Sportgeschichte · Fürth 1977

Kate Schmidt: Der dritte Versuch brachte den Weltrekord

Am 11. September 1977 warf Kate Schmidt auf dem Gustav-Schickedanz-Sportfeld weiter als je eine Speerwerferin zuvor. Der Fürther Wettkampf ist mit ihrer gesamten Wurfserie in der Rekordchronik des Weltverbandes dokumentiert.

In diesem Artikel 9 Kapitel und Abschnitte

Eine Olympiamedaillengewinnerin kommt nach Fürth

Kate Schmidt wurde am 29. Dezember 1953 geboren und wuchs in Long Beach in Kalifornien auf. Als sie 1977 nach Fürth kam, war die US-Amerikanerin längst eine der besten Speerwerferinnen der Welt. Bei den Olympischen Spielen 1972 und 1976 hatte sie Bronze gewonnen. Der amerikanische Verband zählt sieben nationale Titel. Ihr Auftritt in Fürth verband die örtliche Sportfestgeschichte mit der internationalen Leichtathletik. [2]

Frühes Talent und ein eigener Kopf

Long Beach war in den 1960er-Jahren ein Zentrum des amerikanischen Speerwurfs. In diesem Umfeld begann Schmidts Laufbahn früh: Schon 1968 verpasste sie als Vierzehnjährige die Aufnahme ins Olympiateam nur knapp. Im folgenden Jahr gewann sie erstmals die amerikanische Meisterschaft. Die olympischen Bronzemedaillen waren also das Ergebnis einer Entwicklung, die bereits als Jugendliche begonnen hatte. [2]

Schmidt vertrat zugleich deutliche eigene Vorstellungen vom Leben einer Spitzensportlerin. Ihre Universität Long Beach State erinnert in ihrem Hall-of-Fame-Porträt an ihre Ablehnung eines Trainingssystems, das den gesamten Alltag kontrollierte. Auch die Beschränkungen des damaligen Amateursports kritisierte sie. Das Porträt stellt ihre sportliche Selbstbestimmung neben Medaillen und Rekorde. 1993 wurde sie in die Hall of Fame der Hochschule aufgenommen. [6]

Neun Tage vorher: Platz vier in Düsseldorf

Beim Weltcup in Düsseldorf am 2. September 1977 blieb Schmidt mit 59,46 Metern auf Rang vier. Ruth Fuchs gewann mit 62,36 Metern vor Nadjeschda Jakubowitsch und Tessa Sanderson. Fürth wurde damit nicht die Fortsetzung einer gerade gewonnenen großen Meisterschaft, sondern Schauplatz einer beträchtlichen Leistungssteigerung: Zwischen Schmidts Düsseldorfer Resultat und ihrem Rekordwurf lagen neun Tage und 9,86 Meter. Die Differenz ist aus den beiden Ergebnissen berechnet; sie beschreibt keine kontinuierliche Verbesserung in jedem dazwischenliegenden Wettkampf. [5]

Fürth war laut einem zeitgenössischen Interview ihr 19. Wettkampf einer dreimonatigen Europatour. [7]

Sechs Versuche, ein historischer Wurf

Nach 62,26 und 63,82 Metern folgte im dritten Durchgang die neue Bestmarke: 69,32 Meter. Ruth Fuchs hatte den Weltrekord seit dem 10. Juli 1976 mit 69,12 Metern gehalten. Schmidt verbesserte ihn um 20 Zentimeter.

Kate Schmidts Wurfserie in Fürth, 11. September 1977
VersuchWeite
162,26 m
263,82 m
369,32 m – Weltrekord
4ungültig
561,16 m
6ungültig

Hinter Schmidt folgten Tessa Sanderson mit 55,74 Metern, Regula Egger mit 48,98 Metern und Gusti Höss mit 43,96 Metern. Das ist das Speerwurfergebnis der Rekordchronik, keine Gesamtergebnisliste des Sportfestes. [1]

