Stadt Fürth

Fürther Vereinsgeschichte

Verschönerungsverein Fürth

Ein Verein, der Wege, Stege und Brunnen plante, hinterließ Spuren bis in die Stadtkarte. Die Geschichte des Verschönerungsvereins handelt von Bürgerinitiative, privaten Geldern, städtischem Unterhalt und dem Streit darum, wem der öffentliche Raum gehört.

Geschichte und prägende Stationen

1879: Vom Gartenbau zur Gestaltung der ganzen Stadt

Am 5. Juni 1879 beschloss die Generalversammlung des älteren Gartenbauvereins im Hotel Nett die Umwandlung in einen Verschönerungsverein. Am 3. Juli folgte nach der Vereinschronik die Gründungsversammlung. Die Ziele reichten nun über private Gärten hinaus: Baumalleen, Flussübergänge, Promenaden und Aufenthaltsorte sollten Fürth verändern. Als 1885 wieder ein neuer Gartenbauverein entstand, bestanden zwei unterschiedlich ausgerichtete Organisationen nebeneinander. Ob die Umwandlung 1879 eine juristische Neugründung war, lässt sich nur anhand der Satzungen entscheiden.[4]

Stege über die Flüsse: Geschichte in konkreten Akten

Das Stadtarchiv Fürth weist im Bestand NL 73 Korrespondenz über Alleen am Dambacher Weg, Anlagen im Espan und mehrere Flussstege nach. Für den im Findbuch genannten Kartsteg liegen ein Plan von 1881 und eine Eröffnung 1882 vor; der Fronmüllersteg und der Engelhardtsteg sind als eigene Vorhaben erschlossen. Entscheidend ist die Trennung von Plan, Finanzierung, Genehmigung, Bau und späterem Unterhalt. Ein Aktentitel allein beweist nicht, dass jedes geplante Projekt vollständig umgesetzt wurde.[5]

Der Hopfenpflückerbrunnen von 1907: Private Initiative, öffentliche Erinnerung

Am 27. September 1907 enthüllte der Verein an der Königswarterstraße einen Brunnen des Bildhauers Josef Köpf. Das Deutsche Hopfenmuseum nennt 5.707 Mark Gesamtkosten, getragen vom Verschönerungsverein, während die Stadt für Betrieb und Unterhalt zuständig werden sollte. Der Brunnen würdigte den Hopfenhandel als Teil der Fürther Wirtschaftsgeschichte und berührt damit die Firmen- und Familiengeschichte der Hopfenhändler. Die Bronzefigur verschwand während des Zweiten Weltkriegs, die Restanlage wurde 1954 entfernt. Das Schicksal eines Vereinsprojekts ist hier zugleich eine kleine Geschichte des Stadtbilds.[6]

1934 bis 1938: Gleichschaltung und offenes Ende

Im Archivbestand NL 73 wird ein Vorgang zur Gleichschaltung 1934 aufgeführt. Eine zweite städtische Akte AGr. 9/3998 behandelt 1936–1938 die Schenkung aus dem Vermögen des aufgelösten Vereins. Der genaue Auflösungsbeschluss und die Empfänger des gesamten Vermögens sind damit noch nicht vollständig nachgewiesen. Weder aus dem Wortlaut des Findbuchs noch aus einer späteren Stadterneuerung darf man automatisch eine nahtlose Rechtsnachfolge konstruieren.[7]

Nach 1945: Gebäude, Wege und Brunnen überdauern einen aufgelösten Verein

Die Nachkriegsgeschichte des Verschönerungsvereins ist vor allem eine Geschichte seines materiellen Nachlasses, nicht eines nachgewiesenen fortbestehenden Rechtsträgers. Die nach früherer archivalischer Erschließung 1936–1938 abgewickelte Organisation hatte die Stadt mit Wegen, Grünanlagen und dem Hopfenpflückerbrunnen geprägt. Der Brunnen selbst verschwand als bauliches Objekt bis 1954. Auch der seit 1975 aktive Altstadtverein verfolgt heute stadtgestalterische Ziele, ist aber ohne Register- und Gründungsnachweis kein juristischer Rechtsnachfolger des Verschönerungsvereins. Objekt-, Funktions- und Rechtsnachfolge sind hier strikt getrennt.[6]

