Kleeblattmuseum · Biografien und historische Zusammenhänge
Weitere Menschen der Hardhöhe
Vier Lebenswege zwischen der älteren Siedlungsplanung, jüdischem Neubeginn und dem genossenschaftlichen Wohnungsbau. Nicht jede Person wohnte nachweislich selbst auf der Hardhöhe.
Jean Mandel (1911–1974)
Wiederaufbau jüdischen Lebens in Fürth
Jean Mandel, 1911 geboren und 1974 gestorben, gehörte nach der Befreiung 1945 zu den Persönlichkeiten, die den Wiederaufbau jüdischen Gemeindelebens in Fürth prägten. Das Haus der Bayerischen Geschichte nennt ihn gemeinsam mit Rabbiner David Spiro als entscheidenden Akteur bei der Erneuerung der Gemeinde.
Mandel ist für die Geschichte der Hardhöhe als Teil der Fürther jüdischen Nachkriegsgeschichte wichtig. Die DP-Unterkünfte auf der Hardhöhe und die wieder entstehende örtliche jüdische Gemeinde waren jedoch nicht dieselbe Institution. Eine persönliche Funktion Mandels als Lagerleiter der Hardhöhe ist mit den herangezogenen Quellen nicht belegt.
Die nächsten biografischen Prüfungen betreffen Mandels Herkunft, berufliche Tätigkeit, konkrete Gemeindefunktionen und Kontakte zu den DP-Komitees. Dafür sind Gemeindearchiv, Korrespondenzen und Nachkriegszeitungen heranzuziehen.
Quellen
Rabbiner David Spiro (1901–1970)
Religiöser Neubeginn und Bildungsarbeit
Der orthodoxe Rabbiner David Spiro (1901–1970) gehörte nach 1945 zu den prägenden Personen des jüdischen Neubeginns in Fürth. Er betreute nach Darstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte auch die jüdischen DPs am Finkenschlag und leitete eine Thora-Talmud-Schule.
Seine Arbeit zeigt, dass die Nachkriegsgemeinschaft mehr war als eine provisorische Unterbringung. Religiöse Praxis, Unterricht und das Bemühen um Normalität gehörten zur Selbstorganisation nach der Shoah. Aus der dokumentierten Tätigkeit am Finkenschlag darf jedoch nicht ohne weiteres auf eine ständige Tätigkeit im älteren Hardhöhe-Lager geschlossen werden.
Offen sind für die biografische Vertiefung die genaue Chronologie seiner Fürther Aufgaben, persönliche Zeugnisse und zeitgenössische Berichte aus der Religionsschule.
Quellen
Hans Schmid
Genossenschaftlicher Wohnungsbau und neue Hardhöhe
Hans Schmid leitete den Bauverein Fürth seit 1945. Nach der Jubiläumsschrift der Arbeitsgemeinschaft Fürther Baugenossenschaften war er maßgeblich an deren Gründung am 27. April 1949 beteiligt. Die Geschäftsführung der ARGE lag bei dem jeweiligen geschäftsführenden Vorstand des Bauvereins.
Während seiner Leitungszeit bis zum Ruhestand 1967 entstanden unter anderem 240 Wohnungen auf der Hardhöhe. Die Zahl bezeichnet ein Ergebnis der genossenschaftlichen Bautätigkeit, nicht 240 von Schmid persönlich entworfene Wohnungen. Sein Wirken steht für die organisatorische und finanzielle Seite des Wiederaufbaus.
Für eine vollwertige Lebensbeschreibung fehlen noch Geburts- und Sterbedaten, Ausbildung, frühe Berufsstationen, Protokolle der Baugenossenschaft und zeitgenössische Stimmen der Mieterinnen und Mieter.
Quellen
Hermann Herrenberger (1881–1953)
Stadtbaurat und frühere Siedlungsplanung
Hermann Herrenberger wurde am 18. April 1881 in Ulm geboren und starb am 9. Juli 1953 in Fürth. Vor seiner Tätigkeit in Fürth arbeitete er als Architekt und kommunaler Baubeamter unter anderem in Posen. Ab 1920 war er in Fürth tätig und wurde Oberstadtbaurat.
Zu seinen Fürther Aufgaben gehörten Planungen für das Städtische Krankenhaus und die Entwicklung von Wohnsiedlungen. Auch an der Siedlungsentwicklung auf der Hardhöhe in den Jahren 1935 bis 1938 war er beteiligt. Diese ältere Planungsphase ist von der Wohnstadtplanung Friedrich Hirschs ab 1955 klar zu unterscheiden.
Die Biografie umfasst auch die NS-Zeit: Nach veröffentlichten biografischen Angaben beantragte Herrenberger 1937 die Aufnahme in die NSDAP; 1945 wurde er von der amerikanischen Militärregierung seines Amtes enthoben. Die archivalische Prüfung der Mitgliedschaft und seiner konkreten Verwaltungshandlungen ist für eine abschließende Bewertung notwendig.
Nach 1945 wurde Herrenberger im Spruchkammerverfahren als Mitläufer eingestuft. Für die weitere Forschung sind die Personalakte, Entnazifizierungsakte und datierte Baupläne entscheidend.