eines konkreten Gebrauchsgegenstands aus seinem handwerklichen Umfeld und macht die Zinngießerei im Alltagswarenbestand sichtbar. Es belegt weder Produktionsumfang noch den Verkauf dieses Einzelstücks durch den Fürther Laden. Zusammen mit dem bereits erfassten Fasskrug um 1840 ergibt sich eine kleine, datierte Objektgruppe, die künftig mit den 1844er und 1854er Gewerbeausstellungskatalogen und den Stadtarchivakten abgeglichen werden kann.
Überlieferte Personen und Stationen
Johann Andreas Weigmann
1816 geboren; 1830–33 Zinngießerlehre in Nürnberg; 1834–37 Gesellenwanderung; 1838 Meisterprüfung, Bürgeraufnahme und Konzession in Fürth; 1843 Heirat Anna Maria Clara Vogel; 1844 Berliner Gewerbeausstellung; 1851 Hohlglaswarenkonzession; 1859 Gemeindebevollmächtigter; 1860 Hauskauf Königstraße 246/132; 1874 Geschäftsübernahme durch Sohn Johann Stefan; 1882 Privatier; Tod 12.06.1892 laut Lokalchronik, Katalogabweichung 1896/99 offen.
Zinngießermeister, Händler und kommunal tätiger Bürger. Als Sohn des Wirts Andreas Weigmann (Goldener Schwan) und Vater von Hermann Weigmann verbindet er drei Generationen Fürther Alltags-, Familien- und Wissenschaftsgeschichte. Seine Ausbildung, Gesellenwanderung, Meisteraufnahme und Gewerbeentwicklung sind in einer archivalisch gestützten Lokalchronik detailliert rekonstruiert; das Stadtarchiv bewahrt zudem Weigmann zugeschriebene Zinnobjekte und einen noch unerschlossenen Familiennachlass. Der Personenindex der Deutschen Biographie führt 1816–„nach 1870“ (GND 127019478X); das ist mit dem chronikalischen Todesdatum 12.06.1892 vereinbar, aber kein Beleg für dieses genaue Datum. Der separat im DDB-Objektkatalog geführte Eintrag 1816–1896/99 bleibt ein ungeklärtes Sachdatensatz-Metadatum. Als konkreter Produktbeleg ist eine dem Meister zugeschriebene Schnabelstitze um 1850, Stadtarchiv Fürth IX/1999, hinzugekommen.
Historische Zuordnungen und Abgrenzungen
Johann Andreas Weigmann: Geburtsjahr und Beruf durch NDB-Index gestützt. Tod 1892 (Lokalchronik) versus DDB-Objektkatalog 1896/99 bleibt offen. Familien- und Unternehmensgeschichte basiert auf rekonstruierter Literatur und benannten, aber hier nicht vollständig kollationierten Originalbelegen. Historische Hausnummern nicht ohne Hauskonkordanz auf heutige Adressen abbilden. Keine Verbindung zu V176-010 behaupten. NDB-Endhinweis „nach 1870“ nicht als Todesdatum lesen; DDB-Lebenszeit 1816–1896/99 an einem Zinnteller bis zur Prüfung der Kataloggrundlage offen lassen.
Quellen und Literatur
Weitere nachgewiesene Fundstellen
Wanderbuchtranskription; DDB/Stadtarchiv Fürth: IX/1222, NL 42 und IX/1105; Lokalchronik mit StAF Fach 18a W 56/W 653, Fürther Tagblatt, Gewerbeausstellungskatalogen und Kirchenbüchern; NDB-Index sfz139783. Deutsche Biographie, GND 127019478X; DDB/Stadtarchiv Fürth, Schnabelstitze Sign. IX/1999; DDB-Zinnteller,.
Weitere Forschungsfragen
Prüfung der Originale StAF Fach 18a W 56 und W 653, Fürther Tagblatt-Anzeigen, Konzessions-/Bürgeraufnahmeakten, Meisterprüfungsprotokoll und Kirchenbuchbelege; Wanderbuch original und genaue DDB-Kataloggrundlage der 1896/99-Angabe einsehen; historische Hausnummernfolge gegen Häuser-/Adressregister und Umnummerierungsplan verankern; Firmenmappe nach eigenem ID-Knoten für J. A. Weigmann ergänzen, falls anhand von Gewerbe-/Adressquelle eindeutig.
Forschungsstand und historische Abgrenzungen
Die Darstellung beruht auf datierten Personen- und Betriebsnachweisen. Sie belegt nicht automatisch Eigentum, Familienbeziehungen oder den ununterbrochenen Fortbestand eines Lokals.
Einzelne Vor- und Nachfolger, historische Hausnummern und persönliche Beziehungen bleiben offen, wo die Originalquellen keine eindeutige Zuordnung erlauben.