Weitere überlieferte Angaben zur Vereinsgeschichte

Anfänge und historische Entwicklung

Der Verschönerungsverein Fürth ist spätestens am 15. August 1888 nicht nur als Name, sondern durch eine konkrete stadtgestalterische Maßnahme belegt: Er ließ auf eigene Kosten eine zur Eisenbahn gehörige, rund 121 Meter lange Füllgrube am Dambacher Weg zum Fronmüllersteg als Anlage mit Bänken umgestalten. Die spätere Chronik hält auch fest, dass diese Anlage einer weiteren Nutzung weichen musste und Bäume umgesetzt wurden. Das Vereinsregister von 1891 nennt seine Zwecke und einen Vorstand. Ob dieser Verein organisatorisch mit dem 1855 gegründeten Gartenbauverein verbunden war, bleibt eine separate Frage; die gleiche Tätigkeit rechtfertigt keine automatische Verschmelzung.

Menschen und Vereinsarbeit

  • Dr. Bernhard Fronmüller: Vorstand · 1891 · prakt. Arzt[1]

Historische Stationen im Überblick

  1. 1929 · Der Verschönerungsverein pflanzt im Stadtpark nahe dem Mädchenhort eine Linde zum Andenken an Hans Humbser. Ort: Stadtpark / Nähe Mädchenhort.[2]
  2. 1888-08-15 · Umgestaltung einer 121 Meter langen Eisenbahn-Füllgrube zu einer Anlage mit Sitzbänken. Ort: Dambacher Weg zum Fronmüllersteg.[3]
  3. 1879-07-03 · Gründung nach Chronik im Hotel Nett; Archiv NL73 bestätigt 1879 als Gründungsjahr. Ort: Hotel Nett, Fürth.[4][5]
  4. 1881–1882 · NL73 nennt Kartsteg Plan Dez. 1881 und Eröffnung 24.06.1882; städtische Sammlung nennt Karlsteg. Ort: Karlsteg, Fürth.[5][8]
  5. 1901–1902 · NL73 verzeichnet Pavillon Englische Anlage; Bender nennt Einrichtung 1902 durch Verein. Ort: Englische Anlage.[5][9]
  6. 1910 · Bender berichtet von 43 Eichen am Bismarckturm auf der Hard; Findbuch NL73 enthält dortigen Anlagennachweis. Ort: Hard / Bismarckturm.[9][5]
  7. 1934 · NL73 enthält Aktenkomplex Gleichschaltung 1934. Ort: Fürth.[5]
  8. 1936–1938 · Stadtarchiv AGr. 9/3998 führt Schenkung des aufgelösten Verschönerungsvereins Fürth, Laufzeit 1936–1938. Ort: Fürth.[7]

Verbindungen in Fürth

Offene Fragen und Forschungsstand

Bislang ist nicht vollständig geklärt, wo sich seine Mitglieder trafen und wie lange er bestand.

Quellen

  1. [1]Adressbuch Fürth 1891, Scan 535
  2. [2]dokumen.pub
  3. [3]fuerthwiki.de
  4. [4]Quellengestützte Vereinschronik; Original nicht selbst autopsiert
  5. [5]Archivfindbuch: Bestand nachgewiesen, keine vollständige Aktenautopsie
  6. [6]Quellengestützte Vereinschronik; Original nicht selbst autopsiert
  7. [7]Archivfindbuch: kein eingesehener Schenkungsvertrag
  8. [8]Vereinschronik: 1881–1882
  9. [9]Vereinschronik: 1901–1902

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