Personenbiografie · LAC Quelle · Wohnungsbau und Stadtentwicklung · 2. November 2026
Karl-Heinz Conrad
In diesem Artikel 10 Kapitel und Abschnitte
1936–2023 · LAC Quelle · Wohnungsbau und Stadtentwicklung
Karl-Heinz Conrad wirkte an zwei sehr unterschiedlichen Orten für Fürth: im Vorstand des LAC Quelle und an der Spitze der städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Während der Verein internationale Erfolge und Sportfeste erlebte, veränderten sich auch die Aufgaben des kommunalen Wohnungsbaus. Seine Biografie verbindet die Organisation des Sports mit dem Wandel ganzer Wohnquartiere.
1967 nach Fürth, 1969 an die Spitze des LAC
Der Vereinsnachruf von Bertram Böhm berichtet, dass der 1936 in Berlin geborene Diplom-Betriebswirt 1967 beruflich nach Fürth kam. Über Hans Maisch und Reiner Faika fand er zur Leichtathletik. Am 10. November 1969 wurde er zum ersten Vorsitzenden des LAC Quelle gewählt; 1978 gab er das Amt ab.
Die Vereinschronik bezeichnet den 10. November 1969 als Umbenennung der Leichtathletikabteilung des TV Fürth 1860. Der neue Name stand somit für eine veränderte Phase innerhalb eines bereits bestehenden Turnvereins. Die Rückschau verbindet die Entwicklung des LAC ausdrücklich auch mit seinen Veranstaltungen.
Die erste Jahresbilanz: viel Arbeit vor dem Olympiasieg
Die von Gert Kuntermann bearbeitete Fürther Chronik verzeichnet unter dem 26. Februar 1971 eine Bilanz, die Conrad für das vorausgegangene Sportjahr bekanntgab. Die Aktiven des LAC Quelle hatten 1970 an neunzig Veranstaltungen teilgenommen. Bei 825 Starts erreichten sie 220 erste Plätze; außerdem werden zwölf Einsätze im Nationaltrikot, fünf deutsche Vizetitel und 24 bayerische Meisterschaften genannt.
Die Zahlen stammen aus einer späteren Chronikbearbeitung der damaligen Berichterstattung. Sie beschreiben den vom Clubchef vorgestellten Jahresrückblick und sind keine hier neu ausgezählte Ergebnisstatistik. Ihr Wert liegt im Zeitpunkt: Schon vor Kannenbergs olympischem Gold musste ein umfangreicher Wettkampfbetrieb organisiert werden. Fahrten, Meldungen und Betreuung betrafen viele Aktive und wiederkehrende Termine.
Conrads Tätigkeit erscheint so auch außerhalb der berühmten Erfolgstage. Wer einen Verein auf dieser Ebene führte, brauchte einen Überblick über das ganze Sportjahr. Der spätere Olympiasieg überstrahlte diese alltägliche Vereinsarbeit, beruhte aber auf einer Organisation, die nicht erst im September 1972 entstand.
Quellen zu diesem Abschnitt: [6]
Der Organisator hinter Training und Wettkampf
Böhm erinnert an Vorstandssitzungen in WBG-Räumen auf der Hardhöhe. Dort ging es um Staffelbesetzungen, Trainingslager, Neuzugänge und Ernährungskostenzuschüsse. Conrad unterstützte besonders das Umfeld der Geher. In seine Vorsitzendenzeit fiel auch Bernd Kannenbergs Olympiasieg von 1972.
Der Nachruf nennt eine von Conrad initiierte Läuferwohnung in der Kaiserstraße 1 und seine Bitte an Gustav Schickedanz, die Kunststoffbahn in Dambach zu finanzieren. Das sind konkrete Erinnerungen an Sportförderung. Eine tatsächlich geleistete Zahlung oder Einzelheiten eines Mietvertrags belegen sie nicht.
Quellen zu diesem Abschnitt: [1]
1972–2000: Verantwortung für die WBG
Der städtische Nachruf datiert Conrads Geschäftsführung auf die Jahre 1972 bis 2000. Der berufliche Zuzug 1967 und der spätere Beginn der Geschäftsführung sind damit verschiedene Stationen. Von 1972 bis 1978 überschnitten sich die beiden Leitungsaufgaben.
Die WBG besteht seit 1957 und versteht sich als kommunales Wohnungsunternehmen mit sozialem Auftrag. In Conrads Amtszeit gehörten Neubau und Modernisierung zum Alltag: Der Nachruf nennt ein 13-geschossiges Wohnhaus in Oberfürberg sowie die Umstellung von 867 Wohnungen von Stadt- auf Erdgas im Jahr 1975. Die Arbeit reichte damit vom einzelnen Bauprojekt bis zur technischen Erneuerung eines großen Wohnungsbestands.
Die Kalb-Siedlung: aus Militärwohnungen wird ein Stadtquartier
Nach dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte mussten ehemalige Militärflächen neu genutzt werden. Diese Umwandlung wird Konversion genannt. Ab 1996 prägte sie die letzte Phase von Conrads WBG-Amtszeit. Der städtische Nachruf nennt 1234 Wohnungen und 54 Dachgeschosswohnungen in der Kalb-Siedlung; erste Mieter konnten im Januar 1997 einziehen.
Bernd Jesussek schildert in seiner Darstellung der Fürther Konversion, wie stark die Nachfrage nach den Wohnungen war. Bauamt, WBG und Planer arbeiteten an Gebäuden und Außenanlagen. Parkplätze sollten durch Bäume, Hecken, Rasen und Gärten aufgelockert werden. Zur Aufgabe gehörten also nicht allein Vermietung und Verkauf, sondern auch die Gestaltung des Wohnumfelds.
