Stadt Fürth

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Anton Sahlmann

Hopfenhandel, Bahnhofplatz und Stiftung

In diesem Artikel 12 Kapitel und Abschnitte

Ein Hopfenhändler in der wachsenden Handelsstadt

Anton Sahlmann (1834–1909) gehörte zur jüdischen Kaufmannschaft Fürths. Sein Vermögen beruhte auf dem Hopfenhandel, der Fürth und Nürnberg mit den Märkten des internationalen Brauwesens verband. Die zeitgenössischen Adressbücher dokumentieren mehrere Sahlmann-Namensträger mit unterschiedlichen Handelsfunktionen. Daraus ergibt sich ein Forschungsnetz, aber noch kein lückenloser Stammbaum.

Die Villa: Bauherr, Eigentümer und Stadtbild

Das Haus Bahnhofplatz 4 wurde nach einer detaillierten Häuserdokumentation 1867 für den Kaufmann Zacharias Adelsdorfer nach Entwurf von Baurat Friedrich Friedreich errichtet. Anton Sahlmann erwarb die Villa 1876. Die Anlage besaß laut Beschreibung 18 Zimmer, Säulenhalle, Veranda, Balkone und einen großen Garten mit Brunnen. Einzelne spätere Veröffentlichungen bezeichnen Sahlmann selbst als ursprünglichen Bauherrn; diese widersprechende Angabe ist ohne Bauakte nicht zu übernehmen.

1906: Ein königlicher Gast

Beim Besuch des bayerischen Prinzen Ludwig, des späteren Königs Ludwig III., in Fürth 1906 wurde dieser in der Sahlmannvilla empfangen beziehungsweise untergebracht. Die Episode veranschaulicht die gesellschaftliche Stellung der Familie. Sie gehört zugleich in den Zusammenhang der Feierlichkeiten zur Zugehörigkeit Fürths zu Bayern und der Eröffnung des Berolzheimerianums. Die zeitgenössische Festpresse könnte Ablauf und Gäste näher belegen.

Familie, Verfolgung und Verlust des Hauses

Die Häuserdokumentation nennt als Kinder Antons Robert Sahlmann (1874–1944), Paul Sahlmann (geboren 1884) und Clementine Biermann (1879–1949). Die weiteren biografischen Schicksale dieser Personen müssen anhand von Personenstands-, Emigrations- und Verfolgungsakten vertieft werden. Besonders schwer wiegt der spätere Eigentumsverlust: Die Dokumentation beschreibt den Verkauf des Hauses am 2. Oktober 1941 an die NS-Volkswohlfahrt zu einem Preis unter dem angegebenen Wert und eine Überweisung auf ein Gestapo-Sonderkonto. Diese Angaben legen einen NS-verfolgungsbedingten Vermögensentzug nahe; die rechtliche und persönliche Eigentumskette ist an der Grundakte zu verifizieren.

Vom Herrschaftshaus zum verlorenen Baudenkmal

Die Villa überstand zunächst die Kriegszeit, wurde aber Anfang der 1980er-Jahre trotz öffentlicher Proteste abgebrochen. An ihre Stelle trat ein 1984 eröffneter Bankneubau. Die Geschichte des Grundstücks verbindet damit bürgerlichen Wohlstand, antisemitische Verfolgung, Nachkriegseigentum und den umstrittenen Umgang mit historischem Stadtbild.

Die Anton-Sahlmann-Stiftung

Das Stadtarchiv Fürth verzeichnet Unterlagen zur Anton-Sahlmann’schen Stiftung für Ferienkolonien, darunter eine Rechnungsüberlieferung für 1932/33. Sie ist ein wichtiger Ansatzpunkt, um neben Handel und Hausbesitz auch Sahlmanns gemeinnütziges Wirken zu rekonstruieren. Gründungsdatum, Satzung, Empfänger und Stiftungsverwaltung sind noch nicht durch Einsicht in die Originalakte geprüft.

Quellenkritische Aufgaben

Offen bleiben insbesondere die originale Bauakte von 1867, der Kaufvertrag von 1876, die Eigentums- und Zwangsverkaufskette von 1941, die Akten zu Entschädigung und Rückerstattung, die Stiftungssatzung sowie die gesicherte Zuordnung der gleichnamigen Hopfenhändler Josef/Joseph und Siegfried Sahlmann.

Die Verkaufsunterlagen von 1941 [1]

Die Häuserdokumentation von Gisela Naomi Blume nennt für den 2. Oktober 1941 einen Kaufpreis von 86.600 Reichsmark bei einem angesetzten Objektwert von 127.000 Reichsmark. Käuferin war die NS-Volkswohlfahrt; der Betrag wurde demnach auf ein Gestapo-Sonderkonto geleitet. Dies sind konkrete Hinweise auf einen verfolgungsbedingten Vermögensentzug, die anhand von Kaufvertrag, Grundbuch und Rückerstattungsakten weiter überprüft werden müssen.

Der Protest gegen den Abriss [3]

Die Bürgervereinigung Altstadtviertel St. Michael wandte sich in einer Stellungnahme vom 3. November 1982 gegen den geplanten Bankneubau auf Kosten der Sahlmannvilla. Das zeitgenössische Dokument zeigt, dass der Verlust des Baudenkmals öffentlich umstritten war. Zeitgenössische Stellungnahme im Altstadtbläddla 1982.

Zur ausführlichen Bau- und Eigentumsgeschichte der Sahlmannvilla

Historische Ansichten

Eine historische Ansicht der Villa mit Centaurenbrunnen ist beim Denkmalnetz Bayern dokumentiert. Das Bild wird hier aus urheberrechtlichen Gründen zunächst verlinkt statt ohne geklärte Bildlizenz übernommen.

Verbindungen im Museum

Weitere Zusammenhänge erschließen die Bereiche Firmen und Hopfenhandel, Häuser und Baugeschichte sowie Personen und Familien. Bauherr Zacharias Adelsdorfer und der spätere Eigentümer Anton Sahlmann sind zu unterscheiden.

Quellen

  1. Gisela Naomi Blume: Bahnhofplatz – Häuserdokumentation
  2. Denkmalnetz Bayern: Sahlmann-Villa in Fürth
  3. Stadtheimatpflege Fürth: Fiorda, historische Einordnung
  4. Stadtarchiv Fürth: Beständebeschreibung

Fachübergreifender Forschungsstand und offene Quellenfragen

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