Stadtgeschichte · Forschungsbeitrag · 12. Oktober 2026
Wie ein Verein Fürths Stadtbild veränderte
Ein Brunnen für die Hopfenstadt, Wege durch die Flussauen, Baumpflanzungen und Stege: Der Verschönerungsverein der Stadt Fürth und Umgebung arbeitete jahrzehntelang am öffentlichen Stadtraum. Seine Geschichte erzählt von ehrenamtlicher Initiative, bürgerlichen Stiftungen und der Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.
1879: Ein Verein entsteht
Die [2] schildert für den 5. Juni 1879 einen Umwandlungsbeschluss im Hotel Nett. Für den 3. Juli 1879 nennt sie die Gründungsversammlung des allgemeinen Verschönerungsvereins. Der heutige Gartenbauverein führt seine neue Gründung auf den 19. Februar 1885 zurück. Das sind drei getrennt zu dokumentierende Organisationsvorgänge: Eine rechtliche Kontinuität zwischen den Vereinen ist nicht automatisch bewiesen.
Im [1], sind unter anderem Satzungen, Protokolle, Rechnungsunterlagen, Mitgliederverzeichnisse und Maßnahmen zur Stadtgestaltung verzeichnet. Das Findbuch belegt die Existenz der Unterlagen; deren Inhalt muss für rechtliche Detailfragen noch im Original geprüft werden.
Promenaden, Stege und Aufenthaltsorte
Der Bestand NL 73 nennt die Pflanzung von Baumalleen am Dambacher Weg und am Fronmüllersteg, Wege zum Espan, den Engelhardtsteg (1890) und den Fronmüllersteg (Anlage und Unterhalt, ab 1886). Ein Plan für den im Findbuch „Kartsteg“ genannten Übergang stammt aus dem Dezember 1881; die Eröffnung wird dort auf den 24. Juni 1882 datiert. Die historische Namensform sollte nicht ohne Einzelaktenprüfung mit einem anders benannten Steg gleichgesetzt werden.
Für einen Rednitzsteg hinter dem Schießhaus – im Findbuch als späterer Käppnersteg bezeichnet – liegen Vorgänge von 1908/09 vor. Ein [4] nennt 1912 als Fertigstellung des Käppnerstegs und den 12. April 1945 als Tag seiner Sprengung. Vereinsakte, Bauabschluss und Kriegszerstörung sind eigenständige historische Ereignisse.

1907: Der Hopfenpflückerbrunnen
Am 27. September 1907 wurde an der Königswarterstraße, Ecke Gabelsbergerstraße, ein vom Verein gestifteter Brunnen enthüllt. Der Münchner Bildhauer Josef Köpf schuf die bronzene Hopfenpflückerin. Laut [3] trug der Verschönerungsverein sämtliche Kosten von 5.707 Mark; die Stadt übernahm Betrieb und Unterhalt. Der Standort erinnerte an Fürths einst bedeutenden, auch von jüdischen Kaufmannsfamilien geprägten Hopfenhandel.
Die Bronzefigur wurde während des Zweiten Weltkriegs entfernt und ging verloren. Die verbliebene Brunnenanlage wurde 1954 abgebrochen. Mit ihr verschwand ein Denkmal für einen wichtigen Teil der Fürther Wirtschafts- und Sozialgeschichte.
Was noch zu klären ist
Weitere Archivbetreffe betreffen einen Musikpavillon in der Englischen Anlage (1901/02), ein Wetterhäuschen (1912), Pflanzungen, Sitzbänke, die Zusammenarbeit mit dem Stadtgartenamt und Vorschläge zur Straßenbenennung (1915). Nicht jeder im Archiv genannte Plan wurde ausgeführt. Für 1934 führt der Vereinsbestand einen Vorgang zur Gleichschaltung; eine [5] betrifft die Schenkung des aufgelösten Vereins. Der genaue Auflösungszeitpunkt bleibt ohne Originalakte offen.
Quellen und Nachweise
- [1]Stadtarchiv Fürth, NL 73: Bestandsbeschreibung, 1879–1937.↩ Zur Textstelle
- [2]Gartenbauverein Fürth 1885: Chronik, retrospektive Vereinsdarstellung.↩ Zur Textstelle
- [3]Deutsches Hopfenmuseum: Der Fürther Hopfenpflückerbrunnen, 6. Juli 2026.↩ Zur Textstelle
- [4]Stadtarchiv Fürth, A 8808: Käppnersteg.↩ Zur Textstelle
- [5]Stadtarchiv Fürth, AGr. 9/3998: Schenkung des aufgelösten Vereins.↩ Zur Textstelle
Quellenkritik: Archivfindbücher sind Bestandsnachweise, nicht die eingesehenen Originalakten. Ungesicherte Personen-, Vereins- oder Bauwerksidentitäten bleiben getrennt.