In einer überlieferten Episode ließ Conrad für wartende Interessenten eine Imbissbude mit Glühweinausschank aufstellen. Die kleine Szene aus der Vermarktung macht die Größenordnung des Andrangs anschaulich. Sie ist in Jesusseks Rückblick dokumentiert und keine rekonstruierte Alltagsszene.
Wenn mehr Menschen kaufen wollen, als Wohnungen vorhanden sind
Der städtische Nachruf nennt eine konkrete Schwierigkeit bei der Vergabe ehemaliger Offizierswohnungen: Für 36 zum Verkauf stehende Wohnungen meldeten sich mehr als 150 Interessenten. Die Käufer mussten durch Los ermittelt werden. Für ein kommunales Wohnungsunternehmen bedeutete die Konversion damit nicht nur, Gebäude instand zu setzen und Angebote bekanntzumachen. Es musste auch mit einer Nachfrage umgehen, die das verfügbare Angebot deutlich überstieg.
Diese Episode ergänzt den großen Überblick über die Kalb-Siedlung um eine einzelne Entscheidungssituation. Für die Interessenten ging es um eine Wohnung; für die WBG um ein Verfahren bei begrenztem Bestand. Eine persönliche Auswahl einzelner Käufer durch Conrad lässt sich aus der Mitteilung gerade nicht ableiten.
Quellen zu diesem Abschnitt: [3]
Eine Sanierung mit schwieriger Nachgeschichte
1998 wurden Schadstoffbelastungen in Wohnungen der Kalb-Siedlung bekannt. Der städtische Nachruf beschreibt Bodensanierungen bis 2001. Jesussek ordnet den Vorgang ausführlicher in die Geschichte der Konversion ein. Der zunächst gefragte neue Wohnraum wurde damit auch zur technischen und finanziellen Herausforderung.
Der Abschluss der Sanierungen lag nach dem Ende von Conrads Geschäftsführung im Jahr 2000. Seine Biografie darf deshalb weder die gesamte Konversion ihm allein zuschreiben noch spätere Arbeiten seiner Amtszeit zurechnen. Sichtbar wird die Verantwortung eines kommunalen Geschäftsführers innerhalb eines größeren Geflechts aus Stadt, Bund, Planern, Handwerksbetrieben und Bewohnerschaft.
Zwei Perspektiven auf ein Fürther Leben
Sportverein und Stadt erinnern an unterschiedliche Seiten seines Wirkens: an Unterstützung für Athleten einerseits und Entscheidungen für die WBG andererseits. Gerade nebeneinander zeigen diese Quellen, wie eng berufliche Kontakte, Ehrenamt und Stadtentwicklung ineinandergreifen konnten.
Nach dem Rückzug aus dem Vereinsvorsitz blieb Conrad laut Böhm als Walker im Stadtwald unterwegs. Er starb am 10. April 2023 in Worms. Die biografische Verbindung von Sport und Wohnungsbau reicht damit von den Aufbruchsjahren des LAC bis zu den Veränderungen der Fürther Südstadt nach dem Ende der amerikanischen Garnison.
Wie Quelle den Fürther Spitzensport veränderte →
Weiterführende Lebensgeschichten
- Bernd Kannenberg – Sein Olympiasieg 1972 fiel in Conrads Vorsitzendenzeit; der Gehsport war ein Schwerpunkt der Vereinsunterstützung.
Historische Quellen und ihre Aussagekraft
- [1]Bertram Böhm: Karl-Heinz Conrad verstorben, TV Fürth 1860, 20. April 2023
Vereinsnachruf mit persönlichen Erinnerungen, Lebensstationen und Amtszeit im LAC.
↩ Zur Textstelle - [2]TV Fürth 1860: Hall of Fame, Rückblick Werner Kaminski, November 2019
Umbenennung der Leichtathletikabteilung am 10. November 1969 und Veranstaltungsarbeit.
↩ Zur Textstelle - [3]Stadt Fürth und WBG: Nachruf, IN.FÜ 09/2023, 10. Mai 2023, S. 9
Städtische Darstellung der Geschäftsführung 1972–2000, Wohnungsprojekte und Kalb-Siedlung. Altersangabe 86 abweichend von 87 im Vereinsnachruf; keine Alterszahl im Artikel übernommen.
↩ Zur Textstelle - [4]Bernd Jesussek: Überraschende Jahrhundertaufgabe. Konversion! Die Südstadt verändert ihr Gesicht, S. 100–117
Darstellung der Konversion; besonders S. 111–113 zu Erwerb, Umbau, Vermarktung und Sanierungsproblemen. Text und relevante Doppelseite im Scan geprüft.
↩ Zur Textstelle - [5]WBG Fürth: Über uns
Unternehmensdarstellung zum Gründungsjahr 1957 und zum kommunalen und sozialen Auftrag. Keine Rückprojektion heutiger Tochterunternehmen auf Conrad.
↩ Zur Textstelle - [6]Gert Kuntermann: Fürth 1971, Bearbeitung der Fürther Geschichtswerkstatt, gekürzt von Bernd Jesussek für FürthWiki, 5. Januar 2025, S. 12
Spätere Chronikbearbeitung, PDF-Seite bildgeprüft. Eintrag 26. Februar 1971 über Conrads Bilanz für das Sportjahr 1970; Zeitungsoriginal nicht eingesehen. Veranstaltungen, Starts, Siege und Nationaltrikoteinsätze nicht mit Personenzahlen gleichgesetzt.
↩ Zur Textstelle