Die Sahlmannvilla am Bahnhofplatz 4
Ein Fürther Haus zwischen Handelsgeschichte, Verfolgung und Denkmalverlust
Ein repräsentatives Haus am Bahnhofplatz
Die Villa am Bahnhofplatz 4 stand für den Wohlstand der Fürther Handelsstadt des 19. Jahrhunderts. Der großzügige Bau mit Garten, Säulenhalle und Brunnen prägte den Bahnhofplatz über Generationen. Die überlieferte Häuserbeschreibung nennt 18 Zimmer; die genaue historische Raumfolge muss anhand von Bauplänen rekonstruiert werden. [1] [2]
1867: Bau für Zacharias Adelsdorfer
Nach der Häuserdokumentation entstand das Gebäude 1867 für den Kaufmann Zacharias Adelsdorfer nach einem Entwurf des Baurats Friedrich Friedreich. Anton Sahlmann war damit nicht der ursprüngliche Bauherr. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil spätere Darstellungen die Baugeschichte verkürzen. Die Originalbauakte ist noch nicht eingesehen. [1]
1876: Das Haus der Familie Sahlmann
Anton Sahlmann, ein jüdischer Hopfenhändler, erwarb das Anwesen nach der Häuserdokumentation 1876. Das Haus wurde zum sichtbaren Ausdruck einer wirtschaftlich und gesellschaftlich bedeutenden Fürther Familie. Die Adressbücher nennen weitere Sahlmann-Namensträger; daraus darf ohne Personenstandsbelege keine vollständige Familienzuordnung abgeleitet werden. [1] [4]
1906: Königlicher Besuch
Die Überlieferung verbindet die Villa mit dem Fürther Aufenthalt des bayerischen Prinzen Ludwig im Jahr 1906. Ob und in welcher Form er dort empfangen oder untergebracht wurde, sollte anhand der zeitgenössischen Festberichte präzisiert werden. Der Vorgang zeigt die herausgehobene öffentliche Rolle des Hauses. [1]
1941: Verfolgung und Eigentumsentzug
Die Häuserdokumentation nennt für den 2. Oktober 1941 einen Verkauf an die NS-Volkswohlfahrt für 86.600 Reichsmark bei einem angesetzten Wert von 127.000 Reichsmark. Der Kaufpreis sei auf ein Gestapo-Sonderkonto geflossen. Die Angaben sind gravierende Hinweise auf NS-verfolgungsbedingten Vermögensentzug; sie sind hier ausdrücklich als Angaben einer Sekundärdokumentation gekennzeichnet. Grundbuch, Kaufvertrag, Eigentümerfolge und Rückerstattungsakten müssen einzeln geprüft werden. Der Verkauf fand Jahrzehnte nach Anton Sahlmanns Tod statt und ist nicht ihm persönlich zuzuschreiben. [1]
1982: Streit um den Erhalt
Noch 1982 dokumentierte die Bürgervereinigung Altstadtviertel St. Michael ihren Protest gegen den geplanten Bankneubau und den Verlust der Villa. Diese zeitgenössische Stellungnahme ist ein wichtiger eigenständiger Beleg für die öffentliche Auseinandersetzung. Der spätere Abbruch gehört zur Fürther Geschichte des Denkmalschutzes und des Umgangs mit historischer Bausubstanz. [2] [3]
Was die Quellen noch nicht beantworten
Offen sind die Bauakte von 1867, der notarielle Erwerb 1876, die vollständige Eigentumskette bis 1941, NS-Verfolgungs- und Rückerstattungsakten, die Abbruchgenehmigung und Bildrechte historischer Aufnahmen. Diese Lücken werden nicht durch Vermutungen geschlossen. [1] [2] [3]
Bildüberlieferung
Eine historische Ansicht der Villa ist beim Denkmalnetz Bayern dokumentiert. Eine Übernahme auf diese Seite erfolgt erst nach Klärung der Nutzungsrechte; ein bloßer Fund im Internet ist keine freie Bildlizenz.
Verbindungen im Museum
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