Was 69,32 Meter damals bedeuteten

Schmidts Weite gehört zur Rekordgeschichte des alten Frauenspeers. 1999 wurden dessen technische Vorgaben geändert und die Rekordlisten neu begonnen. Der Schwerpunkt des Geräts wurde nach vorn verlagert. Deshalb lässt sich der Fürther Rekord nicht allein anhand der Meterzahl mit Bestleistungen des heutigen Speers vergleichen: Zur Einordnung gehören immer Gerät und Regelstand. Eine sporthistorische Bestmarke verliert durch den späteren Neubeginn der Statistik nicht ihre Bedeutung. [8]

Fürth in der internationalen Sportpresse

Schon am folgenden Tag meldete die Zeitung Neues Deutschland den Fürther Weltrekord. Der frei zugängliche Anriss nennt die Athletin als Kathy Schmidt und bestätigt Ort und Weite. Die Schreibweise unterscheidet sich von „Kate“ in der Verbandsbiografie; gemeint ist dieselbe Speerwerferin. [3]

Was von diesem Sporttag blieb

Ruth Fuchs löste Schmidt am 13. Juni 1979 mit 69,52 Metern in Dresden wieder als Weltrekordhalterin ab. Der Fürther Wurf hatte damit fast zwei Jahre Bestand. Schmidts Start in Fürth macht sie zu einer wichtigen Person der örtlichen Sportgeschichte, ohne eine Mitgliedschaft im LAC Quelle zu belegen. [1]

Die weitere Laufbahn verlief nicht geradlinig von Rekord zu Olympiagold. Schmidt gehörte zum amerikanischen Olympiateam von 1980, das nicht an den Moskauer Spielen teilnahm. Bei der Qualifikation für 1984 wurde sie Vierte und verpasste das Team. Ihre beiden olympischen Medaillen blieben Bronze von 1972 und 1976. Der Fürther Weltrekord steht deshalb als eigener Höhepunkt neben ihren Olympiastarts. [2]

Wie die sportlichen Möglichkeiten in Fürth entstanden, zeigt auch die Geschichte des Organisators Karl-Heinz Conrad. Seine im Vereinsnachruf beschriebenen Kontakte zur WBG und zu Gustav Schickedanz verbinden Sportförderung und Stadtgeschichte.

Die Rekordfolge im Überblick

  1. 10. Juli 1976, Berlin: Ruth Fuchs wirft 69,12 Meter.
  2. 11. September 1977, Fürth: Kate Schmidt steigert den Weltrekord auf 69,32 Meter.
  3. 13. Juni 1979, Dresden: Ruth Fuchs übernimmt ihn mit 69,52 Metern zurück.

Alle drei Leistungen stammen aus der damaligen Rekordliste mit dem alten Speer. [1]

Quellen

  1. [1]Richard Hymans und Imre Matrahazi (Hg.): Progression of IAAF World Records, IAAF 2015, S. 339–340. Rekorddatum, Ort, Wurfserie, Speerwurfergebnis und Rekordfolge.↩ Zur Textstelle
  2. [2]USA Track & Field: Kate “The Great” Schmidt. Verbandsbiografie und olympische Erfolge.↩ Zur Textstelle
  3. [3]Neues Deutschland, 12. September 1977: „Kathy Schmidt mit neuem Speerwurf-Weltrekord“. Zeitgenössische Meldung; ausgewertet wurde der frei zugängliche Anriss.↩ Zur Textstelle
  4. [4]Bertram Böhm: Karl-Heinz Conrad verstorben, TV Fürth 1860, 20. April 2023. Rückblick auf die organisatorischen Voraussetzungen.
  5. [5]IAAF: Statistikhandbuch zum Continental Cup, Split 2010, S. 82. Rückblick auf das Weltcup-Speerwerfen am 2. September 1977; Ergebnis im Scan geprüft.↩ Zur Textstelle
  6. [6]Long Beach State University Athletics: Kate Schmidt, Hall of Fame, Aufnahme 1993. Hochschulporträt mit Rückblick auf ihre Haltung zum Amateursport.↩ Zur Textstelle
  7. [7]Robert Fachet: Schmidt Sets Javelin Record Her Way, Washington Post, Dezember 1977. Zeitgenössischer Hinweis auf die Europatour; keine wörtliche Übernahme.↩ Zur Textstelle
  8. [8]World Athletics: From Held to Hohn and beyond – the evolution of the javelin. Technische Einordnung und Neustart der Frauenrekorde 1999.↩ Zur Textstelle

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